Samstag, 23. April 2016
Majestätisch...
... schauen sie aus, weswegen ihr Name ja auch passend ist:
Kaiserkrone Fritillaria imperialis
Im schwanenweißen Garten blühen dieses Jahr drei orangefarbene...
... und...
... drei gelbe Kaiserkronen, als ob sie sich abgesprochen hätten.
Auf jeden Fall ist es ein majestätischer Anblick.
Mittwoch, 20. April 2016
Ein elfenhaftes Abenteuer
Sira
ist Waise und lebt bei ihrer Tante Juna und ihrem Onkel Jan. Ihr Vater starb, als
Sira erst zwei Jahre alt war, und
ihre Mutter Lena nahm sich nach Siras dreizehntem Geburtstag das
Leben.
Die
17-Jährige hat blasse Haut, eine schmale Nase, blondes
schulterlanges Haar, dichte Wimpern, die verwaschen schimmernde
hellblaue Augen umrahmen. Sie ist einsam, auch unter vielen Menschen
fühlt sie sich allein und schuldig für etwas, das sie nicht
benennen kann. Bisher ist Sira mit dieser Situation klargekommen,
denn sie hat gelernt, sich zu verstellen und anzupassen, vor allem um
an der Schule beliebt zu sein.
Doch
von einem Tag auf den anderen verändert sie sich. Nicht nur, dass
sie ihren Farbstil wechselt: nach
schrillem Bordeauxrot und grellem
Giftgrün trägt sie nun
unauffälliges Schwarz. Und tritt
dadurch erst recht in Erscheinung.
Daneben
macht sie auch
körperlich eine Verwandlung durch. Plötzlich schauen sie aus dem
Spiegel zwei dunkelbraun glänzende, fast schwarz wirkende Augen an,
die sich in einem markanten, ausdrucksstarken Gesicht befinden und
mit denen sie gestochen scharf sieht. Ihre Haare werden länger und
dunkler, als ob sie sich ihrem Kleiderstil anpassen wollen. Zu guter
Letzt verliert ihr Blut seine ursprüngliche rote Farbe und nimmt
einen matt schimmernden Silberton an.
Ob
diese Verwandlung mit dem Fremden zu tun hat, dessen Gesicht sie im
Eis entdeckte und der sie im Traum ruft? Was hat sie zu verlieren,
wenn sie seinem Ruf folgt? Zumal ein Blick dieses unverschämt
gut aussehenden Typen genügt,
damit Sira die lang ersehnte
Geborgenheit, Zuversicht, Hoffnung
und Vollständigkeit
fühlt.
Die
Überraschung folgt auf dem Fuße, als Sira den Schritt tatsächlich
wagt. Der Fremde ist ein Elf, genauer ein Schneeelf. Und nicht nur
das. Ein Prinz ist er obendrein noch. Als wäre das nicht schon genug für ein großartiges Abenteuer, offenbaren sich die Gründe für die Veränderung der 17-Jährigen. Und so beginnt
für Sira ein eigenes elfenhaftes
Märchen, obwohl dies auch nicht frei von
Auseinandersetzungen ist und durchaus sehr menschliche Seiten aufweist...
Sanja
Schwarz legt
mit ihrem Debüt "Schnee Elfen Herz" eine ausdrucksstarke,
ja durchaus poetische Geschichte
in einem bemerkenswert frischen
Stil vor.
Sie verwendet modernes,
jugendliches Vokabular, entwickelt das
Geschehen rasch und ohne Längen und kommt
so zügig ans Ziel. Leider etwas
zu schnell. Hier wären
eine umfassendere und
tiefer gehende Schilderung der
Elfenwelt und intensivere Beschäftigung mit den Figuren -
angesichts der wenigen
Protagonisten - von Vorteil
gewesen. Manche bleiben in Gänze auf der Strecke.
Ansonsten
sind die Charaktere
der Hauptfiguren Sira und Turak gut gelungen, und
der jungen Autorin gelingt es in ansprechender Weise, deren Gefühle
bis zum Leser zu transportieren. Auch wenn Sira mit so vielen hervorstechenden Fähigkeiten
ausgestattet wurde, dass sie im Ergebnis
ein wenig aufgesetzt wirken, um glaubhaft zu sein, verhindert dies keineswegs die Freude beim Lesen der fantastischen Geschichte. Wer
hat schließlich nicht bereits davon geträumt, Superheld(in) zu sein?
Montag, 11. April 2016
Dändorf in der Sonne
Ich bin euch ja noch eine Fortsetzung schuldig. Während Ahrenshoop hier im Nebel lag, herrschte in Dändorf, einer kleiner Gemeinde am Saaler Bodden, eitel Sonnenschein.
