Sonntag, 31. Mai 2020
The Doll Factory
Wir
schreiben das Jahr 1850. In London wird die Große Weltausstellung
vorbereitet. Währenddessen arbeiten die einundzwanzigjährigen
Schwestern Rose und Iris Whittle bei Mrs Salter in ihrer
Puppenfabrik. Einst waren die eineiigen Zwillinge ein Herz und eine
Seele. Sie träumten von einem eigenen Laden mit Regalen voller
Blumenschmuck und Vasen mit Iris und Rosen. Doch dann erkrankte
Rose – sechzehnjährig – an den Blattern und wäre fast
gestorben. Heute wünscht sie sich, es wäre so
gekommen. Denn ihr Gesicht ist verunstaltet, ihr
linkes Auge erblindet. Inzwischen träumt Iris allein:
Sie möchte Leinwände bemalen und nicht nur dumme Puppenaugen,
Lippen und Wangen. Tatsächlich könnte sich dieser Wunsch
erfüllen: Der Maler Louis Frost von der Präraffalitische
Bruderschaft, kurz PRB genannt, ist begeistert von
Iris' außergewöhnlichem Aussehen, ihren langen roten
Haaren, ihrer majestätischen Erscheinung. Seiner Bitte, ihm für
sein Gemälde für die Weltausstellung Modell zu stehen,
folgt sie erst, als er ihr im Gegenzug Zeichenunterricht verspricht.
Mit
ihrem ehrlichen Talent überrascht sie ihn. Und Iris, die
sich so lange nach Anerkennung gesehnt hat, ist zum ersten Mal
in ihrem Leben glücklich. Louis erweist sich als großzügig, und
bald verbinden beide mehr als freundschaftliche Gefühle. Iris ahnt
nicht, dass noch jemand eine Besessenheit entwickelt und
seinen eigenen Plänen folgend sie zu der Seinen machen will. Nur
der kleine Albie, ein Straßenjunge, der Botendienste erledigt,
bemerkt die drohende Gefahr...
Elizabeth
Macneals „The Doll Factory“, ein historisches Romandebüt erster
Güte, beginnt wie ein Märchen, entfaltet sich zu einer zarten
Romanze und wird in seinem letzte Drittel zu einem extravaganten
Thriller mit hohem Gruselfaktor, in dem die Autorin nicht vor Elend
und Brutalität zurückschreckt. Sie bietet eine gespenstig
realistische und beachtenswerte Nachbildung des Londons des
viktorianischen Zeitalters und taucht ein in die brodelnde Energie,
die Pracht und den Alltag der Stadt. Dabei vermittelt sie Unbehagen
und Widerlichkeiten, die ihresgleichen suchen und raffiniert
dargestellt werden. Atmosphärisch formt Elizabeth Macneal eine
ungreifbare Angst voller Dunkelheit. Zeitweise wild und unruhig, aber
immer überzeugend.
Schonungslos
eindringlich und mit leidenschaftlicher Kritik beleuchtet Elizabeth
Macneal detaillreich das damalige Gesellschaftsbild, vor allem die
(Not)Situation der Frauen. Daneben gewährt sie Einblick in die
Schönheit und den Schrecken der Künste. Auf der einen Seite die
Maler der PRB, der Präraffaelischen Bruderschaft, zu denen Holman
Hunt, John Millais, Gabriel Rossetti und der fiktive Louis Frost
gehören, die sich der Wiederentdeckung der Natur verschrieben
haben und vor Eifer und Selbstbewusstsein strotzen. Auf der anderen
Seite der aufstrebende Präparator Silas Reed, der die Grenze
zwischen Zerstörung und Schöpfung überschreitet. Mit Silas hat die
Autorin einen komplexer Charakter geschaffen, der einen zwischen
Mitleid, Bedauern und Abscheu schwanken lässt.
In
„The Doll Factory“ agieren neben den erdachten Persönlichkeiten
einige historische und füllen die Seiten mit ihrer Begeisterung,
Faszination und Exzentrik. Hierbei darf natürlich ein Wombat namens
Guinevere nicht vergessen werden, zumal das Tier die Geschichte mit
manchen heiteren Momenten auflockert.
Iris
mit ihrem deformiertes Schlüsselbein – ein Geburtsfehler, durch
den sich ihre linke Schulter nach vorn wölbt – ist den Zwängen
ihrer Zeit, die ihre soziale Freiheit stark einschränken,
unterworfen, findet sich allerdings nicht damit ab und versucht, den
symbolischen und tatsächlichen Beschränkungen und Konventionen zu
entkommen, auch wenn der Preis hoch ist. Sie muss ihre Schwester
verlassen und mit der Ablehnung ihrer Eltern leben, als sie das
Angebot von Louis annimmt. Die neuen Eindrücke und ebenso die
erblühende Liebe zu dem Maler entschädigen Iris jedoch für den
Verlust, dennoch bleibt sie stets sie selbst. Und obwohl Louis'
Absichten nicht immer deutlich werden, nimmt er sie ernst und sieht
sie an, als wäre sie es wert, studiert, geschätzt und bewundert zu
werden.
Der
zehnjährige Straßenjunge Albie, der nur einen Zahn besitzt und für
den ein Gebiss unerschwinglich ist, ist eine Schlüsselfigur und
wächst einem ans Herz. Er kümmert sich um seine Schwester, die als
Prostituierte arbeitet, ist mit Iris befreundet und gleicht in seiner
Verkörperung von Unschuld und dem Gefühl der Hoffnung sehr einer
Gestalt aus einem Roman von Charles Dickens.
