{"id":1543,"date":"2019-12-16T22:24:06","date_gmt":"2019-12-16T21:24:06","guid":{"rendered":"http:\/\/journalistikon.de\/?p=1543"},"modified":"2020-07-20T17:15:40","modified_gmt":"2020-07-20T15:15:40","slug":"web-2-0","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/journalistikon.de\/web-2-0\/","title":{"rendered":"Web 2.0"},"content":{"rendered":"\n<p>Wortherkunft: Im Gegensatz zum World Wide Web, dem erst r\u00fcckblickend so genannten ,Web 1.0\u2018, sollte die aus der Software-Vermarktung bekannte Nummerierung der Versionen einen qualitativen Sprung hin zum ,Web 2.0\u2018 suggerieren.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p><strong>Definition:<\/strong><br>Unter Web 2.0 werden alle Arten von nutzergenerierten Inhalten (user generated content, kurz UGC) online zusammengefasst. Dazu z\u00e4hlen die Technologien, die f\u00fcr die Kollaboration im Web notwendig sind, ebenso wie die zugeh\u00f6rigen Gesch\u00e4ftsmodelle. Es gibt keine eindeutige wissenschaftliche Definition. Weitere verwandte Begrifflichkeiten rund um das Web 2.0 lauten ,Social Web\u2018, ,Semantic Web\u2018, ,soziale Netzwerke\u2018 oder \u2192 ,<a href=\"http:\/\/journalistikon.de\/social-media\/\">soziale Medien<\/a>\u2018 (ungl\u00fcckliche, aber sehr verbreitete \u00dcbersetzung von \u2192 ,<a href=\"http:\/\/journalistikon.de\/social-media\/\">Social Media<\/a>\u2018) bis hin zu partizipativen oder kollaborativen Formaten online.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Programmiertechnisch\nist das Web 2.0 gekennzeichnet durch Technologien wie JavaScript, JavaServer-Pages\nund PHP, AJAX, RSS und Web-Services auf XML-Basis (Behrendt 2008: 4ff.).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Geschichte: <\/strong><br>Mit dem Ende der sogenannten Dotcom-Blase und der damit verbundenen Gesch\u00e4ftsmodelle suchte die Branche nach neuen Wegen im E-Business. Bis dahin basierten die meisten Online-Anwendungen auf dem World Wide Web, wie es 1989 von Tim Berners-Lee am CERN entwickelt worden ist und bis heute die Grundlage des Internets bildet. Es besteht aus weitgehend statischen HTML-Seiten, die durch Hyperlinks ( \u2192 <a href=\"http:\/\/journalistikon.de\/link\/\">Link<\/a>) verbunden sind. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Web 2.0 stellte eine R\u00fcckbesinnung auf die von den Nutzern produzierten Inhalte dar, die damit zu ,Prosumern\u2018 werden. Lange vor der Erfindung des World Wide Web bildeten solche Inhalte in Instant-Messaging, Chats und Foren die ersten Anwendungen des Internets. Bekannt wurde der Begriff ,Web 2.0\u2018 durch Tim O\u2019Reilly, den Gr\u00fcnder des gleichnamigen Verlages, und seinen Ende September 2005 ver\u00f6ffentlichten Artikel <em>What is Web 2.0<\/em> (Behrendt 2008: 5). Erstmals nachgewiesen ist er bei Scott Dietzen, dem Technischen Direktor von BEA Systems (Knorr 2003: 90).<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den\ntypischen Web-2.0-Anwendungen z\u00e4hlen Blogs, Wikis sowie Drittplattformen wie\nFacebook, Twitter, Instagram oder TikTok, medienspezifische Plattformen wie\nYouTube oder Soundcloud sowie Plattformen mit spezifischer Funktion wie Xing\noder LinkedIn. Mit der Blogtechnologie, einem vereinfachten\nContent-Management-System (CMS) f\u00fcr chronologisch sortierte Eintr\u00e4ge, wurde es\nf\u00fcr alle Menschen mit Internet-Zugang einfach und ohne HTML-Kenntnisse m\u00f6glich,\nInhalte im Web zu ver\u00f6ffentlichen und sich miteinander zu vernetzen. Das\nXML-Konzept erlaubt durch die Trennung von Inhalt, Struktur und Design,\nsogenannte Newsfeeds (RSS oder ATOM) zu abonnieren. Damit wurden regelm\u00e4\u00dfig\naktualisierte