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Mel Brooks

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BERJAYA
Mel Brooks (2010)

Mel Brooks (* 28. Juni 1926 als Melvin Kaminsky in Brooklyn, New York) ist ein US-amerikanischer Komiker, Schauspieler, Regisseur, Theaterproduzent und Oscar-prämierter Drehbuchautor. Bekannt wurde er insbesondere für seine filmischen Parodien auf kommerziell erfolgreiche Filme, etwa Frankenstein Junior und Spaceballs. Er machte sich daneben auch mit Parodien auf das NS-Regime, besonders auf Adolf Hitler, einen Namen (z. B. Frühling für Hitler sowie die Neuverfilmung von Sein oder Nichtsein mit dem Titelsong To Be or Not To Be).

Brooks ist Jude; sein Vater Maximilian war deutscher Jude aus Danzig, seine Mutter Kate, geb. Brookman,[1] Jüdin russischer Herkunft.[2][3][4] Mel Brooks ist einer der wenigen Künstler, die mit den vier wichtigsten Auszeichnungen der US-Unterhaltungsbranche (Grammy, Oscar, Tony Award, Emmy) geehrt wurden. Darüber hinaus wurde ihm im Jahr 2023 ein Ehrenoscar für sein Lebenswerk zuerkannt.

Leben und Wirken

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Mel Brooks (1984)
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Mel Brooks mit Anne Bancroft auf der Emmy-Verleihung 1997

Mel Brooks wuchs mit seinen drei älteren Brüdern Irving, Lenny und Bernie bei seiner alleinerziehenden Mutter auf, da sein Vater an einer Nierenkrankheit starb, als Mel Brooks zwei Jahre alt war. Mit dem Umstand, ohne Vaterfigur aufgewachsen zu sein, haderte Brooks ein Leben lang. Als ihn im Alter von neun Jahren sein Onkel Joe in eine Aufführung des Musicals Anything Goes am Broadway mitnahm, weckte dieses inspirierende Erlebnis den Wunsch, selbst beruflich den Weg eines Unterhaltungskünstlers einzuschlagen. Nicht zuletzt der inbrünstige Gesang von Sängerin Ethel Merman beeindruckte ihn als kleinen Jungen nachhaltig. 1944 schloss er die High School ab, wurde zur US-Army eingezogen und kämpfte in Europa unter anderem während der Ardennenoffensive. Mel Brooks’ Karriere begann nach dem Zweiten Weltkrieg als Stand-up-Comedian. Er wurde von dem Komiker und Fernsehstar Sid Caesar (1922–2014) entdeckt, der ihn als Sketch-Schreiber engagierte. Während dieser Zeit lernte Brooks auch Carl Reiner kennen, mit dem er zusammen ab 1961 mehrere Comedy-Schallplatten aufnahm. 1965 schuf er zusammen mit Buck Henry die Fernsehserie Mini-Max. Der Erfolg dieser Reihe ermöglichte es Brooks im Jahr 1968, einen Produzenten für seinen ersten Spielfilm Frühling für Hitler (The Producers) zu finden. Trotz der gewagten Thematik – ein abgehalfterter jüdischer Broadway-Produzent versucht einen Betrug mit einem Musical über Adolf Hitler – wurde der Film ein Überraschungserfolg, der Brooks einen Oscar für das beste Originaldrehbuch einbrachte. Im Jahr 2001 hatte eine Musicalversion von The Producers am New Yorker Broadway Premiere und gewann zwölf Tonys. Eine Verfilmung des Musicals wurde Ende 2005 veröffentlicht.

