Mittwoch, 23. Dezember 2015
Maritimes "Notizblockheft"
Für eine Wichtelei habe ich gebastelt. Da meine Wichtelpartnerin Maritimes mag, lag es nahe, etwas in dieser Art zu gestalten.
So habe ich mir ein "Notizblockheft" ausgedacht, bei dem sich auf der rechten Seite ein Notizblock befindet und auf der linken eine Einschubtasche. Die "Muscheln" sind ein Lesezeichen und daher nur für den Transport befestigt.
Mit Heimatgrüßen aus meiner Stadt und von meinem Lieblingsstrand im Winter (als mal Winter war) ging die Bastelei auf die Reise nach Sachsen, und dort ist sie mit Begeisterung aufgenommen worden.
Dabei hätte ich das Einzelstück fast selbst behalten...
Dienstag, 22. Dezember 2015
Marked. Eine teuflische Liebe
Lucinda
de
Salle, genannt
Lucky ist 28, hat keine Familie und bis auf eine Ausnahme auch keine
Freunde. Auf
Grund ihrer Fähigkeit, Geister zu sehen, gilt sie als sonderbar und
fühlt sich von der Gemeinschaft ausgeschlossen und
von vielen schikaniert.
Andererseits wird sie immer dann gerufen, wenn irgendwo unerklärliche
Dinge geschehen, als deren Ursache Geister verdächtigt werden.
Nach
allem ist
es nicht verwunderlich, dass Luckys einzige Freundin Kayla ein Geist
ist. Sie
kennt Kayla schon ihr ganzes Leben und
vertraut ihr.
Doch Kayla hat
ein
Geheimnis, und
es offenbart sich, dass sie nicht die ist, für die Lucky sie bislang
gehalten hat.
Als
in Luckys Schule nämlich wieder einmal Geister auftauchen, soll
Lucky dafür sorgen, dass diese Ruhe geben. Die Geister wären ein
kleines Problem im Gegensatz zu dem, was Lucky tatsächlich erwartet:
Henri le Dent, seines Zeichens ein Dämon aus der Anderwelt, eine
völlig andere Erscheinung, massiver, realer, gefährlicher,
furchteinflößend… und mit einer Botschaft für Kayla.
Mit
der Ruhe in Luckys Leben ist es nun vorbei. Und das nicht nur, weil im
Anschluss daran weitere Personen aufkreuzen, die ihre Hilfe zu
benötigen scheinen...
Letzten
Endes gerät Lucky in das außergewöhnlichste Abenteuer ihres
Lebens, in dem alles über den Haufen geworfen wird, woran sie bisher
glaubte. Niemand ist der, der er vorgibt zu sein. Niemand.
Mit einmal
wird Lucky hineingezogen in politischen Machtkämpfe der Unterwelt um den Königsthron. Sie sieht erschreckende und wunderbare Dinge,
die sie sich niemals vorstellen konnte, und sie entdeckt auf ihrem Weg
nicht nur ihre eigenen Fähigkeiten, auch wenn sie parallel dazu immer wieder versucht, wieder nach Hause in die Oberwelt zu gelangen.
Dabei
unterscheidet sich die Unterwelt in gewisser Weise nicht von Luckys
Welt und übt eine gewisse Faszination aus. Während in der einen
Welt die Menschen nach Reichtum und Macht gieren, existieren in der
anderen ebenso oberflächliche Dämonen. Aber auch welche anderen
Kalibers, gefährlicher und bedrohlicher. Darum braucht Lucky
eine „Schutztruppe“, um in der Unterwelt bestehen zu können. Neben Mr. Kerfuffle und Mr. Shenanigans
findet sich Lucky zwischen zwei weiteren außerordentlich unterschiedlichen
Dämonen wieder: dem charismatischen Todbringer Jinx und dem Wächter
Jamie. Komplettiert wird die Mannschaft von Pyrites, dem Drachen, der
seine Größe den Umständen anpassen kann...
Die
interessante Geschichte, die ein fantastisches, gleichwohl kluges
Konstrukt der Unterwelt entwirft, in der es genauso wie bei den menschlichen
Kämpfen um Macht und Einfluss geht, weist einen frischen und
anschaulichen Schreibstil auf. Sie nimmt langsam Fahrt auf, steigert
sich und variiert im Verlauf der Handlung im Tempo. Lucky erzählt selbst, weswegen der Leser
stets nah dran an ihren Eindrücken und Gefühlen ist. So gibt es
neben unterhaltsamen, amüsanten auch dramatische Szenen sowie
durchaus ein paar dämonisch schauerliche Momente.
