entspannten Jahreswechsel.
Samstag, 30. Dezember 2017
Freitag, 29. Dezember 2017
Der gefährlichste Ort der Welt
Wo
befindet sich „Der Gefährlichste Ort der Welt“?
Auf
der Suche nach einer Antwort auf diese Frage, führt uns Lindsey Lee
Johnson mit ihrem Debütroman an eine Mittelschule in Mill Valley im
sonnigen Kalifornien, an der ganz normale Schüler lernen. Oder etwa
nicht?
Schauen
wir auf die Achtklässler. Einer ragt auf jeden Fall heraus aus
diesem Verbund der 13-Jährigen: Tristan Bloch – unbeholfen und
seltsam, blass und allein durch seine übergroßen Jogginghosen
außergewöhnlich – macht den schwerwiegenden Fehler, „sein Herz
in die Welt hinauszuschicken“ und seiner Klassenkameradin Cally
Broderick einen von Grund auf ehrlichen Liebesbrief zu schreiben. „Liebe Calista, du denkst wahrscheinlich nicht, dass dich hier in
der Schule jemand sieht, aber ich sehe dich. Dich richtig sieht,
meine ich… Calista, ich liebe dich, glaubst du, du könntest mich
auch lieben?" (Seite 30)
Calista,
unsicher und unangenehm berührt ob dieser unerwarteten
Zurschaustellung von Gefühlen setzt eine Maschinerie in Gang, von
der sie letzten Ende mitgeschleift wird. Sie zeigt den Brief ihrer
Freundin Abigail Cress, die ihn an Ryan Harbinger weiterreicht. Der
veröffentlicht ihn im Netz auf Facebook, und eine bösartige
Anti-Tristan-Kampagne beginnt. Die Folgen sind verheerend: Tristan,
der sich am liebsten in seinem Zimmer verkriechen möchte, weil er
sich dort vor den Anfeindungen und Gehässigkeiten seiner Mitschüler
sicher glaubt, hält dem Druck nicht stand und springt von der Golden
Gade Brigde in den Tod.
Und
nun müssen Cally und ihre (vermeintlichen) Freunde im Verlauf der
Zeit mit dem Geschehen zurechtkommen. Die Autorin belässt es nicht
dabei, das Dasein einiger Teenager in der achten Klasse zu
beleuchten. Vielmehr spannt sie den Bogen weiter über die elfte bis
hin zur zwölften Klasse und beschreibt aus der jeweiligen
Perspektive des Einzelnen die Auswirkungen, die Tristans Tod auf
denjenigen und alle anderen hat. Hierbei bleibt die bedrückende
Erinnerung allgegenwärtig, wenn die Jugendlichen versuchen, einen
Weg, einen Sinn, eine Zukunft zu finden, während sie sich an ihren
Platz in der sozialen Ordnung klammern und alles tun, was sie können,
um zu überleben.
Doch
wenn man aus einen Ort wie Mill Valley stammt, ist das Entkommen
(fast) unmöglich.
"Dieser
Ort war so speziell, in seiner Schönheit und seinen Beschränkungen,
dass kein anderer Ort ihnen wirklich stimmig erscheinen würde. Sie
konnten nicht vergessen, dass diese Welt für sie geschaffen worden
war, dass sie in dieses perfekte Nest hineingeboren worden waren, und
trotzdem hatten sie darauf bestanden, unglücklich zu sein. Hatten
auf dem Dunkel beharrt." (Seite
295)
Lindsey
Lee Johnson fängt überzeugend das Innenleben ihrer Protagonisten
ein. Ihre Charaktere sind sorgfältig und tiefgründig gezeichnet,
widersprüchlich in dem, was sie tun, unberechenbar und gleichzeitig
auch berechenbar. Denn sie wollen zwar anerkannt und verstanden
werden, dem Alltag entfliehen, allerdings auch unauffällig sein, nicht
aus der Masse herausragen.
