Donnerstag, 30. April 2020
Hetty Flattermaus fliegt hoch hinaus
Hetty
Flattermaus, die eigentlich Henriette Penelope heißt, hat einen
Traum: Sie möchte den großen Schlosspark erkunden und
wünscht sich Freiheit und Abenteuer.
Das winzige, nur haselnussgroße Hummelfledermausmädchen ist
ungestüm und unerschrocken und sehr neugierig. Wenn ihre
Mutter, die sie heiß und innig liebt, doch nicht immer tausend Tode sterben würde, sobald
das Töchterlein nicht bei ihr
ist. Ja, Hulda ist ungemein auf
Sicherheit bedacht, um Hetty vor Gefahren zu beschützen. Ihre
Zuneigung und ihre sorgenvollen
Ängste sind so stark, dass sie das furchtlose Töchterlein
förmlich erdrückt und sie in ihrem Drang nach Freiheit unbemerkt
einschränkt. Allerdings ist Hetty sehr gewitzt und trickst ihre
Mutter, die sie mit einem Ultraschall-Peilsender zur Kontrolle ihres
Standortes ausgestattet hat, aus. Und
eines Tages ist die Gelegenheit da, und Hetty geht endlich auf
heimliche Entdeckungsreise.
Annette
Roeder hat mit „Hetty
Flattermaus fliegt hoch hinaus“ den
ersten
Band der Reihe um die kleine Fledermaus Hetty geschrieben,
der sowohl zum Vorlesen als auch
für die Lektüre eines Erstlesers
prima geeignet ist.
Denn die Geschichte wurde
in kindgerechter Sprache verfasst
und mit witzigen Reimen und Wortschöpfungen versehen, auch wenn die lustigen Stellen nicht
immer gelungen sind und auf Grund ihrer Länge gelegentlich zu sehr gewollt wirken. Befremdlich
für Erwachsene dürfte sein, dass Hetty ihre Mutter anlügt, es jedoch zu keinem Zeitpunkt zu einer Entschuldigung kommt. Darin liegt
wahrscheinlich eine deutliche Erwartungshaltung der Großen, die die
Kleinen selbst nicht so empfinden und bietet insofern durchaus
Möglichkeiten der Diskussion.
Manchmal fehlt beim Hettys Abenteuern das Prickeln. Aber
Kinder, die
es etwas ruhiger mögen, kommen
hier auf ihre Kosten.
Hervorzuheben
ist, dass die Autorin
zeitgenössische Probleme wie Mobbing und Helicoptermütter in ein
passendes Gewand gekleidet hat,
ohne Kinder zu überfordern. Und auch die Themen wie
Freundschaft,
Hilfsbereitschaft, Vorurteile
und die Hoffnung,
mehr Selbständigkeit zuzulassen und die Welt mit offenen Augen zu
betrachten, dürften bei Kindern auf positive Resonanz stoßen.
Erwähnt
werden sollen zudem die von
der Autorin
eingebundenen exakten
naturkundlichen Informationen zu
Fledermäusen und sonstigem Getier.
Zu
guter Letzt macht der
Bilderreichtum die „Hetty“ zu
einem besonderen Erlebnis. Die
schönen
und mit vielen Details ausgestatteten Illustrationen von Julia
Christians sind wahrlich ein
Augenschmaus, prägen den guten
Gesamteindruck und
begeistern damit Klein und Groß.
Dienstag, 28. April 2020
IMPRESS Challenge 2020 - April
In den Zeiten von "Bleib Zuhause" gehöre ich zu denjenigen, die arbeiten. Denn mit einem eigenen Büro lassen sich die Abstandsregelungen realisieren. Und wenn ich will, gehe ich in den "Garten". Sowieso ist das...
... mein täglicher Ausblick, und ihr könnt sicher nicht sagen, dass sich der nicht sehen lassen kann.
Wenn ich möchte, suche ich mir in der Pause ein Plätzchen für meine neue Lektüre "Schneeweiße Rose" von Jennifer Alice Jager. Es ist eine Adaption eines bekannten Grimmschen Märchens, und das lese ich als Märchenfreundin sehr gerne.
Übrigens gibt es hier auch immer mal wieder einen Gast. In dem Moment allerdings auf dem Rückzug...