Auch
durch ihn wird „The Doll Factory“ eine unvergessliche Erfahrung
voller Freude, Farbe, Leben, Klugheit und Triumph und verweilt im
Gedächtnis.
Samstag, 30. Mai 2020
IMPRESS Challenge 2020 - Mai
Meine Challengeaufgabe in diesem Monat durfte und sollte ich mir selbst stellen. Dafür habe ich nach langer Zeit mal wieder meine Buntstifte hervorgeholt und ein Cover in meiner Interpretation gezeichnet.
Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis. Was sagt ihr?
Zum Vergleich hier das Original.
Zum Vergleich hier das Original.
Freitag, 29. Mai 2020
Ein Heuhaufen voller Geheimnisse
Monka
Winter, kurz Mo, Motte oder Mottchen genannt, lebt mit Papa Jo, Mama
Linde und Bruder Ben auf einer großen Pferdefarm. Dort züchten sie Springpferde und Connemara-Ponys, für die sogar eine eigene
Ponyschule eingerichtet wurde. Mo hilft gerne mit, aber meist bleibt
ihr viel Zeit, sich um ihr Lieblingspony Dr. Paul, der wie sie zehn
Jahre alt ist und am gleichen Tag Geburtstag hat, zu kümmern. Bis
sich Mos Mutter, eine berühmte und erfolgreiche Springreiterin,
gleich zu Beginn der Sommerferien den Arm bricht und Motte bittet,
die Leitung der Ponyschule zu übernehmen. Dass sie ihr das zutraut,
freut Mo sehr, wenngleich sie natürlich ein wenig Bammel vor der
unerwarteten Verantwortung hat, schließlich gibt es unter den Ponys auch
ein paar übermütige Vierbeiner. Als gerade eines von eben jenen von
der Koppel zu entwischen droht, taucht eine fremde Reiterin
auf, verhindert das Ausbüchsen und verschwindet dann wieder. Das ist äußerst mysteriös. Allerdings wäre Motte nicht sie selbst, wenn sie Dank ihrer Wissbegierde diesem
Geheimnis nicht auf die Spur kommen würde...
Obwohl die Jungen nicht ausgeschlossen
werden sollen, dürften an und mit diesem Buch
von Anne Wolff und Nadine Reitz
vor allem Mädchen ihre Freude haben. „Ein
Heuhaufen voller Geheimnisse“ ist die erste mit munterer Ungezwungenheit, Witz
und Sorgsamkeit für Kinder geschriebene und gezeichnete Geschichte
der Reihe „Die Schule der kleinen Ponys“, in
der Familie und Herzenswärme, Zusammenhalt und Vertrauen,
Freundschaft und
Hilfsbereitschaft und ganz viel Tierliebe wichtig sind.
Dabei haben sowohl Autorin und Illustratorin bei diesem Abenteuer mit ein paar aufregenden Geheimnisse und Überraschungen auf eine kindgerechte, aber nicht zu kindliche Gestaltung geachtet. Neugierig machende Überschriften führen die Kapitel an. Außerdem lockern Zettel, Pläne und in Klammern gesetzte Anmerkungen den Text auf. Ein ausgezeichnetes Plus sind die bezaubernden und fröhlichen Bilder von Nadine Reitz. Sie unterstützen in harmonischer Art und Weise die geschilderten Ereignisse.
Dabei haben sowohl Autorin und Illustratorin bei diesem Abenteuer mit ein paar aufregenden Geheimnisse und Überraschungen auf eine kindgerechte, aber nicht zu kindliche Gestaltung geachtet. Neugierig machende Überschriften führen die Kapitel an. Außerdem lockern Zettel, Pläne und in Klammern gesetzte Anmerkungen den Text auf. Ein ausgezeichnetes Plus sind die bezaubernden und fröhlichen Bilder von Nadine Reitz. Sie unterstützen in harmonischer Art und Weise die geschilderten Ereignisse.
Es
gibt ein paar ernstere Momente, sie erdrücken und erschweren indes nicht den Spaß, den alle
Beteiligten haben, wenn Monka die Leser
an ihrer bunten
Welt und an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben lässt, indem sie diese direkt anspricht.
Motte ist
ein aufgewecktes Mädchen. Sie hat
zwar vor
vielen Dingen Angst, vor
Spinnen, langen
Autofahrten und vor Gewitter zum
Beispiel, jedoch niemals vor Pferden oder
Ponys. Für sie schlägt ihr Herz, besonders für ihren übermütigen Dr.
Paul, mit dem sie durch dick und dünn geht, und der wiederum sie blind
versteht.
Nicht unerwähnt bleiben soll, dass die im Anhang befindlichen „Mos liebste Schoko-Hafer-Kekse“ und ein Dr. Paul-Lesezeichen die Möglichkeit für die Leser bieten, selbst aktiv zu werden.
Alles in allem ist "Ein Heuhaufen voller Geheimnisse" ein großartiges Abenteuer für Pferdefreunde und solche, die es werden wollen.
Dienstag, 26. Mai 2020
Samstag, 23. Mai 2020
Baumriese
Dieser Prachtstück von Baum ist immer wieder ein großartiger Anblick.
Er beginnt erst, seine Blätter auszubilden und ist zum Teil mit Efeu bewachsen.
Es ist ein Japanischer Schnurbaum, auch Honigbaum genannt.
Vor sieben Jahren habe ich euch hier ein paar Bilder gezeigt, als er in voller Blüte stand.
Ich bin neugierig, wie es im August aussieht, wenn die Blühzeit ist.
