Ganz zweifellos ist Valery Gergiev, 60, der einflussreichste russische Dirigent der Gegenwart. Sein Jahreseinkommen wird auf zwölf Millionen Euro geschätzt, neben dem Petersburger Mariinski-Theater leitet er das Philharmonische Orchester Rotterdam, das London Symphony Orchestra und von 2015 an auch die Münchner Philharmoniker. Er hat Anna Netrebko im Petersburger Konservatorium entdeckt (beim Putzen, allerdings nicht der Toiletten, wie die Legende sagt, sondern des Foyers), und in Interviews mit westlichen Medien betont er gern, dass "sein Freund" Wladimir Putin im Vergleich zu Boris Jelzin ein "wirklicher Demokrat" sei. Als die russische Armee 2008 im Konflikt mit Georgien seine südossetische Heimat besetzte, gab Gergiev prorussische Konzerte, und als Putin 2012 wieder Präsident werden wollte, fand er in Gergiev einen Wahlkämpfer. Man kann nicht sagen, dass Gergiev aus seinem Künstlerherzen je eine politische Mördergrube gemacht hätte.
Dirigent Valery Gergiev: Falscher Strahlemax
Ist der russische Dirigent Valery Gergiev für München tragbar?
