Nürnberg 975

So ein dreiviertel Stadtjubliäum wird hier nicht gefeiert? Ja, doch, mit der Verleihung der Bürgermedaille an fünf engagierte Bürgerinnen. Gleichwohl mache ich gerne darauf aufmerksam mit der Sigena-Urkunde von 1050 als erste urkundliche Erwähnung norenbercs.

Liebe Leserinnen und Leser,

im Ort und einigen, später eingemeindeten Ortsteilen gab es schon ältere Ansiedlungen, Bauten und Zeugnisse. Der Name norenberc, heute Nürnberg, taucht erstmals in dieser Urkunde auf:

„Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit. Heinrich von Gottes Gnaden erhabener Römischer Kaiser. Kund sei allen unsern christ-gläubigen Getreuen heute und künftig: Wir haben eine Leibeigene, Sigena mit Namen, die ein Edler namens Richolf uns an seiner Hand vorführte, und die ihm gehörte, frei gemacht, indem wir
aus ihrer Hand einen Pfennig mit unserer Hand herausschlugen. Wir haben sie ganz vom Joch der Hörigkeit gelöst, so dass die genannte Sigena von nun an das gleiche Recht und die gleiche Freiheit genießen soll, wie sie die übrigen von Königen oder Kaisern freigelassenen Leibeigenen bisher genossen haben. Und damit eine solche von uns geschenkte Freiheit nunmehr ihre dauerhafte und unverletzliche Rechtskraft behalte, haben wir diese Urkunde daraufhin ausgefertigt und durch Eindrücken unseres Siegels beglaubigen lassen.
(Siegel)
Ich, Winitherius, Kanzler, habe in Vertretung des Erzkanzlers Bardo die Richtigkeit geprüft. Gegeben am 16. Juli im Jahre der Fleischwerdung des Herrn 1050, im 3. römischen Steuerjahr, aber im 21. Jahr der Einsetzung des Herrn Heinrich, des dritten Königs und des zweiten Kaisers dieses Namens, im 12. Jahr seiner Königswürde, im 4. Jahr seines Kaisertums. Geschehen zu Norenberc.
Glückauf ! Amen“

Quelle: Stadtarchiv Nürnberg, Signatur: A 1, 1050 Juli 16

Dort mit Abbildung, Originaltext in Latein sowie kurzer Erläuterung.

Über die Hörige, Leibeigene Sigena und den Edlen Richolf ist anderweitig nichts bekannt. Im Zuge der Romantisierung Nürnbergs im 19. Jahrhundert und seither ranken sich phantasievolle Liebesgeschichten um die beiden, zuletzt ein Musical. Seit der Wiederauffindung und Würdigung der Urkunde, insbesondere seit dem auf das Urkundendatum bezogenen Feier des Stadtjubiläums 1950 verbinden sich mit ihr die Vorstellungen von Befreiung, Freiheit und Emanzipation.

„Die Entlassung aus der Hörigkeit, die einer Art Nobilitierung gleichkam, stellte S. rechtlich dem Stand des Bittstellers gleich. Die Folgerung liegt daher nahe, daß Richolf mit diesem Schritt eine Eheschließung mit S. (oder die nachträgliche Legalisierung einer solchen) beabsichtigte, um den gemeinsamen Kindern das Schicksal der Unfreiheit zu ersparen und ihnen vielmehr eine gewisse Ebenbürtigkeit, wenn nicht gar Erbansprüche zu ermöglichen. Im Rahmen der 900-Jahr-Feier der Stadt N 1950 ((->) Stadtjubiläen) wurde S., deren Name hier wegen der Ersterwähnung N in der S.-Urkunde mit dem vermeintlichen ‚Stadtgründungstag‘ in Verbindung gebracht wird, als Symbol der Freiheit personifiziert. Nach ihr ist außer einer Straße im Stadtteil (->) Luitpoldhain das (->) S.-Gymnasium benannt, vor dem 1958 eine von dem Bildhauer Leo Smigay (1900-70) geschaffene Statue enthüllt wurde.“ Stadtlexikon Nürnberg

Bildergalerie: Nürnberg, Schöner Brunnen, Aufnahmen 2017

Soweit für heute. Feliciter – Glückauf! Herzliche Grüße aus Nürnberg sendet Bernd

Adventsmomente

Zum Advent einige Eindrücke aus Nürnberg mit allen guten Wünschen.