Es
sind Jugendliche, denen es gut geht, die sich alles leisten können,
deren soziales Umfeld stimmt. Im noblen Mill Valley herrscht eine
Welt des Überflusses und materiellen Wohlstandes, es fehlt an
nichts. Und doch hat diese Pracht einen Haken: Zumindest einigen
Jugendlichen mangelt es an Ethik und Moral, weil sie ihnen nicht
vermittelt wird. Denn von ihnen wird zwar einiges erwartet, was
mitunter schon an Überforderung grenzt, jedoch Hilfestellungen und
Unterstützung durch die Eltern erfahren sie nur im geringen Maße,
gar nicht, oder sie lehnen sie ab. Weil die Eltern in vielen Fällen
entweder abwesend oder von ihrer Arbeit vereinnahmt und abgelenkt
sind, entsteht zur körperlichen auch eine emotionale Trennung. Und
das Schlimmste, dies ist den Jugendlichen bewusst.
Glück
sieht jedenfalls anders aus.
Zum
Beispiel für Ryan, dessen Mutter all das überwacht, was er tut,
einschließlich seiner Hausaufgaben, die zudem ständig mit den
Lehrern redet und ihm keinerlei Freiräume zu lassen scheint, darüber hinaus aber überhaupt keine Ahnung von dem hat, was ihm durch
den Kopf schwirrt, von der Wut in seinem Herzen, von der Sehnsucht
nach weiß der Himmel was. Im
Grunde also ist er einsam, sensibel, was seine Handlung – er setzt
den Brief von Tristan ins Netz – umso schockierend erscheinen
lässt.
Oder
Abigail, mit
Selbstzweifeln behaftete und
verschlossene Einser-Schülerin,
sie
lässt sich auf eine Affaire mit ihrem Englischlehrer ein, weil er
sie durch Fragen dazu bringt,
sich zu öffnen, und sich so sanft Zugang zu ihr verschafft.
Nick,
der einerseits dealt, andererseits auf Grund seiner Intelligenz in
der Lage ist, anstelle seiner Mitschüler Tests für die Zulassung
zum College
zu absolvieren, die er sich teuer bezahlen lässt. Unter anderem von
Dave, der selbst unter dem Gewicht der elterlichen Erwartung
zusammenzubrechen
droht und
trotz Verbot, seine Ersparnisse für die
„Hilfe“ von Nick aufwendet.
Elisabeth,
von erlesener Schönheit, aber gemieden, weil sie als eingebildet und
unerreichbar gilt und sich außerhalb des komplexen sozialen Gefüges befindet und
keinerlei Drang verspürt, sich darin einen Platz zu verschaffen,
lässt
sich von Nick überreden, im Haus ihrer Eltern eine Party zu feiern,
die letztlich aus dem Ruder läuft und in einem Desaster endet.
Im
Besonderen für Emma, beliebt, hinreißend, bezaubernd, amüsant.
Durch einen Autounfall dermaßen verletzt wird ihr Traum vom Tanzen
zerstört. Allerdings endet ihr Schmerz damit nicht.
Und
letzten Endes Calista, voller Schuldgefühle wendet sie sich den
schulischen Hippies zu und hängt mit diesen ab.
Lindsey
Lee Johnson schreibt ungezwungen, leicht verständlich, offensiv und
fließend. Sie findet den passenden Ton, um (nicht nur) den
jugendlichen Leser zu unterhalten und zu fordern, bleibt beim
Wesentlichen und findet geschickt die Mischung, eine deutliche
Stellung gegen die Handlungen ihrer Protagonisten einzunehmen, sich
hierbei zugleich einer eigenen Wertung zu enthalten. Sie erlaubt
einen Blick hinter die Kulissen, überlässt es aber dem Leser, das
Geschehen einzuschätzen und zu beurteilen.
