Sonntag, 30. Juni 2019
Zwei an einem Tag: Ich werde fliegen
New
York 1993/1994. Lucy Adler ist 17, jeweils zur Hälfte Jüdin und
Italienerin, stammt aus einem liebevollen Elternhaus und hat einen
schlauen Kopf, mit dem sie alles hinterfragt. Sie geht auf eine
elitäre Privatschule in Manhattan, spielt mit sehr viel Talent
Basketball. Es gibt nur zwei Probleme. Sie ist ein Mädchen, und sie
ist heimlich in ihren besten Freund Percy verliebt. Mit dem kann sie
zwar über französische Existenzialisten diskutieren, mehr als ihre
Gedanken teilt er allerdings nicht mit ihr.
Percy
selbst bekommt nämlich von Lucys Gefühlen gar nichts mit. Er sieht
gut aus, ist den Mädchen gegenüber sehr aufgeschlossen und wechselt
sie wie Kaugummi, ohne je wirkliche emotionale Bindungen einzugehen.
Percy bewegt sich mit Leichtigkeit durch die Welt, hat ein echtes
Problem mit Autoritäten, nutzt jedoch die ihm als Sohn reicher
Eltern gegebenen Freiheiten aus und versucht gleichzeitig, sich deren Einfluss zu
entziehen. Im Grunde bleibt ihm aber wegen seiner schlechten schulischen
Leistungen nichts anderes übrig, sich dem
Willen und den Konventionen zu beugen, weil er ohne Hilfe keine
Möglichkeit hat, auf einer Elite-Universität angenommen zu werden. Etwas, das für Lucy keine Mühe darstellt...
Dana
Czapnik wurde in New York geboren und ist begeistert von ihrer
Heimatstadt. Das wird in ihrem Debütroman „Ich werde fliegen“ in
einer sehr intensiven Art und Weise
durch umfangreiche und atmosphärisch
dichte Beschreibungen deutlich. Die
Detailverliebtheit ist für indes für Außenstehende, die New York nicht kennen, in ihrer
Üppigkeit das eine oder andere Mal zu viel.
Ansonsten
fällt die Autorin mit einem lebhaften Schreibstil auf, der
aufrichtig und authentisch klingt und mit jugendlicher Energie
angereichert ist. Leider zeigt sich hierbei ebenfalls ein Hang zur
Ausschweifung, der das Lesen ab und an anstrengend macht.
Dana
Czapnik hat sich hervorragend in das Seelenleben ihrer Protagonistin
hineinversetzt, wenn
diese aus
ihrer Sicht über
ihre Stadt, ihre Generation, die Klassenunterschiede in der
Gesellschaft, ihre Zukunft und
Träume,
ja auch über ihr Liebesleben und die Stellung der Frauen nachdenkt.
Lucy
ist kein
Mädchen von der Stange. Sie ist
keine Schönheitskönigin, eher eine Außenseiterin, die
sie ab und an danach sehnt,
einem bestimmten Ideal zu entsprechen.
„Nietzsche
sagt, dass Schönheit dann am edelsten ist, wenn sie allmählich in
das Herz und den Verstand einsickert.
Er nennt es den langsamen
Pfeil der Schönheit.
Die Art von Schönheit, die man zuerst vielleicht gar nicht
wahrnimmt, die uns dann aber nicht mehr loslässt. Was für eine
wunderbare Vorstellung. Ich wünschte,
ich könnte daran glauben.“ (Seite
108 f.)
Dabei
hat
Lucy
das
mit
ihrer
aufgeweckten
und erfrischenden
Art, Dinge anzugehen, gar
nicht nötig.
In ihr verknüpfen sich Natürlichkeit
mit Intelligenz und
Nachdenklichkeit
mit
Verletzlichkeit, treffen
Selbstbewusstsein auf Unsicherheit und Zynismus auf
Weisheit.
Bei
einem Blick in die Tiefen ihrer Seele entpuppt sich eine
vielschichtige Persönlichkeit, die in sich die Tochter, Freundin,
Basketballspielerin und das Mädchen mit Liebeskummer trägt, aber
nicht zu denen gehört, die sich von ihrem Schmerz über
unerwiderte Liebe
brechen lassen.