Freitag, 22. Mai 2020
Rezensionswoche 5. Tag: Über dem Meer tanzt das Licht
Maria
hat nach langen Jahren des Umherziehens in der Welt auf Norderney
einen Hafen gefunden, und sie ist glücklich damit. Und mit ihrem
Freund Simon, ihren Töchter Morlen und Hannah. Seit dreieinhalb
Jahren betreibt sie zudem die Strandmuschel, ihr Café am Rand der
Dünen mit Blick auf die Nordsee.
Noch
misst sie dem Wunsch von Simon, mit der kein Jahr alten Hannah vier
Wochen auf Tour zu gehen, keine große Bedeutung bei. Ihre
Begeisterung hält sich einerseits in Grenzen, andererseits will sie
den beiden diese gemeinsame Zeit gönnen. Außerdem halten Maria ein
kaputtes Dach und die für die Reparatur benötigte Finanzierung,
eine Pachterhöhung für das Café, unerwartete Unstimmigkeiten mit
der heranwachsenden Morlen und ihre Freundin Toni, die überraschend
auf der Insel anlandet, auf Trab.
Doch
nach und nach schleichen sich unsichere Gedanken ein. Liebt Simon sie
noch? Er wirkt nämlich sehr zurückgenommen, wenn sie ihn denn überhaupt
erreicht, und so, als würde sie ihm gar nicht fehlen. Und
dann kommt auch Jan, ihr Ex und Vater von Morlen, früher als
geplant und liefert sich mit Georg, einem Gast des Cafés, der
Freude daran hat, das Dach der Strandmuschel zu reparieren, ein paar
Hahnenkämpfe um ihre Gunst.
Zu
guter Letzt leidet Maria weiterhin unter dem Verlust ihrer Mutter
Iris, die vor Hannahs Geburt an Krebs verstarb und ihr das Haus
hinterlassen hat. Von diesem kann sich die junge Frau schwer lösen,
müsste es allerdings auf Grund ihrer prekären finanziellen
Situation dringend. Bei einem Blick in den Keller entdeckt sie eine
Kiste mit an sie gerichteten Tagebüchern ihrer Mutter. Der Inhalt
entwickelt sich zu einer Offenbarung, lässt die Vergangenheit
auftauchen, Maria einiges aufarbeiten und ihren Lebensplan und die
Zukunft überdenken...
Meike
Werkmeister ist eine Überraschung für mich. Ihren 2019
veröffentlichten Roman „Sterne sieht man nur im Dunklen“ habe
ich bedauerlicherweise verpasst. Nun bin ich froh über die Lektüre
ihres neuen Werkes „Über dem Meer tanzt das Licht“. Dieses folgt
hinsichtlich der Örtlichkeiten und Personen dem Vorgänger, rückt indes Maria und ihre kleine Familie in den Mittelpunkt und kann auch ohne Kenntnis der vorherigen Ereignisse gelesen werden.
„Über
dem Meer tanzt das Licht“ ist zwar eine erdachte Geschichte, aber eine, die aus
dem Leben gegriffen scheint, weil sie echt und wahrhaftig anmutet und
überdies ein Wohlgefühl auslöst.
Meike
Werkmeister ist eine talentierte Schreiberin. Ihr gelingt es, mit
leichter Hand, jedoch unglaublicher Energie und Leidenschaft sowie
einem bemerkenswerten Gespür sensibel die Alltäglichkeit der Liebe,
die Bedeutung von Freundschaft und das Funktionieren von Beziehungen
zu betrachten und dabei den schmalen Grat zwischen Kitsch und
(Erzähl)Kunst zu umschiffen. Dabei kreiert sie ein angenehmes
Ambiente, in dem die Natur eingebunden wird. Sie verwendet
gelegentlich leisen Sprachwitz, hilfreiche Weisheiten und
Überlegungen, die nachdenklich stimmen, lässt eine Melancholie über
unwiederbringliche Verluste und Erinnerungen anklingen.
Sämtliche
Figuren sind geprägt von einer feinsinnigen Charakterisierung.
Maria,
einst unabhängig, wild und draufgängerisch und in der Lage, allein
klarzukommen, ist ruhiger geworden, hat einen für sich passenden,
einen ungewöhnlichen Menschen gefunden, der wie sie einen
ausgeprägter Freiheitsdrang besitzt, gleichwohl – vor allem nach
dem Tod der Mutter – an ihrer Seite gewesen ist. Simon
schafft es, spielerisch, jeden Streit in eine harmlose Richtung zu
lenken, verfügt über ein atemberaubendes Selbstbewusstsein, fürchtet sich vor nichts und bringt Maria immer wieder zum Lachen.
Aber offensichtlich beschäftigt ihn irgendetwas, dessen Ursache er herausfinden muss...
In einem Satz gesagt: „Über
dem Meer tanzt das Licht“ hat definitiv das Zeug für ein
Herzensbuch.
Donnerstag, 21. Mai 2020
Rezensionswoche 4. Tag: Islandsommer
„Die
Sonne lauerte bereits an der Wasseroberfläche und zauberte
Pastelltöne in die feuchte Meeresluft.