Liebe Leserinnen und Leser,

am Freitag vor dem 1. Advent hat das Christkind wieder seinen Markt in Nürnberg eröffnet. Den Prolog sah ich in der Fernsehübertragung und fand ihn bestens gelungen. Abseits des Rummels mag ich ein paar Wahrnehmungen mit Euch teilen.

Im Klinikum Nürnberg Nord hat die Klinikseelsorge wieder ein kommodes Schmuckstück von Adventskalender bereit gestellt. Patientinnen und Patienten, Angehörige, Besucher wie Mitarbeitende können sich täglich einen feinen Impuls nehmen, ein Gedicht, einen Text oder Zuspruch.

Selber erfreut mich erneut der Kalender „Der Andere Advent“ des Vereins Andere Zeiten aus Hamburg mit Gedanken, Geschichten und Illustrationen. Heute gibt es einen launigen Beitrag von Martin Walser. Auch im Blog-Reader verfolge ich gerne die Adventskalender zweier Münchnerinnen regelmäßig.

Sehr zu Herzen geht mir diese Initiative „Stilles Gebet für Gaza“:

„Liebe Geschwister aus dem NEFF,

Gestern Abend, dem 3. Adventssonntag habe ich damit begonnen, mich jeden Abend um 18 Uhr für eine Stunde vor die Lorenzkirche in Nürnberg zu knien:

Stilles Gebet für die Kinder von Gaza und alle Opfer von Krieg und Gewalt im Nahen Osten!

Es geht mir nicht um eine politische Demonstration.

Diese Fürbitte ist Ausdruck meiner geistlichen Not, Verzweiflung, Ausdruck der Klage und Eingeständnis von Schuld und Schuldigwerden, in die auch ich mich verstrickt erlebe. Ich tue dies als Theologe aber in erster Linie als Mitmensch, der für die Menschlichkeit betet. Alle Menschen guten Willens gleich welcher Religion, Partei oder Nationalität sind eingeladen für einen Moment innezuhalten und mitzubeten.

Ich habe dazu ein kurzes Video auf Arabisch, Deutsch und Englisch gemacht; siehe Links unten, die gerne geteilt werden dürfen.

Danke, wenn Sie mich an einem der Abende dort unterstützen würden.

In Geschwisterlichkeit 🤲 Thomas Amberg“

Wer kucken mag, findet die Videos unter dessen Namen auf YT, jeweils 1’30 bis 2 Minuten.

Soweit für heute. Gute Wünsche zur Vorweihnachtszeit sendet mit friedlichen Grüßen Bernd

„Mediterranean Crossing“ beim Bardentreffen in Nürnberg

Das Nürnberger Bardentreffen und World Music Festival kreuzte in diesem Jahr hin und her über das Mittelmeer und bot dazu einige musische Grüße aus aller Welt. Hier Eindrücke und Empfehlungen.

Liebe Leserinnen und Leser,

in diesen Tagen sind Großkonzerte in aller Munde und Ohren. Vor ein paar Jahren stand das Bardentreffen in Nürnberg aufgrund der Terrorlage einmal kurz vor dem Aus. Wegen Corona musste es ausfallen, in kleineren Auftritten mit Video-Formaten übertragen werden. In diesem Jahr ging das Bardentreffen erfreulicherweise, soweit mir bekannt ist, friedlich über die Bühnen und Plätze.

Am Freitagabend und Sonntag ging ich in die Stadt und lauschte bei Tom Haydn und den Nouwell Cousines. Sehr gerne besuche ich am Sebalder Platz das Café im renovierten Pfarrhof. Ein nettes Gesprächspaar fragte mich nach der dortigen Inschrift:

BERJAYA

„Veritatem et pacem“ konnte ich übersetzen als „Wahrheit und Frieden“. Die gesamte Inschrift lautet: „(Doch) liebet Wahrheit und Frieden . Sacharja. VIII. 19“

Zurück zur Musik. Am Samstag war es mir zu heiß und später regnerisch. Daher schaute ich gerne zuhause ein paar Konzerte im Live-Stream und Aufzeichnungen des Bayerischen Rundfunks an. Darunter mochte ich besonders gerne den syrischen Pianisten Aeham Ahmad mit dem australischen Saxophonisten Steve Schofield und Schlagzeuger Tobias Schultes. Nachher die isrealische und iranisch verwurzelte Sängerin Michal Elia Kamal und Band „Light in Babylon“ mit Julien Demarque aus Frankreich und Metehan Ciftci aus der Türkei. Sowie die argentische Bläser-Gruppe: „La Delio Valdez“. Allen Italien-Liebhaberinnen seien die Gruppen „Bella Ciao“ und „Crucci Gang“ sehr ans Herz gelegt.

