Zunächst einmal vielen herzlichen Dank für eure Kommentare zu meinem vorangegangen
Reisebericht-Kapitel, in dem wir uns an Sandstrand und Meer begaben und das sehr genossen.
Da es bei diesem Posting einige technische Schwierigkeiten gab und es daher vielleicht nicht
von allen interessierten LeserInnen entdeckt wurde, bekommt ihr
hier nochmals den Link dazu.
Und ganz großen Dank auch noch einmal an alle, die mir so liebe Zeilen zu meinem letzten
"nicht-indischen" Beitrag
Gegen das Wintergrau hinterlassen haben; ich war überwältigt, dass
er so vielen von euch offenbar sehr aus der Seele sprach. Und weil mich einige von euch gern
im neuen grünen Pulli sehen wollen, gab's hier im Rostrosenland bereits ein sensationelles
Modeshooting, dessen Ergebnisse ich euch (aller Voraussicht nach) nächste Woche zeigen
werde ... ☺☺☺
Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so aussieht: Heute ist wieder ein "nicht-
indisches" Posting an der Reihe ;o) Die
Fotos dieses Posts allerdings stammen von unserer
Südindien-Reise - weil es genug davon gibt und weil mein heutiges Thema nicht unbedingt nach
passenden Fotos verlangt. ;o) Ich hoffe, sie gefallen auch den nicht so Reiselustigen unter euch!
Auf jeden Fall seid alle herzhaftest begrüßt - und meinen neuen LeserInnen möchte ich hier noch
ein herzliches Willkommen sagen! Ich freue mich, dass ihr hier seid!
Vor ein paar Jahren wurde ich in einem Blog (der leider nicht mehr existiert) erstmals mit dem Wort
"Arschengel" konfrontiert. (Ja, ihr habt richtig gelesen ;o)) Die Bloggerin erzählte über eine
schwierige Phase, die hinter ihr lag und dass ihr ein spezieller Kettenanhänger und eine damit
verbundene Philosophie geholfen hätten, mit dieser Phase positiv umzugehen. Auf diese Weise erfuhr
ich, dass dieser (ein bisserl befremdliche, aber irgendwie auch witzige) Begriff von einem
Psychologen namens
Robert Betz geprägt worden ist.
Vielleicht sagt euch sein Name ja etwas, denn er ist inzwischen offenbar ziemlich bekannt durch
seine Bücher und seine öffentlichen Auftritte als Glückscoach, aber zugleich ist er auch ziemlich
umstritten. Mehr dazu in dem oben eingefügten Link zum Wikipedia-Artikel über ihn, hier noch ein
weiterer zu einem
NDR-Beitrag. Ich will in diesem Posting jedoch gar nicht näher auf Herrn Betz
und seinen Ruf eingehen, da soll sich jeder Mensch seine eigene Meinung bilden. Mir geht es hier
nur um ein paar Facetten seiner Arschengel.
Ich neige nämlich dazu, mir aus allem, was ich so sehe, höre, lese DAS herauszupicken, was für
mich persönlich eine Bedeutung haben oder mir Unterstützung geben kann. Soll heißen, es gibt für
mich auch nicht DIE Weisheit oder DIE Religion oder DIE Wahrheit - auf diese Art bin ich offen für
die unterschiedlichsten Ansätze, und ich habe die Erfahrung gemacht, es steckt in fast allem ein
weiser, wahrer Funke und eine Chance (nur im Fanatismus nicht).

Und so habe ich mir auch aus der Definition der Betz'schen "
Arschengel" das für mich Passende
herausgepickt. Damit keine Verwechslungen entstehen, nenne ich meine Version davon einfach
"Mist-Engel". (Ich sollte vielleicht zu eurem besseren Verständnis auch noch erwähnen, dass ich
"Engel" als metaphorischen Begriff und nicht im klassisch-religiösen oder esoterischen Sinn
verstehe und verwende.)
Kurz gesagt handelt es sich bei den Mistengeln um "hilfreiche Wesen", die
man nicht gleich als
hilfreich erkennt, weil sie nicht lieb und nett agieren, sondern
fies und mies. Sie sind richtige
Miststücke. Oder zumindest empfindet man sie als solche, weil sie einen an einem sensiblen
Punkt getroffen haben. Sie
treten als rücksichtslose Autofahrer in
Erscheinung, als unerträgliche
Ex-Partner, als Mobber am Arbeitsplatz, als schwierige Nachbarn, unangenehme Chefs ... - die Liste
ist beliebig nach euren Erfahrungen erweiterbar. [Im Gegensatz zu Herrn Betz möchte ich nicht so
weit gehen zu behaupten, dass diese "Engel" uns quasi "geschickt" wurden,
weil wir noch etwas
lernen müssen - aber ich behaupte,
dass man aus ihnen etwas lernen kann, sobald man mit ihnen
konfrontiert wird. Jedenfalls, sofern man dafür offen ist.] Vielleicht treten die Mistengel auch gar
nicht als Personen, sondern als widrige
Umstände auf den Plan. Fest steht nur: Sie machen einem
das Leben schwer - vielleicht sogar zur Hölle.
Soso, sie machen einem also das Leben zur Hölle... Und dennoch sind sie angeblich hilfreich,
dennoch sind sie angeblich "Engel".
Wie das? Hier gefällt mir die Betz'sche Definition sehr gut,
weil sie ein Bild zeichnet, mit dem ich gut arbeiten konnte und immer noch kann. Ich gebe sie
euch aber mit meinen eigenen Worten wieder:
Engel müssen leider manchmal zu Miststücken mutieren, weil wir Menschen oft nichts dazulernen,
wenn alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Weil wir oft gar nicht mitbekommen, dass wir irgendwo
ein Problem haben. Dass es in uns drin ein Knöpfchen gibt, das man nur drücken muss, und schon
werden wir wütend oder ängstlich oder fühlen uns machtlos.