Sonntag, 26. April 2020
Freitag, 24. April 2020
Von der Liebe umarmt
Für
drei Wochen besucht die erfolgreiche Theaterproduzentin Grace Montgomery ihre ehemalige Heimat Oak Falls in Virginia.
Sie will ein paar Tage zur Ruhe kommen und zudem im
Buchladen ihrer Schwester Amber eine Schreibwerkstatt leiten.
Unmittelbar
nach ihrer Ankunft erblickt sie IHN in der Nacht auf einem Pferd und
stolpert am folgenden Morgen auf der Veranda ihrer Eltern über IHN:
Reed Cross, den sie keineswegs wiedersehen wollte, denn vor zehn
Jahren verband sie mit dem attraktiven Mann die erste - allerdings geheime - Liebe ihres
Liebes. Als Grace die Kleinstadt und das damit verbundene Landleben verließ,
um Karriere zu machen, hatten sich die beiden getrennt. Außerdem Reed war
unmittelbar danach aus Oak Falls weggegangen und wurde zu einem
anerkannten und erfolgreichen Denkmalpfleger. Als sein Onkel einen
Herzinfarkt erleidet und seine Beziehung wegen Untreue seiner
Freundin scheitert, bricht Reed alle Brücken hinter sich ab und
kehrt für immer nach Oak Falls zurück.
Sofort
flammen die Gefühle von einst wieder auf. Doch Grace wehrt
sich dagegen, will sie dem Charme von Reed nicht erneut
verfallen. Der hingegen erkennt, dass sich ihr die Gelegenheit bietet,
der einzigen Frau, die er aufrichtig geliebt hat und nie vergessen
konnte, wieder nahe zu sein...
Mit
„Von der Liebe umarmt“ beginnt Melissa Foster ihre Reihe um die
Familien Montgomery und Braden, die in Oak Falls und Pleasant Hill wohnen,
und erweitert damit ihr Love-in-Bloom-Universum um neue liebenswerte
Charaktere. Im Mittelpunkt stehen große
Familien, deren Mitglieder charismatische
und leidenschaftliche
Persönlichkeiten sind, bei
denen die durchaus vorhandenen kleinen
Fehler wenig ins Gewicht
fallen.
Oak
Falls ist das Zuhause der Mongomerys:
Mutter Marilynn und Vater
Cade hatten hier viel Freude mit dem Aufziehen ihrer sieben komplizierten und oft wilden Kindern Grace,
Amber, Brindle, Pepper, Sable, Morgyn und Axsel. Vergessen sei auch
nicht der bunte Reigen aus Freunden
und Nachbarn.
Sie
alle agieren harmonisch miteinander. Vor allem zwischen Grace und
Reed stimmt die Chemie, und sie begegnen den emotionalen Herausforderungen mit
außergewöhnlicher Hingabe.
Die
achtundzwanzigjährige Grace Montgomery hat in den letzten zehn Jahren
viel erreicht. Sie schreibt und produziert mit viel Energie und
Engagement Stücke für Off-Broadway-Theater in New York. Zwar
vermisst sie ihre Familie, aber nach Oak Falls möchte sie nicht
zurückkommen und nie wieder ein Kleinstadtmädchen sein, das dem
gedehnten Südstaatenakzent frönt und die typischen Kleidungsstücke
– Jeansshorts mit Cowboystiefeln – trägt.
Sie
ist sehr selbstsicher und versteckt ihre weiche, feminine Seite sowie
das Bedürfnis nach Liebe und Fürsorge hinter einer stählernen
Fassade. Grace wirkt wie ein wandelnder Gegensatz von Zärtlichkeit
und Stärke und setzt dem Werben von Reed enormen Widerstand
entgegen. Sie weicht seinem Drang, die Dinge beim Namen zu nennen, aus,
kann sich indes ihm als Mann – wie damals – nicht entziehen.
Reed
Cross wollte Oak Falls nie verlassen, hat es jedoch getan, weil ihm
nach der Trennung von Grace das Leben dort nicht mehr erstrebenswert
erschien. Nun jedenfalls brauchen sein Onkel Roy und seine Tante Ella, die
ihn nach dem Tod der Mutter und dem Weggang seines Vaters adoptiert
haben, nicht nur seine Hilfe bei der Übernahme von
Renovierungsarbeiten, sondern seine persönliche Situation bietet ihm
einen Neuanfang in Meadowside. Reed zeigt sich als ehrlich und beschützend. Er setzt auf Kommunikation, ist entschlossen und weiß, was er will.