Ja, wer Sommerpause hat oder keine Sommerpause und sich musikalisch erfrischen will, lausche und sehe die ein oder andere Aufzeichung beim Bayerischen Rundfunk. Gute Muse und Muße.

Herzliche Grüße aus Nürnberg sendet Euer Bernd

Readers in English Language are welcome to check out the page Bardentreffen

Frohe Osterfeiertage 2024

Herzliche Wünsche und Grüße zu den Oster-Feiertagen aus Nürnberg

Liebe Leserinnen und Leser,

gerade klingen die Kirchenglocken zur Osternacht herein. Nach der bluesigen Geschichte von der Kreuzigung am Karfreitag mag ich die Vorstellung der Auferstehung.

Hier ein paar Aufnahmen aus Nürnberg:

In der Nürnberger Altstadt sind nicht nur der Sebalder und Lorenzer Pfarrhof sowie die Frauenkirche renoviert und auferweckt, sondern auch der Brunnen zur Freundschaft von Dürer und Pirckheimer sowie der Brunnen des Schusserboum oder auch Teufelsbrünnler an Sankt Lorenz.

An der Skulptur des Blauen Reiters auf dem Andrej-Sacharow-Platz gedenken Russinnen und Ukrainerinnen mit Nürnbergerinnen und Gästen des ermordeten Alexei Anatoljewitsch Nawalny.

In die Passionszeit und darüber weit hinaus passte das Konzert von Dota mit Band und ihren Vertonungen der Gedichte von Mascha Kaléko.

Frohe Osterfeiertage und herzliche Grüße aus Nürnberg

Euer Bernd

Weihnachtspost aus Nürnberg

Frohe, friedliche und gesegnete Weihnachtstage mit Impressionen vom Christkindlesmarkt wünscht sehr herzlich aus Nürnberg Euer Bernd

Am Freitag vor dem 1. Advent eröffnete das Nürnberger Christkind das Geschehen und lud zu seinem Markte ein. Der frisch gewählten Nelli Lunkenheimer gelang dies allerbestens. Dazu gab es auch Schnee auf den Dächern der Marktbuden.

Die Wintersonne vom letzten Montag ermöglichte auch ein paar schöne Fotos:

Um 12 Uhr an der Frauenkirche ist schon einiges los auf dem Hauptmarkt. Ein Fürther findet sich dazu ein: Volker Heißmann von der Komödie Fürth kommentiert das „Männleinlaufen“ der Kurfürsten um den Kaiser mit Sachkenntnis und Gschmarri für sein Fernsehprogramm.

Die Rauschgoldengel, Zwetschgenmännla, Teddybärla und Räuchermännla finden ihr Publikum zum Betrachten oder Erwerben. Das Lebkuchenhaus weckt kindliche Erinnerungen. Auf dem Hans-Sachs-Platz beleben ein historisches Karrussell, das Riesenrad und die Eisenbahn die Kinderweihnacht. Die dortige Krippe aus großen Holzfiguren mag ich fast lieber als die Kunstfiguren auf dem Hauptmarkt, die mit Drahtzaun vor Münzwürfen und eventuellen Beschädigungen geschützt werden.

Mein Lieblingsort ist der Markt der Partnerstädte auf dem Rathausplatz. Rund 20 Sister Cities und befreundete Orte bringen künstlerische, handwerkliche und kulinarische Schätze mit. Nachdenkliche Solidarität ist zu spüren an den Ständen der Städtepartnerschaft Charkiv (Ukraine) und der Partnerschafts-Initiative Nablus (Westjordanland). Für ein Heißgetränk wähle ich den Kinderpunsch mit Traubensaft, Orange und Minze beim Partnerschaftsverein Hadera (Israel): „Happy Chanukka“.

