(Svanvithe)
Mittwoch, 29. April 2015
Dienstag, 28. April 2015
Es blüht...
... in Berlin.
Direkt vor meinem Balkon...
... tummeln sich duftende Blüten in weiß und violett.
Mein Flieder im schwanenweißen Garten ist noch nicht soweit.
Donnerstag, 23. April 2015
Zum Welttag des Buches...
... kann ich euch heute zwar keine Verlosung präsentieren, habe aber trotzdem etwas Besonderes. Ich bekam nämlich Post:
Ich bin allein und freue mich meines Lebens in dieser Gegend, die für solche Seelen geschaffen ist wie die meine. Ich bin so glücklich, mein Bester, so ganz in dem Gefühle von ruhigem Dasein versunken, daß meine Kunst darunter leidet.
Doch zunächst einmal: Die hehre Gilde der Buchspringer auf der Insel Stormsay, die hier seit Jahrhunderten für den Schutz der Literatur sorgt, hat Zuwachs bekommen. Fräulein Amy aus dem Clan der Lennox. Es ist mir vergönnt gewesen, sie gleich am ersten Tag, an dem sie das Dschungelbuch in der Buchwelt besuchte, kennenzulernen. Ich muss zu meiner Schande gestehen, sie hat mich vor den drei Hexen aus Macbeth retten müssen.
Aber nicht nur deshalb habe ich sie ein klein wenig in mein Herz geschlossen, (wobei sie natürlich nie meine Lotte wird verdrängen können). Das Fräulein Amy ist so begabt und sieht bezaubernd aus in ihrer grazilen Anmut. Tatsächlich durfte ich ihr schon meinen Arm zum Geleit reichen und sie - echter Kavalier, der ich bin - durch das unwegsame Gelände führen. Ein böser Mensch würde behaupten, dass wir beide gemeinsam unbeholfen über Wurzeln stolperten und uns auf den engen Trampelpfaden gegenseitig auf die Füße traten. Aber ich weiß, du bist keiner dieser verächtlich redenden Personen, die solcherart über eine junge Dame und ihren Begleiter herfallen. Das hat das Fräulein Amy in ihrer Welt zur Genüge erlebt. Ich wünschte, ich könnte diese Personen zu einem Duell auf Pistolen fordern, wenn ich nicht wüsste, dass mein Mut dafür leider nicht ausreicht...
Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, gleich den süßen Frühlingsmorgen, die ich mit ganzem Herzen genieße.
Ich will, lieber Freund, ich verspreche dir's, ich will mich bessern, will nicht mehr ein bißchen Übel, das uns das Schicksal vorlegt, wiederkäuen, wie ich's immer getan habe; ich will das Gegenwärtige genießen, und das Vergangene soll mir vergangen sein.
Seit der Zeit bin ich oft draußen.
Übrigens befinde ich mich hier gar wohl.
Denn meinem Geschick ist es zu verdanken, dass wir uns einmal der Ergreifung des Dieb so nahe wähnte. Leider gelang dies dann doch nicht. Er entkam uns, was Fräulein Amy und mich sehr betrübt.
Und zudem quält mich - du wirst behaupten unsinnigerweise - der Gedanke, dass auch der junge Herr Will dem Fräulein Amy seine Hilfe zugesichert hat. Ich habe ihre liebevollen, sehnsüchtigen Blicke, die mir äußerst vertraut sind, bemerkt, als sie von ihm sprach. Ich gebe zu, Malalister ist ein formidabler junger Mann. Andererseits wäre ich entzückt, wenn die Bewunderung Fräulein Amys allein meiner Person gelten würde...
Dir in der Ordnung zu erzählen, wie's zugegangen ist, daß ich eins der liebenswürdigsten Geschöpfe habe kennen lernen, wird schwer halten. Ich bin vergnügt und glücklich, und also kein guter Historienschreiber.