Sue
Tingey hat zum großen Teil bemerkenswerte und überzeugende
Charaktere geschaffen.
Da
ist zunächst Lucky, sympathisch, gutherzig, wenn auch etwas
verrückt. Sie ist es gewohnt, dass sie einst als komisches Kind und durchgeknallter Teenager galt und ihr nun als Frau immer noch das
Siegel „seltsam“ anhaftet. Hierbei bewahrt sie sich ihren wunderbar
trockenen Humor ("Männer waren wie Busse in meinem Leben:
monatelang kam keiner, dann drei auf einmal...“ Seite 66) und
vermittelt den Eindruck, mit ihrem Leben zufrieden zu sein. Trotz
aller Seltsamkeit kommt sie gut damit zurecht. Deshalb gefällt es
ihr gar nicht, dass alles bizarr und durcheinander gewirbelt wird und
sie in Gefahr gerät. Und es zeigt sich, dass ihre Freundin Kayla
daran nicht ganz unschuldig ist. Obwohl die Zuneigung zwischen ihnen
ein festes Band knüpft, steht ihre Freundschaft unerwarteterweise
auf den Prüfstand, und mit Lucky gerät der Leser das eine oder
andere Mal in Zwiespalt.
Denn wenngleich sie bislang stets vom Gegenteil ausging, sieht es jetzt so
aus, als ob sie tatsächlich Schutz bedarf. Allerdings können sich ihre Leibwächter wahrlich sehen lassen. Besonders Jinx und Jamie fallen
auf, stellen sie doch zwei Seiten einer Münze dar, gegensätzlich
und trotzdem eins: Jinx sieht aus wie der Teufel, mit Hörnern und ein
Schwanz erweckt er das Bild des Bösen, Jamie dagegen trägt Flügel,
und der Gedanke an einen Engel liegt nicht fern. Beide
gehören zu den mächtigsten Dämonen ihrer Welt und besitzen das Recht,
sich in das Leben anderer einzumischen.
Auf
den ersten Blick bietet sich natürlich Jamie eher für eine Romanze mit
Lucky an. Jedoch ist Jinx sehr direkt, was sein Interesse an Lucky
betrifft. Außerdem haben beide Dämonen der jungen Frau ihr Zeichen aufgedrückt, sie "markiert". Die Dreiecksbeziehung bleibt in „Eine teuflische Liebe“
erfreulicherweise dezent und wird nicht in den Vordergrund gerückt,
verspricht so auch in den Folgebänden der Triologie
kurzweilig zu werden.
Insgesamt
bietet sich eine atmosphärische Geschichte mit hohem
Unterhaltungswert, die einen das weitere Geschehen mit Vergnügen
erwarten lässt.
Erschienen ist der Roman im Heyne Verlag, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.
Donnerstag, 3. Dezember 2015
Herbstlicher Abendsonnengruß
Heute hat sich hier die Sonne blicken lassen. Aber da ich arbeiten musste, hatte ich nichts davon. Vielleicht zeigt sie sich ja morgen wieder. Jedenfalls hole ich "zur Motivation" mal ein paar Strahlen aus der Konserve. Den herrlichen Sonnenuntergang gab es irgendwann Mitte November...
Mittwoch, 2. Dezember 2015
Neues vom Pferdehof - Darf ich mit?
Das ist Frodo. Ihr erinnert euch sicher.
Er lebt auf dem Reiterhof und ist dort - denke ich - auch sehr glücklich.
Hier seht ihr, dass er es sich in meinem Auto bequem gemacht hat.
Das erste Mal in neun Jahren.
Und er wollte gar nicht aussteigen.
Vielleicht wollte er Herrn Schwanenweiß begleiten, der ein Hundefreund ist.
Oder er wollte den (nervigen) Mädchen entkommen, die gerade auf dem Hof waren.
Schließlich ist er mit fast 13 auch schon in die Jahre gekommen
und will manchmal einfach nur seine Ruhe haben.
Jedenfalls konnte er nur mit gutem Zureden überzeugt werden, auszusteigen.
Er weiß ja, dass ich jeden Freitag wieder mit Leckerli und Steicheln für ihn da bin...
Dienstag, 1. Dezember 2015
Auf geht's!