Nach dem Erfolg von The Producers wandte Brooks sich mit 12 Stühle einem traditionellen Komödienstoff zu, bevor er sich 1974 als Regisseur von Der wilde wilde Westen (Blazing Saddles) und Frankenstein Junior (Young Frankenstein) als Spezialist für Genre-Parodien bewies. Das Jahr 1974 war für die Karriere von Mel Brooks ein bedeutsames, da seine beiden Filme Der wilde wilde Westen, der im Februar in den Kinos startete, und Frankenstein Junior, der im Dezember erschien, große Erfolge waren. Als debiler Gouverneur in Der wilde wilde Westen trat Brooks auch erstmals in einer größeren Rolle als Schauspieler in Erscheinung. In den folgenden Filmen trat Brooks dann häufiger als Hauptdarsteller, Regisseur und Drehbuchautor auf. Seine Filme parodierten Hitchcock-Filme (Höhenkoller), Science-Fiction (Spaceballs) oder das Revival der Robin-Hood-Filme (Robin Hood – Helden in Strumpfhosen) der frühen 1990er Jahre. Nebenher produzierte Brooks auch – für ihn untypische – Filme wie Der Elefantenmensch von David Lynch oder die Neuverfilmung des Science-Fiction-Klassikers Die Fliege von David Cronenberg.[5]

Seit dem mäßigen Erfolg seiner Dracula-Parodie Dracula – Tot aber glücklich im Jahr 1995 wurde es ruhiger um Brooks. Er trat nur noch in kleineren Gastrollen wie in der Fernsehserie Verrückt nach dir auf, bis er dann Hollywood mit dem Erfolg der Musicalversion von The Producers überraschte. Im Oktober 2007 hatte ein weiteres Musical von Mel Brooks, diesmal basierend auf seiner Horrorfilmparodie Frankenstein Junior, Premiere am Broadway. Die Kritiken waren zwiespältig; Young Frankenstein konnte nicht an den Erfolg von The Producers heranreichen. 2008 ließ er die Zeichentrickserie Spaceballs: The Animated Series produzieren. Er sprach eine Rolle (President Skroob), sang den Titelsong, führte aber keine Regie. Der Erfolg hielt sich in Grenzen.

2023 lief die von ihm mitentwickelte Serie Die verrückte Geschichte der Welt, Teil II an, in der er auch als Schauspieler in Erscheinung tritt.

Mel Brooks und die Schauspielerin Anne Bancroft (1931–2005) heirateten 1964; Bancroft starb am 6. Juni 2005 nach einer Krebserkrankung. Für beide war es die zweite Ehe. Die beiden haben einen Sohn namens Maximilian, der unter anderem als Autor (Operation Zombie: Wer länger lebt, ist später tot) arbeitet.[1]

Anfang März 2009 erhielt Brooks in Anerkennung seiner Verdienste vom Club der Berliner Filmjournalisten den Ernst-Lubitsch-Preis zugesprochen.[6] Im April 2010 wurde Brooks am Hollywood Walk of Fame mit einem Stern in der Kategorie Film (6712 Hollywood Boulevard) geehrt. Er erhielt vom American Film Institute 2013 den AFI Life Achievement Award. Am 8. September 2014 verewigte sich Mel Brooks mit seinen Hand- und Schuhabdrücken im Zementboden vor dem TCL Chinese Theatre in Hollywood. Dabei machte der Komiker sich einen Spaß daraus und trug an seiner linken Hand einen künstlichen, sechsten Finger.[7]

Im Juni 2023 wurde Brooks für seine Verdienste der Ehrenoscar der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) zuerkannt.[8] Die Auszeichnung wurde am 9. Januar 2024 in Los Angeles verliehen. Ursprünglich war die Verleihung für den 18. November 2023 geplant, wurde aber aufgrund des SAG-AFTRA-Streiks von Schauspielern und Drehbuchautoren verschoben.[9]

Rezeption und Wirkung

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Mel Brooks bei einer Zeremonie zur Verleihung eines Sterns auf dem Hollywood Walk of Fame.