Jedoch ich sichere dir schon jetzt einen einen wohlfeil geschliffenen, bestimmt auch in seinen Wendungen und Ergebnissen überraschenden, gleichwohl stets unterhaltsamen, mit Poesie erfüllten und fantasievollen Bericht über aufwühlende und gefährliche Abenteuer zu, wenn das wundervolle Fräulein Amy und ich das mysteriöse Rätsel gelöst haben. Wünsche uns Glück!
Dein treuer Freund
Werther
Bester Freund,
ich habe schon einige Male die Feder zur Hand genommen, ohne dir -
wie es mein Gedanke war - gleich zu schreiben.
Ich bin allein und freue mich meines Lebens in dieser Gegend, die für solche Seelen geschaffen ist wie die meine. Ich bin so glücklich, mein Bester, so ganz in dem Gefühle von ruhigem Dasein versunken, daß meine Kunst darunter leidet.
Denn in den letzten Tagen ist viel geschehen.
Doch zunächst einmal: Die hehre Gilde der Buchspringer auf der Insel Stormsay, die hier seit Jahrhunderten für den Schutz der Literatur sorgt, hat Zuwachs bekommen. Fräulein Amy aus dem Clan der Lennox. Es ist mir vergönnt gewesen, sie gleich am ersten Tag, an dem sie das Dschungelbuch in der Buchwelt besuchte, kennenzulernen. Ich muss zu meiner Schande gestehen, sie hat mich vor den drei Hexen aus Macbeth retten müssen.
Aber nicht nur deshalb habe ich sie ein klein wenig in mein Herz geschlossen, (wobei sie natürlich nie meine Lotte wird verdrängen können). Das Fräulein Amy ist so begabt und sieht bezaubernd aus in ihrer grazilen Anmut. Tatsächlich durfte ich ihr schon meinen Arm zum Geleit reichen und sie - echter Kavalier, der ich bin - durch das unwegsame Gelände führen. Ein böser Mensch würde behaupten, dass wir beide gemeinsam unbeholfen über Wurzeln stolperten und uns auf den engen Trampelpfaden gegenseitig auf die Füße traten. Aber ich weiß, du bist keiner dieser verächtlich redenden Personen, die solcherart über eine junge Dame und ihren Begleiter herfallen. Das hat das Fräulein Amy in ihrer Welt zur Genüge erlebt. Ich wünschte, ich könnte diese Personen zu einem Duell auf Pistolen fordern, wenn ich nicht wüsste, dass mein Mut dafür leider nicht ausreicht...
Jedoch törichte Gedanken darüber erlaube ich mir nicht, weil ich
die Buchwelt nicht verlassen werde. Außerdem:
Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, gleich den süßen Frühlingsmorgen, die ich mit ganzem Herzen genieße.
Das Fräulein Amy ist so wissbegierig und erinnert sehr an ihre
Frau Mama, als diese noch die Buchwelt mit ihrer Anwesenheit beglückte. Die
edle, wenn gleichwohl unglückliche Anna Karenina sagte mir erst letztens bei
unserer Begegnung in der "Zeile" - du weißt, es ist der Ort, an es
uns Buchfiguren gestattet ist, uns mit anderen zu treffen... Also, sie
erinnerte sich wehmütig an ihre wunderbare Freundschaft mit Fräulein Alexis,
und sie bedauert es heute noch mit Wehmut, dass diese eines Tages fortblieb.
Wobei mir Anna Karenina im Vertrauen offenbarte, was der Grund für die Flucht
von der Insel der Buchspringer gewesen ist. Als Herr von Anstand habe ich ihr
natürlich strengste Geheimhaltung zugesichert.
Schweife ich ab? Sieh es mir nach, lieber Freund. Dabei ist das
Leben derzeit so aufregend, dass ich mich gar oft daran erinnern muss, mein
eigenes Ende, das ich ja selbst so gewollt habe, nicht zu verpassen.