Eines
wird wieder einmal deutlich: „Der gefährlichste Ort der
Welt“ ist weniger ein wahrnehmbarer Raum wie die Mittelschule in
Mill Valley, sondern vielmehr der virtuelle Raum des Internets, in
dem das öffentliche Beschämen, Demütigen, Beschimpfen, Verleumden
eine für die Jugendlichen akzeptable Art und Weise der Kommunikation
ist, während sie sich scheinbar zur Ehrlichkeit und aufrichtigen
Freundschaft nicht in der Lage sehen, um von den eigenen
individuellen Ängsten, Hoffnungen und Wünsche abzulenken. Wie
gleichermaßen traurig und erschütternd!
Nur Tristan hat dies nicht begriffen: Einen Brief zu schreiben, von Liebe zu sprechen, aufrichtig, ohne zu beschönigen. Wie konnte er nur so blind, ja so furchtlos sein?
Nur Tristan hat dies nicht begriffen: Einen Brief zu schreiben, von Liebe zu sprechen, aufrichtig, ohne zu beschönigen. Wie konnte er nur so blind, ja so furchtlos sein?
Montag, 25. Dezember 2017
Fröhliche Weihnachten
Ihr Lieben,
ich wünsche euch wundervolle Feiertage
voller Harmonie und
mit vielen Momenten zum Innehalten.
Dienstag, 19. Dezember 2017
Per Anhalter...
... wollte dieser Schwan sicher nicht mit, als ich ihn am Freitag auf dem Weg zum Pferdehof passierte. Zunächst saß das wunderschöne Tier nahe der schmalen Straße (die allerdings sehr wenig befahren wird), so dass ich mir schon Sorgen machte, es wäre etwas passiert.
Aber meine Neugier hatte ihn gleichfalls aufgescheucht.
Und auch wenn ihr das nicht erkennen könnt...
... er (bzw. ich vermute ja eher eine SIE) machte sich mit Zischen Luft.
Ich bin dann in angemessener Entfernung geblieben...
... und war froh, als ich auf dem Heimweg keine Spur mehr entdecken konnte.
Sonntag, 3. Dezember 2017
Advent
Ich habe es doch tatsächlich geschafft...
... pünktlich für heute ein kleines Adventsgesteck fertigzustellen.
Wie immer mit viel Grün (dieses Mal unter anderem Lärche)...
... und ein wenig schmückendem Beiwerk.
Freitag, 1. Dezember 2017
1. Dezember 2017
Im schwanenweißen Haus gibt es zwei Traditionen für die Adventskalenderzeit:
Einen Teekalender
In diesem Jahr zum ersten Mal für zwei.
Und die Gaben der Adventskalender-Kooperation.
Den ganzen Dezember über darf...
... täglich ein Päckchen geöffnet werden.
Heute ging es schon mal gut und witzig los.
Übrigens hier mal ein Blick auf meinen Beitrag im letzten Jahr:
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Tee
Dienstag, 21. November 2017
Amselsnack
Herr Schwanenweiß hat ein paar Äpfel hängen lassen. Und wie ihr seht, weiß eine unserer (Haus)Amsel das zu würdigen. So ein Snack ist eben besonders im Herbst nicht zu verachten.
Sonntag, 19. November 2017
Das Echo der Zeit
Vor zwei
Jahren verändert ein Querschläger aus der Kalaschnikow eines
Dschihad-Kämpfers das Leben von Miriam. Er trifft nicht sie, sondern
ihren Mann Gregor, zweiundvierzig Jahre alt, Fotojournalist aus Hamburg,
kriegserfahren und trotzdem nicht gleichgültig. Mitten ins Herz. Es ist
ein irrwitziger Zufall, Gregor ist einmal am falschen Ort zur falschen
Zeit.
Seitdem begleitet Miriam die Trauer. Wie ein Rabe sitzt sie in ihrer Brust und regiert sie, mal zurückhaltend und mahnend, mal fordernd und laut, aber immer ist sie da. Dank der Liebe zu ihrem Sohn Max und einer Therapie hat sie zumindest die Kraft gefunden, weiterzuleben und wieder zu arbeiten. Miriam ist ebenfalls Journalistin, hat inzwischen das Ressort gewechselt. Für ihre Frauenzeitschrift recherchiert Miriam in Vorbereitung der Verleihung eines Preises für Zivilcourage die Lebensgeschichte von deren Stifterin Dorothea Sartorius. Dies gestaltet sich schwierig, denn Dorothea lebt sehr zurückgezogen. Als es dann zu einem Treffen kommt, thematisiert Miriam auch die anonymen Aufforderungen „Fragen Sie Dorothea nach Marguerite“, die sie erhalten hat. Dorothea reagiert verhalten, weist Miriam jedoch einen Weg.