Denn
das Leben hält noch viel für sie bereit. Lucy
wird ihre Flügel ausbreiten und fliegen…
3,5
Sterne
Zwei an einem Tag: Kaltenbruch
1954
sind im kleinen rheinischen Dorf Kaltenbruch die Folgen des Krieges
noch spürbar. Neben der angestammten Dorfgemeinschaft leben hier
jetzt unter anderem auch mehr schlecht als recht Flüchtlinge aus den
einstmals deutschen Gebieten jenseits der Oder. Vor allem Frauen wie
Berta Kaminski aus Breslau, ohne einen Mann, aber mit vielen Kindern,
haben es schwer. Die Integration ist verhalten, Misstrauen/Argwohn
und Ablehnung – bis auf wenige Ausnahmen – groß.
Während
beispielsweise seine Geschwister Anfeindungen ausgesetzt sind, ist
Rudi Kaminski anerkannt. Auch Marlene, die als Kind in Köln
ausgebombt wurde und dabei ihre Mutter verlor, hat es nach Umwegen
über Großmutter und Heim gut getroffen. Sie ist auf dem Bauernhof
der Leitners, wo sie gemeinsam mit der Mutter einige Sommer verbracht
hatte, untergekommen. Genauso wie Dana, deren Mutter den Platz der
verstorbenen Frau Leitner eingenommen hat.
Da
geschieht ein Mord und stellt das stillschweigende Arrangement der
Dorfbewohner auf den Kopf. Der siebzehnjährige Heinrich Leitner,
genannt Heini, liegt mit einer Axt hinterrücks erschlagen auf dem
Erdbeerstand, an dem er kurz zuvor noch mit Marlene gesehen worden war.
Statt ihrer wird Gruber, ein Dorfbewohner, der bekanntermaßen dem
Alkohol verfallen und keiner Schlägerei in der Kneipe abgeneigt ist,
blutbesudelt am Tatort aufgefunden. Allerdings beteuert er vehement
seine Unschuld. Und Schlüter,
Fabrikant und sein Arbeitgeber, nur
sekundär an Politik interessiert, einer, der immer alle gut
behandelt (hat, auch die Zwangsarbeiter), besorgt
ihm einen Anwalt.
Es
ist am Düsseldorfer Kommissar Peter Hoffmann, die Frage zu klären,
ob Gruber der Täter ist. Unterstützung erhält er vom
jungen schlaksigen
Polizeimeister
Kröger,
der
im Dorf seinen Dienst verrichtet,
und Lisbeth Pfau, die zunächst lediglich kommentarlos
als Schreibkraft fungieren soll, dann aber beweist, dass sie durchaus zu eigenen klugen Überlegungen
fähig ist.
Schnell
beißt sich der äußerst unwillig agierende und überheblich
wirkende Hoffmann an Gruber als Täter fest und will diesen
so möglichst bald überführen, um das Provinznest verlassen
zu können. Doch nur wenige Tage später wird Gruber selbst zum Opfer und kommt
gewaltsam zu Tode. Hat Heinis Mörder erneut zugeschlagen?
Michaela
Küpper hat für ihr Debüt „Kaltenbruch“ einen interessanten, selten besehenen Zeitpunkt
gewählt. Fast zehn Jahren nach dem zweiten Weltkrieg sind die
Menschen zwar wieder zu einer gewissen Normalität zurückgekehrt,
die Nachwirkungen des Krieges prägen sie und ihren Alltag, der vor
allem aus harter Arbeit besteht, indes immer noch. Die
Dorfgemeinschaft ist nicht mehr unter sich. So wundert es nicht, dass
Zugezogenen gegenüber wenig Akzeptanz bekundet wird, vielmehr
Unbehagen
und ebenso Missgunst
vorherrschen. Die Autorin skizziert mit wachem Auge die
unterschiedlichen Figuren, und nach einiger Zeit gelingt es, sie
zuzuordnen. Die Darstellung zeigt sich als einleuchtend und
glaubwürdig, erschließt jedoch das eine oder andere Mal erst im
Verlauf der Handlung.
Peter Hoffmann sieht auf den ersten Blick aus wie ein Pennäler, verhält sich allerdings
nicht so. Auch auf
den zweiten
Blick
ist
er kein
Zeitgenosse, dem die Sympathie zufliegt. Vielmehr stößt die Art,
wie er mit Gruber umgeht, unweigerlich ab. Aber auch Hoffmann
hat sein Päckchen zu tragen und offenbart gewisse Schicksalsmomente, in denen das Verständnis für ihn wächst.