Zu
Melissa Fosters Vorzügen gehört es, eine angenehme
Hintergrundszenerie mit detaillierten Bildern und einprägsamen
Menschen zu gestalten. Oak Falls ist ein Ort, der eine vorstellbare
Heimat bietet. Auch ihre sympathische Art des Erzählens, die
erquickliche Schilderung erotischer Momente bringen wie immer
Lesefreude. Leider verliert sich die
Autorin in der Darstellung
der Gefühle, und die
Intensität der Beschreibung der Gedankenwelt ihrer Hauptfiguren
nimmt überhand. Außerdem
läuft einfach alles zu
glatt, Hindernisse und Auseinandersetzungen sind minimal gesetzt. Ein
vermeintlicher Konflikt entpuppt sich als zu schnell gelöst und im
Grunde nicht als spannungsfördernd.
Davon
einmal abgesehen, trifft
„Von der Liebe umarmt“ das Wesen einer romantischen,
sinnlichen
und herzlichen
Geschichte und ist darum empfehlenswert.
3,5 Sterne
3,5 Sterne
Montag, 20. April 2020
Neues vom Pferdehof - Rosa Rausch
Den Pferden ist es egal.
Aber ich freue mich jedes Jahr auf die Blüten der Zierkirsche,
die die Idylle am kleinen Teich des Pferdehofes verstärkt.
Sonntag, 19. April 2020
Die Trossfrau
Magdalena
wird als Tochter eines Hufschmiedes ungefähr anno 1600 geboren. Sie
hat keinen leichten Stand in der Familie, nachdem ihre beiden Brüder
früh sterben, und sie bekommt zusätzlich den Unmut zu spüren, dass sich kein
Mann für sie finden lässt, der ihr zeigt, wo ihr Platz ist.
Magdalena mag sich nicht mit der ihr zugedachten Frauenrolle
arrangieren. Vielmehr beweist sie Geschick, allein durch die
Beobachtung ihres Vaters bei der Arbeit kann sie selbst Pferde
beschlagen. Als sie dies eines Tages beim Tier des
durchreisenden Junkers Leonhart tut, eskaliert die Situation:
Magdalena, die zuvor schon von allen misstrauisch beäugt wurde und
selbst bei den Eltern auf Unverständnis und Ablehnung stößt, muss
den Hof verlassen. Ein hartes Los für die junge Frau. Sie wird
unmittelbar hineingezogen in das kriegerische Treiben, denn ab 1618 hält
der Dreißigjährige Krieg ganz Europa in seinem Griff.
Magdalena
hat Glück im Unglück. Sie wird von eben jenem Junker Leonhart, der sie
die nächsten Jahre auf die eine oder andere Weise begleitet, mitgenommen
in eine ungewisse Zukunft. Sie schließt sich als Marketenderin einem
Soldatentrupp an und gerät in die unaufhaltsam schwelenden Konflikte
der damaligen Zeit. Ihr Schicksal ist nun vom Krieg abhängig,
und sie lernt neben Unheil und Verlust auch Freundschaft und Liebe kennen.
Carmen
Mayers Heldin in „Die Trossfrau“ ist ein junges Mädchen aus dem
einfachen Volk, das ihr Leben in die eigenen Händen nehmen und
einiges ertragen muss, als sie vom Vater des Hauses verwiesen wird.
Magdalena begreift früh, dass sie sich keinesfalls an die Vorgaben
der Männer halten will, die ihr ein Dasein als unterwürfiges,
gehorsames Weibsbild aufzwängen wollen. Weil sie viel mehr als das
kann. Ob es realistisch ist, dass Magdalena sich Rechnen und Lesen
heimlich beibringt, mag dahingestellt bleiben. Dass sie sich eine andere Existenz als die ihr zugedachte wünscht, ist verständlich. Magdalena sieht sich als eine junge Frau, die zur falschen Zeit
am falschen Ort geboren wurde. Gleichwohl versucht sie, nicht nur
den Kopf hoch zu halten und zu dem zu stehen, was sie denkt, sondern
auch dem Leben ein paar Glücksmomente abzuringen. Dies ist wahrlich
ein schwieriges Unterfangen.
