
Niemand möge bitte auf die Idee kommen, wir könnten diesem flächenhaften Naturdenkmal wie einem Baum oder einem Felsen in der Landschaft begegnen, oder glauben, dieses flächenhafte Naturdenkmal wäre wegen seiner Besonderheit von vorne herein eine touristische Attraktion, die man möglicherweise auch noch in Gruppen erwandern könnte.

Jenes flächenhafte Naturdenkmal in Mannheim, von dem wir hier reden, hat so rein gar nichts mit unserer romantischen Vorstellung von Natur und auch nichts mit unserer gewöhnlichen Vorstellung von Denkmal zu tun, unsere Vorstellung zum Beispiel, dass ein Denkmal wie ein Bild in einem Museum betrachtet werden könnte, nein, es kümmert sich in keiner Weise um solche Vorstellungen, es reicht diesem Denkmal völlig aus, sich selbst, das heißt, die Fläche selbst zu sein, wenn dort die Natur, die ihr entsprechende, besondere Eigenart entfalten kann. Welche Eigenart das ist, verschließt sich uns aber durch dichten Baumbewuchs an den Hängen der ehemaligen Baggergrube und der See, der sich aus Grundwasser speist, ist nur zu erahnen und von seinen Fischen wie Rotauge, Rotfeder oder Sonnenbarsch gibt es für uns Außenstehende ohnehin keine Spur. Wenn Bäume und Gebüsch im Sommer ihr Blattwerk voll entfaltet haben, liegt der See umso verschlossener und die Sträucher und Bäume neigen und verästeln sich, als müssten sie Dornröschen behüten. Selbst die vorbeiführende Brücke, von der man glaubt, sie böte von ihrem erhöhten Standpunkt einen guten Einblick erweist sich als Aussichtspunkt ungeeignet, man blickt auf hohe Schornsteine und die umliegenden Industriegebäude, denn wieder nehmen Bäume die Sicht auf das Gewässer. Als sei dies nicht Schutz genug, wurden Maschendrahtzäune rings herum gestellt und als diese zertreten wurden, ein festes, zwei Meter hohes aus Doppelstabmatten gefertigtes Zaungitter rund um die Fläche installiert. Beschämt stellt man dann aber fest, dass es dieses Schutzes der Natur bedarf, verdeutlichen der am Zaun abgelegte und von ihm abgewehrte Müll und die durch den Wind hineingetragene Abfälle, die sich im Gebüsch verfangen haben, dass hier Mensch und Natur einen Kampf führen und der Zaun um den ehemaligen Baggerweiher herum eine für die Natur zum Überleben wichtige Grenze darstellt. Eine namenlose streunende und jagende Katze allerdings kennt Schlupflöcher und weiß, was sie dort unten am Ufer zwischen Wiesen-Kerbel, Weideröschen und Wirbeldost finden kann und für diese Katze ist es auch möglich, den Weiher zu umrunden. Für Menschen nicht, denn auf der Westseite führen zwei Eisenbahngleise an der Uferböschung vorbei, die wegen der tödlichen Gefahr durch fahrende Züge nicht betreten werden sollten. So läuft man vom Wendeplatz der Eisenbahnstraße kommend, vorbei an einer Reihe abgestellter Siloanhänger den Zaun entlang, immer wo möglich den Blick auf die Seefläche gerichtet. Doch von außen mag kein deutliches Bild gelingen und auch die zuständige Landesanstalt für Umwelt findet in ihrem Steckbrief zum flächenhaften Naturdenkmal 82220000048 zur Beschreibung keine Worte. Erst wenn man an der Längsseite ganz entlang gelaufen ist und nach rechts den Weg einschlägt, ergibt sich durch ein verriegeltes Einfahrtstor eine etwas freiere Sicht und ein am schmucklosen Tor angebrachtes Schild enthält überraschend den Hinweis, dass Angeln nur mit Erlaubnis des Angelsportvereins Neckarau 1954 e.V. gestattet ist. Doch nun, vor dem Tor, wenn der knapp drei Meter tiefe See halb umrundet, und die bewachsenenen Böschungen rechts und links sichtbar sind, scheint es, als wäre es möglich, dass im Wasser des Weihers entgegen aller Physik sich die Kreise zuerst von außen nach innen bilden und erst hernach in die Mitte ein Stein hineingeworfen wird, scheint es möglich, dass hier eine Zeitmaschine verborgen und beschützt wird, scheint es möglich, dass der Zaun nicht nur den See schützt, sondern dass umgekehrt das umliegende Gelände durch den Zaun vor den gewaltigen Kräften der Natur geschützt werden muss, eine Natur, die, lange bevor es ein Mannheim gab, lange bevor es Neckarau gab, die Flächen beherrschte.

Stotzweiher
68199 Mannheim
(523) 12.2025


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