… so
kurz vor dem Ziel fühlte sie nun auch eine erwartungsvolle Freude,
ein Kribbeln, als wüsste etwas in ihrem Unterbewusstsein mehr als
sie selbst und hoffte auf ein grandioses Abenteuer.“ (Seite 9)
Merit
wird von ihrem Freund Ferdinand für eine andere Frau verlassen. An
sich passiert so etwas ja täglich, aber Merit ist völlig überrascht. Sie hat nun in Berlin keine Unterkunft mehr, wohnte sie doch bei
Ferdinand. Spontan entscheidet sie sich, das Angebot anzunehmen,
für einige Sommermonate als Katzensitterin auf Island nicht nur das
Tier, sondern auch das Haus der Besitzerin Ísrún in beliebtesten
Teil der Hauptstadt Reykjavík
zu hüten. Außerdem knüpft sie eine weitere Hoffnung an den
Aufenthalt: Vielleicht kann sie ihre in der Beziehung mit Ferdinand
auf Eis gelegte Leidenschaft für die Malerei wieder beleben und Perspektiven für ihre Zukunft entdecken?
Es
dauert nicht lange, und Merit findet Anschluss und neue Freunde. Sie beginnt, die Sprache zu lernen, bekommt sogar einen Job, um im teuren
Reykjavík
zu
bestehen. In Ísrúns Haus trifft Merit nicht nur auf Kater Köttur, ein weiterer „Streuner“
wohnt hier: der Norweger Kristján,
der als Hubschrauberpilot
arbeitet und der jungen Frau zeigt, dass sich das Herz nicht
so einfach abstellen lässt, wenn man es befiehlt, sein eigenes nicht
ausgenommen. Aus einer anfänglichen „Bettgeschichte“ entwickelt
sich langsam eine engere Bindung, bei der zwar die Narben auf Merits
Körper keine Rolle spielen, sich allerdings ein paar Dämonen aus
Kristjáns
Vergangenheit bemerkbar machen...
Kiri
Johanssons „Islandsommer“ ist die Geschichte von Merit und
Kristján, die
auf den ersten Blick alltäglich anmutet, es jedoch nicht ist. Sie
erzählt von Liebe, Freundschaft, Leidenschaft, Selbstfindung und
-verwirklichung und der Bewältigung
von Traumata.
„Islandsommer“
versprüht
einen ganz eigenen Zauber,
was wahrscheinlich damit
zusammenhängt, dass wir im Land der magischen
Wesen, der Elfen, Feen, Gnome
und Trolle
sind. Das
Weltbild auf Island scheint ein bisschen anders zu sein, genau wie
der Umgang der Insulaner mit
ihrer Heimat. Die Autorin
hat eine wunderbare, unglaublich bildschöne
Art, die Einmaligkeit der Insel, die Vielfältigkeit der Natur, die
Menschen und die besondere Atmosphäre darzustellen. Sie kennt sich
aus, und es gelingt ihr mit wenigen Worten, uns einzuladen, um das
Land in all seiner Pracht mit dem nötigen Respekt und rücksichtsvoll
zu erkunden.
Kiri
Johansson wählt für ihre Geschichte einen ruhigen Erzählton, der
mit seinem ästhetischen, behaglichen Ausdruck überzeugt. Die
Handlung folgt einer klaren Linie, wenngleich deren Verlauf nicht
unbedingt überrascht. Aber mit einigen tiefgründigen Ereignissen
und Geheimnissen versehen beansprucht sie
durchaus eine Beschäftigung mit dem realistischen Geschehen.
Die Geschichte erfahren wir hauptsächlich aus der Sicht von Merit. Indes tragen die Kristján gewidmeten Kapitel dazu bei, seine innere Gefühlswelt offenzulegen und nachzuvollziehen. Überhaupt entfaltet Kiri Johansson sehr viel Einfühlsamkeit bei der Ausarbeitung und Entwicklung der Emotionen ihrer Protagonisten, dem Auf und Ab der Annäherung. Denn sowohl an Merit als auch an Kristján ist die Vergangenheit nicht spurlos vorbeigegangen.
Bei
Merit sitzt der Schock über die unerwartete Trennung von Ferdinand anfangs tief, in Reykjavík
kommt
sie zur Ruhe, löst sich davon und lernt mit dem überwältigende
Gefühl von Menschenscheu, das sie wie so oft aus dem Nichts
überfällt,
noch besser umzugehen. Nach
dem Tod der Eltern hatte es eine Zeit bedrückender Dunkelheit
gegeben, von dem ein kleiner Schatten geblieben war.
Kristján
ist
ein
kontrollierter Mann, gradlinig und schnörkellos in seiner
Kommunikation. Er
schätzt
Ordnung und Verlässlichkeit. Zwar
ist er nicht immun
gegen die Ausstrahlung interessanter Frauen, jedoch
er hat sich vorgenommen, diesen Sommer einen deutlichen Abstand
zwischen sich und allem Weiblichen zu wahren. Und
die attraktive, aber unstrukturierte Merit passt so gar nicht in
sein Beuteschema.
Letztlich
erweist sich gerade sein
„Elfenmädchen“
als absoluter Glücksgriff, als den
jungen Mann ein
Teil seiner Vergangenheit übermächtig einholt...
„Islandsommer“
ist einer jener warmherzigen
Romane, der den Alltag
versüßt und wunderbare Lesestunden bereitet.
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Erschienen ist der Roman im Heyne Verlag. Ich danke der Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.
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Erschienen ist der Roman im Heyne Verlag. Ich danke der Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.
Mittwoch, 20. Mai 2020
Rezensionswoche 3. Tag: Das Lied der Pferde
Aenlins Herz schlägt für die Pferde. Erst recht, als sie Meletay, eine wunderschöne goldene Stute, erblickt, zu der sie bald eine innige Verbindung knüpft und mit der sie am liebsten reitend die Welt erkunden möchte.
