Engagement in der Flüchtlingshilfe

Folgender Fachbeitrag vertieft unser Thema:

Misun Han-Broich,

Engagement in der Flüchtlingshilfe – eine erfolgversprechende Integrationshilfe,

in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, 65. Jahrgang, 14-15/2015, 30. März 2015, S. 43 – 49

Die Autorin, Beraterin, Coach und Dozentin, war als Sozialarbeiterin langjährig praktisch tätig in der Flüchtlingsbetreuung der Stadt Münster. Anhand von „Interviews mit Ehrenamtlichen, Flüchtlingen und deren Familien, hauptamtlich tätigen Sozialarbeitenden und Vertreterinnen und Vertretern von Flüchtlingsorganisationen und Ämtern“ erstellte sie ihre erziehungswissenschaftliche Dissertation:

Misun Han-Broich, Ehrenamt und Integration. Die Bedeutung sozialen Engagements in der (Flüchtlings-) Sozialarbeit, Wiesbaden 2012.

Der oben genannte Artikel fasst ihre Ergebnisse zusammen.

„Aufgrund der Ergebnisse einer im Rahmen meiner Dissertation vorgenommenen empirischen Studie über Ehrenamtlichkeit in der Flüchtlingssozialarbeit vertrete ich eine ganzheitliche dreidimensionale Integrationstheorie, die neben einer kognitiv-kulturellen (Denken) und einer sozial-strukturellen (Handeln) auch eine seelisch-emotionale (Fühlen) Dimension umfasst. Ich definiere Integration als einen Zustand des inneren Gleichgewichts eines Migranten in diesen drei Dimensionen. Überraschenderweise zeigt die Studie, dass ehrenamtliche Tätigkeit für Flüchtlinge ihre größte Wirkung in der seelisch-emotionalen Integration entfaltet. …“ S. 44-45

(Ehrenamtliche) … „können durch die persönliche Art ihrer Kontakte eine einzigartige Beziehung zu Flüchtlingen aufbauen, indem sie gezielt auf Menschen zugehen, persönliche Berührungspunkte herstellen und mit den Flüchtlingen eine ganzheitliche Begegnung erleben. …“ S. 45

Mit Bezug auf Martin Bubers „Ich-Du-Verhältnis“ schreibt Misun Han-Broich:

“ … In der Ehrenamtsbeziehung findet eine Begegnung statt, in der sich Ich und Du als gleichberechtigte Subjekte begegnen und keiner dem anderen bewertend gegenübersteht. …“ S. 45

Die Autorin charakterisiert die Begegnungen zwischen Ehrenamtlichen und Flüchtlingen funktional als „Ersatzbeziehung“, „Kompensationsbeziehung“, „Lernbeziehung“, soziale „Kapitalbeziehung“ sowie „Therapiebeziehung“, die in je verschiedener Weise der Integration förderlich sind (S. 45 – 47). Im Weiteren erkennt die Autorin eine „versöhnende Rolle des Engagements“ im Verhältnis von Flüchtlingen und Aufnahmegesellschaft (S. 47). Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bedürften einer besonderen Begleitung. Für die Praxis des Engagements empfiehlt Misun Han-Broich Weiterbildungsangebote in interkultureller Bildung und Begleitung sowie die Ausgestaltung der Ehrenamtskultur (S. 48 und 49).

Die Ausgabe der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“ kann bei der Bundeszentrale für Politische Bildung gebührenfrei bestellt werden:

http://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/203556/engagement

Der Artikel ist auch als Volltext online abrufbar unter:

http://www.bpb.de/apuz/203551/engagement-in-der-fluechtlingshilfe?p=all

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Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by-nc-nd/3.0/de/ Autor: Misun Han-Broich für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de

Zur Organisation des Transit Camps

Das Transit Camp Stadionbad für Flüchtlinge wurde sehr kurzfristig eingerichtet. Dabei ging die Stadt Nürnberg mit den Hilfsdiensten nach den Notfallregeln eines Katastrophenschutz-Einsatzes vor. Bevor das Stadionbad belegt werden konnte, wurden mehrere Turnhallen genutzt. Der Einsatzstab der Berufsfeuerwehr Nürnberg berichtet in seinem Zwischenstand vom 24. September:

(…) Besonders hervorzuheben ist auch das Engagement aus vielen anderen Bereichen. Ohne die Unterstützung von Sozialpädagogen aus dem Sozialamt und ihren ehrenamtlichen Helfern sowie der unermüdlichen Unterstützung durch die vielen Dolmetscher, die sich spontan zur Verfügung stellen, ist eine solche Einsatzlage nicht zu beherrschen.

