HIER kommt ihr zum gesammelten Reisebericht Italien 2021.
Ciao ihr Lieben!
Wie in meinem vorigen Blogbeitrag versprochen, nehme ich euch heute mit nach Lucca. Diese Stadt, deren antike Wurzeln bis ins 8. Jahrhundert v. Chr. (bis in die vorrömische Zeit der Etrusker) zurück reichen, hatten Edi und ich auch schon bei unseren beiden vorangegangenen Toskana-Urlauben besucht. Weil es uns dort so gut gefallen hat, wollten wir sie gern ein weiteres Mal sehen. Und auch unsere Freunde Brigitte und Peter interessierten sich für Lucca und seine Sehenswürdigkeiten.
Allein schon die vollständig erhaltene Stadtmauer besitzt einen besonderen Reiz; sie gilt als das besterhaltene Beispiel für eine neuzeitliche Befestigungsanlage in Europa. Im 12./13. Jahrhundert ersetzte sie die römische Mauer; in der heute bekannten Form wurde sie zwischen 1504 und 1648 ausgebaut. Interessanterweise wurde die Stadtmauer nie zur Verteidigung Luccas gebraucht, doch sie bewahrte die Stadt im Jahr 1812 vor einem Hochwasser.
Dass man auf ihr auch spazierengehen oder radeln und auf diese Weise Lucca umrunden kann, zeige ich euch später. Zuerst mussten wir die Mauer durchqueren. Verwinkelte Gänge, die teilweise farbig beleuchtet werden, führen vom öffentlichen Parkplatz in die Stadt hinein.
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Durch Lucca kann man wunderbar bummeln, es gibt hier viele autofreie Bereiche. Einige mittelalterliche Kirchen und Türme sowie schöne Stadthäuser aus der Renaissance prägen den Charakter des historischen Stadtkerns. Dazu kommt typisch südländisches Flair mit Wäsche, die vor den Häusern im lauen Wind flattert, Vespas, Rosenduft, belebte Marktplätze, Heiligenbilder und Statuen...


Auch Luccas Schaufenster wirken sehr einladend. Und was ich schon in Florenz beim Blick in die Auslage manch eines Modeshops festgestellt hatte, traf hier ebenfalls zu: Es gab vieles, das in mein Beuteschema gepasst hätte - tolle Herbstfarben, schöne Muster und Schnitte. Was ebenfalls auffallend war: zahlreiche Animal-Prints, vor allem (aber nicht nur) Leo-Muster. Aber auch Homer Simpson im Leonardo-Look war verfügbar 😁. Und Deko fürs Zuhause sowie gut abgehangener Schinken...

In einer kleinen Galerie wurden nicht nur Bilder von Katzen im coolen Piraten- oder Boho-Look angeboten, sondern auch Früchte aus Carrara-Marmor, die teilweise täuschend echt aussahen. Aber 14 € für eine Orange oder Feige, die man nichtmal essen kann? Der silbern glänzende Kaffeeautomat in einem Lokal gefiel uns sehr. Im Fenster eines Barbier-Ladens war zu lesen "Sorry Ladies, only for men."