Zum Besuch des Christkindlesmarktes gehört für mich auch das Gedenken an die Vorgeschichte. Die Frauenkirche wurde auf den Grundmauern der vormaligen Synagoge errichtet, die beim Pogrom 1349 abgerissen wurde. Unter dem Pflaster des Hauptmarktes befinden sich steinerne Reste des jüdischen Viertels.
Das Format des Christkindlesmarktes mit Eröffnung und Gestaltung geht auf die Nationalsozialisten von 1933 zurück. Es gab Jahre, in denen ich dort nicht hingehen konnte und wollte.
Der Kindleinsmarkt geht im 16. und 17. Jahrhundert zurück auf die weihnachtliche Kinderbescherung von Martin Luther.
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern hat sich vor gut dreißig Jahren in Studien und Erklärungen deutlich von Luthers Antijudaismus distanziert.
Dafür war und bin ich dankbar, gehe wieder auf den Markt – nachdenklich.

Liebe Leserinnen und Leser, alle guten Wünsche für frohe, friedliche und gesegnete Weihnachtstage sendet mit herzlichen Grüßen aus Nürnberg Euer Bernd

Starke Stimmen beim Bardentreffen 2022

Ein erstaunliches Revival erlebten wir am letzten Wochenende vom 29. bis 31. Juli beim Nürnberger Bardentreffen nach zweijähriger Pandemiepause.

Liebe Leserin und lieber Leser, (mwd),

„Die Regenfälle zum Auftakt des Festivals könne man“, – fand Organisator Andreas Radlmaier in seiner Pressemitteilung -, „fast als positives Symbol deuten, dass das Bardentreffen in der aktuellen Dürre-Periode Regenmacher-Qualitäten entwickle.“

Der Regen am Freitag tat der Stadt gut, und uns beim Bardentreffen, weil es nicht so ganz voll war wie am Samstag. So konnte ich „Fortuna Ehrenfeld“ schauen und hören, mit ihrer leicht schrägen und reizenden PopRockPoesie zu drei Instrumenten und Stimmen. Nachher folgten „Ton Steine Scherben & Gymmick“, und ihre älteren Kracher passten doch auch wieder in die gegenwärtige Zeit, zumal der ausgesteuerte Sound klar gelang.

Am Samstag war es heiß und voll. Immerhin fand sich am Abend ein Plätzchen für Dreiviertelmond mit ihren bayerischen und wienerisch angehauchten Liedern einschließlich dem „Deifelsdanz“.

Mit der ausgefeilten Begleitung des Bayerischen Rundfunks rundete sich der Barden-Sonntag ab. Das Konzert der famosen Südafrikanerin Numfosi vom Vorabend konnte ich nachschauen und live die Korsen von L’Alba.

Wer mag, schaue und lausche ein paar Konzerte beim bardentreffen.de oder auf bayern2.de/bardentreffen.

Einen feinen Rückblick sandte hier im WordPress-Blog:

https://musik-unterm-radar.com/2022/08/01/live-report-bardentreffen-festival-2022/

Hoffentlich kein Corona-Hotspot, war dieses Wochenende ein musischer Hotspot.

Gute Sommertage mit Ferien, soweit gegeben, und herzliche Grüße aus Nürnberg von Bernd

50 Jahre Woodstock * Ausstellung in Sankt Egidien Nürnberg

50 Jahre Woodstock. Die Ausstellung, Sankt Egidien, Nürnberg, mit Fotografien von Elliott Landy, Installationen und Animationen – bis 30. September 2019. Die Bildergalerien bitte durch Anklicken vergrößern!

Werbetafeln mit Aufnahmen von Joe Cocker, Janis Joplin und Max Yasgur zeigen, wie der Egidienberg in Bewegung ist. Am Fuße des Platzes zwischen Theresienplatz und Innerer Laufer Gasse entfernte die Stadt Nürnberg vormalige Mülltonnen, richtete eine Sitzreihe ein, und dorthin legt sich das Schlafende Nashorn, gestaltet von Dorota Hadrian, ein Geschenk der Partnerstadt Kraków. Mit großem Engagement haben die Altstadtfreunde die Fassaden im Hof des Pellerhauses restauriert und laden jedes Wochenende zur Besichtigung ein. Die Initiative Essbare Stadt richtete vor dem Sockel des Reiterstandbildes Wilhelm I. einige Pflanztröge ein, Sonnenblumen sprießen und die angebauten Tomaten gewinnen an Sommertagen wie heute langsam Farbe und Fülle. Die Kirche Sankt Egidien profiliert sich im Verbund der Innenstadt-Gemeinden als Kunst- und Kulturkirche.