Die Hilfsbereitschaft aus allen Bereichen des Ehrenamts ist groß und kann nicht genug honoriert werden.

Neun Tage in Zahlen (Stand:24.09.2015; 15:00 Uhr):
Eingesetzte Organisationen:
Bayerisches Rotes Kreuz, Johanniter Unfallhilfe, Malteser Hilfsdienst, Arbeitersamariterbund, Deutsche Lebensrettungsgesellschaft, 18 Freiwillige Feuerwehren Nürnberg und Berufsfeuerwehr Nürnberg
Gesamtzahl der Helfer über sieben Tage: 1116
Gesamtzahl der geleisteten Stunden der Freiwilligen Helfer: 15178 Stunden
Aufgeschlüsselt nach Organisationen
Hilfsorganisationen: 270 Helfer mit 1580 Stunden
Technisches Hilfswerk: 58 Helfer mit 780 Stunden
Freiwillige Feuerwehr: 174 Helfer mit 1212 Stunden (davon allein 46 Helfer mit 820 Stunden in der Verpflegung)
Einsatzstab: 12 Personen mit insgesamt 2372 Stunden
Beschafft und bereit gestellt wurden (bisher):
• ca. 9000 Hygienepacks, bestehend aus Duschgel, Zahnhygiene, Damenhygiene, Rasierzeug und Spezialpacks für Kinder.
• Körperpflegezubehör für ca. 9000 Flüchtlinge
• Schutzkleidung für 800 Helfer im Durchlauf insgesamt ca. 2000 Stück
• Ca. 3000 Feldbetten auch für Wiederbestückung der Flüchtlingsunterkunft
• Bauzäune zum Absperren der Pausenhöfe
• Mobiltoiletten
• Elektrokleinmaterial zum Betrieb der Unterkünfte
• Bereitstellung der Müllentsorgung für die Unterkünfte
• „Arzneimitteltresor“ für Stadionbad
• Sanitätskleinmaterial
• Für Erstbelegung je 3000 Einmaldecken und Kissen bereitgestellt
• 70m3 Hackschnitzel für Wege Stadionbad beschafft
• Trinkwasser in Flaschen für Flüchtlinge, Stand derzeit 10000 l
• 35 Wasserlöscher für Flüchtlingsunterkünfte
• Baby und Kleinkinder Nahrung
• Baby und Kleinkinderbedarf Windeln etc.
Dies ist ein Auszug aus dem Zwischenbericht des Einsatzstabes der Berufsfeuerwehr.
Das Transit Camp wurde von Ärzten des Gesundheitsamtes, der Nürnberger Kliniken und freiwilligen Medizinern betreut, von einem privaten Sicherheitsdienst bewacht und einer Reinigungsfirma gepflegt. Von den Diensten des Caterers, der freiwilligen Helfer und KoordinatorInnen im Stadionbad wird in weiteren Beiträgen erzählt.
An dieser Stelle möchte ich meinen Respekt ausdrücken für die logistische Leistung aller beteiligten Profis. Im Hinblick auf Nachrichten von Auseinandersetzungen und Schwierigkeiten in anderen Camps schreibe ich dankbar, dass durch die gute Organisation und die Hilfsbereitschaft eine insgesamt zivile, friedliche und kooperative Atmosphäre im „Lernort“ Stadionbad bestand. Bei aller planmäßigen Organisation gelang es immer wieder, die täglich neuen Herausforderungen flexibel zu handhaben und zu regeln. Information, Kommunikation und Rollenverteilung zwischen den Hilfsdiensten entwickelten sich täglich weiter. So konnte die Versorgung der Flüchtlingsgäste nach ihren Bedürfnissen angepasst werden.
Die Zusammenarbeit im Netzwerk der hauptberuflichen MitarbeiterInnen und freiwilligen HelferInnen war für mich persönlich – fachlich und menschlich – ein nachhaltig beeindruckendes Bildungserlebnis.
Das Beitragsbild oben zeigt eine Säule in der Straße der Menschenrechte in Nürnberg.