Der Hafen ist vor ein paar Jahren "modernisiert" worden, und dort findet sich auch eine Tafel mit der Geschichte des Dorfes.
Übrigens habe ich etwas dazu gelernt:
Im 18. Jahrhundert führte ein wichtiger Weg über Dändorf: Die Salzstraße. Das weiße Gold wurde Bad Sülze im Landesinneren gefördert, auf die Recknitz verschifft und über den Saaler Bodden transportiert. In Dändorf warteten Karren und Fuhrwerke auf die wertvolle Ladung. Von hier aus ging es weiter ins benachbarte Dierhagen und von dort über die Ostsee nach Wismar. Die Route ist auf der Karte gut zu verfolgen.
Sonntag, 10. April 2016
Ein Leben voller Möglichkeiten
Der
dreiundzwanzigjährigen Harriet Heron schnürt es im nebligen
giftigen Dunst des viktorianischen Londons im wahrsten Worte die Luft
ab. Sie leidet an Asthma und rechnet jeden Tag damit, den nächsten
nicht mehr zu erleben. Sie wird behütet und geschützt, ist
gleichwohl aber auch gefangen in diesem Kokon der Fürsorge und
getrennt von den Dingen, die eine junge Frau ihres Alters
kennenlernen sollte. Lediglich ihre seit ihrer Kindheit bestehende
Faszination für Ägypten, besonders
ihre Leidenschaft für Hieroglyphen geben ihr Halt.
Da
sie vor ihrem Tod das ägyptische Theben sehen möchte, kann sie erst
ihren Arzt und dann ihre Mutter Louisa davon überzeugen, dass ihr
das Klima in Ägypten besser bekommt. Mit auf die Reise geht als Dritte im Bunde der Damen die
unverheiratete, gottesfürchtige (Tante) Yael, Louisas Schwägerin,
nicht minder naiv in ihrem Glauben und ohne Kenntnis, was sie im
unbekannten Land erwartet.
Schon auf dem Schiff begegnen sie unterschiedlichen Menschen: dem Ehepaar Cox,
das seine Hochzeitsreise macht, dem Maler Eyre Soane, den eine längst
begraben geglaubte Vergangenheit mit Louisa zu verbinden scheint, dem
deutschen Professor Eberhardt Wolf, der einen Flügel nach Ägypten
transportiert.
Endlich
in Alexandria angekommen, kann Harriet angesichts der sauberen Luft
zunächst aufatmen. Yael, die bislang ihren Vater gepflegt oder
„gefallene“ Mädchen betreut hat, findet einen neuen
Lebenssinn.
Sie eröffnet eine Klinik, in der die Augen der ägyptischen
Kinder behandelt werden.
Doch
Louisa will zurück nach London, auch um Soane und den Erinnerungen
und Geistern ihrer Jugend, die er weckt, auszuweichen. Als in
Alexandria die Stürme beginnen, verschlechtert sich Harriets
Gesundheitszustand. Erneut
kann sie die Mutter überreden, Ägypten nicht zu verlassen, sondern
vielmehr nach Luxor weiterzureisen. Yael hingegen
will
ihre Kinderklinik nicht aufgeben und bleibt in Alexandria zurück.
In
Luxor begegnet Harriet dem mit Ausgrabungen beschäftigten Eberhardt
Wolf wieder und entdeckt in dem Ägyptologen eine verwandte Seele,
nachdem dieser begreift, dass Harriets Interesse echt und nicht bloß
das einer Touristin ist. Sie fertigt Kopien der von ihm ausgegrabenen
Hieroglyphen an und hilft, deren Bedeutung zu entschlüsseln. Auch
Soane taucht in Luxor wieder auf und interessiert sich für Harriet.
Unterdessen wächst angesichts der sozialen Verhältnisse im Land die Unruhe in der Bevölkerung, so dass eine Rückkehr nach England zunehmend unmöglich wird...
The Street and Mosque of the Ghoreeyah, Cairo by John Frederick Lewis
Wendy Wallace überrascht mit einer lebendigen, atmosphärisch dichten Geschichte, die von einer intensiven und sorgfältigen Beschäftigung mit dem historischen Hintergrund zeugt. Sie vermag es, dem Leser die herbe, gleichwohl mystische Schönheit Ägyptens in üppigen Farben, die von Wind und Sand erfüllte Luft und die starke Hitze zu vermitteln. Während das neblige London die dunkle Seite darstellt, scheint Ägypten hell und voller Licht zu sein. Doch diese Schönheit täuscht.
