Freitag, 29. November 2019
Sonnenstrahlen
Bei uns wehte heute ein stürmischer Wind, dadurch fühlten sich die fünf Grad noch kälter an. Ich bin trotzdem auf den Reiterhof gefahren.
Und auf dem Weg dorthin wurde ich dann mit diesen fantastischen Sonnenstrahlen entschädigt.
Dienstag, 26. November 2019
Erfrischend
Unsere Spatzentruppe, die seit letzten
Winter (gefühlt) auf 100 Kameraden angewachsen ist, hat sich pünktlich
zur Versorgung eingefunden und diskutiert täglich in der Schlehenhecke über das Futterangebot.
Zwischendurch wird natürlich die bereit stehende Wassertränke genutzt.
Die kühlen Temperaturen machen den Vögeln scheinbar nichts aus.
Darum hüpfen sie wohl gerne zum Baden ins Wasser.
Nicht nur die Spatzen sind abgehärtet.
Ein Rotkehlchen konnte ich auch bereits beobachten. Leider ohne Kamera...
Sonntag, 24. November 2019
Die lange Reise der Artemis
„Ich
liebe das Weltall. Schon immer konnte ich stundenlang in den
Nachthimmel schauen, und die Sterne betrachten.“ schreibt Kristina
Günak, und da hat sie sicher mit vielen von uns etwas gemein: Die
Sehnsucht nach dem Unbekannten, die die Autorin in ihrer Geschichte
„Die lange Reise der Artemis“ zumindest einen kleinen Teil
verwirklicht.
Im
Jahr 2123 verlässt die Ärztin Milla ihren Heimatplaneten Erde für immer und
und verpflichtet sich auf dem Raumschiff Barrakuda aus einem
einzigen Grund: Ihr jüngerer Bruder Jamie benötigt dringend Hilfe,
er ist lebensbedrohlich verletzt, und sie allein kann ihn retten.
Die Reise ist auch für Milla kein Spaziergang. Fernab der Erde erwarten
die junge Frau fremde Welten und nicht abschätzbare Gefahren,
und
sie muss sich nicht nur ihrer
Furcht vor dem Ungewissen und der damit verbundenen Herausforderung
stellen.
Nachdem
Milla
unerlaubt von
der Barrakuda flieht und mitleidlos gejagt wird, findet sie auf dem
schnellen Langstreckenschiff
„Artemis“ Schutz
und begegnet RIX und Nukati.
Die beiden unterschiedlichen Wesen erweisen sich als Retter in der
Not und darüber hinaus als diejenigen, mit den sie das scheinbar Unmögliche wagen kann.
Kristina
Günak hat in „Die lange Reise der Artemis“ ihre Fantasie ausgeschöpft und eine galaktische Welt mit Raumschiffen, entfernten
Planeten, neuen Technologien, Algenantrieben, Autopiloten und
künstlichen Intelligenzen – KI – geschaffen, aber auch die sich
bereits heute abzeichnenden Veränderungen der Erde durch
Umwelteinflüsse angesprochen. Hormone im Wasser und erhöhte
Strahlung haben dafür gesorgt, dass die gesamte Zukunft der Spezies
Mensch an den wenigen Frauen hängt, die noch empfangen und gebären
können. Mit dem Vordringen ins Weltall und der Erforschungen unbekannter
Galaxien hat sich eine neue Sprache entwickelt. Hingegen ist die
Handschrift nahezu ausgestorben, sie spielt keine große Rolle mehr.
Tatsächlich lernen viele Menschen weder schreiben noch lesen.
Dies schildert die Autorin verständlich, ohne ausufernden wissenschaftlichen Anspruch und mit einer herzlichen Frische, die
vor allem dem Kerngedanken der Geschichte zugute kommt – der
Freundschaft. Denn „Die lange Reise der Artemis“ ist genau das,
eine Geschichte über Kameradschaft, so unterschiedlich ihre Helden auch sein mögen. Hierbei profitiert die Handlung insbesondere von dem ungewöhnlichen Dreiergespann, das nicht dem Standard
entspricht und einem im Verlauf des Geschehens immer mehr ans Herz
wächst.