Ich will, lieber Freund, ich verspreche dir's, ich will mich bessern, will nicht mehr ein bißchen Übel, das uns das Schicksal vorlegt, wiederkäuen, wie ich's immer getan habe; ich will das Gegenwärtige genießen, und das Vergangene soll mir vergangen sein.
Doch es hat sich etwas Schreckliches zugetragen. Sherlock Holmes,
dieser überragende Detektiv, ist tot. Das Fräulein Amy fand ihn gemeinsam mit
dem jungen Macalister. Was muss das für einen Schock gewesen sein. Master Will,
wie Sherlock Holmes ihn nannte, betrachtete sich als besten Freund des Meisterdetektivs
und ermöglichte ihm so manchen Gang in die Draußenwelt. Um so bedauerlicher
ist, dass Holmes dort zu Tode kam. Wer nur wollte sein Ableben? Er hatte
außerhalb seines Buches keine Feinde, war zwar etwas eigen, zugegebenermaßen,
aber ein brillanter Kopf.
Damit nicht genug. Unerklärliche Ereignisse erschüttern die
Buchwelt. Ein Dieb ist hier unterwegs, und dank meiner, ich darf sagen, nicht
unbescheidenen geistigen Fähigkeiten, die selbstverständlich hinter denen vom
großen Sherlock Holmes zurückstehen, gelang mir die Erkenntnis, dass dieser
gemeine Dieb die Ideen aus verschiedenen Büchern stiehlt, ohne die die Bücher
nicht existieren können.
Du verstehst, teurer Freund, dass ich Fräulein Amy sofort meine
tatkräftige Unterstützung bei der Lösung dieses Problems angeboten habe. Voller
Stolz kann ich dir schreiben, dass sie dieses Offerte dankend angenommen hat.
Und so konnte ich als treuer Freund bereits einen schlichten Betrag leisten und
erstellte eine Liste der verlorenen Rudimente.
Seit der Zeit bin ich oft draußen.
Ich habe keine Ruhe, mich in meiner Kammer meiner Kunst zu widmen,
wenn Geheimnisvolles in der Buchwelt geschieht.
Übrigens befinde ich mich hier gar wohl.
Denn meinem Geschick ist es zu verdanken, dass wir uns einmal der Ergreifung des Dieb so nahe wähnte. Leider gelang dies dann doch nicht. Er entkam uns, was Fräulein Amy und mich sehr betrübt.
Und zudem quält mich - du wirst behaupten unsinnigerweise - der Gedanke, dass auch der junge Herr Will dem Fräulein Amy seine Hilfe zugesichert hat. Ich habe ihre liebevollen, sehnsüchtigen Blicke, die mir äußerst vertraut sind, bemerkt, als sie von ihm sprach. Ich gebe zu, Malalister ist ein formidabler junger Mann. Andererseits wäre ich entzückt, wenn die Bewunderung Fräulein Amys allein meiner Person gelten würde...
Jetzt muss ich eilen, bester Freund. Meine Anwesenheit wird
benötigt.
Dir in der Ordnung zu erzählen, wie's zugegangen ist, daß ich eins der liebenswürdigsten Geschöpfe habe kennen lernen, wird schwer halten. Ich bin vergnügt und glücklich, und also kein guter Historienschreiber.
Jedoch ich sichere dir schon jetzt einen einen wohlfeil geschliffenen, bestimmt auch in seinen Wendungen und Ergebnissen überraschenden, gleichwohl stets unterhaltsamen, mit Poesie erfüllten und fantasievollen Bericht über aufwühlende und gefährliche Abenteuer zu, wenn das wundervolle Fräulein Amy und ich das mysteriöse Rätsel gelöst haben. Wünsche uns Glück!
Dein treuer Freund
Werther
P. S. Werther zitiert sich selbst (aus "Die Leiden des jungen Werther" von Johann Wolfgang von Goethe) und schreibt über "Die Buchspringer" von Mechthild Gläser.