Europa
blutet. Die Katholische Liga und Protestantische Union stehen sich
gegenüber, und die Menschen werden aufgerieben im Kampf der
Mächtigen um den „wahren“ Glauben. Die Schilderung der Autorin
ist schnörkellos, geradezu und überzeugend. Durch die
Einbindung des historischen Hintergrundes vermittelt sie ein
greifbares Bild von Gewalt, Gräuel und Schrecken, denen die Menschen
ausgesetzt sind. Wesentliche Ursachen und Ereignisses des
Dreißigjährigen Krieges werden angesprochen und gut in die Handlung
eingebunden, muten allerdings vereinzelt etwas sachlich an.
Trotzdem erlauben sie einen Einblick in das Geschehen, insbesondere
durch die Kumulierung auf das Trossleben und damit diejenigen
Menschen, die mit den Heeren ziehen und sich um die Verpflegung der
Männer kümmern und die Verwundeten versorgen. Sie sind so etwas wie
die friedliche Seite des Krieges. Obwohl dieses Dasein anstrengend, entbehrungsreich und roh ist, schafft es außerdem ein gewisses
Maß an Sicherheit in einer aufeinander angewiesenen Gemeinschaft und
sorgt für ein Auskommen. Ja, es bleibt auch Gelegenheit für Freundschaften
und die Liebe. Indes wirken Gefühle oft ein wenig zurückhaltend und aus
der Distanz betrachtet.
Neben
dieser Schilderung thematisiert Carmen Mayer Aberglauben und
Hexenverfolgung. Magdalena wird auf Grund ihrer
Andersartigkeit mit dem Vorwurf, eine Hexe zu sein, konfrontiert. Die
Autorin zeigt jedoch auch am Beispiel des Junkers Leonhart, dem
Magdalena im Laufe der Jahre immer wieder begegnet, dass es
erbitterte Gegner solcher Anschuldigungen gibt.
„Die
Trossfrau“ ist ein treffendes Beispiel für ein Frauenschicksal im
Dreißigjährigen Krieg und belegt einmal mehr die Sinnlosigkeit von
gewalttätigen Auseinandersetzungen, nicht nur in Bezug auf
Glaubensfragen.
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Erschienen ist das Buch im Maximum Verlag, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.
Erschienen ist das Buch im Maximum Verlag, dem ich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danke.
Freitag, 17. April 2020
Die Ersten
Gestern habe ich sie entdeckt:
Die ersten Blüten meiner Sauerkirsche sind da.
Wenn das alles Kirschen werden...
Donnerstag, 16. April 2020
Wie viele willst du töten
Ellery
Hathaway ist Polizistin im verschlafenen Woodbury. Ihre
Entscheidung, dort zu leben, kommt nicht von ungefähr. Vor vierzehn
Jahren wurde sie vom Serienmörder Francis Michael Coben verschleppt und sollte sein siebzehntes Opfer werden. Sie ist die einzige, die
dessen Grausamkeiten überstanden hat und gerettet werden konnte.
Als
innerhalb von drei Jahren jedes Mal um ihren Geburtstag herum
Menschen aus der Stadt verschwinden, und sie Glückwunschkarten
erhält, befürchtet Ellery, dass – obwohl sie ihren Vornamen und ihre
Haarfarbe änderte – jemand ihr Geheimnis kennt und dass auch
zwischen den Entführungen ein Zusammenhang bestehen muss. Gehör
findet sie bei ihrem Vorgesetzten nicht, zumal von den vermissten
Personen keinerlei Spuren zu finden sind. Nun naht wieder ihr
Geburtstag, und Ellie vermutet, dass es eine erneute Entführung geben
wird. Sie wendet sich an Reed Markham, jenem Special Agent des FBI,
der sie damals aus ihrem Gefängnis, einem Wandschrank, befreit und
somit gerettet hat, dem sie vertraut und
ebenso zutraut, sie zu unterstützen, mit
seinem Fachwissen die Wahrheit aufzudecken.