Ab und zu warfen wir beim Bummeln einen Blick in eins der Gebäude oder ihre Höfe - so z.B. (angelockt durch den Blick auf hohe Bäume) in den Hof des
Das Gebäude wurde 1401 erbaut; es war im Laufe der Jahre Residenz mehrerer Adelsfamilien und beherbergte zwischenzeitlich auch wichtige öffentliche Einrichtungen. Heute ist es unter anderem Sitz der Provinzverwaltung.
Der Palast ist groß und verdankt sein heutiges Aussehen der Restaurierung im Jahre 1578 durch Bartolomeo Ammannati, einem berühmten Architekten und Bildhauer seiner Zeit. Unter anderem befindet sich im Palazzo Ducale die Kapelle Santa Maria della Misericordia, in der das Museum “Paolo Cresci per la storia dell’emigrazione italiana” eingerichtet wurde (siehe Schild unten rechts). Das Museum erzählt die Geschichte der italienischen Emigration von 1860 bis 1960 mittels Briefen, Tagebüchern und Fotografien.
Santa Maria Forisportam:
Der Name der Kirche geht auf "Foris Portam" zurück, was "vor dem Stadttor" bedeutet, denn ursprünglich befand sie sich außerhalb der ehemaligen (römischen) Mauern direkt vor dem östlichen Stadttor. Wegen ihrer weißen Marmorverkleidung wird sie von den Einheimischen auch Santa Maria Bianca genannt. Uns beeindruckten hier ganz besonders die drei kunstvoll verzierten Portale - sie machten uns neugierig, deshalb gingen wir in die Kirche hinein.
Ein Pergament aus dem Jahr 768 bezeugt die Existenz dieses Gotteshauses bereits im 8. Jahrhundert; im 12. bis 13. Jahrhundert wurde es im Stil der Luccheser Romanik umgebaut, ein Glockenturm wurde erst 1619 hinzugefügt. Wie ich außerdem erfahren habe, ist das Kirchengebäude seit seiner Entstehung etwa 1,5 Meter in die Erde gesunken.
Doch eigentlich zog es uns zu einem ganz anderen Gebäude hin - zur
dem
Wahrzeichen von Lucca. Von Edi und mir wird er übrigens
"Turm mit Frisur" genannt 😊 - und ich denke, man kann gut erkennen, wie es zu diesem Spitznamen kam: Das Aussehen des 44,25 Meter hohen
Geschlechterturmes wird geprägt von
sieben windzerzausten Steineichen, die aus seiner Spitze ragen.
Es ist nicht genau bekannt, wann dieser Garten in luftiger Höhe angelegt wurde, aber
auf einem Bild aus dem 15. Jahrhundert kann man sehen, dass unter den
damals noch zahlreich vorhandenen Türmen von Lucca einer steht, der mit Bäumen gekrönt ist. (Die heute
vorhandenen Steineichen wurden jedoch im Laufe der Zeit neu gepflanzt.) Im Mittelalter gab es mehrere Hundert Geschlechtertürme in Lucca, doch im 16. Jahrhundert wurden viele von ihnen abgerissen oder gekürzt, und somit ist der Guinigiturm einer der wenigen erhaltenen innerhalb der Stadt - und durch seine "Frisur" der auffälligste.

Von der Via Sant’Andrea 45 aus gibt es einen Zugang zum Turm - der
Eintritt kostet aktuell pro Person 5 €. Bei den vergangenen beiden
Lucca-Besuchen habe ich dankend darauf verzichtet, nach oben zu gehen,
doch mittlerweile habe ich meine Höhenangst so weit im Griff, dass ich es wagte (nein, nicht nur wagte - ich wollte es unbedingt!) und die 25 Treppenabsätze mit insgesamt 230 Stufen gemeinsam mit den anderen erklomm.
Der Aufstieg hat es durchaus in sich, denn während die Stufen am Anfang noch schön breit sind, wird es gegen Ende zu sehr eng. Doch ich muss sagen, es hat sich richtig gelohnt - der Ausblick auf die Stadt und die umliegenden Berge ist einfach fantastisch, und auf dieser mit Bäumen bewachsenen Plattform zu stehen, die ich bisher immer nur von unten gesehen hatte, fühlte sich für mich ausgesprochen gut an. Dank der Zugangsbeschränkungen wegen Covid war der Dachgarten erfreulicherweise auch nicht überlaufen.
Tiere in Lucca:
Während wir noch darauf warteten, dass wir auf den Turm hinauf konnten, begegnete uns dieser nette "Wasserträger-Hund". Er wirkte sehr auf seine Aufgabe konzentriert. Die beiden Straßenkater sahen wir in einem anderen Winkel der Stadt, sie waren gemeinsam unterwegs - der rote Bursche zeigte uns die Zunge, aber ich denke, das lag wohl nicht daran, dass er uns frech kommen wollte - vielleicht fehlen ihm schon einige Zähne? Dann passiert es angeblich manchmal, dass Katzen die Zunge aus dem Maul rutscht. In einem Gewässer nahe der Stadtmauer entdeckten wir einen Silberreiher*), der aber leider zu weit weg für ein besseres Foto war.
*) Korrektur, mein vogelkundiger Blogfreund David M. Gascoigne hat mich darüber aufgeklärt, dass es sich nicht um einen Silberreiher, sondern um einen Kuhreiher handelt. Ich bin fasziniert, dass man den Unterschied bei diesem Foto überhaupt feststellen kann..., aber möglicherweise ist es für Kenner ganz eindeutig? 
Wenn man viel unterwegs ist, verlangt der Körper irgenwann nach Nahrung. In Lucca gibt es (wie in fast jeder italienischen Stadt) verlockende Ristorantes an jeder Ecke, und wie ihr seht, gab es Pasta für jeden Geschmack und sowohl für größeren als auch für kleineren Hunger. Die gelben Häuser mit den grünen Fensterläden stehen auf einem ganz besonderen, elipsenförmigen Platz in Lucca, der Piazza dell'Anfiteatro. Die Form ist auf die ursprüngliche Bestimmung des Platzes zurückzuführen, er wurde nämlich auf den Grundmauern eines römischen Amphitheaters errichtet. (Wenn ihr auf DIESEN Link klickt, könnt ihr euch eine hübsche Luftaufnahme der ovalen Piazza ansehen.) Entzückend fanden wir das kleine gelbe Gefährt der örtlichen Postzusteller.
San Michele in Foro:
Genau im Zentrum von Lucca befindet sich die Kirche
San Michele in Foro, die
an der Stelle des alten römischen Marktplatzes erbaut wurde.
Sie ist nach dem Dom (den wir nur vom Guinginiturm aus fotografiert haben) die zweite
bedeutende Kirche in Lucca und stammt aus dem 11.
Jahrhundert. Kann es sein, dass wir zu diesem Zeitpunkt schon etwas übersättigt oder überfordert von den prunkvollen Kirchen Italiens waren? Denn welchen Grund könnte es sonst haben, dass wir von der Sankt-Michaels-Kirche, die für ihre spektakuläre Fassade berühmt ist, nur Seitenansichten fotografiert haben?*) Zum Glück könnt ihr sie euch HIER in Wikipedia ansehen. Diese Fassade ist im Vergleich zum Kirchenbau dahinter wesentlich größer und höher: Ursprünglich war nämlich ein höheres Mittelschiff geplant, das dann aber nicht erbaut wurde. Der Marmor ist mit Hunderten von Fabelwesen, eingemeißelten Gesichtern und Blumenmustern geschmückt. Gekrönt wird die Kirche von einer riesigen Statue des Erzengels
Michael, der einen Drachen tötet (auch davon haben wir nur Seiten- bzw. Rückansichten zu bieten 😕).
*) Nun vielleicht war einer der Gründe auch, dass wir an diesem Tag noch einen besonderen Garten besichtigen wollten und deshalb alles andere in den Hintergrund rückte?