Das Werk von Mel Brooks gilt als prägend für die Entwicklung der Film- und Fernsehkomödie des 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Seine Filme zeichnen sich durch eine Mischung aus Parodie, Slapstick, Musiknummern und gezielter Grenzüberschreitung aus, wobei insbesondere die satirische Auseinandersetzung mit etablierten Filmgenres als charakteristisch gilt. Bereits mit frühen Erfolgen wie Frühling für Hitler (1967) und Der wilde wilde Westen (1974) etablierte sich Brooks als einer der wichtigsten Vertreter der modernen Filmparodie.[10][11]

Die zeitgenössische Rezeption seiner Werke war häufig gespalten. Während ein Teil der Kritik seine Filme als innovativ, subversiv und formal kreativ lobte, wurden sie zugleich wiederholt als geschmacklich provokant oder bewusst „unfein“ bewertet. Insbesondere der Einsatz von derben Witzen, Tabubrüchen und überzeichneter Darstellung gesellschaftlicher Stereotype führte in einzelnen Fällen zu kontroversen Diskussionen. Dennoch erhielten mehrere seiner Filme bedeutende Auszeichnungen, darunter einen Oscar für das beste Originaldrehbuch für Frühling für Hitler.[12][13]

Im Verlauf der 1970er- und 1980er-Jahre wurde Brooks zunehmend als Meister der Filmparodie anerkannt. Werke wie Frankenstein Junior (1974), Mel Brooks’ letzte Verrücktheit: Silent Movie (1976) oder Spaceballs (1987) gelten heute als stilbildend für das Parodiegenre und beeinflussten zahlreiche spätere Komödienproduktionen. Die nachhaltige Wirkung seines Schaffens und Elemente seines Humors finden sich auch in zahlreichen Filmparodien sowie Fernsehformaten, die bewusst mit Genre-Konventionen spielen wieder. Brooks’ Einfluss wird häufig in einem Atemzug mit der Etablierung postmoderner Komödien genannt, die sich durch Selbstreferenzialität und mediale Brechungen auszeichnen.[14]

Auch auf der Theaterbühne konnte Brooks nachhaltige Erfolge verzeichnen. Die Musical-Adaption von The Producers entwickelte sich ab den frühen 2000ern zu einem internationalen Bühnenerfolg und wurde mehrfach mit Tony Awards ausgezeichnet. Damit wurde sein Werk auch im Bereich des Musicals neu rezipiert und einer jüngeren Generation zugänglich gemacht.[15][16]

In der Film- und Medienwissenschaft wird Brooks häufig als wichtiger Vertreter einer „dekonstruktiven Komödie“ eingeordnet, die narrative und stilistische Konventionen klassischer Hollywood-Genres bewusst unterläuft. Gleichzeitig wird sein Werk als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen seiner Zeit interpretiert, insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit politischen und kulturellen Stereotypen.[11][17]

Im Rückblick gilt Mel Brooks heute als eine der einflussreichsten Figuren der Filmkomödie. Seine Filme werden regelmäßig in Bestenlisten aufgenommen und in akademischen Kontexten analysiert. Gleichzeitig bleibt seine Rezeption ambivalent, da einige humoristische Mittel aus heutiger Perspektive als zeitgebunden oder problematisch diskutiert werden.[11][18][19]

Mehrmals eingesetzte Darsteller

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Mit einigen Schauspielern hat Brooks öfter gearbeitet. Besonders bekannt:

Chart­plat­zie­rungen
Erklärung der Daten
Singles[20]
To Be or Not to Be
 DE1102.04.1984(14 Wo.)
 CH1515.04.1984(9 Wo.)
 UK1218.02.1984(10 Wo.)
1968: Bestes Original-Drehbuch für Frühling für Hitler (The Producers)
2023: Honorary Award für sein Lebenswerk.
1997/1998/1999: Für seine Gastauftritte in der Comedy-Serie – Verrückt nach dir (Mad About You)
1998/2002: Bestes Comedy-Album – The 2000 Year Old Man In The Year 2000 und zwei Preise für The Producers (Video und Musical-Album)
2001: Drei Preise für The Producers (Buch, Original Score, Bestes Musical)
2009: Ehren-Ernst-Lubitsch-Preis – für sein Musical The Producers – Frühling für Hitler
2009: Für sein Lebenswerk.