Joanna
Schaffhausen überzeugt in “Wie
viele willst du töten” mit einer gut ausgearbeiteten Geschichte,
die atmosphärisch dicht, aber
auch mit Düsternis erzählt
wird und geschickt
aufgebaut ist. Während wir zu Beginn gemeinsam mit einer
unbekannten Person aus der Entfernung die Entführung beobachten,
hält sich die Autorin im Verlauf des Geschehens mit detaillierten
Angaben zurück. Lediglich die Fakten, dass Ellery, die einst
Abigail hieß, verschleppt und gefoltert wurde, legt sie offen. Was
genau der Serienmörder Coben ihr angetan, was sie so verändert hat,
bleibt wage, rätselhaft und im Dunkeln. Weiter wissen wir nur, dass
sie gerettet wurde. Doch wurde sie das wirklich? Wir sehen die Narben
an ihren Handgelenken und ahnen, dass die Realität dessen, was
passiert ist, außerordentlich erschütternd sein muss und bekommen Spielraum für
eigene Interpretationen, inwieweit sich die Ereignisse vor vierzehn
Jahren auf Ellies geistige Gesundheit ausgewirkt haben.
Ellery
ist verschlossen und zurückhaltend, von ihrer Vergangenheit weiß
hier in Woodbury niemand etwas. Sie scheut Kontakte außerhalb der
Arbeit und pflegt ledigleich wenige Beziehungen, wie die zu Bump, ihrem
Hund, und einem Mitarbeiter des Tierheims, aus dem Bump stammt.
Trotz
ihrer unzweifelhaft wegen des in der Jugend erlittenen Schicksals
vorhandenen psychischen Probleme ist die junge Frau eine glaubwürdige
Heldin, die ihre Dämonen der Vergangenheit in ihrem stillen einsamen
Haus mit den zugenagelten Wandschränken hartnäckig in Schach zu halten versucht. „Sie ist wie eine Soldatin, die aus dem Krieg heimgekehrt
ist… Sie ist stark. Angeschlagen. Erstaunlich witzig, wenn sie sein
will.“ (Seite
143)
Reed
Markham ist nach all den Jahren immer noch
stolz darauf, dass er Ellie aus Cobens
Fängen befreien konnte. Indes die Gegenwart
sieht eher
traurig aus. Seine Ehe ist gescheitert und nach einem fehlerhaften
Profiling mit fatalen Folgen
wurde er beurlaubt. Seine
Unsicherheit, wieder zu versagen, verbirgt
er, will er Ellie - auch wegen ihrer
besonderen Beziehung – helfen und zugleich erfahren, was aus ihr
geworden ist.
Schnell
wird klar, dass viele Dinge nicht so sind, wie sie scheinen. Die Jagd
nach dem Killer, die Geheimnisse und
verschiedenen Möglichkeiten weiß Joanna
Schaffhausen wendungsreich und mit langsam,
stetig ansteigendem Spannungsbogen in
Szene zu setzen.
"Wie viele willst du töten" erweist sich als faszinierende komplexe psychologische Studie, die sich vor allem auch einmal mit den Auswirkungen eines Verbrechens beschäftigt.
Mittwoch, 15. April 2020
Dienstag, 14. April 2020
Die letzte Dichterin
Mina
Fabelreich ist Dichterin und Geschichtenerzählerin aus Leidenschaft
und hofft darauf, eines Tages in Fernab, jener Stadt in Phantopien, in der die
letzte Magie des Landes zu Hause ist, auftreten zu können. Zu ihrer Freude
erhält sie tatsächlich eine Einladung zum Dichterwettstreit, den Königin
Malwine Wüstenherz ausrichtet. Lediglich finden muss sie die Stadt, die
für alle Fremden unsichtbar ist. Der jungen Frau wird bald klar, dass sie
ihr Ziel nur in Begleitung von Schatzsucher Finn Minengräber, der seine eigenen Träume hat, gelangen kann und macht sich gemeinsam mit ihm auf den Weg. Werden sich in Fernab die Wünsche der beiden erfüllen?
Die
Autorin beweist mit ihrer Idee eines Phantopiens, dem die Magie
verloren geht, Kreativität. Die Veranschaulichung einer Welt und ihrer
Bewohner, zeugt von Vielfalt, hätte allerdings durchaus ab und an
umfassender gestaltet werden können. Es ist jedoch eine Freude, der
detaillierten,
bildintensiven und stimmungsvollen Erzählweise zu folgen, die
sich
in einem
poetischen und atmosphärischen
Rahmen nicht
nur ihrer
Heldin Minna widmet.