Soweit
so gut. Doch Aenlin lebt nicht im Hier und Jetzt, wo das kein Problem
wäre. Aenlins Heimat ist das Cöln von 1072. Und das bedeutet, dass
Frauen abhängig von dem Willen der Männer sind. Dieser sieht eine
„Pferdeflüsterin“ auf keinen Fall vor. Verständlich, das Aenlin
mit ihrem Schicksal hadert, als Mädchen geboren zu sein. Weil sie so
hinter ihrem Zwillingsbruder Endres zurückstehen muss, obwohl sie
mit wesentlich mehr Mut und Geschick ausgestattet ist.
Das
Geschwisterpaar hat ein enges Verhältnis. Und da Endres keinerlei
Interesse an der Reiterei und dem Schwertkampf zeigt, ist es Aenlin,
die seinen Platz einnimmt. So braucht es nicht viel
brüderliche Überzeugungskraft, und Aenlin tritt an Endres Statt gemeinsam mit Melatay
die Reise nach León an. Noch bevor die Handelskarawane das
Ziel erreicht, wird diese überfallen. Es ist allein ihrem
Begleitschutz Don Alvaro und dem Ritter Don Rodrigo Diaz de Vivar,
der später zur Legende El Cid werden soll, zu verdanken, dass Aenlin
nicht geschändet wird. Allerdings endet an der Stelle Don Rodrigos guter
Willen. Vielmehr übergibt er Aenlin einem Sklavenhändler mit dem Auftrag, das wunderschöne Mädchen meistbietend zu verkaufen. Das
Schicksal nimmt seinen Lauf. Indes sieht Aenlin ihren Retter, für
den die schwärmerische Gefühle entwickelt hat, nicht zum letzten
Mal...
Ricarda Jordan weiß, wovon sie schreibt. Jede Zeile, die das „Das Lied der Pferde“ über Pferde beinhaltet, lebt von ihrer Liebe, Zuneigung, dem Vertrauen und der Treue, die sie diesen wundervollen Tieren entgegenbringt und auf Gegenseitigkeit beruhen. Damit teilt sie eindeutig auch meine eigene Begeisterung.
Aber
die Autorin legt das Augenmerk nicht allein auf die Darstellung der
Beziehung von Mensch und Tier. Vielmehr bettet sie diese in einen
vielfältigen historischen Roman, der in das Andalusien des
ausgehenden 11. Jahrhunderts führt und eine geschichtsträchtige
Zeit voller Kämpfe, politischer Intrigen und Machtspiele intensiv
beleuchtet. Die Vermittlung der Hintergründe ist zwar ausgeprägt,
verfügt andererseits über die notwendige Aufschluss gebende Gewichtung. So findet zu keinem Moment eine Überforderung statt, da tatsächliche
historische Ereignisse in der Regel mit der fiktiven Handlung der
Heldin Aenlin verknüpft werden.
Es
ist der einnehmenden und malerische Schreibstil, der nicht nur im
Ausdruck überzeugt, sondern uns ins Geschehen zieht, wenn wir Aenlin
in die prächtigen Paläste und fremdartige Welt der maurischen
Emirate in Al Andalus begleiten und einen Einblick in das Leben unter
anderem als Haremsdame erhalten.
Daneben
besitzen die von Ricarda Jordan gestalteten Figuren eine außerordentliche und greifbare Präsenz.
Die Autorin ist das Wagnis eingegangen, sich der Figur des El Cid fernab
der Überzeichnung und Verklärung in den Mythen und Legenden auf
eine realistische Art und Weise zu nähern. Sie entwickelt den
diffizilen Charakter herausragend und setzt dem Charisma, das den Ritter einst zu
einem erfolgreichen Kämpfer werden ließ, auch das erforderliche Geltungsbedürfnis nach Macht und Reichtum gegenüber.
Dadurch kommt sie vermutlich seinem Wesen sehr nahe, wenngleich es
bei uns eher einen negativen Nachhall erzeugt.
Aenlin
hingegen konnte die Autorin ganz nach ihrem Ansinnen porträtieren.
Das impulsive junge Mädchen, das mit Schönheit und ebenso Naivität
ausgestattet ist und sich um die eigene Freiheit und Entfaltung
bemüht, irritiert zunächst durch das demütige Hinnehmen der
Versklavung. Nach und nach treten ihr scharfer Verstand und ihre Fähigkeiten zu Tage. Eines aber bewahrt sie sich immer: Ihre empfindsame
Verbindung zu Pferden, insbesondere Meletay, der sie ihr Lied singt.
Mag es eher unwahrscheinlich gewesen sein, dass es eine
„Pferdeflüsterin“ im Mittelalter gab. Dennoch scheint es auch
nicht unmöglich, und die Vorstellung allein begeistert. Genauso wie die gesamte Geschichte.
P. S. Resada wollte zumindest einmal schauen, ihr Interesse hielt sich dann aber doch in Grenzen ;-) ...
P. S. Resada wollte zumindest einmal schauen, ihr Interesse hielt sich dann aber doch in Grenzen ;-) ...
Dienstag, 19. Mai 2020
Rezensionswoche 2. Tag: Frida und der NeinJa-Ritter
O je! Was eigentlich ein freudiges Ereignis sein soll, ist Frida enorm peinlich: Sie verliert ihren ersten Schneidezahn und kann nun nicht mehr das „F“ aussprechen. Alles hört sich ganz schrecklich an, sogar ihr eigener Name. Die Aufmunterungsversuche ihrer Mutter findet Frida gar nicht spaßig, also verzieht sie sich in ihr Zimmer. Dort kommen plötzlich seltsame Geräusche aus ihrem Kleiderschrank. Als sich die Türen mit einem Knall öffnen, springt ein gestreifter Ritter auf einem schwarzen Reittier heraus und galoppiert ins Zimmer. Das merkwürdige Gespann entpuppt sich als NeinJa-Ritter auf seinem Zebra Tornado, das leider keine weißen Streifen mehr hat und deshalb ziemlich durcheinander ist. Genauso wie der NeinJa-Riter, ein komischer Kauz, der ständig Nein und Ja verwechselt.