„Über die Grenzen – Jacques Mourad und die Liebe in Syrien“: Navid Kermani zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels

„Beyond the Borders – Jacques Mourad and Love in Syria “
English version of the speech of Navid Kermani please see below.

 

Zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels hielt Navid Kermani am Sonntag, den 18. Oktober 2015 in der Frankfurter Paulskirche eine Rede, die viele Gedanken und Kritik enthielt und hervorrief.

Navid Kermani erzählt von seiner Begegnung mit dem katholischen Priester Jacques Mourad in Syrien, der beispielhaft für die Begegnung von Christen und Muslimen wirkt, entführt und wieder befreit wurde. Als Orientalist erläutert Kermani die Situation im Nahen bzw. Mittleren Osten und spricht vom Verfall der islamischen Kultur, wobei er der Orthodoxie die Tradition des Sufismus gegenüber stellt. Die Analysen und Bewertungen Kermanis erscheinen mir so bedenkenswert wie sein schriftstellerisches Werk bemerkenswert. Zum Verständnis der Situation in Syrien, im Nahen und Mittleren Osten und damit der Fluchtbewegungen bietet die Rede aufschlussreiche Überlegungen.

 

„Über die Grenzen – Jacques Mourad und die Liebe in Syrien“

„An dem Tag, als mich die Nachricht vom Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erreichte, am selben Tag wurde in Syrien Jacques Mourad entführt. Zwei bewaffnete Männer traten in das Kloster Mar Elian am Rande der Kleinstadt Qaryatein und verlangten nach Pater Jacques. Sie fanden ihn wohl in seinem kargen kleinen Büro, das zugleich sein Wohnzimmer und sein Schlafzimmer ist, packten ihn und nahmen ihn mit. Am 21. Mai 2015 wurde Jacques Mourad eine Geisel des sogenannten „Islamischen Staats““

(…)

… Es ist beglückend zu sehen, wie viele Menschen in Europa und besonders auch in Deutschland sich für Flüchtlinge einsetzen. Aber dieser Protest und diese Solidarität, sie bleiben noch zu oft unpolitisch. Wir führen keine breite gesellschaftliche Debatte über die Ursachen des Terrors und der Fluchtbewegung und inwiefern unsere eigene Politik vielleicht sogar die Katastrophe befördert, die sich vor unseren Grenzen abspielt. …“

Der Text der Rede im Wortlaut zum Nachlesen auf der Seite des Friedenspreises des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels:

http://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/819312/

Die Rede als Audio-Mitschnitt des Hessischen Rundfunks zum Nachhören:

http://hessenschau.de/kultur/audio-980~_story-kermani-rede-friedenspreis-100.html

Und hier die Rede zum Ansehen in der ZDF Mediathek:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2517542/Friedenspreis-Kermanis-bewegende-Rede#/beitrag/video/2517542/Friedenspreis-Kermanis-bewegende-Rede

Auf der Seite des Friedenspreises findet sich eine Biografie Navid Kermanis mit einer Liste seiner Werke. Im Mai 2014 hatte er im Deutschen Bundestag eine Rede anlässlich der Verkündung des Grundgesetzes vor 65 Jahren gehalten, in der er die Sprache und Kraft des Grundgesetzes interpretierte.

http://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/445722/?aid=970665

In der Süddeutschen Zeitung kommentierte Johan Schloemann und kritisierte die Aufforderung Kermanis an die versammelten Gäste in der Paulskirche zu einem Gebet:

http://www.sueddeutsche.de/kultur/oeffentliches-beten-so-geh-in-dein-kaemmerlein-1.2699166

„Beyond the Borders – Jacques Mourad and Love in Syria “

On the day I received the news of the Peace Prize of the German Book Trade, that same day, Jacques Mourad was abducted in Syria. Two armed men entered the monastery of Mar Elian on the outskirts of the small town of Qaryatain and called for Father Jacques. They seem to have found him in his bare little office, which also serves as his living room and his bedroom, grabbed him and taken him with them. On 21 May 2015, Jacques Mourad became a hostage of the so-called ‘Islamic State’.