Der
Plot in seinem historischen Gewand ist merkbar detailliert
recherchiert und durchdacht. Er präsentiert einen kniffligen Kriminalfall,
mit Raum für eigene Überlegungen, ohne diesen in den Mittelpunkt zu
setzen. Die Geschichte wird wechselnd aus Sicht einzelner Figuren
erzählt.
Michaela
Küpper schreibt ohne Effekthascherei, zurückhaltend und manchmal
distanziert, bringt
das
Wesentliche aber mit überzeugenden und ergreifenden Bildern nahe,
besonders wenn es darum geht, die beklemmende Vergangenheit zu
schildern. Dabei entsteht leider auch eine Gefühlskälte, die erst
nach und nach aufgebrochen wird und im gegenwärtigen Geschehen nicht
durchgängig tiefgreifende Emotionalität aufweist.
Trotzdem
ist „Kaltenbruch“ ein lesenswerter Roman mit einer gut
aufgearbeiteten Zeitgeschichte und Protagonisten, die sich in kein
Korsett pressen lassen, deshalb auffallen und mögliches Potential
für ein Wiedersehen bieten.
*Werbung*
Erschienen ist der Roman bei Droemer Knaur, ich danke dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.
Erschienen ist der Roman bei Droemer Knaur, ich danke dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.
Freitag, 28. Juni 2019
Juniblüte zum Zweiten
Erkennt ihr den Unterschied? Vor einer Woche sah der Lavendel noch so aus. Heute sind die ersten Blüten geöffnet, und gleich "melden" sich die Bienen zur Arbeit.
Auf diese rosafarbene Rose bin ich sehr stolz. Sie ist schon sehr alt, stammt noch aus dem Garten meiner Schwiegermutter und scheint endlich im schwanenweißen Garten "angekommen" zu sein...
Außerdem passt sie in ihrer Farbe gut zur üppigen Queen Elizabeth.
Fortsetzung folgt...
Dienstag, 25. Juni 2019
Juniblüte zum Ersten
Auch im schwanenweißen Garten ist (Rosen)Blütenzeit.
Darum gibt es den ersten Teil von ein paar Bilder vom letzten Freitag,
als noch einige Wassertropfen auf allem lagen.
Die rosafarbene Rose hat es hinter den Apfelbäumen etwas schwer.
Sie bekommt nicht so viel Licht.
Wahrscheinlich ist sie deshalb auch gute zwei Meter hoch
und hat kräftige Stämme.
Die Glockenblumen waren so frei, sich selbst auszusäen.
Ich lasse sie, denn sie geben einen hübschen Anblick,
bis die Hortensien sich entfaltet haben.
Einstweilen duftet die "Madam" Tuscany, dass es eine Freude ist.
Und ist die Farbe nicht grandios, liladunkelrot nenne ich sie.
Fortsetzung folgt...
Montag, 24. Juni 2019
Was mir von dir bleibt
Manche
Bücher machen es mir schwerer als andere. Diese
Bücher beginne ich, lege sie eine Weile beiseite, fange dann erneut
an und lese sie in einem Rutsch durch. Zu diesen “schwierigen”
Werken gehört Adam
Silveras „Was mir von dir bleibt“. Und dabei kann nicht nicht
einmal genau erklären, warum das so ist. Aber
ich will es zumindest versuchen.
Zunächst
einmal liegt es an der Thematik. Adam Silvera schreibt über die
gleichgeschlechtliche Liebe und spielt von Anfang an mit
offenen Karten:
Theo
McIntyre ist tot, er wird nie mehr zurückkehren. Zurückbleiben
nicht nur seine Eltern und seine kleine Schwester, sondern auch
Griffin, der mit ihm seinen Lieblingsmenschen und die erste große
Liebe verliert, und Jackson, sein aktueller Freund. Denn Griffin hat sich von
Theo getrennt, als dieser wegen seines Studiums nach Kalifornien
gezogen ist. Und die Hoffnung, die Beziehung irgendwann fortsetzen zu
können, zerschlägt sich, als Theo Jackson kennenlernt und sich im
Grunde entliebt. Obwohl sie dadurch unweigerlich zu Konkurrenten
geworden sind, stehen nun sowohl Griffin als auch Jackson vor einem gemeinsamen Verlust und
ahnen nicht, dass sie einander retten werden.