Milla,
eine Ärztin der Neuzeit, die die uralte Heilmethode des
Handauflegens beherrscht und aus diesem Grund stringent darauf
bedacht, das letzte, außer ihr lebende Familienmitglied zu retten, ist geprägt von außerordentlicher Emotionalität, an der wir stets
teilhaben können, da die junge Frau selbst erzählt.
Sie besitzt zudem einen gewissen trockenen Humor, der sich
mitunter auch in sarkastischen Äußerungen manifestiert.
Hingegen
lassen sich bei einem RIX Gefühle schwer herausfiltern. Die namenlosen
genetisch optimierten Soldaten der Galaktischen Union verfügen
teilweise über menschliche DNA und bestehen ansonsten aus
technischen Implantaten, sind allerdings definitiv keine Menschen. Sie
zeichnen eine enorme Kraft und Zielstrebigkeit aus. Das ist anscheinend
notwendig, leider existiert nämlich ein friedlichen Zusammenleben in
den Galaxien kaum bis gar nicht, Streitigkeiten werden militärisch ausgetragen.
Die Modifikation der RIX – sie wurden zum Töten gezüchtet –,
die das Potential der Feinde übersteigt, hat deshalb das Überleben
der Menschheit gesichert. Doch der RIX ist wie Milla auf der Flucht
und verbirgt eigene Geheimnissen.
Der
Dritte im Bunde darf auf keinen Fall vergessen werden: Nukati, ein
Draxonda, ein echsenähnliches Wesen, für das irdische Auge auf
den ersten Blick extrem hässlich, aber von einer inneren Schönheit und Herzensgüte,
die ihresgleichen sucht. Der Verlust seiner Familie
macht ihm schwer zu schaffen, indes wie Milla ist er verlässlich und
steht mutig für seine Freunde ein.
Die drei Helden
wachsen zusammen, und was auch immer geschieht, sie sind nicht
allein. Vielleicht treffen wir sie eines Tages wieder...
*Werbung*
Ich danke der Autorin und Authors Assistant für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.
Ich danke der Autorin und Authors Assistant für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.
Montag, 18. November 2019
Unermüdlch...
... blüht unsere Terrassensonnenblume.
Und an trüben Novembertagen...
... bringt sie so noch kleine Lichtblicke
Donnerstag, 14. November 2019
Endlich Liebe
Rachel
Gray schwärmt für Cal Hayden, und auch bei diesem hat beim ersten
Blick Zoom gemacht. Doch ist der in der Gegend sehr gefragte
Pferdetrainer kein Mann der schnellen Entschlüsse, sondern eher
bedachtsam und verantwortungsbewusst. Er möchte sich sicher sein,
dass seine Gefühle erwidert werden und sich darum erst auf eine Frau
einlassen, wenn er sowohl mit ganzem Herzen als auch mit ganzer
Seele dabei sein kann. Erst jetzt, sechs Monate nach dem Tod seines
Vaters, um den er sich während dessen schwerer Erkrankung
aufopferungsvoll gekümmert hat, und der hoffnungsvollen Tatsache,
dass sich seine Mutter endlich wieder dem Leben zuwendet, hat er den
Kopf frei, Rachel seine Gefühle zu gestehen.
„Endlich
Liebe“ nennt Melissa Foster ihren ersten sogenannten "Flirt". Es ist
eine Geschichte, die im Braden-Universum angesiedelt ist, in der die
Familienmitglieder des großen Clans zwar nur Nebenrollen spielen,
über die allerdings die ein oder andere Neuigkeit zu erfahren ist. Vor allem stehen hier Charaktere im Vordergrund, die in der Welt von
„Love in Bloom – Herzen im Aufruhr“ erwähnt wurden und nun
innerhalb eines kurzen Zeitraums ihr Glück finden dürfen.