For the English version of the speech please look here:

http://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/1038404/

Ankommen – Arrival

English version see below –

Ankommen … die Gäste des Transit Camps im Stadionbad kommen vom Grenzübergang in Passau oder anderen Grenzübergängen und sind dankbar für einen vorübergehenden Schlafplatz. Worte finden, Worte des Willkommens, des Empfangens und Begrüßens. Wir sagen: Hallo, hello, guten Tag, Grüß Gott, willkommen, welcome, bonjour, merhaba, salam. Und so viele Gäste antworten: hello, thank you Sir, Madam, shukran, merci.

In der ersten Phase des Transit Camps werden die Sonderzüge und Busse vom Lagezentrum der Bayerischen Staatsregierung nach Nürnberg geleitet. Die Koordination geht in der zweiten Phase über an die Koordinierungsstelle Flüchtlingsverteilung der Bundesregierung. Anfangs kommen die Gäste am späten Abend und nachts in größeren Gruppen, später über den Tag verteilt mit einzelnen Bussen.

Bereits in den Bussen begrüßen die Einsatzleiter und ÜbersetzerInnen die Gäste im Stadionbad. Der Empfang führt vom Ankunftszelt zum Ärztezelt und zur Ausgabe von Hygieneartikeln und Bettzeug. So ausgestattet, begleiten sie weitere Helfer und Übersetzer zu den Schlafzelten. Auf dem Weg gibt es schon viele Fragen: Wo bin ich, wo sind wir? Wo gibt es Toiletten, und wie funktioniert die Dusche? Wann und wo gibt es etwas zu Essen? Wo kann ich das Mobilgerät aufladen? Gibt es eine W-Lan-Verbindung und SIM-Karten?

Für die hauptberuflichen und freiwilligen Helfer gibt es viele Aufgaben. Zunächst besteht die Herausforderung darin, zur jeweiligen Ankunft genügend Helfer an den wichtigen Positionen zu haben. Die Ankunftszeiten wechseln stark, so dass die Einsätze der Freiwilligen nicht leicht zu planen sind. Kommen 400 Gäste auf einmal oder 50? Kommen sie zur angekündigten Zeit, eine Stunde später, zwei Stunden später, eine Stunde früher oder vielleicht gar nicht?

Das Transit Camp beherbergt alle Ankommenden. Manche werden direkt von ihren Anhörigen abgeholt. Wenige einzelne schwer Kranke werden von den Ärzten ins Krankenhaus überwiesen. Die meisten Gäste verbringen im Stadionbad eine oder zwei Nächte in der Zeltstadt und werden – den Umständen entsprechend – gut versorgt.

Ankommen ist auch ein Thema für die vielen freiwilligen Helfer. Die Aufgabe der KoordinatorInnen besteht darin, sie zu empfangen, einzuweisen und in die verschiedenen Dienste einzuteilen. Wann immer es möglich ist, geben wir neben den Namensschildern, Ansteckern, Bescheinigungen und Leucht-Westen eine Einführung mit Rundgang durch die Zeltstadt. Manchmal ist dafür keine Zeit, und die Freiwilligen beginnen unmittelbar ihre Einsätze beim Empfang, im Ausgabezelt oder bei der Essensausgabe.

Es kommt vor, das Freiwillige eintreffen und sehr motiviert gleich eine Aufgabe übernehmen wollen. Manchmal ist die Situation, dass die Flüchtlingsgäste abgereist waren und nicht bekannt ist, wann neue Gäste kommen werden. Es gibt im Augenblick nicht wirklich etwas zu tun. So schicken wir manche Helfer unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Das ist sicherlich enttäuschend. Bitte um Verständnis dafür, dass die Einsätze und Einsatzzeiten so kurzfristig weder leicht zu planen noch zu kommunizieren waren.