Inhalte als Blog oder Podcast im Pull- statt Push-Prinzip\nm\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Das bekannteste Wiki-CMS ist dasjenige von Wikimedia, das hinter der Online-Enzyklop\u00e4die Wikipedia steht. Sie startete 2001 und z\u00e4hlt 2019 zu den f\u00fcnf meistbesuchten Websites weltweit. Alle Beitr\u00e4ge werden kollaborativ von Nutzern mit abgestuften Rechten erarbeitet. Die Wikipedia liefert damit gleichzeitig ein Musterbeispiel f\u00fcr die Schwierigkeiten, die diese Arbeitsweise mit sich bringt: einen hohen Verschlei\u00df an aktiven Nutzer\/innen, sogenannte Edit-Wars um die Deutungshoheit f\u00fcr bestimmte Begriffe sowie das Ph\u00e4nomen der ,Sockenpuppen\u2018, Accounts, hinter denen sich Nutzer unter Pseudonym verbergen, die wom\u00f6glich mehrfach auf der Plattform unterwegs sind. <\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls seit Mitte der Nullerjahre kamen Drittplattformen wie <em>StudiVZ<\/em> auf (das inzwischen bedeutungslos ist), und Anbieter wie die US-amerikanischen Unternehmen <em>Facebook Inc.<\/em>, <em>Twitter Inc.<\/em> oder das chinesische Unternehmen <em>Bytedance<\/em> (<em>TikTok<\/em>) stiegen zu Global Playern auf. Datensch\u00fctzer kritisieren das Gesch\u00e4ftsmodell, in dem die Nutzer quasi mit ihren Daten zahlen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gegenw\u00e4rtiger Zustand:<\/strong><br>Der Begriff Web 2.0 ist inzwischen durch Begriffe wie \u2192 ,<a href=\"http:\/\/journalistikon.de\/social-media\/\">Social Media<\/a>\u2018 oder \u2192 ,<a href=\"http:\/\/journalistikon.de\/social-media\/\">soziale Netzwerke<\/a>\u2018 abgel\u00f6st worden (Schmidt 2018: 16ff.). Die f\u00fcr Software-Updates typische Methode, Versionsnummern von 1.0 weiterzuz\u00e4hlen, hat durch den Begriff des Web 2.0 gro\u00dfe Verbreitung erfahren. \u00dcberall, wo partizipative Formate statt statischer, senderorientierter Massenmedien entwickelt wurden, gab es Einsatzbeispiele f\u00fcr die Versionsangabe 2.0. Die Bandbreite reicht von ,TV 2.0\u2018 f\u00fcr Internet-Fernsehen \u00fcber ,Politik 2.0\u2018 f\u00fcr E-Demokratie und E-Government bis hin zu ,Stasi 2.0\u2018 f\u00fcr die sogenannte Vorratsdatenspeicherung, also die automatisierte Erfassung und Speicherung von Nutzerdaten in gro\u00dfem Umfang. Ein aktuelles Beispiel (2019) ist eine Kampagne innerhalb der katholischen Kirche, die mehr Rechte und Mitsprachem\u00f6glichkeiten f\u00fcr Frauen in der Kirche fordert, unter dem Titel ,Maria 2.0\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Forschungsstand:<\/strong><br>F\u00fcr den Journalismus gewinnen die partizipativen Formate online zunehmend an Bedeutung. \u201eIn der intelligenten Einbindung des Publikums k\u00f6nnte die Zukunft des professionellen Journalismus liegen.\u201c Damit schlie\u00dft Christoph Neuberger schon 2012 seinen Forschungs\u00fcberblick zum B\u00fcrgerjournalismus (Neuberger 2012: 76). Noch fehlt es an standardisierbaren Abl\u00e4ufen und Modellen f\u00fcr das Einbinden partizipativer Formate in journalistische Produkte, \u201edie den klassischen Journalismus erg\u00e4nzen, nicht ihn ersetzen sollen\u201c (Hooffacker 2018: 33).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mediennutzungsforschung belegt eine zunehmende Bedeutung der sozialen Netzwerke. So hei\u00dft es in der ARD-ZDF-Online-Studie 2019: \u201eOnline-Communitys bzw. \u2192 <a href=\"http:\/\/journalistikon.de\/social-media\/\">Social Media<\/a> werden von einem Viertel der Bev\u00f6lkerung t\u00e4glich genutzt. Gegen\u00fcber der E-Mail ist die Verwendung von Social Media f\u00fcr 59 Prozent der 14- bis 29-J\u00e4hrigen t\u00e4gliche Praxis, wohingegen nur ein Drittel der 30- bis 49-J\u00e4hrigen t\u00e4glich auf Social-Media-Angebote zugreift (31 %).