Während eines Aufenthaltes an der Schlei – Miriam hat für sich und Max einen Kurs gebucht, bei dem sie das Drachenbauen erlernen können – stößt sie auf Spuren, die nochmals jene Zeit des RAF- Terrorismus des Jahres 1972 auf den Plan rufen.
Doch was hat die integre Wohltäterin Dorothea Sartorius damit tun?
Miriam bietet sich die Gelegenheit, in die Vergangenheit zurückzugehen – sie lernt die Briefeschreiberin Elisabeth kennen, eine alte Frau, die in einem Kloster lebt und die Härte, Kompromisslosigkeit und Hass umgibt. Miriam nimmt Gegenwärtiges wahr. Denn da ist Bo, der Gaukler, der Drachenbauer, der nicht nur für Max zur Vaterfigur wird, sondern bei dem sich auch Miriam wohlfühlt. Sie muss also Zukünftiges bedenken, eine Balance finden, zwischen allem abzuwägen.
„Mensch sein… Gerade stehen, sich nicht einschüchtern lassen, auch wenn es unbequem ist. Fragen stellen, neue Antworten finden, sich öffnen, auch für das Fremde, das Andere...“, lässt Katrin Burseg Dorothea Sartorius auf die Frage von Miriam, was denn für sie Zivilcourage bedeute, antworten. Und nicht nur Miriam möchte ihr glauben, dass sie genau die unzweifelhafte Mäzenin ist, für die sie alle halten.
Katrin Burseg erzählt „In einem anderen Licht“ davon, dass einen die Vergangenheit – so verdrängt sie auch ist – eines Tages wieder einholen kann, dass eine Abrechnung immer möglich ist. Es ist eine Geschichte, die nach Wahrheit fragt. Nach Wahrhaftigkeit. Die ein Bild von Liebe zeichnet, sich mit Hass auseinandersetzt und mit Freundschaft und Verrat, sich jedoch mit einer Wertung für Richtig oder Falsch zurückhält.
Burseg schreibt stringent und glaubhaft, überzeugt mit einem Maß an Weisheit. Sie ist äußerst authentisch und feinsinnig in ihrem Erzählton. Besonders die Trauer von Miriam ist sehr anschaulich. Durch die Manifestierung in einem inneren Raben wird sie für den Leser greif- und spürbar. Hierbei wahrt die Autorin den Rahmen, die Gefühlswelt von Miriam, vor allem ihre Melancholie, ihre ständigen Zweifel werden stimmig geschildert, ohne jemals Sentimentale abzugleiten.
An Miriams Seite sind es vor allem Frauen, die die Autorin in den Mittelpunkt rückt. Und obwohl die männlichen Figuren eher in der zweiten Reihe agieren, fügen sie sich harmonisch in die Handlung ein und runden diese ab.
So ist "In einem anderen Licht" einerseits ein leises Buch, andererseits eines, das etwas zu sagen hat und darum gelesen werden sollte.
Sonntag, 5. November 2017
November am Meer
Herr Schwanenweiß und ich haben gestern noch einen Abstecher an die Ostsee gemacht, und zwar nach Dierhagen. Und die Sonne war uns - im Gegensatz zum heutigen grauen Sonntag - zumindest ein wenig gewogen.
Die Stimmung, die das Licht verbreitet...
... ist auf besondere Art überwältigend.
Ein fast spiegelglattes Meer...
... und ein freier Blick...
... auch über den feinen Sandstrand:
Die Ostsee im Herbst ist wunderschön.
Auch in Sepia und Schwarzweiß.
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