In anderen Momenten ist die Besetzung eher knapp, und es gibt viele ungeplante freiwillige Überstunden. Werden neue Gäste kommen? Kann ich nach Hause gehen, oder werde ich noch gebraucht?  Es ist eine gute Erfahrung, zu erleben, dass praktisch alle freiwilligen Helfer ebenso zuverlässig kommen wie sie auch eigenständig für sich entscheiden, wie lange sie bleiben. Einige MitarbeiterInnen sagen es ausdrücklich: die Gäste des Camps haben eine Reise von Wochen und Monaten unter den abenteuerlichsten Umständen hinter sich, und so komme und helfe ich, wie ich es kann.

Zum Beitragsbild oben: Von der Situation des Empfangs im Transit Camp habe ich keine Fotoaufnahme. Daher wähle ich ein Bild vom Flughafen Nürnberg mit dem Willkommensgruß.

Die Mediathek des Bayerischen Fernsehens zeigt mehrere kurze Filmbeiträge über die Ankunft und Unterbringung der Flüchtlinge im Transit Camp Stadionbad:

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/nachrichten/nuernberg-fluechtlinge-sonderzuege-100.html

Die ARD bietet eine hilfreiche Seite zum Thema Ankommen:

http://www.ard.de/home/ard/Einstiegshilfe_fuer_Fluechtlinge/2199160/index.html

Weitere Infos gibt der Blog:

https://iarrivede.wordpress.com/

 

To arrive the guests of the transit camp in the stadium bath come from the border crossing in Passau or other border crossings and are grateful for a temporary sleeping place. Words to find, words of welcome, receiving and welcoming. We say: Hello, hello, good day, Grüß Gott, willkommen, welcome, bonjour, merhaba, salam. And so many guests answer: hello, thank you sir, Madam, shukran, merci.

In the first phase, the special trains and buses are led to Nuremberg by the position center of the Bavarian state government. In the second phase, the coordination moves to the coordination center refugee distribution of the Federal Government. At first, the guests come on the late evening and at night into larger groups, later they arrive during the day with individual buses. Already in the buses, the heads of operations and translators welcome the guests in the stadium bath. The reception leads from the arrival tent to the physician tent and to the distribution of sanitary articles and bed things. So equipped, further aides and translators accompany them to the sleep tents. On the way, there are already many questions: Where am I, where we are? Where are the toilets, and how do the shower function? When and where is there anything to eat? Where can I load the mobile device ? Are there WLanconnection and SIM cards?

For fulltime and voluntary aides, there are many tasks. Firstly, the challenge consists of having sufficient aides to the respective arrival at the important positions. The arrival times change strongly, so that the employment of volunteers is to be planned not easily. Do 400 guests come at once or 50? Do they come at the time announced time or one hour later, two hours later, one hour before the time or perhaps not at all?

The transit camp accommodates all arriving. Some are fetched directly from their relatives. Few particular heavily patients are transferred  into the hospital by the physicians. Most guests spend two nights in the tent city in the stadium bath or and according to the the circumstances  are well supplied.

To arrive also is a topic for many of the voluntary aides. The task of the coordinators consists of receiving, instructing and dividing them into the different services. Whenever it is possible, we give an introduction with sight tour apart from the name plates, stickers, certificates and the shining west. Sometimes, there is no time for this, and the volunteers start off their employments directly at the receiption, in the supply tent or with the meals.

The volunteers arrive very motivated and want to take over a task at once. Sometimes, the situation is that the refugee guests had left and it is not known, when new guests will come. There is not really something to do at this moment. Thus we send some aides back home. This surely is disappointing. We ask for understanding for the fact that the employments and assignments were to plan   neither nor be communicated easily at short notice.

In other moments occupation is rather limited, and there is many unplanned voluntary work overtime. Will new guests be coming? Can I go home, or am I still used? It is a good experience, to see that practically all voluntary aides come just as reliably as they also decide independently for themselves, how long they would stay. Some employees express it: the guests of the camp have behind a travel of weeks and months under the most adventurous circumstances , and so  I come and help, as I can do it.

To the contribution picture above: From the situation of the receiption in the transit camp, I do not have a photo shoot. Therefore, I select a picture of the airport Nuremberg with the welcome greeting.