Mittwoch, 22. April 2015
Montag, 20. April 2015
Donnerstag, 16. April 2015
"Die Hoffnung ist der Anker der Seele."
Der Dreißigjährige Krieg wütet
schon fast zehn Jahre, als er 1627 die Insel Rügen erreicht. Bis dahin hatte
sich das Herzogtum Pommern, zu dem Rügen gehört, neutral verhalten. Doch nun
fallen die kaiserlichen Truppen unter Wallenstein ins Land ein, und damit kommt
Leid und Tod über die Menschen. Nach der Besetzung, die zu allem Übel auch noch
von der Pest begleitet wird, bleiben allein in Bergen, im Zentrum der Insel
gelegen, von 1650 Einwohnern im Jahre 1600 dann im Jahre 1630 nur noch 400
"übrig". Insgesamt schrumpft die Inselbevölkerung auf ein Drittel.
Schon im Prolog ihres Romans "Das Geheimnis von Stralsund" bietet Sabine Weiß davon eine erschütternde Kostprobe. Denn der Leser sieht sich unmittelbar hineingezogen in den Angriff auf das Haus einer Familie auf Rügen. Dort kämpfen Sina, ihre Mutter und Angehörige ihres Haushalts um das nackte Überleben, und alles scheint verloren...
Doch bevor der Leser erfährt, ob dies tatsächlich so ist, führt die Geschichte zunächst in friedliche Zeiten zurück. In denen wächst die junge Sina, von ihren Eltern wegen ihrer blauen Augen liebevoll "Eisvogel" genannt, behütet in einem Dorf auf der Halbinsel Mönchgut auf und hat eine besonders enge Bindung zu ihrer fünfjährigen Schwester Dorthie, die in ihrer erfrischenden Fröhlichkeit, Fantasie und Unbekümmertheit für alle ein "Himmelsgeschenk" ist. Gideon, das Familienoberhaupt, sorgt als Schiffer für das Einkommen der Seinen und zeigt viel Verständnis für Sinas Leidenschaft für Meer und Seefahrt. Die Mutter, Ebba, dagegen wartet bei jeder Reise ihres Mann unter Ängsten und Stimmungsschwankungen darauf, dass ihr Mann heil und gesund zurückkehrt.
Die 17-jährige Sina tauscht erste
Küsse mit ihrem Jugendfreund Asmus, wartet vergeblich auf das Herzklopfen und
ahnt, dass Asmus ihr zwar als ein Freund nahe steht, wohl aber als Ehemann
nicht in Frage kommt, obwohl ihre beiden Familien davon ausgehen.
Dann kommen die kaiserlichen
Truppen, und die Situation nach der "Einquartierung" der Soldaten ist
bedrohlich. Als diese das Anwesen von Sinas Familie angreifen, muss Sina ihre
sterbende Mutter im brennenden Haus zurücklassen und flieht mit der kleinen
Schwester in einem winzigen Boot mitten hinein in einen Sturm auf der Ostsee.
Nur dem Glück und Leif, Erster Steuermann auf dem Schiff des Trunkenbolds Pit
Skaap, ist es zu verdanken, dass die beiden gerettet werden und nach Stralsund
gelangen, wo sie sich auf die Suche nach David von Garlstorp begeben, wie es
ihnen die Mutter mit ihren letzten Worten aufgetragen hat.
Doch Stralsund erweist sich auf
Dauer nicht als sicherer Zufluchtsort. Die Hansestadt wird von den Truppen
Wallensteins belagert, und in dieser umkämpften Zeit entscheidet sich nicht nur
das Schicksal der dort lebenden Menschen, sondern auch das von Sina...
Mit ihrem Roman greift Sabine
Weiß ein historisches Ereignis auf, das in die Annalen der Hansestadt Stralsund
einging.