Deshalb
hält sich die Autorin nicht mit einer langen Vorrede auf, vielmehr steigt sie gleich mitten ins Geschehen ein. Und auch wenn
„Endlich Liebe“ kurz ist, ist sie ebenso knackig und spart –
was der Gewohnheit der geneigten Leserin entspricht – nicht mit
sinnlichen und heißen Szenen. Die Chemie zwischen den
Hauptdarstellern Rachel und Cal, stimmt auf Anhieb und lässt das
Herz der Romantikerin höher schlagen. Denn mit Cal und seiner eins
achtzig großen betörenden Männlichkeit hat sie ein
selbstsicheres und entschlossenes Mannsbild vor sich, das sich trotz
hemmungsloser Flirterei (mit Rachel versteht sich) durch und durch als Gentleman zeigt und und
dem ein ausgeprägter Familiensinn inne wohnt. Am Rande sei
angemerkt, dass er außerdem wie Fred Astaire (Weiß jemand noch, wer
das war?) tanzen kann. Halt eine Ausnahmeerscheinung. Und Rachel wäre
dumm, sich diesen Prachtkerl entgehen zu lassen, obwohl sie eher
nicht zu den Frauen gehört, die immer im Mittelpunkt stehen müssen. Aber in ihr steckt auch eine kleine Verführerin. Sie hat eine weiche
Seite, ohne naiv zu sein, ist lustig, kreativ und großzügig.
Es
sind Menschen, die das Leben ein bisschen freundlicher machen.
Vielleicht möchtest du sie kennenlernen...
Mittwoch, 13. November 2019
Herbstfreude
Was für ein schöner Anblick.
Meine Kletterhortensie hat ihr Herbstkleid angelegt.
Ich finde ja, das hat irgendetwas...
Dienstag, 5. November 2019
Blogtour - St. Kilda
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"An dem Tag, an dem die Welt der kleinen Annie McViccar zerbrach, schien die Sonne von einem wolkenlosen Himmel." (Sehnsucht nach St. Kilda, Seite 11)
Es
ist der 29. August 1930, und achtjährige Annie verlässt gemeinsam mit den letzten 35 Bewohnern
ihre Heimat, die Inselgruppe St. Kilda. Ein Archipel vulkanischen Ursprungs
westlich der Äußeren Hebriden, wild und auf besondere Art einzigartig, aber eben
mitten im Atlantik und weit weg von Schottland. Einsam und isoliert.
Foto: Isabel Morland
Bereits
seit der Bronzezeit vor 2000 Jahren lebten Menschen auf St. Kilda. Leicht war nie,
dem Land Nahrung abzutrotzen, Vorräte für den Winter anzulegen, Wolle für
Kleidung und Torf zum Heizen zu beschaffen.
Foto: Isabel Morland
Doch
obwohl sich die Bewohner von St. Kilda mit ihren Inseln Hirta, Borearay, Soay,
Dùn und Felsnadeln Stac an Armin, Stac Lee, Stac Levenish seit Ewigkeiten
selbst versorgten, begann mit der Kontaktzunahme zur Außenwelt in der
Mitte des 19. Jahrhunderts der Verlust dieser Unabhängigkeit. Zwar produzierten
die Insulaner Waren wie Schaffelle, Tweeds, Strickhandschuhe, Strümpfe, Schals,
um sie an die Touristen zu verkaufen, im Gegenzug verließen sie sich allerdings mehr und
mehr auf die Einfuhr von Lebensmitteln, Brenn- und Baustoffen sowie
Einrichtungsgegenständen für ihre Häuser. Der Bevölkerungsrückgang setzte mit
der Auswanderung von 36 Menschen nach Australien ein. Darüber hinaus fühlten sich die
Insulaner wegen der mangelnden regelmäßigen Kommunikation von der Außenwelt abgesondert.