Hervorzuheben
sind die sorgfältig entwickelten Charaktere der Geschichte, zu denen
insbesondere die ehrgeizige Königin gehört, die anfangs mit einer
Darstellung als das personifizierte Böse auftritt und im Verlauf des
Geschehens aufschlussreiche Facetten offenbart.
Daneben
begeistert Minna
mit ihrer Leidenschaft und
ihrem Enthusiasmus für
das Dichten, ihrer
Zurückhaltung und ihrem Bestreben, mit ihrer Kunst bei den
Menschen etwas zu auszulösen. Sie
kann ihre Zuhörer in den Bann ziehen, weil sie über eine besondere
Form von „Magie“ verfügt. Für ihren Begleiter Finn verkörpert sie die Hoffnung, dass
die alten Werte Phantopien nicht gänzlich untergegangen sind.
Dass es noch Menschen gibt,
denen es Ansehen
und Reichtum nicht
wichtig sind,
denen es gleich ist,
ob ihr Spiegelbild attraktiv
oder unvollkommen ist,
die nicht mitleidig auf verkrüppelte Menschen wie ihn herabsehen.
Minna zeigt, dass Geschichten
und
alte Bücher bedeutsamer
sind
als
Goldkugeln und
Diamantschmuck, dass man auch
den
sternfernen Träumen folgen und an seinen Überzeugungen festhalten
kann und nicht an den Werten festhalten muss, die Gewohnheit und Misstrauen vor Veränderung
vorgeben.
Finn und seine Elster Schwarzklaue erobern schnell das Herz. Der junge Mann mit seiner verkrüppelten Hand ist einer jener Menschen,
die nicht
perfekt
sind und ihren Platz im Leben noch nicht gefunden haben. Auf
der Suche danach verläuft
nicht
alles glatt, und viele Stolperfallen kreuzen
seinen Weg.
Aber Finn möchte wie Minna seine Träume verwirklichen, und darum
agieren die beiden auch mit einer gewissen vorwärtstreibenden Kraft
miteinander.
„Die
letzte Dichterin“ von Katharina Seck besticht mit einem fantasievollen,
durchdachten Plot und
ausgezeichneten
Charakterstudien,
wodurch in der Gesamtbetrachtung ein Lesevergnügen der besonderen
Art geboten wird.
4,5 Sterne
4,5 Sterne
Montag, 13. April 2020
Sehnsucht nach Meer
Für alle, die das Meer lieben, aber zur Zeit nicht dorthin dürfen. Wir haben den Osterspaziergang bereits vor zwei Wochen absolviert, und wie ihr seht nahmen es die Männer mit dem Sicherheitsabstand sehr genau ;-)...
Sonntag, 12. April 2020
"Das Zeitalter der Frauen bricht an..."
Berlin
kommt Ende 1918 nicht zur Ruhe. Gerade ist der erste
Weltkrieg beendet worden, der unvorstellbares und schreckliches Leid über die Völker
gebracht hat. Und noch hält die Novemberrevolution die Menschen in
Atem, in deren Folge das deutsche Reich zu einer Republik geworden
ist. Die instabile Regierung hat die Lage nicht im Griff. Aufruhr,
andauernde Scharmützel und Straßenschlachten, in denen quasi jeder
gegen jeden kämpft, lösen weiteres Chaos aus.
In
dieser Zeit trifft die junge Fritzi in der Großstadt ein. Die
Tochter eines Müllers aus Rieseby in der Nähe von Eckernförde ist
auf der Suche nach Benno, dem Vater ihrer Tochter Christel. Vier
Jahre lang hatte sie darauf gehofft, dass ihre Jugendliebe wieder heimkehrt. Nun
will sie nicht länger warten und ihm nach all der Zeit
offenbaren, dass er Vater ist und sie heiraten soll.
Als
sie Benno endlich findet, ist dieser gar nicht begeistert. Der
Matrose hat auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg Unterschlupf bei Vera
gefunden und sich in die Schneiderin verliebt. Vera trägt die
Verantwortung für Familie und Haushalt, auf ihren Schultern lastet nach dem
Tod des Vaters allein die Sorge für die Mutter, bis ihr Bruder Georg aus dem Krieg zurückkehrt und sie die
Werkstatt erneut eröffnen können. Als Georg dann in der Tür
steht, erschrickt Vera über die Veränderung des jungen Mannes.