\u201c (Beisch et al. 2019: 383). Dabei unterliegt die Nutzung der unterschiedlichen Plattformen einem raschen Wechsel. <\/p>\n\n\n\n<p>Kritische Stimmen kommen aus dem Bereich der Medienp\u00e4dagogik. Tilmann Sutter bezweifelt den Charakter des Web 2.0 als \u201eMitmachnetz\u201c (Sutter 2010: 56). Jan-Hinrik Schmidt sieht in seinem Standardwerk <em>Social<\/em> <em>Media<\/em> das partizipative und Vernetzungspotenzial des Internets als Abbild vernetzter Gesellschaften: \u201eWir leben in einer Gesellschaft der vernetzten Individualit\u00e4t. Das Internet, und die sozialen Medien im Speziellen, sind die perfekten Technologien f\u00fcr diese Form der Gesellschaft.\u201c (Schmidt 2018: 114).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Behrendt,\nJens; Klaus Zeppenfeld. <em>Web 2.0.<\/em> Berlin\/Heidelberg: [Springer] 2008.<\/p>\n\n\n\n<p>Beisch,\nNatalie; Wolfgang Koch; Carmen Sch\u00e4fer: <em>ARD\/ZDF-Onlinestudie 2019: Mediale\nInternetnutzung und Video-on-Demand gewinnen weiter an Bedeutung.<\/em> In:\nMedia-Perspektiven 9\/2019. <a href=\"http:\/\/www.ard-zdf-onlinestudie.de\/files\/2019\/0919_Beisch_Koch_Schaefer.pdf\" class=\"external external_icon\">http:\/\/www.ard-zdf-onlinestudie.de\/files\/2019\/0919_Beisch_Koch_Schaefer.pdf<\/a>,\n2019, S. 374-388. <\/p>\n\n\n\n<p>Blumauer, Andreas; Tassilo Pellegrini: <em>Social\nSemantic Web. <\/em><em>Web\n2.0 \u2013 Was nun?<\/em> Berlin\/Heidelberg:\n[Springer] 2009.<\/p>\n\n\n\n<p>Hooffacker,\nGabriele: B\u00fcrgerreporter: zwischen Partizipation und professioneller Redaktion.\nFormate des B\u00fcrgerjournalismus im Lokalfernsehen. In: <em>Journalistik<\/em>\n3\/2018, S. 22-35, <a href=\"https:\/\/journalistik.online\/aufsatz\/buergerreporter-zwischen-partizipation-und-professioneller-redaktion\/\" class=\"external external_icon\">https:\/\/journalistik.online\/aufsatz\/buergerreporter-zwischen-partizipation-und-professioneller-redaktion\/<\/a>\n[01.12.2019] <\/p>\n\n\n\n<p>Knorr, Eric: The Year Of Web Services. In: <em>CIO<\/em>,\n15.12.2003, S. 90, <a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=1QwAAAAAMBAJ&amp;lpg=PA90&amp;hl=de&amp;pg=PA90#v=onepage&amp;q&amp;f=false\" class=\"external external_icon\">https:\/\/books.google.de\/books?id=1QwAAAAAMBAJ&amp;lpg=PA90&amp;hl=de&amp;pg=PA90#v=onepage&amp;q&amp;f=false<\/a> [30.11.2019]<\/p>\n\n\n\n<p>Neuberger,\nChristoph: B\u00fcrgerjournalismus als L\u00f6sung? Empirische Ergebnisse zu den\njournalistischen Leistungen von Laienkommunikation. In: Jarren, Otfried; Matthias\nK\u00fcnzler; Manuel Puppis (Hrsg.): <em>Medienwandel oder Medienkrise? Folgen f\u00fcr\nMedienstrukturen und ihre Erforschung.<\/em> Baden-Baden [Nomos] 2012, S. 53-76.<\/p>\n\n\n\n<p>Schmidt,\nJan-Hinrik: <em>Social Media.<\/em> 2. Auflage. Wiesbaden: [Springer VS] 2018.<\/p>\n\n\n\n<p>Sutter,\nTilmann: Medienkompetenz und Selbstsozialisation im Kontext Web 2.0. In:\nHerzig, Bardo (Hrsg.): <em>Jahrbuch Medienp\u00e4dagogik 8.<\/em> <em>Medienkompetenz\nund Web 2.0<\/em>. Wiesbaden [VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften] 2010. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wortherkunft: Im Gegensatz zum World Wide Web, dem erst r\u00fcckblickend so genannten ,Web 1.0\u2018, sollte die aus der Software-Vermarktung bekannte Nummerierung der Versionen einen qualitativen Sprung hin zum ,Web 2.0\u2018 suggerieren. Definition:Unter Web 2.0 werden alle Arten von nutzergenerierten Inhalten (user generated content, kurz UGC) online zusammengefasst. 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