Findet ihr nicht auch, dass es Zeit wird, dass ich mich hier und auch bei euch mal wieder sehen lassen. In den letzten zwei Monaten (ja, so lange ist es schon her) brauchte ich ein wenig Zeit für mich, so dass ich das Bloggen und auch Kommentieren auf Eis gelegt habe. Der heutige Tag ist aber eine gute Gelegenheit, wieder einzusteigen. Schließlich war gestern der erste Advent, und nun beginnen die Tage des Adventskalenders.
In diesem Jahr habe ich nur einen, den der Adventskalender-Kooperation.
Es ist nun schon das vierte Mal, dass wir uns gegenseitig mit Überraschungen beschenken.
Im letzten Jahr waren dies meine Gaben.
Nun kann ich sie euch ja zeigen.
Ich hoffe, alle hatten Freude daran.
(Die Wichtel hätte ich am liebsten selbst behalten.)
Nun packe ich jedenfalls wieder sehr gerne Tag für das Tag die kleinen Päckchen aus.
Und sage schon jetzt DANKE an alle Adventskalender-Kooperations-Mädels.
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Mittwoch, 30. September 2015
Montag, 28. September 2015
Neues vom Pferdehof
Hallo, ihr da!
Darf ich mich vorstellen?
Darf ich mich vorstellen?
Mein Name ist Max.
In meinen Adern fließt Haflingerblut.
Wie Frau Schwanenweiß wurde ich auf der Insel Rügen geboren.
Doch meine Besitzerin hat entschieden, dass ich hierher auf den Hof ziehen soll.
Ich habe nämlich sehr lange nicht viel getan. Außer Fressen.
Deshalb hatte ich bei meiner Ankunft noch ordentlich Speck auf den Rippen.
Aber schaut einmal:
Sehe ich nicht gut aus?
Nach nur vier Wochen in meinem neuen Zuhause.
Mir geht es prima. Alle sind so lieb zu mir. Meistens.
Natürlich mag ich besonders die Mädels.
Da riskiere ich schon mal den einen oder anderen schmachtenden Blick.
(Und dann ist mein Herdenkollege Oakley eifersüchtig und knufft mich.)
(Und dann ist mein Herdenkollege Oakley eifersüchtig und knufft mich.)
Findet ihr nicht auch, dass ich einen ausdrucksstarken Kopf habe.
Und die Blesse ist doch wohl einmalig!
Ich hoffe, dass ich noch ein bisschen fitter werden.
Dann reicht meine Puste auch für eine längere Reitstunde.
Alles klar? Wir sehen uns!
Mittwoch, 23. September 2015
Regenbogen
Wenn der Herbst so beginnt, lasse ich mir das gerne gefallen.
Regenbogen
Die Sonne flieht den Regenstrahl,
Der Regen flieht den Sonnenschein:
Doch treffen sie sich wo einmal
Und bleiben stehn hoch überm Thal,
Auf Erden kann nichts Schönres sein
Als diese beiden im Verein!
Adolf Schults
Dienstag, 22. September 2015
Sommerpost 2015 - Sommerfrüchtchen IV
Bevor der Herbst seine Pracht entfaltet,
erinnere ich gern noch einmal an den Sommer
und die schöne Zeit der Sommerpost.
Aus der Schweiz traf dieser wunderbare Apfelgruß von Veronika ein.
Mit einer extra fruchtigen Briefmarke auf der Rückseite.
Ich war auch fleißig und habe mich für die Heidelbeere entschieden.
Nicht einmal...
... nicht viermal...
... sondern achtmal habe ich gezeichnet und meine Buntstifte glühen lassen.
Kennt ihr auch all diese Namen der blauen "Perlen"?
Ein kleiner Gruß von der Ostsee sollte nicht fehlen.
Ein liebes Dankeschön an Veronika
und nochmals an alle Mädels dieser Runde.
Mir hat es sehr viel Spaß gemacht,
und ich finde es prima, dass wir kein Sommerfrüchtchen doppelt hatten.
Und hier sind all die anderen Früchtchen zu finden.
und nochmals an alle Mädels dieser Runde.
Mir hat es sehr viel Spaß gemacht,
und ich finde es prima, dass wir kein Sommerfrüchtchen doppelt hatten.
Und hier sind all die anderen Früchtchen zu finden.