Gemeinsam
reiten die drei in ein fantastisches Abenteuer in eine andere,
merkwürdige Welt und begegnen nicht nur der Königin
der Weißheit und einem Geburtstagskind, das jeden Tag Geschenke
erhält. Erstere überreicht ihnen einen Wegweißer, der ihnen
den Weg ins Land der verlorenen Dinge zeigen soll. Denn es
müsste doch ein Unding sein, wenn sich da nicht das F und die
Streifen wiederfänden. Ein Schwierigkeit gibt es allerdings,
eine große noch dazu: Um hinein zu gelangen, müssen sie den
riesigen Groll, der am Eingang sitzt, irgendwie überlisten...
Bereits
der Blick aufs Cover verspricht eine unterhaltsame, fröhliche und
wunderliche Geschichte, und tatsächlich ist „Frida und der
NeinJa-Ritter“ von Philipp Löhle genau das. Aber nicht nur. Mit
Frida und ihren Begleitern können Klein und Groß gleichermaßen
eintauchen in ein märchenhaft-fantastisches und zugleich zeitgemäßes
Abenteuer, das durchaus ein paar tiefgründige Denkansätze
beinhaltet und vor allem mit herrlich überdrehtem Humor erzählt
wird. „Frida und der NeinJa-Ritter“ zeichnet sich durch seine
Liebenswertigkeit aus, auch alltägliche Ereignisse, die einem sonst
gar nicht so auffallen, werden mit einem Augenzwinkern und auf
unkonventionelle Art und Weise betrachtet.
Frida
ist eine entzückende Heldin, die trotz des fehlenden F mutig
vorangeht und dem schrulligen NeinJa-Ritter, der lügt wie gedruckt,
beweist, dass dies gar nicht nötig ist und sich mit ein wenig
Anstrengung immer eine Lösung finden lässt.
Spritzige
Bilder aus der Feder der Illustratorin Gloria Jasionowski geben dem
Buch den passenden Pfiff und unterstützen mit Leichtigkeit das
kuriose und bizarre Geschehen.
Der
im Verhältnis dazu eher umfangreiche Text bedarf bei den Jüngeren
vielleicht etwas Geduld, dürfte aber auf Grund seines
faszinierenden, mitreißenden und heiteren Inhalts letztlich
unproblematisch sein. Das Buch sei vor allem Vorschulkindern und
Schulanfängern ab fünf Jahren empfohlen und wird sicher diejenigen
besonders amüsieren, die sich mit Frida und ihrem nervigen
"Sprachphehler" aus eigener Erfahrung identifizieren
können.
4,5 Sterne
4,5 Sterne
*Werbung*
Erschienen
ist das Buch im Mixtvision Verlag, dem ich für die Bereitstellung des
Rezensionsexemplares danke.
Montag, 18. Mai 2020
Rezensionswoche 1. Tag: Der Weg des Schicksals
Im
Königlich Bayerisches Staatsbad Bad Reichenhall des Jahres 1905
versammeln sich Geld und Einfluss. Einst hatte der Salzhandel einigen
Leuten Reichtum beschert, jetzt gilt es als schick, hier zu
kuren und seine Zeit in Bädern und Sanatorien zu verbringen. Während
sich die vermögenden reichen Gäste dem
Luxus unter Gleichgesinnten hingeben, sorgen sich
viele einfache Menschen am Rand der Gesellschaft um das
tägliche Brot und kämpfen um ihr Überleben.
Die Standesunterschiede klaffen weit auseinander.
Katharina
von Feil gehört zu denjenigen, die sich um ihre Zukunft keine
Gedanken machen müssen. Die Tochter des Salinenmeisters Konrad von
Feil kann sich im guten Ansehen ihrer Familie sonnen, obwohl sie als
vierundzwanzig Frau bereits weit über das übliche Alter zum
Heiraten hinaus ist und sich deshalb dem Drängen ihrer Mutter nach
einer „guten Partie“ ausgesetzt sieht. Letztlich fügt sich
Katharina und geht eine Verbindung mit dem vermögenden Münchener
Geschäftsmann Friedrich Bahlow ein, dessen bestimmendes Verhalten
sie zunächst beeindruckt. Es dauert indes nicht lange, und
sie bereut die Eheschließung zutiefst.
Anna
Gmeiner hingegen wächst in armen Verhältnissen in einem kleinen
Haus an der Saalach, einem Zufluss der Salzach, auf. Das Leben ihrer
Familie, zu der Vater Johann und Bruder Christoph zählen, ist geprägt
von harter Mühsal und einem dürftigen Einkommen, das hauptsächlich
Christoph mit seiner Tätigkeit als Trifter einbringt. Als dieser bei
einem Unfall während der Arbeit zu Tode kommt, rücken Vater und
Tochter noch enger zusammen. Schwer tragen sie an ihrem Los, aber
gibt es auch kleine Glücksmomente. Anna verliebt sich in den jungen
Salzsieder Michael Schwarzenberg, der die Chance in der
Schreibstube der Saline erhält. Michael, der eigentlich seine
Zukunft fern der Heimat sieht, erwidert Annas Gefühle
und bittet sie, seine Frau zu werden. Beide planen eine
gemeinsame Zukunft, bis er seine Arbeit verliert und sich endgültig
entschließt, nach Amerika zu gehen, nicht ohne sich der Liebe von
Anna zu versichern. Die junge Frau wird jedoch Opfer eines
Verbrechens, fühlt sich auch von Michael allein gelassen und sieht
sich daher gezwungen, in ihrer Not einen fremden Mann – Leonhard
Achleitner – zu heiraten...