So öffnet die Egidier Gemeinde ihr Kirchenschiff in Kooperation mit dem Concertbüro Franken für die sehenswerte Ausstellung „50 Jahre Woodstock“ mit den Aufnahmen des offiziellen Festival-Fotografen Elliot Landy. Stellt Euch vor, die Kirchenbänke sind dazu ausgeräumt, an Bauzäunen und Gerüsten sehen wir Landys Bilder von Friedensdemonstrationen gegen den Vietnam-Krieg, Konzerten der Musiker der Woodstock-Generation wie den späten Beatles und eine private Serie von Bob Dylan. Viele Motive kennen wir aus dem Woodstock-Film, früheren und heutigen Publikationen, und gleichwohl ist es etwas Besonderes, viele Musiker-Porträts und Situationen ganz in Ruhe betrachten zu können. Hier kann ich jetzt gar nicht alle aufzählen von Richie Havens über Joan Baez bis hin zu Jimi Hendrix. Ihr kennt ja die vielen Bands wie die Who, Canned Heat, The Grateful Dead, Creedence Clearwater Revival, Sly & the Family Stone, Jefferson Airplane, Ten Years After, Johnny Winter und Blood, Sweat & Tears und mehre andere. Crosby, Stills, Nash & Young sind in der Ausstellung nicht dabei. Neil Young hatte damals abgelehnt, gefilmt zu werden. Dafür gibt es Tim Hardin, der nach meiner Erinnerung nicht im Film oder auf der Platte war, und dessen Werk ich erst später gewahr wurde: „Reason to believe“, „If I were a Carpenter“ und „How can we hang on to a dream“.

Die Ausstellungs-Leute haben einige Fotografien vergrößert und in die Kirchenfenster platziert. In das Gewölbe des Kirchenschiffes wird eine farbenfrohe, psychedelische Projektion gebeamt. Zusammen bildet dies eine Optik im Kirchenraum aus „Rock-Ikonen“ und Festival-Legenden, die Sehnsucht nach Frieden, Liebe und Gemeinschaft ausdrücken und durchscheinen lassen: „Three days of peace and music“.

Im August 1969 war ich knapp neun Jahre alt, und ich erinnere mich an die vorangegangene Mondlandung. Vom Woodstock-Festival erfuhr ich nachher als Jugendlicher dank des Konzert-Films und der Schallplatten. Mit unserer Schüler-Band versuchten wir Songs von Neil Young und Santana, am Lagerfeuer die Lieder von Arlo Guthrie und Country Joe McDonald. Mit ihrer Musik eine prägende Zeit – wie ging es Euch damit?

Schöne Grüße aus Nürnberg, Bernd

Die Ausstellung „50 Jahre Woodstock“ in der Kirche Sankt Egidien, Egidienplatz 12, 90403 Nürnberg, ist bis zum 30. September 2019 zu sehen, Dienstag bis Freitag 11 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr, Montag geschlossen.

Am Sonntag, den 1. September 2019, 10 bis 18.30 Uhr lädt die Kirchengemeinde Sankt Egidien Nürnberg ein zum Egidiusfest: Woodstock Reloaded mit kreativen Angeboten und Bühnenprogramm.

 

Heiße Sommer-Baustelle: Das Bardentreffen in Nürnberg

Das Nürnberger Bardentreffen begann am Freitag bei tropischen Temperaturen und blieb am Samstag von schwerem Wetter verschont. Heute, Sonntag, hören und schauen wir weiter.

Wie in den Vorjahren, gingen wir am Freitag mit den Kolleg*innen aus der letzten Sitzung vor den Sommerferien direkt zum Hauptmarkt, wo das südafrikanische Ensemble Ladysmith Black Mambazo mit wunderbarem Gesang, kraftvoll-feinen Harmonien und der Erinnerung an Nelson Mandela das World Music Festival eröffnete. Anschließend hörte ich Lalala Napoli auf dem Sebalder Platz: Amore, Sole e Liberta.

Das Konzert von Tiwayo am Samstag war so gut besucht, dass es kaum einen Stehplatz gab, sodass ich mich gerne nebenan in die Sebalduskirche setzte. Anschließend kam Niels Frevert auf den Platz. Bukahara bildete auf dem Hauptmarkt einen abendlichen Höhepunkt.