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Sommer
Montag, 21. September 2015
Rezensionswoche 7. Tag: Baba Dunjas letzte Liebe
Tschernowo ist ein kleines Dorf in der Nähe des Kernreaktors Tschernobyl. Hier lebt niemand freiwillig, sollte man denken. Weit gefehlt. Baba Dunja, eine einfache Frau, bedeutet die Heimat so viel, dass sie dort den Rest ihres Lebens verbringen will. Die Nähe zum Kernreaktor macht ihr nichts aus. Denn sie hat nichts mehr zu verlieren. Sie ist alt, über neunzig, und das Gute für sie am Alter ist, dass sie niemand mehr um Erlaubnis fragen muss. Zum Beispiel, ob sie in ihrem alten Haus wohnen kann und ob sie Spinnennetze hängen lassen darf. Baba Dunja hat alles gesehen und vor nichts mehr Angst. „Der Tod kann kommen, aber bitte höflich.“ (Seite 12)
Für sie ist Tschernowo das Paradies, wenn auch ein verstrahltes. Besonders im Winter ist es stiller als still. "Wenn eine Schneedecke über allem liegt, sind sogar die Träume gedämpft, und nur die Dompfaffen springen durch das Gestrüpp und sorgen für Farbe in der weißen Landschaft." (Seite 32)
Hier läuft das Leben in ruhigen Bahnen ab. Für Baba Dunjas Nachbarin Marja, deren Hahn Konstantin gleich im Kochtopf landet. Sidorow, der noch mit hundert Jahren auf der Suche nach einer Frau ist. Lenotschka, die einen endlos langen Schal strickt und lächelt, wenn man sie anspricht, jedoch nicht antwortet. Das gebildete Ehepaar Gavrilov, das nicht auf Annehmlichkeiten verzichten muss. In Tschernowo verlangt niemand etwas von den Bewohnern. Es zählt das Heute, nicht das Morgen. Die Alten leben von der Selbstversorgung, das Gemüse wächst üppig in ihren Gärten. Nur nicht bei Petrow, der als letzter ein Häuschen im Dorf bezog und der seinen Krebs, von dem sein Körper komplett durchsetzt ist, nicht füttern will. Die Öfen werden mit Holz befeuert, Wasser spenden Brunnen, und an manchen Tagen gibt es auch Strom.
Baba Dunjas Kontakte zur Außenwelt bestehen aus gelegentlichen Busfahrten nach Malyschi. Dann erzählt ihr Boris, der Busfahrer, was er im Fernsehen gesehen hat. Viel über Politik. Die ist natürlich wichtig, doch Baba Dunja ist da pragmatisch, denn „es bleibt trotzdem immer an einem selbst hängen, die Kartoffeln zu düngen, wenn man irgendwann Püree essen will.“ (Seite 46)
Ab und an bekommt Baba Dunja Pakete von ihrer Tochter Irina. Diese ist Ärztin und lebt mit Enkelin Laura in Deutschland. Wenn Baba Dunja daran denkt, dass sie Laura (außer auf Fotos) noch nie gesehen hat, kommt Wehmut auf. Gut, dass gelegentlich Ehemann Jegor vorbeischaut, der aber nicht wirklich stört. Baba Dunja plaudert gern mit ihm. Seit er nämlich tot ist, ist er sehr höflich. Als er noch lebte, war das leider nicht so.
In die Idylle kommt Unruhe, als eines Tages ein Mann seine Tochter mitbringt. Recht schnell wird klar, dass das Kind als Spielball zwischen den getrennten Eltern steht. Das ist für Baba Dunja unhaltbar. Ein Kind hat in Tschernowo nichts zu suchen. Zwar ist Tschernowo ein schöner und guter Ort für seine Bewohner. Niemand wird fortgejagt. Nur wenn jemand noch jung und gesund ist, sollte er sich ein anderes Heim wählen. Schon gar nicht sollte ein kleines Kind aus Rache dem Tode geweiht werden.
Und daher dauert es nicht lange, das liegt der Mann tot auf der Erde, und Baba Dunja nimmt alle Schuld auf sich...
Mit viel Verständnis und Geradlinigkeit lässt Alina Bronsky Baba Dunja erzählen. Die im Grunde kleine Geschichte entfaltet eine große Wirkung. Sie ist poetisch, lebendig, weise und ehrlich, manchmal verschmitzt, dann wieder traurig und anrührend.
Baba Dunja "strahlt" - im wahrsten Sinne des Wortes - eine Lebensfreude aus, die zu Herzen gehend ist. Mit Klugheit und Nachsicht schaut sie auf ihre Mitmenschen und ist der Mittelpunkt der eigenwilligen, schrulligen, sturen und manchmal auch exzentrischen Dorfbewohner, die trotzdem allesamt liebenswert in ihrer Gelassenheit, mit der sie ihr Dasein verbringen, erscheinen.