Mit
„Der Weg des Schicksals“ startet Sophie Oliver ihre Trilogie um
das „Grandhotel Schwarzenberg“, lädt den Leser in das elegante
Bad Reichenhall ein und zeichnet ein anschauliches Bild der örtlichen
und zeitgeschichtlichen Gegebenheiten. Dies macht es möglich, an der
Seite ihrer Figuren die Ereignisse im historischen Ambiente zu
verfolgen. Dabei bedient sich die Autorin
eines dynamischen Erzähltempos und vermittelt ein
dramatisches und wendungsreiches Geschehen, in dem emotionale
Ereignisse in einem Geflecht aus Lügen und
Unwahrheiten eingebunden werden.
Hervorzuheben
ist die von der Autorin vorgenommene überzeugende und ehrliche
Darstellung der Charaktere.
Sophie
Oliver verdeutlicht primär an Hand der
Schicksale von Katharina und Anna, die unterschiedlicher nicht
sein könnten, aber trotzdem eines gemeinsam haben, die
wirtschaftliche und gesellschaftliche Abhängigkeit der
Frauen, deren fehlende Handlungs- und Meinungsfreiheit.
Anfangs
wirkt Katharina dünkelhaft und überheblich.
Dann offenbart sich schnell, dass auch sie Zwängen unterworfen
ist, die zwar mit Wohlstand versüßt werden, allerdings
gleichzeitig ihr direktes Wesen und aufrichtiges Handeln
unterdrücken und ebenso die Freiheit vermissen lassen.
Eingebunden in das Korsett einer lieblosen
Ehe, fechtet Katharina ihre Kämpfe nach
Unabhängigkeit im eigenen Ermessen aus.
Im
Gegensatz dazu trifft es Anna wesentlich
härter. Sophie Oliver mutet ihrer zu Beginn der Ereignisse
siebzehnjährigen Heldin einiges zu. Nicht allein das Leben in Armut
und der frühe Tod der Mutter haben Annas Wesen mit Ernsthaftigkeit
geprägt, sondern ebenso der Verlust von Vater und Bruder, der
Fortgang ihrer großen Liebe Michael, nicht zu vergessen jenes
Verbrechen, das sie schließlich zwang, Leonhard zu heiraten.
Anna
haftet der Ruf einer Eigenbrötlerin an, nachdem sie nicht mehr in
die Kirche geht und keinen Trost im Glauben findet. Sie ist
überzeugt, dass es eine Rettung „von oben“ nicht geben wird und
sehnt sich nach Wohlstand, doch nicht wegen des Ansehens, sondern
wegen der Sicherheit.
Es
gelingt der Autorin, nachvollziehbar zu schildern, wie Anna daran
wächst, Durchhaltevermögen beweist, welche Entwicklung sie von
einem zwar mutigen, aber überdies verunsicherten und traurigen
Mädchen, das um seine Würde bemüht ist, zu einer selbstbewussten
Frau nimmt, die an der Seite ihres Ehemannes bestehen will. Leonhard
Achleitner ist ein pragmatischer Mensch, vielleicht ein wenig
humorlos und unsicher, auf jeden Fall jedoch loyal, fair
und bereit, für seine persönlichen Ziele Opfer zu bringen, so
dass es nicht verwundert, dass er die Chance ergreift, als diese
sich ihm bietet.
Der
Traum von einer besseren Zukunft treibt auch Michael an, der nicht
daran glaubt, dass man arm sterben muss, nur weil man arm
geboren wurde. Er ist intelligent und ehrgeizig und nach
dem frühen Tod seiner Eltern gewohnt, sich allein
durchzuschlagen. Wenngleich sich seine Einstellung nach dem
Kennenlernen von Anna ändert, scheint es, dass er trotzdem
beim ersten Problem das Handtuch wirft und sich davonmacht, die Frau,
die zu lieben vorgibt, verlässt und sein Ziel aus den Augen
verliert. Zumindest der Titel der Reihe lässt erahnen, dass dem
nicht so ist.
Es
bleibt auf jeden Fall abzuwarten, was das Schicksal für Katharina
und Anna, Michael und Leonhard noch bereithält.
Freitag, 8. Mai 2020
Neues vom Pferdehof - Päuschen
Sagt mir mal Bescheid, wenn unsere Freitags-Leckerli-Fee da ist,
ich brauche jetzt meinen Schönheitsschlaf.
"Norio! Nooorio!"
Was, sie ist schon eingetroffen?
Es war gerade so gemütlich.
Na, dann will ich mal...
Nicht, dass mir die anderen noch alles wegfressen, die sind immer sooo gierig.