Further information: The ARD offers a helpful site for arriving for refugees: http://www.ard.de/home/ard/Einstiegshilfe_fuer_Fluechtlinge/2199160/index.html

Also see the blog at: https://iarrivede.wordpress.com/

 

Syrische Familie findet wieder zusammen – Reunion of a syrian family

English version see below –

Wie eine syrische Familie im Transit Camp Stadionbad Nürnberg wieder zusammen fand, erzählen die Freiwilligen auf der Facebook-Seite „Nürnberg engagiert“ in der Nachricht vom 15. Oktober 2015

„Update Situation Transitunterkunft Stadionbad:
Jetzt ist es spruchreif: Das Stadionbad wird dieses Jahr nicht mehr als Transitunterkunft genutzt, dafür ist es mittlerweile auch eindeutig zu kalt. Um einen Schlusspunkt für diese Situation zu setzen, habe ich hier noch eine rührende Geschichte für Euch:
Unter den rund 200 Personen, die vergangenen Dienstag kurzfristig bei Starkregen gegen 23 Uhr ankamen, war eine Frau mit ihren zwei Söhnen (etwa 3 und 10) aus Syrien. Sie sind auf dem Landweg zu uns gekommen und waren gut 3 Monate hauptsächlich zu Fuß unterwegs. Am Mittwoch, als die Busse ankamen, um die Flüchtlinge weiter zu bringen, blieb sie mit ihren Kindern „übrig“. Sie bestiegen keinen der Busse. Mit Hilfe der engagierten ehrenamtlichen Übersetzer konnte geklärt werden, dass sie auf ihren Mann warte, der bereits seit über einem Jahr in Deutschland ist. Sie haben sich 1 1/2 Jahre nicht gesehen. Via Handy konnte Kontakt zu ihrem Mann aufgenommen werden, der in einer Flüchtlingsunterkunft bei München untergebracht ist. Mit einem Bekannten, auch Syrer, machte er sich umgehend auf den Weg nach Nürnberg, um seine Familie abzuholen. Am Hauptbahnhof angekommen konnten beide, wieder mit Hilfe der Übersetzer, den doch nicht ganz unkomplizierten Weg zum Stadionbad finden. Die Familienzusammenführung brachte selbst gestandene Sicherheitskräfte aus der Fassung. Nach 1 1/2 Jahren, ohne Garantie sich jemals wieder zu sehen, war die Freude auf beiden Seiten riesig. Für die Kleinen ging die Sonne auf, als sie ihren Papa sahen und auch die Eltern waren sichtlich gerührt. Der Mann sprach schon gut Deutsch und konnte ein wenig berichten, hauptsächlich war er jedoch und verständlicherweise seiner Familie zugewandt. Auf Augenhöhe diskutierte er mit seiner Frau und herzte die Kinder. Die Kleinen hingen an den Beinen der Eltern. Auch der Bekannte sprach gut Deutsch und war offensichtlich schon gut integriert, weswegen er sich wohl überhaupt im Deutsche-Bahn-Dschungel zurechtfand. Zu fünft brachen sie dann wieder auf Richtung München, zum Nürnberger Hauptbahnhof wurden sie von einer Freiwilligen gebracht. Übrig blieben aber die Kunstwerke des Jüngsten, die er während der Wartezeit im Stadionbad zusammen mit seiner Mutter gemalt hatte….
Die Deutschkenntnisse der beiden Syrer, des Papas und seines Bekannten, haben uns sehr beeindruckt. Und auch der Umgang zwischen den Eheleuten und der Kinder war sehr bemerkenswert. Für uns war diese rührende und liebevolle Szene wichtig, um zu sehen, wofür wir arbeiten, uns engagieren und die ein oder andere Nacht im Regen schuften. Das wollten wir mit Euch teilen.“

English version:

Reunion of a syrian family, told by volunteers

On Tuesday, 6th October, around 200 people arrived at the transit camp at 11 p.m. during pouring rain. Among them was a woman from Syria with her two sons, around three and ten years old. They had been travelling for almost three month, most of it by foot. On Wednesday, when the busses came, to take the guests to the refugee centers, the family stayed behind at the camp and did not enter on of the busses. Talking to the family, our volunteer translators found out, that they were waiting for their husband and father, who stays in Germany already for more than a year. They had not seen each other for one and a half years. Via mobile phone they could get in touch with the husband who stays at a refugee accomodation in the Munich region. Together with a friend, he immediately set off to catch his family at Nuremberg. With the assistance of the translators, they made their way from the central station to the transit camp, which is not easy to find for someone who does not know the place.