„Du
hast uns allein gelassen. Dein Tod hat uns zu zwei Teilen in diesem
zusammengestümperten Puzzle gemacht, das sich noch nicht recht zu
einem Bild fügen will, aber trotzdem etwas erkennen lässt: zwei
verliebte Jungs. Verliebt in jemanden, der nie mehr zurückkehrt.“
(Seite 242 f.)
Griffin
und Jackson beginnen miteinander zu sprechen und offenbaren dem
jeweils anderen die Erlebnisse, die sie mit Theo verbinden. Stück
für Stück setzen sie das Puzzle zusammen und unternehmen im Angesicht ihrer Trauer den Versuch der Annäherung und
Reparatur...
Adam
Silvera erzählt die hauptsächlich in New York und daneben in Los
Angeles angesiedelten Geschichte zwar aus der Ich-Position von
Griffin, allerdings nicht linear und aus zwei Blickwinkeln heraus. Neben
der 2016 einsetzenden Gegenwart ist es die Vergangenheit im Jahr
2014, die mit dem Outing von Theo und Griffin Relevanz erhält, als
die beiden innerhalb des Dreiergespanns, zu dem noch Wade gehört,
ihre Gefühle füreinander begreifen.
Der
achtundzwanzigjährige Autor, selbst homosexuell, schildert mit
erstaunlicher Ruhe und einem treffsicheren Selbstverständnis ein
Thema, das nicht nur in der Gegenwartsliteratur nach wie vor keine uneingeschränkte Akzeptanz erfährt. Hingegen trifft die
gleichgeschlechtliche Beziehung unter Jugendlichen in seinem Roman
auf positive Resonanz. Griffin und The müssen sich nicht ständig
erklären. Ihre Familien heben sich wohltuend von den sonstigen
Bedenken und Abneigung äußernden Elternpaaren ab, sind geprägt von
Offenheit und Empathie, komplizieren das Verhältnis ihrer Söhne
nicht, sondern geben ihnen jedwede Unterstützung und Zustimmung. Ja,
es entsteht der Eindruck, dass Homosexualität und damit Sexualität
kein Problem ist, sondern eben eine „normale“ Sache zwischen
heranwachsenden Liebenden ist. So wie es sein sollte.
Adam
Silvera bringt es tatsächlich fertig, eine Welt zu schaffen,
deren Mittelpunkt nicht der sonst übliche vorherrschende Weltschrott
von kaputten Beziehungen und Intoleranz ist. Denn auf Grund des endgültigen Verlustes durch den Tod ist die Tragik schon
ergreifend und gefühlsbestimmt genug. Das mag ein wenig fernab der
Realität erscheinen. Es passt indes gut zum Verhalten von Griffin,
der sich zur Verarbeitung seiner Trauer in Paralleluniversen denkt
und daraus Hoffnung schöpft. Tatsächlich ist es so, dass Griffin Theo als stillen Beobachter und Zuhörer betrachtet, dem er
mit erstaunlich ausgeprägter Fähigkeit zur Selbstreflektion wie
beiläufig noch einmal ihre gemeinsame Geschichte wiedergibt.
Hinzu
kommt, dass es Adam Silvera gelingt, neben der Fülle an emotional aufwühlenden Gefühlen, auch heitere Akzente zu setzen, Hoffnung und
Zuversicht aufzubauen.
Hervorzuheben
ist außerdem die Komplexität seiner Figuren, deren Darstellung
Realitätsnähe und Facettenreichtum aufweist. Vor allem Griffin
fällt zweifelsfrei auf, prägen ihn doch seine enorme Sensibilität
und außerdem seine Zwangsstörungen. Gerade Zahlen, das Gehen
auf der richtigen Seite machen sein Leben aus, Theo hat das
akzeptiert. Als Theo nicht mehr da ist, befinden sich Griffins
Empfindungen in einem ständigen Auf und Ab, und seine depressiven,
angstbeeinflussten Zustände nehmen einen großen Teil seines Daseins
ein. Und zur Trauerbewältigung gesellt sich die Frage, ob Griffin
einen Weg zu sich selbst und zu einer gewissen Normalität finden wird.