Ende 1627 droht Ungemach in der Gestalt des unter Befehl Wallensteins
stehenden kaiserlichen Feldherrns Armin. Dieser will - nachdem der Herzog von
Pommern unter Zwang die Einquartierung der kaiserlichen Truppen in seinem Land
gebilligt hat, eine Garnison in der Stadt errichten, ohne die dafür
erforderlichen Geldmittel aufwenden zu müssen. Da die Stadt dies verständlicherweise
ablehnt, Armin die Belagerung ausruft, beschließt der Rat von Stralsund, seine
Stadt zu verteidigen und ersucht zu diesem Zweck um Beistand von Dänemark und
Schweden. Am 13. Mai 1628 sehen sich 1.000 Söldner und 1.500 Stralsunder 8.000
Mann der kaiserlichen Belagerungsarmee gegenüber und halten den ersten
Angriffen stand. Ende Mai treffen die dänischen Schiffe ein. Nicht überall
werden sie freudig empfangen. Hunger macht sich unter der Bevölkerung breit.
Deshalb fordert eine Bürgerfraktion, dass den Kaiserlichen verhandelt und die
Stadt an diese übergeben werden soll. Doch der Rat von Stralsund hält stand.
Als Wallenstein einen Monat später Stralsund erreicht, ist die Belagerung immer noch nicht beendet. Erneut
lässt er angreifen. Die Verluste auf beiden Seiten sind hoch, ganze Gräben mit
Leichen füllen sich. Die Stadt befürchtet,
wenn sie der Belagerung nicht mehr standhalten kann, von den
kaiserlichen Truppen überrannt zu werden, was Gemetzel und eine kompletten
Plünderung zur Folge hat. Deshalb kommt es zu einem Waffenstillstand und zu
Friedensverhandlungen, die jedoch beendet werden, als die schwedischen Truppen
eintreffen.
Nach mehreren vergeblichen weiteren Angriff scheitert Wallenstein und
verlässt mit seinen Truppen Stralsund, die Stätte seiner ersten Niederlage. Die
Hansestadt hat zwar erfolgreich Widerstand geleistet, doch bis 1814 bleibt sie
unter schwedischer Herrschaft.
Vor diesem historischen
Hintergrund, den die Autorin erkennbar intensiv recherchiert hat, entwirft sie
in einem einprägsamen und anschaulichen Schreibstil
eine dramatische Geschichte, die auf die Insel Rügen und nach
Stralsund führt. Es entsteht ein faszinierendes Bild vom Leben der Menschen in
Friedens- und Kriegszeiten. Die gelungene und eindrucksvolle Beschreibungen der örtlichen Gegebenheiten auf der Insel und in Stralsund werden unterstützt durch historische Karten, die auch dem ortsunkundigen Leser eine gute Orientierung und damit unter anderem die Begleitung der jungen Rüganerin Sina ermöglichen.
Sina ist klug und zeichnet sich durch einen energischen Willen aus. Sie hat Rückgrat, lässt sich nicht beirren, ihr Schicksal zu bestimmen. Dass sie nach dem schmerzhaften Verlust der Mutter für eine Zeit die Hoffnung verliert, ist realistisch und wird nachvollziehbar dargestellt.
Mit Leif begegnet dem Leser ein sympathischer junger Mann, der etwas im Leben erreichen will, nämlich selbst eines Tages Schiffsherr sein. Er ist durch die harte Schule seines Vaters gegangen und versucht, seine Pflicht gegenüber dem grausamen Trunkenbold Skaap und gegenüber der Mannschaft zu erfüllen. Überdies ist er fähig, den schmalen Grat zwischen Gehorsam und eigener Entscheidung auszuloten.
Zwischen Leif und Sina wird schon
früh ein Band geknüpft. Leif hegt erste zärtliche Gefühle für sie, da kennt er
noch nicht einmal ihren Namen. Ihre behutsame Annäherung ist angenehm
beschrieben. Zudem hat Leif einen klaren Blick, der in die Zukunft gerichtet
ist, so dass er auch Sina bewusst macht, nach dem Tod der Mutter und der
Unsicherheit bezüglich ihres Vaters nicht länger in der Trauer zu verharren und
nach vorne zu schauen.