Man möchte sie in den Arm nehmen und fest drücken. Und auf jeden Fall ein langes Leben wünschen.
Für sie ist Tschernowo das Paradies, wenn auch ein verstrahltes. Besonders im Winter ist es stiller als still. "Wenn eine Schneedecke über allem liegt, sind sogar die Träume gedämpft, und nur die Dompfaffen springen durch das Gestrüpp und sorgen für Farbe in der weißen Landschaft." (Seite 32)
Hier läuft das Leben in ruhigen Bahnen ab. Für Baba Dunjas Nachbarin Marja, deren Hahn Konstantin gleich im Kochtopf landet. Sidorow, der noch mit hundert Jahren auf der Suche nach einer Frau ist. Lenotschka, die einen endlos langen Schal strickt und lächelt, wenn man sie anspricht, jedoch nicht antwortet. Das gebildete Ehepaar Gavrilov, das nicht auf Annehmlichkeiten verzichten muss. In Tschernowo verlangt niemand etwas von den Bewohnern. Es zählt das Heute, nicht das Morgen. Die Alten leben von der Selbstversorgung, das Gemüse wächst üppig in ihren Gärten. Nur nicht bei Petrow, der als letzter ein Häuschen im Dorf bezog und der seinen Krebs, von dem sein Körper komplett durchsetzt ist, nicht füttern will. Die Öfen werden mit Holz befeuert, Wasser spenden Brunnen, und an manchen Tagen gibt es auch Strom.
Baba Dunjas Kontakte zur Außenwelt bestehen aus gelegentlichen Busfahrten nach Malyschi. Dann erzählt ihr Boris, der Busfahrer, was er im Fernsehen gesehen hat. Viel über Politik. Die ist natürlich wichtig, doch Baba Dunja ist da pragmatisch, denn „es bleibt trotzdem immer an einem selbst hängen, die Kartoffeln zu düngen, wenn man irgendwann Püree essen will.“ (Seite 46)
Ab und an bekommt Baba Dunja Pakete von ihrer Tochter Irina. Diese ist Ärztin und lebt mit Enkelin Laura in Deutschland. Wenn Baba Dunja daran denkt, dass sie Laura (außer auf Fotos) noch nie gesehen hat, kommt Wehmut auf. Gut, dass gelegentlich Ehemann Jegor vorbeischaut, der aber nicht wirklich stört. Baba Dunja plaudert gern mit ihm. Seit er nämlich tot ist, ist er sehr höflich. Als er noch lebte, war das leider nicht so.
In die Idylle kommt Unruhe, als eines Tages ein Mann seine Tochter mitbringt. Recht schnell wird klar, dass das Kind als Spielball zwischen den getrennten Eltern steht. Das ist für Baba Dunja unhaltbar. Ein Kind hat in Tschernowo nichts zu suchen. Zwar ist Tschernowo ein schöner und guter Ort für seine Bewohner. Niemand wird fortgejagt. Nur wenn jemand noch jung und gesund ist, sollte er sich ein anderes Heim wählen. Schon gar nicht sollte ein kleines Kind aus Rache dem Tode geweiht werden.
Und daher dauert es nicht lange, das liegt der Mann tot auf der Erde, und Baba Dunja nimmt alle Schuld auf sich...
Mit viel Verständnis und Geradlinigkeit lässt Alina Bronsky Baba Dunja erzählen. Die im Grunde kleine Geschichte entfaltet eine große Wirkung. Sie ist poetisch, lebendig, weise und ehrlich, manchmal verschmitzt, dann wieder traurig und anrührend.
Baba Dunja "strahlt" - im wahrsten Sinne des Wortes - eine Lebensfreude aus, die zu Herzen gehend ist. Mit Klugheit und Nachsicht schaut sie auf ihre Mitmenschen und ist der Mittelpunkt der eigenwilligen, schrulligen, sturen und manchmal auch exzentrischen Dorfbewohner, die trotzdem allesamt liebenswert in ihrer Gelassenheit, mit der sie ihr Dasein verbringen, erscheinen.
Man möchte sie in den Arm nehmen und fest drücken. Und auf jeden Fall ein langes Leben wünschen.