„Was
mir von dir bleibt“ ist ein queeres Jugendbuch, das sich nicht nur
mit viel Herzblut und Glaubwürdigkeit der gewählten Materie
hingibt, sondern diese auch auf überzeugende und altersgerechte
Weise umsetzt.
4,5 Sterne
4,5 Sterne
*Werbung*
Erschienen ist der Roman im Arctis Verlag, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.
Montag, 17. Juni 2019
Duftexplosion
Zu beiden Seiten unserer Terrasse habe ich bei unserem Einzug ins Haus Duftjasmin gepflanzt. Dieses Jahr habe ich den Einruck, dass sie besonders üppig blühen. Und dieser berauschende Duft. Ihr glaubt nicht, wie oft die Blüten bereits als Fotoobjekt herhalten mussten. Meist schien die Sonne. Am Sonnabend Vormittag jedoch zog ein Gewitter auf. Ich finde, die Bilder können sich trotzdem sehen lassen. Oder was meint ihr?
P. S. Habt ihr die kleinen und klitzekleinen Besucher entdeckt?
Sonntag, 16. Juni 2019
Sonntagsspezial: Beziehungen - 16. Juni 2006
Nach dreizehn Jahren Ehe haben Herr Schwanenweiß und ich heute die Maiglöckchenhochzeit gefeiert.
Das Maiglöckchen ist das Symbol für Liebe und Glück, das Heil der Welt und Ende allen Kummers. Es steht für Seelenreinheit, Sittsamkeit und einen glücklichen Neuanfang und Herzensstärke.
Leider habe ich keine Maiglöckchen für euch. Aber ich denke, diese bunten Zauberglöckchen sind eine passende und hübsche Alternative.
Sonntagsspezial: Beziehungen - Hufspur in den Dünen
Rechtsanwältin
Julie Sommer hat hoch im Norden gerade erfolgreich die Übernahme eines
Familienunternehmens vermittelt. Noch am Abend befindet sie sich auf der
Heimreise nach München. Doch die Straße ist für den mondänen
McLaren
ihres
Chefs, mit dem sie unterwegs ist, nicht gemacht. Ein Schlagloch, und
die Achse ist gebrochen. Sie hat insoweit Glück. Der alte Björn
„sammelt“ sie auf und bringt sie zum Schröder-Hof. Schnell merkt
Julie, dass es sich bei dem Hof genau um jenes
Objekt handelt,
für das in ihrer Kanzlei im
Namen einer Hotelkette Kaufverhandlungen führt,
die
bislang erfolglos geblieben sind.
Bietet sich hier eine Chance für Julie? Wenn sie es schafft, den
Eigentümer, David Schröder, zu überzeugen, einem Verkauf zuzustimmen, rückt
möglicherweise die lang ersehnte Teilhaberschaft in der Kanzlei, die
einst ihr Vater mitgründete, in greifbare Nähe.
Während
Julie auf die Reparatur des Wagens warten muss, beginnt sie, an
Hintergrundwissen zu gelangen. Das ist noch
das Einfachste. Denn mit einer unwahrscheinlichen Leichtigkeit
schleichen sich nicht nur die menschlichen, sondern
auch die tierischen Bewohner des Hofes
in ihr
Herz, allen voran David. Und plötzlich ist sich Julie hinsichtlich
ihrer Lebensplanung nicht mehr sicher, entfernt sich von den so nah geglaubten Zielen. Will sie wirklich alles aufgeben für einen Mann und einen Hof, der
wirtschaftlich vor dem Aus steht und keine Zukunft zu haben scheint?
Julia
K. Rodeit hat eine einnehmende und erfrischende
Art zu schreiben, und ihr gelingt es in "Hufspur in den Dünen" mühelos, mit ihrem
ansprechenden
Gesamtkonzept, das auch anschauliche Bilder einschließt, einen
wunderbaren Rahmen für ihre romantische
Liebesromanze
zu erstellen. Sie kombiniert die scheinbare Idylle eines Reiterhofes
mit handfesten Problemen, ohne jedoch strapazierend dramatisch
zu sein. So wird eine durchaus mögliche Realität mit etwas
schriftstellerischer Fiktion verknüpft,
wobei es einerlei ist, ob sich einiges im Fortgang der Handlung
erahnen lässt. Die Autorin ist trotzdem in der Lage, ihre Leser in
das lebhafte
Geschehen einzubinden, sie mitempfinden und hoffen zu lassen.