In meinem
Neujahrsposting habe ich unter anderem geschrieben, dass es nicht immer zu unserem
Besten ist, wenn alles nach Plan läuft und dass es das Leben manchmal besser mit uns meint, wenn
es uns die Erfüllung von Wünschen versagt oder sich damit Zeit lässt. Bei mir jedenfalls hat es sich
gezeigt, das Schwierigkeiten Starkmacher sind. Dass nicht erfüllte
Wünsche letztendlich die
ergiebigsten Lern- oder Verwandlungsprozesse
einleiten. Dass ich im Vorjahr nach 17 (alles andere
als einfachen) Jahren endlich meinen Arbeitsplatz gewechselt habe, hat zum Beispiel mit solch einer
Mistengel-Entwicklungsgeschichte zu tun.
Wir haben immer verschiedene Möglichkeiten, mit
Unannehmlichkeiten aller Art umzugehen. Wir
können uns ärgern und kränken, aufreiben und runterziehen lassen, wir können verzagen und uns zu
schwach fühlen, um unser Problem in Angriff zu nehmen -
oder wir können uns von unseren
Mistengeln zeigen lassen, wo es für uns noch etwas zu erlernen gibt. Und dann sagen: Jetzt erst
recht. Oder: Jetzt starte ich neu durch. Oder: Jetzt lasse ich nicht mehr zu, dass jemand so oder so
mit mir umgeht.
Manchmal dauern solche Prozesse eine Weile (bei mir wie gesagt länger als anderthalb
Jahrzehnte, in denen ich die ganze Palette von ärgern und kränken bis zu schwach fühlen
durchgemacht habe und zwischendurch Schritt für Schritt zu lernen begann: Ich lernte Autogenes
Training, um mich nicht mehr so machtlos zu fühlen (denn nun hatte ich etwas in der Hand, mit
dessen Hilfe ich mich "abschotten" und außerdem endlich wieder besser einschlafen konnte); ich
lernte orientalischen Tanz für die Lebensfreude und für den Rücken, ich lernte die Ruhe zu
bewahren, ich lernte zu beobachten, begann die Situation zu analysieren und mit anderen Augen
zu betrachten, ich lernte, Verbündete zu finden und lernte außerdem, dass man unter manchen
Menschen nicht leiden muss, selbst wenn sie das noch so gern hätten, ich lernte Qi Gong für den
Seelenfrieden, ich lernte, den richtigen Moment zu nützen, ich lernte mir Hilfe zu holen. Ich lernte
neue Freunde kennen und ich lernte mich selbst besser kennen. Ich lernte schließlich zu sagen: Und
jetzt reicht's - ich habe etwas Besseres verdient.
Manche
Menschen oder Situationen fordern uns heraus - und wir können sie nützen, um über
uns
hinauswachsen! Um zu entdecken, wo unsere Stärken liegen und wie wir sie am zielführendsten
einsetzen. Oder um zu lernen, das zu tun, was wir noch nicht
können. Für manche ist das: Hilfe
suchen. Für andere: sich allein durchboxen. Einigen fehlt vorläufig noch die Fähigkeit, sich gegen
vermeintlich Stärkere zu behaupten, anderen die Fähigkeit, zurückzustecken. Manche erhalten durch
ihre höchstpersönlichen Mistengel die Chance, mit Kritik umgehen zu lernen. Es
gibt so vieles zu
lernen auf der Welt - zuhören, sich mitteilen, sanft
sein, aber zuweilen auch kämpferisch, zu den
eigenen Überzeugungen stehen, Kompromisse schließen, einen kühlen Kopf bewahren, Emotionen
zeigen, Ordnung halten und systematisch agieren, aber auch mal Fünfe gerade sein lassen ... Jeder
kann irgend etwas gut
und etwas anderes nicht so... und manches von den nicht so gut
beherrschten
Fähigkeiten kann man sich aneignen, indem man sich führen
lässt von den Dingen, die nicht so gut
laufen. Beziehungsweise von den Engeln, die in Verkleidung auftreten und die Situationen schaffen,
durch die man dann irgendwie durch muss ... ;o)
*****ღღღ♥♥♥♥♥ღღღ*****
Und wisst ihr, wann solch ein Entwicklungsprozess abgeschlossen ist? Wenn ihr so weit seid,
dass ihr sagen könnt "Ich bin meinem Mistengel dankbar. Ohne diesen Menschen, ohne diese
Situation stünde ich heute nicht da, wo ich stehe."
Inzwischen versuche ich mir das sogar schon vorweg zu denken, wenn mir jemand "dumm kommt"
oder mir eine unangenehme Situation widerfährt:
"Ah, hallo, du altes, fieses Miststück, bist du auch
mal wieder da!?! Im Moment nervst du mich ungemein. Aber ich sag schon mal danke - und bin
neugierig, wo du als nächstes mit mir hinfliegst ... Nette neue Verkleidung übrigens!"
Ihr könnt davon ausgehen, dass manche Mistengel durch mein begleitendes dezentes Grinsen
etwas irritiert sind.
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Hier oben zeige ich euch übrigens dann doch noch Engelfotos. Einerseits
seht ihr geflügelte Figuren, die wir an einem Palast in Indien gesehen
haben, andererseits die "Arschengel-Kettenanhänger" von Funkelkram,
über die die oben erwähnte Bloggerin damals erzählte.
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