Nahrungsmittelknappheit und der Ausbruch der Influenza und die zunehmende Abwanderung
von jungen Insulanern brachten weitere Verluste und führten zu einem
Zusammenbruch der Inselwirtschaft. Schließlich war die Evakuierung die einzige
Alternative, die die Inselbewohner selbst treffen konnten.
Foto: Isabel Morland
Heute
befindet sich St. Kilda in der Obhut des National Trust for Scotland und ist
zweifaches Weltkulturerbe der UNESCO. Vor allem Boreray, Stac Lee und Stac Armin
sind Vogelparadiese, brüten dort doch jährlich schätzungsweise 30.000
Basstölpelpaare, was St. Kilda weltweit zur Inselgruppe mit den meisten
Basstölpeln macht. Zudem haben neben Papageientauchern auch Wellenläufer
und Eissturmvögel optimale Brutbedingungen.
Foto: Isabel Morland
Die
Inselgruppe kann auf einer Tagestour besucht werden, und dann gibt es Gelegenheit,
ehemalige Häuser, weitläufige Ruinen von Feldmauern und Cleitean besichtigen, den nur auf St. Kilda beheimateten Soay-Schafen zu begegnen und die baumlose Landschaft zu betrachten. Außer den Angehörigen einer kleinen Militärbasis leben zeitweilig Freiwillige auf der größten Insel Hirta. Im Sommer arbeiten sie hier, um das Erbe
zumindest zum Teil vor dem Verfall zu bewahren, der dem Archipel durch die
unablässig tosenden Winde und die schweren Winter droht. Diesen Aspekt greift auch Isabel Morland in ihrem Roman auf: So begleitet ihre Heldin Rachel, deren Großmutter die eingangs erwähnten Annie ist, als Köchin die Teilnehmer eines vierwöchigen Workshops, während dessen Dauer ein Beitrag für den Erhalt der geschichtsträchtigen Gebäude geleistet werden soll...
Als die 83-jährige Annie McViccar am Strand einen Sluagh sieht – einen
Vogelschwarm, der nach altem Glauben aus den Seelen Verstorbener besteht
–, weiß sie, dass es an der Zeit ist, einen Schwur einzulösen. Denn vor
beinahe 90 Jahren – am Tag der Evakuierung St. Kildas, als sie ihre
Heimat für immer verlassen mussten – hat sie einem Jungen ein
Versprechen gegeben …
Wenig später erreicht Annie eine Nachricht ihrer Enkelin Rachel: Nach drei schweren Schicksalsschlägen bittet Rachel darum, mit ihrem Sohn Sam zu Annie ziehen zu dürfen. Sam ist fasziniert von seiner Urgroßmutter und will alles über das Leben auf St. Kilda wissen. Für Rachel dagegen ist die Insel nur ein abweisender Fels im Meer, der nur noch von Vögeln bewohnt wird.
Bis Annie ihr für einige Wochen einen Job bei der Verwaltung St. Kildas besorgt. Zusammen mit einigen Helfern soll Rachel für den National Trust Gebäude instandsetzen. Nach und nach nehmen die schroffe Schönheit der Insel und ihre bewegende Geschichte Rachels Herz gefangen. Und sie ist nicht die Einzige, die in den hellen Nächten keinen Schlaf findet und dem Lied St. Kildas lauscht: Da ist auch noch der weltbekannte Fotograf Ailic, der hinter seiner Maske einen tiefen Schmerz verbirgt… (Quelle: Verlag)
Wenig später erreicht Annie eine Nachricht ihrer Enkelin Rachel: Nach drei schweren Schicksalsschlägen bittet Rachel darum, mit ihrem Sohn Sam zu Annie ziehen zu dürfen. Sam ist fasziniert von seiner Urgroßmutter und will alles über das Leben auf St. Kilda wissen. Für Rachel dagegen ist die Insel nur ein abweisender Fels im Meer, der nur noch von Vögeln bewohnt wird.