Zu Gute
kommt ihr hierbei auch der Charme der gewählten Kulisse:
ein Hof in der Nähe der Ostsee, also weites Land, Meer, Strand und
Dünen. Julia
K. Rodeit fängt
das Flair im
Norden wunderbar ein. Dazu
Pferde und andere Tiere. Das geht an vielen nicht spurlos vorbei, und
nicht nur Pferdefreunde dürften sich wohlfühlen.
Besonders
stimmig wird die Handlung durch die
Mischung an
auftretenden authentischen
und liebenswerten Cahrakteren,
sowohl
bei den Menschen als auch bei den Tieren. Nicht
nur kauzige
Typen wie Björn oder sein Bruder Ole,
sondern
auch Davids Mutter Helga, seine Schwester Patricia,
Pony Peppi,
Stute, Nelly,
Hund
Kebab und Katze Lucky, machen
die Geschichte rund. Vor allem die
sechsjährige
Emily, Davids Nichte und
der
Wildfang
des
Hofes,
begeistert
mit ihrer natürlichen Art, mit Pferden umzugehen. Sie ist bereits
jetzt eine kleine Pferdeflüsterin und stiehlt ihrem Onkel das eine
oder andere Mal die Show.
David
gehört zu den bodenständigen Menschen, die vor Schmutz und Arbeit nicht zurückschrecken.
Der
Hof mit allem Drum und Dran bedeutet ihm viel, und er bemüht sich darum, ihn für sich und seine Familie zu erhalten. Als er Julie
näher kennenlernt, stellt er fest, dass sie eine Frau ist, die mehr
in sich trägt, als der erste Blick offenbart.
Julie
ist gut in dem, was sie tut. Sie beweist, dass – entgegen in
einigen Köpfen vorherrschenden
Meinung – Rechtsanwälte auch Menschen sind und nicht nur mit
rücksichtslosen
Mitteln,
sondern ebenso mit großem Einfühlungsvermögen agieren. Julie hat
sich ihren bisherigen Erfolg mühsam
und hart erkämpft, zwar ihre Karriere im Blick, indes mehr aus dem Grund, ihren
Vater stolz zu machen: Sie möchte wieder Partnerin in der vom Vater
gegründete Kanzlei werden und dafür sorgen, dass der
Name „Sommer“ zurückkehrt.
Allerdings hinterlässt die Zeit auf dem Schröder-Hof bei Julie ihre Spuren. Da
sind die neuen ungewohnten
Gefühle.
Solche von Unabhängigkeit
und Freiheit. Und
auch natürlich die aufkommenden für David. Aber
wird das reichen?
Das
Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde. Doch nicht nur.
„Hufspur
in den Dünen“ ist eine Geschichte, die das Herz wärmt und einem
wahrlich Glücksmomente verschafft.
Samstag, 15. Juni 2019
Bleib du - Transgender, Transsexuelle, Transvestiten
Es
ist gut, dass in den letzten Jahren die Thematik der Trans-Menschen wie Transgender,
Transsexuelle und Transvestiten gesellschaftsfähig geworden ist. Trotzdem herrschen bei einigen Menschen immer noch Berührungsängste und Vorbehalte, die sich auf Unwissenheit und
Unsicherheit hinsichtlich der Unterscheidung der Bezeichnungen begründen. Im Folgenden soll mit kurzen Beschreibungen ein Überblick gegeben werden.
Doch lasst
euch zunächst eine Geschichte erzählen:
Mein Sohn hat während seiner Grundschuldzeit mit dem Handballspielen
begonnen und war nicht nur im Unterricht, sondern auch in der
Freizeit aktiv. In seiner Mannschaft spielte Lea*. Das Mädchen trug
kurze Haare und fiel zwischen den Jungen überhaupt nicht auf. Oft begleitete ich die Kinder zu Turnieren und begegnete anderen Eltern. So
auch Leas Mutter, die mir erzählte, dass Lea mit „Mädchensachen“
überhaupt nichts am Hut hatte. Das schloss auch Kleidung mit ein.
Damals machte ich mir keine Gedanken darüber, schließlich kam es
des Öfteren vor, dass Mädchen die Zwanglosigkeit des Jungendaseins
gut fanden. Bei Lea war das anders und nicht nur eine Laune. Denn als ich "sie" Jahre später
auf der Schulabschlussveranstaltung wieder gesehen habe, stand auf
der Bühne kein sechzehnjähriges Mädchen, und für sämtliche Mitschüler war das kein Problem. Vielmehr schien jeder zu
akzeptieren, dass statt einer Lea nun Leo* uns mit Gitarrenspiel und
Gesang ein selbst geschriebenes Lied zum Besten gab.