Mittwoch, 16. September 2015
Rezensionswoche 6. Tag: Die Geschichte einer Freundschaft
Ronan ist Schwertkämpfer par excellence und scheint damit
würdiger Nachfolge auf den Thron von Raukland zu sein. Allerdings will es das Schicksal anders. Weil er wegen eines angeblichen Rausches seine Männer nicht in eine
Schlacht führen kann, fällt er bei seinem Vater, König Azel, in Ungnade. Nicht
nur, dass dieser ihn auspeitschen und brandmarken lässt. Er schickt ihn auf die
Insel Lannoch, damit er diese Raukland untertan macht. Nur dann kann er auch
Rauklands König werden.
Ronan hat keine Wahl. Auf Lannoch erwartet ihn ein Jahr
voller Prüfungen. Mit Waffengewalt kann er dort nichts ausrichten, und die
Insel darf er nicht verlassen. Schließlich ist Bedingung dafür, rechtmäßiger König von
Lannoch zu werden, die Erfüllung der
von den ehemaligen Königen Lannochs niedergeschriebenen Aufgaben.
Hierfür braucht er einen Freund, den er auf der Insel finden
muss, weil er hierher allein gekommen ist. Könnte es nicht von Vorteil sein, dass er gerade
Liam das Leben gerettet hat? Würde da nicht jeder andere auch zum Freund
werden? Tatsächlich erklärt sich Liam bereit, als Ronans Freund aufzutreten,
verlangt im Gegenzug, dass Ronan ihn beschützt.
Aber was macht einen Freund aus?
Ronan ist völlig ahnungslos, schon bei der Aufforderung, den Namen seines "Freundes"
zu nennen, versagt er. Bis zu seinem Ziel liegt ein langer Weg vor ihm...
Jordis Lank erzählt mit dem ersten Band ihrer Raukland-Triologie eine fantastische Geschichte, die jedoch
erfreulich menschlich und tiefgründig ist. Denn die Autorin legt vor allem Wert
auf eine Schilderung, wie aus zwei unterschiedlichen jungen Männern Freunde
werden können.
Mit Ronan und Liam hat sie zwei vielschichtige Charaktere
geschaffen, die beeindrucken.
Als Ronan auf Lannoch eintrifft und Merin, dem König,
begegnet, ist sein Blick noch dunkel und unergründlich, sein Tonfall
selbstbewusst und fordernd. Er ist für Merin wie ein Splitter, der unter die
Haut fährt. Stechend und drückend, unangenehm, so dass er eigentlich entfernt
werden müsste. Ein Grund, warum es der König dem jungen Krieger nicht leicht
macht.
Zwar verfügt Ronan nicht nur über eine klare Denkweise und
Entschlossenheit, sondern auch über eine ruhige Körperbeherrschung, Ausdauer, Mut
und Zuversicht, mit der er das Schwert federleicht und virtuos führt. Er
fechtet mit jeder Faser seines Körpers, mit seinem Herzen. Das ist großartig, beängstigend
und faszinierend zugleich. Doch Zuneigung, Liebe und Freundschaft sind ihm zum
großen Teil fremd. Das Leben als Kämpfer in Raukland hat ihn geprägt. Schon als
Fünfzehnjährige ist er Anführer von Männern geworden, die wesentlich älter als
er sind, wenngleich sein Charisma ihn befähigt, jeden zu bewegen, ihm in eine
Schlacht zu folgen.
In diesem Jahr auf Lannoch lernt Ronan das Lachen und außerdem,
dass es beglückend ist, einfach mal sorglos Spaß an etwas zu haben. Er kann jungenhaft
sein und anderen eine Freude machen, zum Beispiel mit geschnitzten Weidenflöten.
Er begreift, was es heißt, für andere einzutreten und dass es zudem Aufgaben
gibt, die nur mit Hilfe anderer bewältigt werden können.
Was es bedeutet, einen Freund wie Liam zu haben, der im
Gegensatz zu Ronan schwach ist. Zumindest was seine körperliche Kraft und seinen Mut
betrifft. Liam scheut die Konfrontation für den Fall, dass es unangenehm wird. Seine
Stärke ist eher innerer Natur. Er ist selbstlos, weiß jedoch um seine
Fehlbarkeit und steht dazu. Gefühle sind ihm nicht fremd und er verleiht ihnen
Ausdruck. Ob es die Bewunderung für Ronans Fertigkeiten oder seine eigenen
Ängste sind. Im Laufe der Zeit begreift er, dass es gewisser Fähigkeiten bedarf, um in der Welt
zu bestehen. Und dank seiner Beharrlichkeit und seiner geschickten Hände ist er
in der Lage, das Schwert immer besser zu führen.