Die folgende Fotogalerie zeigt unter anderem Nürnberg als Baustelle, sowie die Figur des David am Schönen Brunnen, der uns mit seinen Psalmen als früher Barde zusingt. Das Grabmal des Stadtpatrons Sankt Sebald, vor 500 Jahren gestaltet von Peter Vischer, wurde kürzlich ökumenisch visitiert. Die Buchhandlung Korn & Berg am Hauptmarkt ist eine meiner Lieblings-Bücherfallen und gestaltet schöne Schaufenster, wie auch zum Bardentreffen.

Zum Vergrößern der Galerie bitte ein Bild anklicken …

Am Sonntag regnet es zwischendurch, es ist abgekühlt, doch das Bühnen-Programm kann weitergehen, unter anderem mit Buntspecht, und auch die Straßenmusiker*innen spielen fleißig, wie die Gruppe Sheynhoven mit Klezmer-Musik am Synagogen-Gedenkstein, unplugged wohltuend. Obwohl ihre Musik bestens an diesen Ort passt, müssen sie weiterziehen, weil die Spitalbrücke aus Sicherheitsgründen frei bleiben soll. Es sei dahingestellt, was die neuen Elektro-Roller für den Stadtverkehr bringen, die ein Verleih-Unternehmen seit Freitag in der Stadt aussetzt – einer hat sich ins Bild geschlichen.

Die Welt ist lauter geworden und mit ihr auch das Weltmusikfestival Bardentreffen. Bitte künftig halbe Lautstärke sowohl auf den Bühnen wie auf den Gassen und Plätzen! Dies würde nicht nur den differenzierenden Hör-Genuss ermöglichen wie auch die leiseren Zwischentöne zur Geltung kommen lassen. Ich möchte keine Ohren-Schützer tragen müssen, sondern mich am Rande immer gerne auch unterhalten mit alten Bekannten und lieben Freunden, die ich im Publikum unter den Barden treffe.

 

Weitere Fotos, die Bands mit ihren Seiten, Livestreams und das Programm für Sonntag finden sich bei der Stadt Nürnberg unter:

https://bardentreffen.nuernberg.de/

sowie beim Medienpartner Bayerischer Rundfunk, Studio Franken, hier:

https://www.br.de/franken/inhalt/kultur/bardentreffen-nuernberg100.html

Bayern2.de bringt Radio-Mitschnitte des Bardentreffens jeweils sonntags 28. Juli, 4., 11. und 18. August ab 21.05 Uhr.

Aus Nürnberg schöne Klänge und Grüße

von Bernd

 

Rückblicke hier im Blog:

Bardentreffen 2018

Bardentreffen 2017

Bardentreffen 2016

 

 

Frühlingswanderung * Spring walk

Bei herrlichem Sonnenschein beginnt unsere Wanderung Am Wegfeld und führt über Kraftshof zum Irrhain, einem beschaulichen Flecken, den Bibliophile kennen als Versammlungsort des Pegnesischen Blumenordens mit seinen Gedenksteinen für die Poeten.

Im Lorenzer Reichswald wird deutlich, welche Schäden Hitze und Trockenheit der letzten Jahre hinterlassen, und was die Forstbetriebe für die Pflege des Waldes zu tun haben.

Durch den Neunhofer sowie Kalchreuther Forst und am Eschergraben erreichen wir den Felsenkeller, der von der Gaststätte Sußner aus eigener Metzgerei und guten Bieren von Glossner fein bewirtet wird. Ein schöner Sonntag – danke. In Kürze wird um Kalchreuth wieder die Kirschblüte eintreten.

Gute Frühlingszeit und herzliche Grüße

Bernd

Robert Burns 260

Robert Burns, Scottish poet, singer and song collector (1759 – 1796) shall be remembered as to his 260th birthday on January 25th. Perhaps you listened to or sang „Auld lang syne“ at New Years Eve?

Vielleicht, liebe Leserinnen und Leser, habt Ihr in der Silvester- und Neujahrsnacht dieses Lied gehört oder gesungen: „Auld lang syne“ – verdeutscht als „Nehmt Abschied Brüder“. Aufgesammelt aus einem älteren Text und der vorangegangenen Melodie hatte es Robert Burns neu gestaltet und überliefert. Zu seinem bevorstehenden 260. Geburtstag greife ich zum Bücherschrank, Plattenregal und wecke schottische Erinnerungen.