Bei Unstimmigkeiten zwischen den
beiden weitet die Autorin diese nicht über Gebühr aus und lässt ihre
Protagonisten immer wieder einen Schritt auf den anderen zugehen und so zueinander
finden. Denn sie haben andere Sorgen. Schließlich gilt es gerade für Sina, das
Geheimnis zu lüften, für das sie nach Stralsund gekommen ist.
Sabine Weiß hat ihre
Protagonisten bis hin zu den Nebenfiguren mit viel Leben erfüllt. Neben Sina
und Leif, für die der Leser sofort Wohlwollen empfindet, sind es auch Gideon
und Sten, der zu Gideons Schiffskindern (wie die Schiffsmannschaft genannt wird) gehört, die einem ans Herz wachsen und
mit denen er mit bangt. Oder Menschen wie die Magd Marthe, die mehrfach von
Söldnern missbraucht wird und es danach lange Zeit nicht absehbar ist, ob sie
jemals ins Leben zurückfindet.
Andere dagegen erfahren eine
differenzierte Zeichnung. David von Garlstorf, zu dem Ebba ihre Tochter
geschickt hat und in dessen Hause Sina und ihre Schwester aufgenommen werden. Lange
Zeit ist nicht klar, wie er einzuschätzen ist und welche Rolle er einnimmt. Die
Geschwister Asmus und Sophie, beides Freunde von Sina, die im Verlauf der
Geschichte eine Entwicklung nehmen, die sich in das Gegenteil ihrer anfänglich
aufgezeigten Charaktere kehrt. Besonders Sophie weiß zu überraschen, legt sie
doch zunächst eine Oberflächlichkeit und Realitätsferne an den Tag, die einen
nicht für sie einnehmen. Im Laufe der Handlung lässt sie jedoch - auch auf
Grund eigener Erfahrungen - eine gewisse
Entwicklung erkennen, die als angenehm betrachtet werden kann.
Einen interessanten Platz in der
Geschichte findet Stoffel, der verwaiste Sohn eines Söldners, der sich bei den
kaiserlichen Truppen durchschlägt. Er ist vorwitzig und geradeheraus, stets hungrig,
aber bei aller Benachteiligung wissbegierig und klug, so dass er schneller
lernt als anderen. Das Leben in einer Kriegsarmee hat ihn geprägt, in der es nur um das nackte Dasein geht, und
so sieht er zunächst nur seinen Vorteil. Dann aber wächst er über sich hinaus,
und zwar als er ein Ziel hat, nämlich in naher Zukunft Schiffsjunge und damit
Teil einer Mannschaft zu werden. Damit wird er zu einem kleinen Helden in der
Geschichte, weil er mutig das eigene Leben für einen anderen Menschen riskiert.
Daneben nimmt man es als Leser
nicht übel, dass es auch einige ausschließlich negativ gehaltene Charaktere
gibt. Es breitet sich tatsächlich so etwas wie Erleichterung aus, dass diese
wenigen Protagonisten keinerlei positive Eigenschaften erkennen lassen und sie
nach Herzen verdammt werden können.
Die Einflechtung historischer
Figuren ist wunderbar gestaltet. Neben Albrecht Wenzel von Wallenstein und seinen Feldherrn Hans Georg von Arnim-Boitzenburg hat auch Oberst Robert Monro, ein schottischer Söldner in dänischen Diensten seinen Auftritt. Ihm und seinen Aufzeichnungen Monro, His Expedition With the Worthy Scots Regiment Called Mac-Keys ist es unter anderem zu
verdanken, dass die Autorin ein authentisches Bild von Stralsunds Belagerung wiedergeben kann.
Alles in allem offeriert Sabine Weiß dem Leser einen aufregenden Ausflug in den pommerschen Norden während der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und beschert ihm damit ein unterhaltsames Leseabenteuer.