Beide Protagonisten entwickeln sich im Verlauf der Handlung,
vertiefen Wesenszüge. So werden sie langsam, aber stetig zu echten Freunden.
Diese Entwicklung stellt die Autorin glaubhaft, überzeugend und mit Kunstfertigkeit dar. Dazu tragen im hohen
Maße auch die sorgsam ausgearbeiteten Nebenfiguren bei, zu denen Eila, die
Enkelin des Königs, und Gismo, Ronans Lieblingspferd, gehören. Denn obwohl das
Augenmerk auf der Freundschaft zwischen Ronan und Lima liegt, lässt Jordis Lank
Ronan auch zarte Liebesbande knüpfen, sehr dezent und sorgsam. Das erfreut die geneigte
Leserin.
Die Orte des Geschehens sind überschaubar, doch der Autorin
gelingt es mit ihrer detaillierten und intensiven Beschreibung Bilder beim
Lesen zu erzeugen. Ihr Schreibstil ist klar und lebendig, zudem voller Energie,
beispielsweise bei der Schilderung des Schwertkampfes. Hier punktet die Autorin
mit ihrem Fachwissen, ohne den Leser zu überfordern. Außerdem wird die
Geschichte mit humorvollen Momenten aufgelockert. Wenn beispielsweise ein gestandener Mann ein kleines Ei ausblasen muss, kann ein Schmunzeln nicht vermieden werden.
Was bleibt nach der Lektüre? Vor allen Dankbarkeit. Für
eine wunderbare Geschichte, an deren Ende der Leser froh ist, dass er
miterleben durfte, wie aus zwei Jungen Freunde werden. Fantastisch, aber immer
auch gegenwärtig.
Sonntag, 13. September 2015
Rezensionswoche 5. Tag: Eine Pension fürs kleine Glück
"Wer immer nur nach dem Zweck des Lebens fragt, wird seine Schönheit nie entdecken."
Sie haben Stress in ihrem Alltag, in ihrem Beruf, mit ihrem Partner und das Gefühl, alles wächst Ihnen über den Kopf?
Dann kommen Sie zu uns. Hier an der Nordsee finden Sie einen Ort zum Wohlfühlen: Lillys Pension.
Warum gerade zu uns, werden Sie fragen, schließlich gibt es "Bed und Breakfast" überall. Doch wir tun ein bisschen mehr für unsere Gäste. Wir bieten Ihnen nicht nur geschmackvoll und mit Wärme eingerichtete Zimmer und Betten und stellen Ihnen das Frühstück hin, sondern wir kümmern uns auch um Ihre seelischen Belange, so dass sie vollkommen erholt wieder nach Hause fahren können.
Bei uns haben sie Familienanschluss, wenn Sie es wünschen. Vielleicht erscheinen wir ein bisschen chaotisch (manche Zungen behaupten sogar, wir wären sonderbar). Und perfekt sind wir schon lange nicht. Aber wir sind eng miteinander verbunden, mögen uns und unsere Tiere, sehen unsere Macken mit einem Augenzwinkern.
Lernen Sie uns kennen. Wo sonst begegnet Ihnen Tom, der Spinnenretter, der zudem mit Ameisen über eine mögliche Brüderschaft verhandelt oder versucht, Wasser nur durch Anstarren zum Einfrieren zu bewegen.
Sie können hier nicht nur den Geschmack der salzigen Luft spüren, sondern auch den Sand unter Ihren Füßen. Und Ihre Seele baumeln lassen. Im trauten Miteinander mit unseren Hühner zum Beispiel, die bei uns ihren Lebensabend verbringen. Denn wir sehen nicht immer nur auf Produktivität, unsere Hühner landen nicht im Kochtopf, wenn sie keine Eier mehr legen. Deshalb sind sie entspannt und hören Ihren Sorgen gerne zu. Es ist für Sie eine Gelegenheit zum Innehalten. Werden Sie zum Hühnerflüsterer.
Oder wollen Sie mit Kühen kuscheln? Hilde wird die richtige Kuh für ihr Seelenheil auswählen. Glauben Sie uns. Wer einmal einer Kuh ins Auge geschaut hat, vergisst ihr sanftes Wesen nicht so schnell wieder.