Da
wurde mir klar, dass Leo bereits als Kind gespürt hat, dass er
tatsächlich kein Mädchen, sondern ein Junge ist...
* Der Name wurde zum Schutz des Persönlichkeitsrechts geändert.
******
Transgender
(lat.
trans
„jenseits von“‚ „darüber hinaus“ und engl. gender
„soziales Geschlecht“) sind
Menschen, die Geschlechtergrenzen überschreiten. Sie können sich nur
im geringen Maße oder überhaupt nicht mit dem Geschlecht
identifizieren, das
ihnen, also biologisch „zugewiesen“ wurde, und
fühlen, dass sie sich im falschen Körper befinden. Tatsächlich
suchen sie sich das nicht aus, sondern werden so geboren. Für Transmänner und Transfrauen spielt dabei ihre sexuelle Orientierung keine Rolle, und nicht alle wollen ihr biologisches Geschlecht ändern. Die Bezeichnung Transgender schließt auch Menschen ein, die sich nicht oder nicht ausschließlich als Frau oder Mann sehen.
Auch
Transsexuelle
(lat.
trans
„jenseits von“‚ „darüber hinaus“ und
sexus
„Geschlecht(steil)“) fühlen
sich unabhängig
von ihrer sexuellen Orientierung
im falschen Körper gefangen. Sie haben den Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechts zu leben und anerkannt zu werden. Deshalb sind für viele von ihnen Hormonbehandlungen und
geschlechtsangleichende Operationen wichtig, um mit ihrer gewünschten
Geschlechtsidentität ihr Dasein bestreiten zu können.
Transvestiten
(lat.
trans
„jenseits von“‚ „darüber hinaus“ und vestire
„kleiden“)
wiederum verwenden
aus unterschiedlichen Gründen die Kleidung des jeweils anderen Geschlechts.
So wird aus einem Mann eine Frau, aus einer Frau ein Mann.
Entscheidender Unterschied ist, dass die „Umwandlung“ nicht
dauerhaft ist. Übereinstimmend ist jedoch auch hier, dass die sexuelle Ausrichtung keinerlei Bedeutung hat.
******
Gern möchte ich euch noch an einer persönlichen Meinung teilhaben lassen, der ich uneingeschränkt zustimme. Deshalb kommt eine Gastbloggerin zu Wort, Patrizia von LESEN IM MONDREGEN schreibt:
Ich
bin durch das Buch "Bus 57" von Dashka Slater zum ersten Mal mit dieser Thematik
konfrontiert worden. Klar, wusste ich, was Transgender, -sexuell oder
Transvestit bedeutet. Zumindest dachte ich das. Mir war nicht
wirklich klar, welche Unterschiede es innerhalb noch gibt und wie
wichtig das eigentlich ist. Irgendwie habe ich mir auch nie groß
Gedanken dazu gemacht, weil es für mich persönlich egal ist,
welches Geschlecht jemand besitzt, welchem er sich selbst zuordnet
und ob überhaupt. Jedoch hat es mich nachdenklich gestimmt, denn
unsere Gesellschaft ist leider noch immer nicht so weit
fortgeschritten, dass diese Dinge einfach hingenommen werden. Ja, wir
akzeptieren mittlerweile, dass Männer Männer lieben, Frauen Frauen,
Geschlechtsangleichungen
vorgenommen werden und und und, doch nicht alle und auch nur im Maße.
Dieses Thema berührte mich, tut es noch immer, da es eine
Schilderung eines schlimmen Falles war und ich kann bis heute nicht
verstehen, wieso diese Menschen gemobbt, ausgeschlossen oder sogar
körperlich verletzt werden.