Die Brexit-Debatte beschäftigt mich, und ich wünschte, die Briten wollten sich entschließen, in der Europäischen Union zu bleiben und sie mitzugestalten. Robert Burns hätte den Herrschaften seine Meinung gesungen! Sollten sich die Engländer für den Austritt entscheiden, erwägt die schottische Regionalregierung einen EU-Beitritt Schottlands. Willkommen!

Hierzulande ist eines der politischen Lieder von Robert Burns, „For a‘ that and a‘ that“ bekannt als „Trotz alledem und alledem“, in der Übersetzung von Ferdinand Freiligrath und in der Version von Hannes Wader. Robert Burns war ein kritischer Zeitgenosse und teilte – wie sein Jahrgangs-Genosse Friedrich Schiller – freiheitliche und republikanische Ideen. Auch das Lied von „John Barleycorn“ hat vielfältige Verbreitung erlangt. Wer gruselige Balladen schätzt, lese den „Tam O’Shanter“.

Entzückend lesen sich Liebesgedichte oder Liebeslieder von Robert Burns wie „My love is like a red, red rose“ und eines meiner Lieblingsstücke „O, were I on Parnassus Hill“.

Was kein Schiller, kein Goethe hierzulande in Bewegung gebracht hat – vielleicht wird’s ja mal was? -: Zu Robert Burns Jubiläum erinnern sich die Schotten an ihren Dichter und Sänger um seinen Geburtstag am 25. Januar mit einem Burns Supper. Es gibt Reden zu seinem Gedenken, an die Männer und Frauen – und dann wird aufgetischt – anhand von Robert Burns‘ „To a Haggis“ -, der gefüllte Schafsmagen mit Rüben und Kartoffeln, gerne mit Whisky beträufelt. Veganer und Vegetarierinnen in der Leserschaft mag dies befremden, doch wollen sie zustimmen, dass wenn schon, das ganze Tier und sein Inneres verzehrt wird. Und es schmeckt, auch den Gästen beim Burns Supper der Stadt Nürnberg mit der Partnerstadt Glasgow.

„Meine beiden Lieblingsthemen sind Liebe und Freiheit“, sagte Robert Burns einmal. Die brillante Behandlung durch einen außergewöhnlichen Dichter lässt sein Werk bis heute alle Kultur-, Klassen- und Glaubensgrenzen überwinden. Und letztlich ist es Universalität von Liebe und Freiheit, welche Burns zu jenem globalen Phänomen macht, das an diesem Sonntag gefeiert wird.“

Schrieb vor zehn Jahren: Alexander Menden, Ach, diese rote, rote Rose. Auf, ihr Ceilidh-Tänzer und Dudelsackspieler: Zum 250. Geburtstag des schottischen Nationaldichters Robert Burns, in: Süddeutsche Zeitung, 24. / 25. Januar 2009

Essen, trinken, lieben, dichten und singen – hier mit Robert Burns –

Schöne Grüße von Bernd

Schätze aus dem Bücherschrank und Plattenregal:

Burns Poems and Songs, Edited by James Kinsley, Oxford University Press, 1979 (1969) – vollständige Textausgabe mit Melodien und Glossar

Robert Burns, Liebe und Freiheit. Lieder und Gedichte. Schneider, Heidelberg 1988 – wunderbare zweisprachige Ausgabe

Lieder und Balladen des schottischen Dichters Robert Burns deutsch von Emilie Fierlein, Nürnberg 1845

The complete songs of Robert Burns. Linn Records, Glasgow 2007. (12 CDs)

Nachtrag Januar 2021: Seit bald dreißig Jahren gestaltet die Stadt Nürnberg mit der City of Glasgow im Rahmen der Städtepartnerschaft, City Links, ein Burns Supper und ein Ceilidh rund um die Robert Burns Night. In diesem Jahr gibt es ein buntes Video-Programm auf der Seite des Amts für internationale Beziehungen. Bild und Wort, wunderbare Musik und Tanz, einschließlich schottischem Haggis oder übersetzt: fränkischen Presssack. Nachzusehen hier:

https://www.nuernberg.de/internet/international/aktuell_70242.html