(Wir weisen allerdings daraufhin, dass Hilde Kuchen extra berechnet. Alternativ bietet sich die Bäckerei im Dorf an. Bei Marijke erhalten Sie alles, was das Herz begehrt, täglich frisch gebacken.)
Ist es ein Traum von Ihnen, Ihre Kreativität zu entfalten? Bei uns haben Sie die Möglichkeit. Der regional bekannte Maler Bernhard Pfeffer gibt Ihnen auf unserem Hof gern Unterricht. Sollten Sie zudem eines seiner Werke erstehen wollen, nutzen Sie die Chance.
Oder lassen Sie allen Frust raus und trommeln Sie eine Runde. Danach werden Sie sich befreit fühlen.
Das große, allumfassende Glück werden Sie hier zwar nicht finden. Aber die kleinen Glücksmomente wie Nusspesto essen, richtig laut lachen, einen Sonnenstrahl genießen, wenn es tagelang geregnet hat. Und das wird Ihr Leben ein wenig schöner und damit glücklicher machen.
Dann kommen Sie zu uns. Hier an der Nordsee finden Sie einen Ort zum Wohlfühlen: Lillys Pension.
Warum gerade zu uns, werden Sie fragen, schließlich gibt es "Bed und Breakfast" überall. Doch wir tun ein bisschen mehr für unsere Gäste. Wir bieten Ihnen nicht nur geschmackvoll und mit Wärme eingerichtete Zimmer und Betten und stellen Ihnen das Frühstück hin, sondern wir kümmern uns auch um Ihre seelischen Belange, so dass sie vollkommen erholt wieder nach Hause fahren können.
Bei uns haben sie Familienanschluss, wenn Sie es wünschen. Vielleicht erscheinen wir ein bisschen chaotisch (manche Zungen behaupten sogar, wir wären sonderbar). Und perfekt sind wir schon lange nicht. Aber wir sind eng miteinander verbunden, mögen uns und unsere Tiere, sehen unsere Macken mit einem Augenzwinkern.
Lernen Sie uns kennen. Wo sonst begegnet Ihnen Tom, der Spinnenretter, der zudem mit Ameisen über eine mögliche Brüderschaft verhandelt oder versucht, Wasser nur durch Anstarren zum Einfrieren zu bewegen.
Sie können hier nicht nur den Geschmack der salzigen Luft spüren, sondern auch den Sand unter Ihren Füßen. Und Ihre Seele baumeln lassen. Im trauten Miteinander mit unseren Hühner zum Beispiel, die bei uns ihren Lebensabend verbringen. Denn wir sehen nicht immer nur auf Produktivität, unsere Hühner landen nicht im Kochtopf, wenn sie keine Eier mehr legen. Deshalb sind sie entspannt und hören Ihren Sorgen gerne zu. Es ist für Sie eine Gelegenheit zum Innehalten. Werden Sie zum Hühnerflüsterer.
Oder wollen Sie mit Kühen kuscheln? Hilde wird die richtige Kuh für ihr Seelenheil auswählen. Glauben Sie uns. Wer einmal einer Kuh ins Auge geschaut hat, vergisst ihr sanftes Wesen nicht so schnell wieder.
(Wir weisen allerdings daraufhin, dass Hilde Kuchen extra berechnet. Alternativ bietet sich die Bäckerei im Dorf an. Bei Marijke erhalten Sie alles, was das Herz begehrt, täglich frisch gebacken.)
Ist es ein Traum von Ihnen, Ihre Kreativität zu entfalten? Bei uns haben Sie die Möglichkeit. Der regional bekannte Maler Bernhard Pfeffer gibt Ihnen auf unserem Hof gern Unterricht. Sollten Sie zudem eines seiner Werke erstehen wollen, nutzen Sie die Chance.
Oder lassen Sie allen Frust raus und trommeln Sie eine Runde. Danach werden Sie sich befreit fühlen.
Was es auch ist, was Sie suchen, wir empfangen Sie mit offenen Herzen!
Das große, allumfassende Glück werden Sie hier zwar nicht finden. Aber die kleinen Glücksmomente wie Nusspesto essen, richtig laut lachen, einen Sonnenstrahl genießen, wenn es tagelang geregnet hat. Und das wird Ihr Leben ein wenig schöner und damit glücklicher machen.
Dienstag, 8. September 2015
Neues vom Pferdehof - Kuschelzeit
Sieh mal, ich warte schon.
Ich bin ganz entspannt.
Sei doch so lieb.
Och, ist das schööön.
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