Alles in allem offeriert Sabine Weiß dem Leser einen aufregenden Ausflug in den pommerschen Norden während der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und beschert ihm damit ein unterhaltsames Leseabenteuer.
Mittwoch, 15. April 2015
Begegnungen
Während die einen in den Baumwipfeln singend den Frühling begrüßen
und nach einer Herzensdame Ausschau halten...
... sind die anderen schon wieder emsig und unermüdlich bei der Arbeit.
P. S. Der kleine Sänger ist übrigens ein Buchfink (auf dem zweiten Bild am besten zu sehen), dessen Stimme durchaus mit einprägsamen Gesang aufwartet. Und unschwer erkannt habt ihr sicher auch die Rote Waldameise.
Dienstag, 14. April 2015
Neues vom Pferdehof - Tierische Wünsche
Also, ich frage mal schüchtern an:
Hast du vielleicht noch ein Leckerli für mich?
Ach, der Frodo...
Lass den ruhig noch warten!
Erst möchte ich eine Streicheleinheit...
Mittwoch, 8. April 2015
Der Club der Traumtänzer oder Die Wandlung eines Egozentrikers
Von einen Leben, das Gabor Schoening führt, könnte man wohl träumen. Gabor, gutaussehend, unbeschwert und rational denkend ist fokussiert auf seinen Job als Unternehmensberater und in diesem äußerst erfolgreich. Alles läuft wie am Schnürchen. Alles ist elegant. In seinem luxuriösen Penthouse gibt es keinen Platz für eine feste Beziehung oder gar eine Familie. Lediglich ein riesengroßer goldeingerahmter Barockspiegel und die Nachbarin sehen zu, wenn Gabor sich allmorgendlich mit seinem Badabing! Badabum! für den Tag in Schwung bringt.
Auf dem Höhepunkt seiner Karriere, die er konsequent und ohne Rücksichtnahme durchgezogen hat, so dass er nunmehr kurz davor steht, Partner bei Clausen & Wenningmeier zu werden, erlaubt er sich einen Fehler, biegt einmal falsch ab, seine Affäre, pikanterweise die Frau seines Chefs auf dem Beifahrersitz, und schon steckt sein Leben im Schleudergang. Er wird herausgestoßen aus seiner Welt und scheint mehr und mehr die Kontrolle über sein Leben zu verlieren. Denn die Person, die er anfährt und verletzt, entpuppt sich nicht als so leicht händelbar wie es Gabor bislang von den ihn umgebenden Menschen gewohnt ist. Kathrin, die harmlos wirkende, esoterisch angehauchte, aber knallharte Direktorin einer Förderschule, zwingt Gabor mit subtiler Motivation, sich bereit zu erklären, zur Abarbeitung seiner Schuld eine Tanzgruppe zu leiten.
Als die fünf potentiellen Tanzschüler dann "mitten im Nirgendwo" vor ihm stehen, hält sich die Begeisterung auf beiden Seiten in Grenzen. Gabor mit seinen unzähligen Terminen und Besprechungen ist noch komplett auf Abwehr eingerichtet und daher äußerst widerstrebend, seine Zeit für etwas zu opfern, das in seinen Augen keinerlei Nutzen haben wird. Auch die Kids sehen größtenteils keinen richtigen Sinn darin, warum sie sich mit Gabor treffen. Sie - der nie zur Ruhe kommende Vinnie, die schweigsame und in sich gekehrte Lisa, der rüpelhafte Marvin, die nicht gerade schlanke Jennifer und der unauffällige Felix - haben kein Interesse an lateinamerikanischen Rhythmen, sondern wollen - wenn es denn schon etwas sein muss - eher Hip-Hop, Breakdance, Capoeira (Kampftanz) oder wie Beyonce tanzen. Schon bei der ersten Begegnung wird deutlich, dass sie im Grunde andere Sorgen plagen, weswegen sie mit sich und der Umwelt nicht gerade gut zurechtkommen.