Mittwoch, 6. Mai 2020
Verliebt in New Mexico
Die schwarzen Haare sind schuld, dass Logan Ryan Claire Waters nicht
sofort erkennt, denn früher waren sie weizenblond. Nicht nur aus diesem Grund ist das
Wiedersehen der beiden sehr überraschend, als die junge Frau dem Rancher quasi vor die Füße fällt. Aber ihr freizügiges Kleid im Zusammenhang mit ihrem
veränderten Aussehen sind deutliche Hinweise darauf, dass sie nicht (mehr) die
stille und zurückhaltende Frau ist, auf die er auf der Ranch seiner Eltern traf,
nachdem sie von Molly, der Frau seines Bruders Matt, gerettet worden war. Molly
hatte Claire zufällig in einer Schlucht in der Wüste außerhalb von Albuquerque
entdeckt, wo man diese halb
totgeschlagen zurückgelassen hatte.
Ihre Vergangenheit blieb damals ein Rätsel, und trotzdem übte sie
einen Sog auf Logan aus. Seit Claire in ihre Heimat nach New Mexico gereist ist, weiß niemand, wie es ihr ergangen ist. Also begibt sich Logan voller Sorge
und mit großen Erwartungen auf die Suche nach ihr. Und nun das. Glaubte Logan in Texas noch tatsächlich, die junge Frau bei der nächsten Begegnung weniger attraktiv,
faszinierend und interessant zu finden, sieht er sich getäuscht. Im Gegenteil. Allerdings
ist die Vermutung, dass Claire eine Hure ist, nicht von der Hand zu weisen. Hat Logan sich
wieder einmal für die falsche Frau entschieden? Andererseits passt ihr Verhalten nicht
zu einem Saloon-Mädchen. Und Logan spürt einen Funken Hoffnung in sich
aufkeimen, dass nicht alles so ist, wie es scheint…
Wer gerne Geschichte aus dem „Wilden Westen“ liest, ist auch mit dem
zweiten Band der Wings of West Reihe „Verliebt in New Mexico“ gut beraten. Denn
Kristy McCaffrey legt eine unterhaltsame und temporeiche Handlung im frischen
Schreibstil an den Tag, die vergangene Zeiten um das Jahr 1877 aufleben lässt
und fiktive Personen mit realen Geschehnissen verknüpft, jedoch verständlich
formuliert ist und Esprit besitzt. Sie hält uns mit zahlreichen Wendungen in
Schwung, eine weniger hätte es für mich ruhig sein können, und spricht unter anderem ernsthafte Themen wie käufliche Liebe und Gewalt gegen Frauen an. Zudem
hat die Autorin neben den Hauptfiguren viele natürlich wirkende und lebensnahe
und einige hinsichtlich ihrer Bösartigkeit manchmal etwas überzeichnete Charaktere
eingefügt.
Selbstredend lebt auch diese Geschichte – schließlich trägt sie ihren
Titel nicht von ungefähr – von der wechselseitigen Anziehung und den aufkommenden
Empfindungen ihrer Protagonisten. Entsprechende Szenen sind geschmackvoll,
gleichwohl mit Leidenschaft dargestellt. Das in den Mittelpunkt gerückte Paar sieht sich nicht nur in gefährlichen Situationen ihren
moralischen Ansichten, einigen Missverständnissen und emotionalen Problemen
gegenüber. Die Autorin schildert mit viel Aufmerksamkeit für Details ihrer beider
Entwicklung.
Claire ist anfänglich eine verschlossene Neunzehnjährige. Für ihre
Zurückhaltung gibt es viele Gründe: Ihre Mutter Maggie betreibt einen Saloon
mit Bordell, und Claire hat allein deshalb einen Aufschub bekommen, sich auf die dort übliche Weise Essen und Unterkunft zu verdienen, weil sie sich als Heilerin im „White
Dove“ betätigt. Sie ist eine gute Tochter und bleibt, weil sie es als ihre
Pflicht betrachtet, zumal sie sich daneben um ihren jüngeren Bruder Jimmy kümmert. So wird sie täglich mit der Ablehnung der sogenannten
ehrbaren Gesellschaft konfrontiert. Doch Claire trägt einen klugen Kopf auf
ihren Schultern, und Mut, Stärke und eine gewisse Sturheit können ihr ebenfalls nicht abgesprochen werden. Ihre Zeit bei den Ryans hat ihr gezeigt, wie man als
normaler Mensch lebt. So sehnt sie sich nach einem richtigen Zuhause, nach
Wertschätzung und nach einem Mann, den sie lieben kann, schiebt aber auch ihren
Traum, Ärztin zu werden, nicht zur Seite.
Logan ist ein außergewöhnlicher Mann, gerecht, freundlich, hart
arbeitend, indes nicht frei von gefühlsmäßigen Verletzungen. Er besitzt Herz, und sein Bedürfnis nach Fürsorge für die Schwachen ist außerordentlich. Claire ist
lediglich zu Beginn ihrer Bekanntschaft für ihn eine Frau in Bedrängnis, sehr schnell steigert sich die
gegenseitige Anziehungskraft. Vor allem Claire erkennt die Chance, die sich
an Logans Seite bietet: Er würde ihr eine völlig neue Welt zeigen können, eine
Welt voller Aufregung, Sehnsucht und endloser Möglichkeiten.
Ob sich Wünsche, Träume und Hoffnungen erfüllen? Nur eine Lektüre von „Verliebt
in New Mexico“ wird Aufschluss hierüber bringen und sei darum von mir auf jeden Fall empfohlen.
Dienstag, 5. Mai 2020
Rapszeit
Jedes Jahr aufs Neue sind die Rapsblüten ein fantastischer Anblick und zugleich ein Dufterlebnis. Wenn ich einmal anfange mit dem Fotografieren, kann ich mich schwer stoppen. Darum genießt die Bilder. Vielleicht entdeckt ihr auf einem ja das kleine Tierchen, das sich nicht stören ließ...
Freitag, 1. Mai 2020
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