Bis Annie ihr für einige Wochen einen Job bei der Verwaltung St. Kildas besorgt. Zusammen mit einigen Helfern soll Rachel für den National Trust Gebäude instandsetzen. Nach und nach nehmen die schroffe Schönheit der Insel und ihre bewegende Geschichte Rachels Herz gefangen. Und sie ist nicht die Einzige, die in den hellen Nächten keinen Schlaf findet und dem Lied St. Kildas lauscht: Da ist auch noch der weltbekannte Fotograf Ailic, der hinter seiner Maske einen tiefen Schmerz verbirgt… (Quelle: Verlag)
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Erschienen ist der Roman bei Knaur Taschenbuch Verlag. Die Blogtour wurde organisiert von der Netzwerkagentur Bookmark. Weitere lesenswerte Artikel findet ihr hier.
Erschienen ist der Roman bei Knaur Taschenbuch Verlag. Die Blogtour wurde organisiert von der Netzwerkagentur Bookmark. Weitere lesenswerte Artikel findet ihr hier.
Sonntag, 3. November 2019
Rezensionswoche 6. Tag: Melmoth
„Melmoth“
von Sarah Perry ist von dem erfolgreichen Schauerroman „Melmoth der
Wanderer" von Charles Maturin inspiriert. Dieser erschien im Jahr 1820
und stellt einen Mann in den Mittelpunkt, der für 150 Jahre seine
Seele dem Teufel verkauft und dann auf der Suche nach jemanden ist,
der seinen Platz einnimmt. Bei Sarah Perry ist Melmoth eine Frau, ein
mystisches Wesen, das einer unglaublich düsteren und quälenden
Dunkelheit verhaftet ist. Denn Melmoth ist Zeugin einiger
historischer, wahrlich teuflischer Gräueltaten der Menschheit.
Im
Mittelpunkt des Geschehens im Winter des
Jahres 2016/2017 steht die in Prag asketisch lebende und als Übersetzerin
arbeitende Engländerin Helen Franklin: „Klein,
unscheinbar, umweht von einer Traurigkeit, deren Ursache niemand
errät; still erfüllt sie ihre Selbstbestrafung, pflichtbewusst,
ohne Umschweife und voller Selbsthass.“ Unter
ihrem Bett liegt ein grauer Pappkarton, in dem Helens ganzes Dasein auf dreißig mal zwanzig Zentimetern verstaut
ist, so
tief vergraben wie unter englischer Erde, begonnen vor zweiundvierzig
Jahren in Essex in einem Haus mit Rauputzfassade und zweiundzwanzig
Jahre später durch einen reinen Willensakt beendet. Er
stammt aus einer Zeit,
in der Helen wirklich lebendig war. Alles davor ist
nur Prolog, alles danach eine Randnotiz gewesen.
Trotzdem
sie sich Vergnügen und Kameradschaft widersetzt, findet sie einen
Freund: Dr.
Karel
Pražan. Durch ihn macht sie zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem
Mythos der
Melmoth, Melmotte oder Melmotka, wie sie in Prag genannt wird, einer
Frau, die dazu verdammt ist, auf nackten, blutigen Füßen die Welt zu
durchstreifen, um Zeugnis abzulegen von der Gewalt und Grausamkeit
der Menschheit und auf der Suche nach denjenigen, die in die Abgründe
des Elends geraten sind.
„Sie
ist einsam. Ihre Einsamkeit ist uferlos und wird erst enden, wenn die
Welt untergeht und Melmoth Vergebung erfährt. Sie erscheint den
Menschen am Tiefpunkt ihres Lebens, und nur die Erwählten spüren
ihren Blick. Sie heben den Kopf, und plötzlich steht die Zeugin vor
ihnen. Angeblich streckt sie dann die Arme aus und sagt: Nimm meine
Hand! Ich war so einsam!“
Melmoth
scheint Menschen zu mögen, die etwas zu verbergen haben. Wie Helen.
