Meine Tochter und ich hatten uns vor Kurzem wieder auf eine Lost Place Tour begeben. Das eigentliche Ziel war ein Bunker, leider war dieser verschlossen und wir traten enttäuscht die Rückreise an. Aber wie immer bei solchen Unternehmungen sind die Augen offen und sehr wachsam und so fanden wir dann doch noch ein Objekt was unsere Neugierde weckte.
Man sah dem Haus sofort an, dass es verlassen ist und vor längerer Zeit bereits aufgegeben wurde. Wir parkten ein wenig abseits und näherten uns vorsichtig. Zu unserem Glück war die Tür nicht verschlossen und wir konnten eintreten.
Das Haus war ein völliges Chaos, die Inneneinrichtung ein Schatten ihrer Selbst. Jeder Schrank war offen und alles lag auf dem Boden verteilt. Es scheint, als hätten die Bewohner nichts davon mitgenommen und sind in einer Nacht und Nebelaktion verschwunden. Nachdem ersten lockeren Überblick, bemerkte ich - dass sehr viele Kinder hier gelebt haben müssen. Denn egal wohin man schaute, überall waren sie irgendwie präsent. Ob die Sitzerhöhung für das Auto, oder...
die lieblos abgestellte Babyschale. Alles bereits stark verwittert und dennoch sah man, dass es nie gepflegt wurde. Um so weiter wir in das Haus vordringen konnten, desto mehr Kindersachen konnte man entdecken.
Spielzeug für Jungs und Mädels, diverser Altersklassen, was einfach so zurück gelassen wurde, als hätte es den Kindern nie etwas bedeutet. Oder sie konnten es nicht mitnehmen. Die Anblicke machten schon sehr nachdenklich.
Wem gehörte wohl dieser Teddy? Wem hat er Trost gespendet oder den Schlaf versüßt? All diese Fragen kamen auf, worauf ich leider keine Antwort fand. Und um so genauer ich hinschaute, desto mehr entdeckte ich.
Egal in welcher Ecke oder auf welchem Tisch, es gab keinen Platz ohne die unsichtbare Präsens von Kindern. Einige müssen schon größer gewesen sein, denn auch ein Stundenplan, der sogar noch lesbar war, lag achtlos auf dem Boden.
Um so mehr wir in die Geschichte des Hauses eintauchten um so unwohler wurde uns irgendwie. Die Stille und die Kindermöbel schlugen uns sehr auf die Stimmung. Denn aus Neugierde wurde irgendwie Nachdenklichkeit.
All diese Sachen versprühten eine traurige Atmosphäre die man richtig spüren konnte. Irgendwie konzentrierten sich die Augen nur noch darauf, gleich den nächsten kindgerechten Gegenstand zu entdecken.

Und man wurde nicht enttäuscht, mit jedem Blick und jeder Aufnahme wurde die Stimmung in dem Haus noch bedrückender. Wir waren uns nicht mehr sicher, ob wir uns den Dachboden wirklich noch anschauen sollten. Und dennoch stiegen wir am Ende die wacklige Treppe hinauf und zückten unsere Taschenlampen. Und auch dort änderte sich die Szenerie nicht.
Eine dick mit Staub bedeckte Laufhilfe begrüßte uns, das Seitenfenster ist bereits zerborsten und Sträucher bahnen sich den Weg ins Gebäude. Ich fühlte mich immer unwohler und meine Tochter und ich sprachen kein Wort mehr und verhielten uns extrem leise.
Die Puppe in der Ecke machte uns eher Angst, wir sahen sie nicht wirklich als Spielzeug, so sehr hatte uns das Haus in seinen Bahn gezogen. Ich weiß, dass sich das von euch wahrscheinlich keiner richtig vorstellen kann.
Eine weitere Babyschale stand achtlos in einer Ecke und auch sie war blau, wahrscheinlich wurde damit ein neugeborener Junge transportiert, bestimmt nicht der einzige männliche Nachkommen. Was sich auch in den nächsten 2 Bildern bestätigen wird.
Das Gestell eines Kinderwagens tauchte auf, voll mit vertrocknetem Laub, was den Weg ins Gebäude fand, da das Dach bereits stark beschädigt ist. Und keine 5 Meter weiter zeigte sich der 2. Wagen. Der Anblick ließ mich erschaudern, es wirkte wie eine Szene aus einem Horrorfilm im Schein der Taschenlampe.

Beim näher kommen hatte ich dann sogar noch solche Gedanken wie "Bitte lieber Gott, lass den Wagen leer sein"... ich fühlte mich irgendwie nur noch extrem unwohl in diesem Haus und bat meine Tochter zu gehen. Ich hatte das Gefühl als würde mich jemand beobachten, was natürlich völliger Quatsch ist.
Die letzte Aufnahme schlug uns dann doch regelrecht in die Flucht.
Dabei handelt es sich um einen knallroten Sessel der an der ungedämmten Wand steht und genau die Sicht auf die Kinderwagen hat. Daneben ein Koffer, als würde jemand gleich wiederkommen und Platz nehmen. Denn die Sitzfläche war kaum verschmutzt im Gegensatz zu all dem drum herum. Ich weiß nicht wiso, aber ich fühlte mich in dem Moment nicht allein.
An diesem Punkt war die Besichtigung aus sage wir mal "psychischen Gründen" des Hauses beendet und wir verließen es recht zügig. Und waren froh Tageslicht und frische Luft schnappen zu können. Es war irgendwie erleichternd, den Ort verlassen zu können.
Diese Tour hat mich noch einige Tage beschäftigt, denn irgendwie lies mich das Schicksal der Kinder nicht los.....