In den deutschen Versionen seiner Filme wurde Brooks häufig von Wolfgang Völz synchronisiert. Völz wurde von Brooks selbst als sein Synchronsprecher ausgesucht.

Commons: Mel Brooks – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Mel Brooks Biography (1926-). Abgerufen am 27. Juni 2023.
  2. Archivierte Kopie (Memento vom 30. November 2011 im Internet Archive)
  3. Archivierte Kopie (Memento vom 28. September 2009 im Internet Archive)
  4. Mel Brooks (Melvin Kaminsky)-biography — JewAge. Abgerufen am 27. Juni 2023 (hebräisch).
  5. Dokumentarfilm Fear of the Flesh: The Making of The Fly von David Prior und Christa Hamilton mit Dreamlogic Pictures (2005), 136 Minuten, enthalten im Bonusmaterial „Special Features“ der blu-Ray Disc Die Fliege, 2008, Twentieth Century Fox Home Entertainment, im Vertrieb von The Walt Disney Company, München
  6. vgl. dpa: Mel Brooks erhält den Ernst-Lubitsch-Preis. In: Berliner Zeitung, 7. März 2009, Ausg. 56, S. 29
  7. de.eonline.com: Mel Brooks Has 11 Fingers! Beloved Actor Makes an Impression During Hollywood Cement Ceremony Artikel vom 9. September 2014
  8. Anne Thompson: Academy Governors Awards Go to Mel Brooks and Angela Bassett. In: IndieWire. 26. Juni 2023, abgerufen am 4. Januar 2024 (amerikanisches Englisch).
  9. Academy of Motion Picture Arts and Sciences: The Academy Announces New Date for 14th Governors Awards. Abgerufen am 4. Januar 2024 (englisch).
  10. 99 Jahre Mel Brooks: Das rastlose Comedy-Urgestein. 27. Juni 2025, abgerufen am 2. Mai 2026.
  11. 1 2 3 Scott Tobias: Blazing Saddles at 50: the button-pushing spoof that could never get made today. In: The Guardian. 7. Februar 2024, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 2. Mai 2026]).
  12. Blazing Saddles movie review & film summary. Abgerufen am 2. Mai 2026 (amerikanisches Englisch).
  13. Producers, The. In: Programmkino. 4. Februar 2020, abgerufen am 2. Mai 2026.
  14. Ben Sherlock: Why Blazing Saddles Is Mel Brooks' Best Spoof (& Why Young Frankenstein Is Second). 20. September 2020, abgerufen am 2. Mai 2026 (englisch).
  15. Mel Brooks | The Stars | Broadway: The American Musical | PBS. In: Broadway: The American Musical. Abgerufen am 2. Mai 2026 (amerikanisches Englisch).
  16. Winners (Tony Awards for The Producers). Abgerufen am 2. Mai 2026 (amerikanisches Englisch).
  17. Kirsten Fermaglich: Mel Brooks’ The Producers: Tracing American Jewish Culture Through Comedy, 1967–2007. In: American Studies. 2007, ISSN 0026-3079, S. 59–87 (ku.edu [abgerufen am 2. Mai 2026]).
  18. The Iconoclastic Comedic Genius of Mel Brooks | Columbia Magazine. Abgerufen am 2. Mai 2026 (englisch).
  19. David Crow: Blazing Saddles: An Old Western About Living in America Today. In: Den of Geek. 7. Februar 2019, abgerufen am 2. Mai 2026 (amerikanisches Englisch).
  20. Chartquellen: DE CH UK
  21. Mel Brooks. Abgerufen am 27. Juni 2023 (englisch).