Nach
dem
Verschwinden von Karel hinterlässt er ihr nicht nur seine
Besessenheit von Melmoth, sondern auch ein Manuskript, das eine
Sammlung primärer historischer Quellen enthält, die auf besondere
Art Melmoth darstellen. Jene vielfältige Texte bieten ein klares
und sorgfältiges, gleichwohl erschreckend erschütterndes Zeugnis: Da ist
der tschechoslowakische Junge, der aus Unverständnis und
Langeweile versagt und Schuld auf sich lädt, als er seine Nachbarn,
eine jüdische Familie, denunziert. Wir erfahren von einem Bettler,
dessen Arbeit als türkischer Beamter den Völkermord an den
Armeniern 1915 begünstigt und einem Engländer, der sich im 17.
Jahrhundert an der Verfolgung der Katholiken beteiligt. Und wir
lernen eine junge Frau kennen, deren Körper durch eine Säureattentat
ihres eifersüchtigen Freundes verbrannt wurde und sich nichts
sehnlicher wünscht, als von ihrem qualvollen Leiden erlöst zu
werden.
Sarah Perrys Prosa ist üppig, malerisch und anspruchsvoll. Mit Scharfsinn und durchaus unheimlich anmutenden Bildern wie schwarzen Dohlen gelingt ihr die Verdichtung der detaillierten Ereignisse und die atmosphärische Einbindung des Lesers, der zudem immer wieder direkt angesprochen wird.
Die
Autorin
formuliert ethische und philosophische Fragen, beispielsweise
nach dem Unterschied zwischen dem, was gut, richtig oder gesetzmäßig
ist. Lassen wir uns nicht zu sehr von Äußerlichkeiten ablenken,
weil wir das Innere nicht kennen? Was sind unsere Pflichten in der
Gemeinschaft? Reicht es aus, zu wissen und Zeugnis abzulegen, oder
sind wir miteinander verbunden und involviert, so dass dies aktive
Reaktionen hervorrufen muss? Sollten wir dem Wunsch nach Verdrängung,
auch in Momenten der Schuld
nachgeben oder Verantwortung übernehmen und uns das Gefühl von Anstand
und Hoffnung auch im
tiefsten Dunkel erhalten? Sarah Perry hat eine Antwort hierfür:
"Wir
sind ganz allein, deswegen müssen wir tun, was Melmoth tun würde:
Wir müssen hinsehen und bezeugen, was nicht in Vergessenheit geraten
darf."
Samstag, 2. November 2019
Bloggeraktion: Bratapfel am Meer - Jetzt wird gebacken...
Nachdem ihr heute Vormittag den Roman kennengelernt habt, erhaltet ihr nun einen Blick auf das dem Rezeptbüchlein entnommenen Probebackwerk:
Caros Stollen
Das Gute an diesem Stollen ist, dass er nicht mit Hefe, sondern mit Quark gebacken wird. Dadurch entfallen Gehzeiten für den Teig.
Außerdem sind die Zutaten variabel. Da ich das Rezept vor ein paar Wochen ausprobiert habe, ist es ein Sommerstollen geworden.
Ihr könnt hoffentlich erkennen, dass ich tatkräftige Unterstützung hatte.
So ein Bäcker-Konditor-Ehemann bringt eben durchaus Vorteile.
Darum wurde der Stollen auch per Hand in Form gebracht.
Nach dem Backen bekam er noch ordentlich flüssige Butter und Puderzucker verpasst.
Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, finde ich.
Und geschmeckt hat es obendrein.
Fazit: Im schwanenweißen Haus wird der Stollen jetzt immer nach diesem Rezept gebacken.
Ich danke der Autorin für die Bereitstellung des Rezeptbüchleins.
Rezensionswoche 5. Tag und Bloggeraktion: Bratapfel am Meer
„...
Es geht nicht darum,
dem Leben mehr Tage zu geben,
sondern den Tagen
mehr Leben."