Die ganzen verschiedenen Bezeichnungen zeigen mir, wie vielfältig Menschen sind, wie sie sich fühlen. Egal ob sexuell oder aber das eigene Geschlecht betreffend. Und ich finde es gut. Jeder soll die Möglichkeit haben, selbst entscheiden zu können, es ausleben zu können und sich nicht vor der Gesellschaft oder bestimmten Menschen rechtfertigen und schlecht machen lassen zu müssen. Wer sind wir denn? Gott? Haben wir das Recht gepachtet, über Gut und Böse, Recht oder Unrecht - in diesem Fall - entscheiden zu können und jeden einzelnen anzumotzen oder weh zu tun, nur weil es nicht in unser Denken passt? Weil wir anderes vorgelebt bekommen haben und unseren Horizont nicht erweitern wollen? Wohl kaum. Bin ich mehr Mann, gut, bin ich mehr Frau, auch gut, bin ich weder noch, wieso nicht.
Wenn wir uns zu Karneval verkleiden, beispielsweise Männer als Frauen, ist das in Ordnung, doch fühlt sich jemand nicht als dessen Geschlecht, wessen er geboren wurde, zeigt das auch noch und man wird so aufmerksam auf ihn, muss dieser oftmals Anderes erfahren, und das im negativen Sinne. Jetzt haben es Schwule in unserer Welt schon nicht immer einfach - obwohl es ja zum Glück immer besser wird - Menschen, die eine andere Hautfarbe haben, aber wie müssen sich diese Leute fühlen?
Sollte ich mit meiner Haarfarbe nicht glücklich sein, färbe ich sie einfach. Gefällt mir die Länge nicht, schneide ich sie. Das sind normale Dinge für uns, die nicht hinterfragt werden. Doch Trans-Menschen müssen sich mit Vorurteilen und Diskriminierung herumschlagen. Für mich ist das alles einfach furchtbar, engstirnig.
Noch immer wühlt mich so ein Thema total auf und ich könnte stundenlang darüber reden, weil es einfach so wichtig ist.
Ein Mensch bleibt ein Mensch, der Charakter bleibt der Charakter und jeder ist es wert, so akzeptiert und geliebt zu werden, wie man ist.
Die ganzen verschiedenen Bezeichnungen zeigen mir, wie vielfältig Menschen sind, wie sie sich fühlen. Egal ob sexuell oder aber das eigene Geschlecht betreffend. Und ich finde es gut. Jeder soll die Möglichkeit haben, selbst entscheiden zu können, es ausleben zu können und sich nicht vor der Gesellschaft oder bestimmten Menschen rechtfertigen und schlecht machen lassen zu müssen. Wer sind wir denn? Gott? Haben wir das Recht gepachtet, über Gut und Böse, Recht oder Unrecht - in diesem Fall - entscheiden zu können und jeden einzelnen anzumotzen oder weh zu tun, nur weil es nicht in unser Denken passt? Weil wir anderes vorgelebt bekommen haben und unseren Horizont nicht erweitern wollen? Wohl kaum. Bin ich mehr Mann, gut, bin ich mehr Frau, auch gut, bin ich weder noch, wieso nicht.
Wenn wir uns zu Karneval verkleiden, beispielsweise Männer als Frauen, ist das in Ordnung, doch fühlt sich jemand nicht als dessen Geschlecht, wessen er geboren wurde, zeigt das auch noch und man wird so aufmerksam auf ihn, muss dieser oftmals Anderes erfahren, und das im negativen Sinne. Jetzt haben es Schwule in unserer Welt schon nicht immer einfach - obwohl es ja zum Glück immer besser wird - Menschen, die eine andere Hautfarbe haben, aber wie müssen sich diese Leute fühlen?
Sollte ich mit meiner Haarfarbe nicht glücklich sein, färbe ich sie einfach. Gefällt mir die Länge nicht, schneide ich sie. Das sind normale Dinge für uns, die nicht hinterfragt werden. Doch Trans-Menschen müssen sich mit Vorurteilen und Diskriminierung herumschlagen. Für mich ist das alles einfach furchtbar, engstirnig.
Noch immer wühlt mich so ein Thema total auf und ich könnte stundenlang darüber reden, weil es einfach so wichtig ist.
Ein Mensch bleibt ein Mensch, der Charakter bleibt der Charakter und jeder ist es wert, so akzeptiert und geliebt zu werden, wie man ist.
Eine Rezension zum von Patrizia genannten Buch findet ihr hier.
Alle Beiträge der Aktion "Bleib du", die von Katja, Netzwerk Agentur Bookmark, und Britt, Authors Assistant, initiiert wurde, sind hier gelistet.
Dienstag, 11. Juni 2019
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