Nach und nach offenbaren sich am Beispiel eines Tages aus ihrem Leben die persönlichen Schicksale der Kinder. Und je mehr Zeit Gabor mit ihnen verbringt, und das nicht nur, weil Kathrin ihm unmissverständlich klar macht, dass ansonsten seine Karriere "im Eimer" ist, je mehr rühren sie an sein Herz, an den Muskel, der bislang nur Blut durch die Adern zu pumpen hatte. Er beginnt, für sie Partei zu ergreifen, sich für sie einzusetzen, auch wenn er das eine oder andere Mal mit fragwürdigen pädagogischen Maßnahmen über das Ziel hinausschießt. Doch das ist verzeihlich, denn im Grunde geht es nicht darum, das, was vorher im Leben der Kinder schief gelaufen ist, mit ein paar schnellen Handgriffen zu reparieren, weil die Vergangenheit nicht veränderbar ist, sondern vielmehr darum, sie zu inspirieren, ihnen die Vision einer selbstbestimmten Zukunft zu verdeutlichen und klar zu machen, dass niemand zu dumm ist, etwas Außergewöhnliches zu schaffen, wenn er es nur will und versucht.
Erscheint Gabor zu Beginn noch sehr auf sich bezogen, wenngleich nicht völlig unsympathisch, und wirkt überheblich, weil er sich keine Unzulänglichkeiten erlaubt, wird im Verlauf der Handlung seine harte Schale geknackt, und hervor kommt der weiche Kern. Zudem zeigt sich dabei, dass Gabor ebenfalls ein Mensch mit Schwächen ist, der sein eigenes Päckchen mit sich herumschleppt, die Schatten seiner Vergangenheit verdrängt und vergessen hat. Auch wenn das Ergebnis vorhergesehen werden kann, ist es doch mitreißend, unterhaltsam und faszinierend, diese Wandlung zu beobachten und daran teilzuhaben, wie Gabor den eigenen Ballast abwirft und mit vorwärtsschreitendem Engagement an Größe gewinnt, die ihn zu einem Vorbild für "seine Kids" werden lässt.
Langsam und damit glaubhaft entwickelt sich die bis in die Nebenfiguren hervorragend ausgearbeitete Geschichte, die leichtfüßig in einem lockeren und humorvollen Stil beginnt, zu einer mit Tiefgang, die ernste Themen sensibel aufbereitet in den Mittelpunkt rückt. Es ist eine Geschichte, die den Lesen emotional betroffen macht, zum Nachdenken bringt, zu Tränen rührt und manchmal den Atem nimmt, die ihm aber ebenso ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Gekonnt und mit viel Liebe, ohne dabei aufgesetzt zu wirken, erzählt Andreas Izquierdo von freudigen und traurigen Momenten, die das Leben bereithalten kann.
Dienstag, 7. April 2015
Waldspaziergang
Ich habe das Glück, nicht nur unweit der Ostsee, sondern auch in der Nähe von Wäldern zu leben. Gemeinsam mit Herrn Schwanenweiß wurde Ostersonntag deshalb der erste Ausflug dorthin unternommen.
Wie ihr sehen könnt, hatten wir einen strahlend blauen Himmel.
Bei Temperaturen um acht Grad war die Sonne eine angenehme Begleitung.
Wie schon auf einigen oberen Fotos zu erkennen, fallen den stürmischen Winden immer mal wieder Bäume zum Opfer. Diese schlanken Gesellen bekamen jedenfalls ordentlich Schlagseite.
Vieles darf liegen bleiben und verrotten. Eine Gelegenheit für Pilze & Co.
Ich hoffe, alle, die weniger Glück hatten als wir im Norden, haben das winterlichen Osterfest überstanden und freuen sich auf die angekündigten wärmeren Tage.
Diese Woche werde ich endlich mal wieder bei euch vorbeischauen.
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