Palazzo Pfanner und sein Garten:
Sowohl Brigitte und Peter als auch Edi und ich hatten uns vor unserer Reise einige Fernsehberichte über die Toskana angesehen; in einem davon wurde der Garten des
Palazzo Pfanner in Lucca gezeigt - und uns war klar, dass wir dorthin mussten. Zum einen, weil es bei diesem Stadtpalast einen Bezug zu unserem Heimatland Österreich gibt, aber vor allem, weil dieser
Garten einfach wunderschön ist. Unsere Freunde nahmen ein
Kombiticket und sahen sich auch die
Räume im Palazzo an - hier unten seht ihr einige von Brigittes Fotos. Edi und ich nahmen uns nur ein Ticket für den Garten.
Der Palazzo wurde um
1660 ursprünglich für die wohlhabende Handelsfamilie
Moricani konstruiert; schon im Jahr 1680 war die Familie jedoch durch ihre
Insolvenz gezwungen, das Gebäude zu verkaufen. Danach folgten wechselnde Besitzer, die verschiedene Umbauten vornahmen, wie z.B. eine monumentale Treppe oder die Umgestaltung der Gartenanlage im 17. Jahrhundert. Kommt mit, wir wollen hier ein wenig lustwandeln!
Ein Traum, nicht wahr? Wir waren jedenfalls absolut hingerissen!
Und wie ist das nun mit dem "Österreich-Bezug"? Felix Pfanner (1818-1892), ein Bierbrauer aus Hörbranz am Bodensee, mietete im Jahr 1846 Teile der Anlage und richtete hier eine Brauerei, eine
Produktionsstätte und einen Biergarten ein. Er war damit der
erste Bierhersteller des Herzogtums Lucca und einer der ersten in
Italien, und somit wurde die Brauerei Pfanner zu einem Anziehungspunkt für
Einheimische und Ausländer. Im Laufe der Zeit konnte Felix Pfanner dank der Einnahmen seiner
Brauerei den gesamten Palazzo kaufen. Er verbrachte sein restliches Leben hier, heiratete und hatte sieben Kinder.

Die Brauerei existiert inzwischen zwar nicht mehr (sie wurde 1929 nach
jahrzehntelanger Tätigkeit geschlossen), das Grundstück gehört aber immer noch der Familie Pfanner. Sie lebt in einem Teil des Gebäudes, die
weiteren Räumlichkeiten und der Garten wurden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und immer wieder werden hier Veranstaltungen organisiert.
Auch während unseres Besuches gab es in einem Bereich der Gartenanlage eine Veranstaltung - eine Ausstellung wundervoller Classic-Cars!