(Seite 149)
Die
zweiunddreißigjährige Caro arbeitet als Intensivschwester in einer Klinik und übt
ihren Beruf mit Verantwortung und Engagement aus. Sie verschließt
sich den menschlichen Dingen nicht und lässt diese oft zu nah an
sich heran. So geht ihr der Tod ihrer Patientin Elfriede
Fischermann besonders nahe, hatte ihr diese doch kurz zuvor eine
Perlenkette vermacht und sie gebeten, ebenjene zu ihrer großen Liebe
nach Juist zu bringen.
Da
sie privat noch mit den sich widerstreitenden Gefühlen nach der
Trennung von Ehemann Jörn kämpft und es eine Weile dauern wird, bis
sie endgültig darüber hinweg ist, von ihm betrogen worden zu sein,
kommt ihr die Gelegenheit gerade recht, zum Jahreswechsel für ein
paar Tage auf die kleine Nordseeinsel zu reisen, um Elfriedes Wunsch zu erfüllen. Vielleicht
bietet sich so außerdem die Gelegenheit, klarer in die Zukunft zu sehen.
Begleitet
von den guten Wünschen ihrer besten Freundin Jana fährt sie
gemeinsam mit Bobtail Einstein in den Norden und sammelt unterwegs
Max ein, der „Irgendwohin“ reisen will. Ihre wage Vermutung
festigt sich schnell: Sie ist Max bereits begegnet. Jahre zuvor hatte
er Gitarre spielend und singend am Bett seiner sterbende Frau
gesessen…
Bereits
nach wenigen Seiten schafft es Anne Barns, mit „Bratapfel am Meer“
zu einem Herzensbuch zu werden. Zwar schlägt sie durchaus einige
ernste Töne an, würzt diese aber mit einer Prise Humor und
verwendet insgesamt einen gelösten Stil, um ihre Geschichte zu
erzählen. Ihre warmherzige Schilderung, in der Emotionen nicht zu
kurz kommen, gleichwohl niemals Überhand nehmen, nimmt einen nicht
nur für das Geschehen und die Helden ein, sondern ebenso für die
Insel Juist, die eine kleine, jedoch nicht unwesentliche
Nebenrolle erhalten hat. So gelingt es, obwohl Juist lediglich vor dem
inneren Auge erscheint, diese mit wunderbaren Beschreibungen in das
Geschehen mühelos einzubinden, das Flair der Nordsee, der rauen
Brandung und dem eisigen Wind in Zusammenspiel mit seinen
Inselbewohnern spürbar werden zu lassen. Hier kennt im Grunde jeder
jeden und Nachrichten verbreiten sich innerhalb kürzester Zeit.
Anne
Barns Figuren haben einen hohen Identifikationsfaktor und sind aus
dem Leben gegriffen. Sie agieren und kommunizieren miteinander, dass
es eine Freude ist, sie zu beobachten und an ihrem Leben teilzuhaben.
Familie, Liebe und Freundschaft spielen ebenso eine Rolle wie
Trennung, Verlust und Trauer.
Nicht nur die Gefühle sind glaubhaft geschildert, die Autorin greift auch
die mit der beruflichen Situation von Caro verbundenen Missstände,
die die junge Frau sehr belasten, auf, ohne dabei mit der
Holzhammermethode vorzugehen.
Neben
den zwischenmenschlichen Begegnungen ist die Leidenschaft für das
Backen fester Bestandteil des Romans. Und der Leser kann daraus unmittelbaren Nutzen ziehen: Die im Anhang befindlichen Rezepte sind in einem separaten
Rezeptbüchlein veröffentlicht worden. (Ich lade euch übrigens
herzlich ein, mich beim Ausprobieren eines Backwerkes heute Nachmittag
zu begleiten.)
„Bratapfel
am Meer“ ist ein Buch der Wohlfühlmomente, das einen in eine
kuschelige Wolldecke hüllt und am besten bei Kaminfeuer,
Kerzenschein und einer Tasse Tee genossen wird.
"Am Ende ist es immer nur die Liebe, die zählt.“
(Seite 44)
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Ich danke der Autorin für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.
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