The family reunion was moving, even for security and service personnel with experience. After one and a half years, it was great happiness on both sides. It was a sunrise for the boys to meet their father again, and the parents were touched deeply. The man speaks a good German already and so he could report a bit, but of course mainly talked to his wife and children. They talked to each other and hugged the children who stuck to their legs. The syrian friend also spoke a fluent German, so they could make their journey on the German Railway transport. So the five of them left the camp and headed for the home at Munich. A volunteer took them to the central train station. What remained at the camp were the drawings of the young boy which he did together with his mother while waiting.

The family was very impessive to us, also the knowledge of the German language of both of the Syrians. This loving scene and touching story is important to us. We see what and whom we are working for and why we spend nights out in the rain. This we want to share with you.


Wo bin ich? – Where I am?

See below for the English translation …

Eine der ersten Fragen der Flüchtlingsgäste im Transit Camp Nürnberg war: Wo bin ich? Unsere Begrüßung – vermittelt von den Übersetzern ins Englische, Arabische und Persische – lautete:

„Herzlich willkommen! Sie sind hier in Nürnberg, in Bayern, im Süden von Deutschland. Dies ist ein Transit Camp, um Ihnen die Möglichkeit zu geben, sich auszuruhen – Sie sind frei und sicher hier nach Ihrer langen Reise.

Die Refugees Camps / Aufnahmeeinrichtungen sind zurzeit voll – deshalb müssen Sie einige wenige Tage hier bleiben. Hier werden Sie noch nicht registriert – das passiert später in der Aufnahmeeinrichtung. Wir kümmern uns um den Transport zu der Aufnahmeeinrichtung.

Sie werden hier Essen, Trinken und ein warmes Bett bekommen. Bitte verlassen Sie gleich den Bus und folgen uns zum Wartezelt. Dort werden Sie auch Wasser bekommen. Von dem Wartezelt geht es weiter zum Arzt, falls Sie medizinische Hilfe brauchen. Danach geht es weiter zu einer Ausgabestelle für Hygieneartikel und danach zeigen wir Ihnen Ihr Bett. Sie bekommen alle heute abend noch ein warmes Essen.“

Für das Ankunftszelt, Wartezelt, den Empfang schrieben die ehrenamtlichen Helfer ein Plakat – Foto oben.

English version:

One of the first questions of the refugee guests in the transit camp was: Where am I? Our translators gave the following greeting in English, Arabic and Persian:

„Welcome everybody! You are in Nuremberg in Bavaria, in the south of Germany. This is a transit camp to allow you to rest – you are free and safe here after your long journey.

The refugee camps are full at the moment and you will have to stay here a few days. You will not be registered here – this will happen in the refugee camp.

You will get food, water and a safe and warm bed here. Please leave the bus and follow us to the waiting tent. There you will find some water for drinking. From the waiting tent we will bring you to the doctor, if you need medical help. Next stop is the place where you get some hygienic articles for washing and then we will show you your bed. You will have a warm meal tonight.“

In the arrival or waiting tent, at the reception, volunteers put up a poster  – photo see above.

 

Willkommen bei Transit Nuremberg … welcome to transit nuremberg

English version see below –

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Transit Camp Stadionbad in Nürnberg bot von Mitte September bis Anfang Oktober 2015 mehreren Tausend Menschen einen Schlafplatz, Essen & Trinken, Dusche und Hygiene, ärztliche Inaugenscheinnahme mit erster Behandlung, im Bedarfsfall warme und frische Kleidungsstücke sowie die Gelegenheit, Mobilgeräte aufzuladen.

Rückblickend schreibe ich von meinen Eindrücken als freiwilliger Ehrenamtskoordinator. Die Gäste des Transit Camps sowie die Mitarbeiterinnen und Helfer lade ich herzlich ein, ihre persönlichen Geschichten zu erzählen und Erfahrungen zu teilen. Auf den Austausch über inhaltliche Fragen der Arbeit mit Freiwilligen und Flüchtlingen freue ich mich. Gute Beispiele und Informationen sind willkommen.

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