Einige
von euch wissen vielleicht noch, dass Herr Rostrose und ich einige Jahre
lang bei den Oldtimer-Rallyes in unserem Bezirk als Fotografen mit
dabei waren - leider werden diese Rallyes mittlerweile nicht mehr veranstaltet - HIER einer meiner Beiträge von damals. Wir waren also begeistert und voll in unserem Element.
Stadtmauer-Promenade:
Der Pfanner-Garten liegt neben der Stadtmauer und man kann auch direkt von einem Hinterausgang auf diese Mauer hinaufgehen. Der einstigen Herzogin von Lucca -
Maria Luisa von Bourbon-Spanien - haben wir es zu verdanken, dass sich
auf der Mauer eine von Bäumen gesäumte Promenade befindet. Diese umgibt das Stadtzentrum wie eine grüne Oase, und auch die Bastionen
und Außenbereiche sind begrünt. Diese Bereiche werden gern für
Veranstaltungen genützt und auf der Promenade sieht man stets zahlreiche
Jogger, Farhrradfahrer und Spaziergänger.
Nachdem wir den Palazzo bzw. seinen Garten besichtigt hatten, zog es uns auf diesen angenehm schattigen Mauer-Spazierweg hinauf - dort waren wir auch bei unseren früheren Lucca-Besuchen schon gern unterwegs gewesen. Man hat von hier einen herrlichen Blick in die Umgebung, und die sieht an einem so blauhimmeligen Tag natürlich ganz besonders gut aus.
Natürlich muss man nicht die gesamte 4,2 km lange Stadtmauer entlang gehen - es gibt zwischendurch immer wieder Auf- und Abgänge. Und so zog es uns nach einiger Zeit wieder in die Stadt zurück. Unter anderem sammelten Brigitte und ich da unterwegs noch einige Schilder für Artis Schilderwald...
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| Das Schild mit dem Adler darüber erinnert an den in Lucca geborenen Flugpionier Carlo Del Prete (1897–1928). |
... und wir brachten außerdem für Nova jede Menge Tore (und Tor-Details) mit. Von der ehemaligen, mittelalterlichen Stadtmauer sind noch zwei
Stadttore erhalten - eines davon seht ihr in der folgenden Collage, zweite
Reihe Mitte - die Porta San Gervasio
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Folgende Collage: Der Torbogen in der ersten Reihe und das Schild mit dem Adler (schon wieder 😉) in der zweiten Reihe gehören zur ehemaligen Tabakfabrik von Lucca. Am Ende des 19. Jahrhunderts beschäftigte diese große Fabrik Hunderte von Menschen. Die Zigarrenherstellerinnen von Lucca waren berühmt für ihre Fähigkeit, die beliebte "Stortignaccolo"-Zigarre herzustellen. Es handelt sich dabei um eine "krumme" Zigarre, die eigentlich durch einen Fehler entstanden war, aber sich großer Beliebtheit erfreute. Mittlerweile werden die Zigarren in einer modernen Fabrik in einem Vorort von Lucca produziert.

Ihr Lieben, das war's von unserem Rundgang durch Lucca. Diese schöne Stadt hat noch um einiges mehr zu bieten, nicht nur all die Kirchen, die wir diesmal zum Teil nur von oben oder von der falschen Seite fotografiert haben 😉, sondern z.B. für Opernliebhaber das Giacomo Puccini-Museum, das in seinem Geburtshaus untergebracht ist. (Für unsere Freundin Moni war dieses Museum seinerzeit der Hauptgrund, um Lucca zu besuchen.)

Doch wir hatten viel gesehen und genossen, nun zog es uns wieder zurück
in unser Feriendomizil, wo wir uns einerseits am Blick auf den
Abendhimmel erfreuten und uns andererseits ein typisch italienisches Abendessen - bestehend aus Mozarella mit Tomate und einigen feinen Antipasti - gönnten. HACHJA, bella Italia! Angesichts all dieser Bilder bekomme ich schon wieder richtig Sehnsucht nach dem Süden...
Fotos von Brigitte, Edi und mir
Ciao & Arrivederci,
T r a u d e
Gerne verlinke ich passende Beiträge:
beim Mosaic Monday, Froh und kreativ, Artis Schilderwald-Linkup, Wednesday around the World bei Pieni Lintu, bei My Corner of the World, Naturdonnerstag - bei Elke, Friday Bliss - bei Riitta von Floral Passions, Saturday's Critters bei Eileen, bei der Gartenglück-Linkparty, I’d Rather B Birdin’, Garden Affair - bei Jaipur Garden, Novas Linkups - wie Glockentürme oder T in die neue Woche, Heidis Aktion Himmelsblick, Colour-Energy von Maren - Farbwunder Style, Ich seh rot oder Close to the Ground bei Jutta, All good things are blue bei Anne, Mein Freund, der Baum - bei Astrid