Fabrikantentochter Hanna hat andere Pläne als ihre Familie. Nach
vier Jahren, die sie als Hilfsschwester in Kriegslazaretten arbeitete, möchte sie jetzt Schwester "mit allem Drum und
Dran" werden. Zwar entschädigt ihr gutes Verhältnis zum Vater, der
bislang stets ihr einziger und mächtigster Verbündeter ist, sie für
die fehlende Zuneigung ihrer Mutter Irene, aber ob er auch ihren
Wunsch nach Selbstverwirklichung ohne einen Ehemann verstehen wird,
ist fraglich. Und ob er gar die Liebe seiner Tochter zu einer Frau
akzeptiert, mehr als unwahrscheinlich...
„Das
Zeitalter der Frauen bricht an..“ (Seite 151)
Mit
„Die Frauen vom Alexanderplatz“, wobei sich der Titel als unpassend gewählt entpuppt, beleuchtet Elke Schneefuss das
Schicksal von drei jungen Frauen unterschiedlicher sozialer Herkunft,
die im Angesicht des Endes des ersten Weltkriegs, der
Novemberrevolution und der Auswirkungen dieser gesellschaftlichen
Umbrüche ihr Leben mehr oder weniger selbst in die Hand nehmen und
auf der Suche nach Erfüllung und eigenem Glück sind und dabei
Hindernisse und Niederlagen Hindernisse überwinden müssen.
Die
Einbindung des historischen Hintergrundes ist sicher und äußert
sich in Momentaufnahmen, die dem Geschehen eine gewisse Würze geben
und es möglich machen, die Menschen im Wandel der Zeit zu
begleiten. Dabei gibt die Autorin bei der Schilderung in drei
abwechselnden Erzählsträngen ihren Heldinnen Hanna, Vera und
Fritzi, die sich bis auf eine Ausnahme niemals begegnen, den nötigen
Raum der Entfaltung, wenngleich hierdurch bisweilen die Intensität,
besonders bei der Darstellung von Emotionen verlorengeht.
Wiederholungen in Gedankengängen und Dialogen wirken zudem
gelegentlich angestrengt, seien allerdings verziehen, da die Autorin
ansonsten mit ihrem lebendigen Schreibstil gut unterhält.
Alle
Frauen vereint, dass sie sich nicht mehr an die überkommende
Moralvorstellungen und Konventionen halten und die ihnen als
weibliche Person gesetzten Grenzen sprengen oder überschreiten
wollen.
Mit
bewundernswerter Geduld und ebensolchem Geschick, vielleicht auch
beschwerlicher Hartnäckigkeit verfolgt Hanna mutig und konsequent
ihren Traum vom Ergreifen eines medizinischen Berufes und der
Erfüllung ihrer Liebe zu Cora.
Vor
allem ihre Vera lässt sich die Butter nicht vom Brot nehmen und ist
nach anfänglichem Zögern sehr couragiert, nachdem ihr Bruder
heimgekehrt. Georg ist im Krieg ein anderer geworden, der Wandel, den
er durchgemacht hat, ist katastrophal. Mitten in einem Gebiet, in dem
jede Menge Kommunisten und Sozialisten wohnen, agieren er und seine
Männer von der Reichswehr und gefährden Hab und Gut und Leben der
Menschen.
Fritzis
Leben im Dorf als ledige Mutter ist kein Zuckerschlecken. Die Leute
schneiden sie, es wird viel getratscht. Sie möchte dem Gerede ein
Ende bereiten und eine „ehrbare“ Frau werden. Moralisch ist sie im
Recht. Doch schmerzhaft begreift sie, dass Benno nicht mehr der Mann
an ihrer Seite sein wird, weil man Liebe nicht erzwingen kann. Indes
findet sich das Glück manchmal unerwartet an anderer Stelle…
Elke Schneefuss' „Die
Frauen vom Alexanderplatz“ ist als beispielhafte Lektüre für den
Aufbruch dreier Frauen in einer neuen Zeit durchaus zu empfehlen.
Mittwoch, 8. April 2020
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