Denn Ägypten ist im 19. Jahrhundert eine brutal unterdrückte Nation unter osmanischer Herrschaft, ein Land, das sich am Rande der Revolte befindet, es entwickelt sich eine wachsende nationalistische Bewegung wider die horrenden Steuern, die Sklavenarbeit und Unterdrückung, im Grunde entsteht hier der erste „arabischen Frühling“.
In
dieser Zeit gehen die drei
Frauen, ohne es zu ahnen, auf eine Reise, die eine jede von
ihnen verändert. Zunächst tragen sie das starre Korsett ihrer
Herkunft und sind geprägt vom Anstand und der Moral ihrer Zeit.
Eindrucksvoll schildert die Autorin, wie sie sich von
den Zwängen befreien, die die viktorianischen Gesellschaft vor allem
den Frauen auferlegt.
Alle Figuren wirken echt und aus dem Leben gegriffen. Ihre Gedanken,
Gefühle und Motivation sind nachvollziehbar durch Handlungen und
Aussagen dargestellt. Dabei ist der Erzählstil der Autorin sehr
ausgewogen und nie übertrieben, klar
und
sensibel und durchaus poetisch.
"Der Himmel war gigantisch. Eine silbrige Riesenschale über ihrem Kopf, an deren Rändern sich perlmuttfarbene Wolkenfinger bis an den Horizont zogen. Um sie herum glitzerte und wogte das Meer. Es wirkte gewaltig. Rein und lebendig." (Seite 50)
Die
drei im Mittelpunkt stehenden weiblichen Protagonisten Harriet, Lousia und Yael sind von ungleichem Charakter, und so reagieren sie auch
völlig unterschiedlich auf das für sie fremde exotische Land.
Yael
und
Louisa haben nichts
gemein. Während
Louisa
von dunkler Aufsehen erregender Schönheit ist,
die noch immer jedem ins Aug fällt, allerdings
weder
Zeit für Wohltätigkeitsarbeiten noch für Bibelstudien hat,
legt Yael
weder auf ihr äußeres Erscheinungsbild größeren Wert noch ist
sie an der Welt des Spirituellen interessiert. Hingegen
Louisa lässt sich von Stimmen ihrer bereits verstorbenen Mutter
leiten, misst diesen große Bedeutung zu. Außerdem ist nicht nur in
ihrem Wunsch, ihre Tochter zu schützen, gefangen, sondern auch in
der eigenen Vergangenheit und der Pflicht, den guten Ruf zu wahren.
Aber sie verändert sich, und dies geschieht in einer für den Leser greifbaren Art und Weise.
Gleiches gilt für Yael. Allerdings ist sie, die die meisten Vorbehalte gegen die Reise hat, es, die letzten Endes über sich hinauswächst, als sie der Armut und Unterdrückung der ägyptischen Bevölkerung begegnet. Sie handelt, entdeckt ihre eigenen, beträchtlichen Fähigkeiten und emanzipiert sich, breitet die Flügel aus, bekommt Ausstrahlung und Souveränität und lebt eine Toleranz im Glauben, die bewundernswert ist.
Gleiches gilt für Yael. Allerdings ist sie, die die meisten Vorbehalte gegen die Reise hat, es, die letzten Endes über sich hinauswächst, als sie der Armut und Unterdrückung der ägyptischen Bevölkerung begegnet. Sie handelt, entdeckt ihre eigenen, beträchtlichen Fähigkeiten und emanzipiert sich, breitet die Flügel aus, bekommt Ausstrahlung und Souveränität und lebt eine Toleranz im Glauben, die bewundernswert ist.
Nachvollziehbar
wird
auch
der Wandel von Harriet geschildert.
Anfangs ist sie in London eine
sterbenskranke, schwache
junge Frau. In Ägypten lernt sie mit der Zeit das Atmen, gewinnt Kraft, Zuversicht und Unabhängigkeit. Dabei
ist die Entwicklung langsam, kommt nicht als Wunder einer
plötzlichen Heilung daher
und weist zudem Rückschläge
auf.
Harriet und damit auch dem Leser wird bewusst,
dass die Welt ungeheuer schön und voller Möglichkeiten und
Abenteuer sein
kann.
Dass
sich die Leben
der Menschen nicht nur in ihrer Länge unterscheiden, sondern vor
allem in ihrer Intensität, im ungleichen Grad an Schönheit, Freude
und Genuss. Dass es wichtig ist, sich nicht
einfach nur ein langes Leben zu
wünschen, sondern eines,
das Belang hat, ein Leben (und
eines Tages auch einen Tod) nach
eigenen Vorstellungen...
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