Paul Weimar


Paul Weimar (* 29. Dezember 1855 in Berlin; † 7. September 1890 in Berlin-Wannsee) war ein deutscher Maler, der – zusammen mit dem mit ihm befreundeten[1] Bildhauer Joseph Kaffsack – noch vor Vollendung seines 35. Lebensjahres bei einem Unglück beim Segeln auf dem Berliner Wannsee tödlich verunglückte.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Paul Weimar entstammte einer wohlsituierten bürgerlichen Familie Berlins. Nachdem sich schon früh künstlerische Neigungen abzeichneten, studierte er ab 1876[2.1] an der Berliner Akademie der Künste und geriet unter maßgeblichen Einfluss des 1891 verstorbenen Max Michael.
Er interessierte sich vor allem für Landschaftsmalerei und unternahm verschiedene Studienreisen nach Westfalen und Holland.[3] Er wohnte in der Hornstraße 1 in Berlin-Kreuzberg, während sich sein Atelier in der gleich um die Ecke befindlichen Großbeerenstraße 69 befand.[4] 1884 nahm er mit einer ersten Arbeit an der Jubiläums-Ausstellung der Kgl. Akademie der Künste im Landes-Ausstellungsgebäude zu Berlin teil.[2.1] Im Jahre 1886 beendete Weimar seine Studien an der Berliner Kunstakademie.[2.1] Auf der 58. Jubiläumsausstellung ist er mit einem Ölgemälde Spinnschule in Westfalen vertreten.[5] Im Jahr 1887 war er gleich zweimal vertreten – mit einem Ölgemälde Ein schwer' Stück Arbeit[6.1] und einer Pastellzeichnung Singendes Mädchen.[6.2]
Bekannt wurde Weimar vor allem durch das 1888 fertiggestellte und im selben Jahr in der Jubiläumsausstellung der Berliner Akademie der Künste ausgestellte große und vielbeachtete Gemälde Kaffeeklatsch : Holländische Küche mit plaudernden beim Kaffee sitzenden Frauen und Mädchen[7] sowie mit dem ein Jahr später (1889) ebenda ausgestellten Gemälde Het Nieuws van den Dag, beschrieben als Drei junge Holländerinnen, deren eine die Zeitung vorliest.[8] Das meistgelesene Familienblatt des 19. Jahrhunderts, die in Leipzig erschienene Gartenlaube brachte im Jahrgang 1892 eine Reproduktion des Gemäldes Het Nieuws van den Dag mit einer dazu passenden fiktionalen Geschichte, ohne freilich auf den Künstler einzugehen.
Für die Jahresausstellung 1890 erwähnt Aemil Fendler ein kleineres Bild eines holländischen Fischermädchens.[3]
In der »Zeitschrift für bildende Kunst« findet sich noch ein Hinweis auf ein Genrebild, das ein altes Ehepaar in seinem Wohnzimmer zeigt, sowie ein kleines Fischermädchen am Strand.[2.2]
Würdigung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach Einschätzung von Aemil Fendler lagen seine Begabung und sein Talent weniger auf dem Gebiet des Zeichnerischen als vielmehr in der Erschaffung von Ton und Farbe. In seiner künstlerischen Entwicklung stand er noch am Anfang, sich zu ganzer Freiheit zu entwickeln, blieb dem Künstler versagt.[3] Nach Auffassung der »Zeitschrift für bildende Kunst« indes lag seine Stärke nicht unbedingt in der koloristischen Haltung, sondern vielmehr in der schon zu erkennenden Lebendigkeit der Auffassung.[2.2]
Trotz seiner nur kurzen Schaffensphase und seines überschaubaren Oeuvres wurde Paul Weimars im Rahmen der Ausstellung Hundert Jahre Berliner Kunst im Schaffen des Vereins Berliner Künstler durch Aufnahme des Bildes Atelierecke gedacht.[9]
Weblinks / Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Aemil Fendler. Joseph Kaffsack und Paul Weimar (zum Tod der beiden Künstler bei dem Segelunglück am 7. September 1890 auf dem Wannsee). In: Illustrirte Zeitung 95.1890, Nr. 2464 vom 20. September 1890, S. 303 (Text) und 300 (Bildnisse)
- Weimar, Paul. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 35: Waage–Wilhelmson. E. A. Seemann, Leipzig 1942, S. 285 (biblos.pk.edu.pl).
Anmerkungen und Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ »Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur« 6.1890/91, S. 15 die Leichen der beiden Freunde
- Redaktionsnotiz zum Tode von Joseph Kaffsack und Paul Weimar in: »Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur« 6.1890/91.
- 1 2 3 Aemil Fendler. Joseph Kaffsack und Paul Weimar (zum Tod der beiden Künstler bei dem Segelunglück am 7.9.1890 auf dem Wannsee). In: »Illustrirte Zeitung« 95.1890, Nr. 2464 vom 20. September 1890, S. 303
- ↑ so notiert in den beiden überlieferten Katalogen Illustrirter Katalog: Jubiläums-Ausstellung der Kgl. Akademie der Künste im Landes-Ausstellungsgebäude zu Berlin, Bd. 58, 1886, S. 216 und Illustrirter Katalog: Jubiläums-Ausstellung der Kgl. Akademie der Künste im Landes-Ausstellungsgebäude zu Berlin — 59.1887, S. 182
- ↑ Illustrirter Katalog: Jubiläums-Ausstellung der Kgl. Akademie der Künste im Landes-Ausstellungsgebäude zu Berlin, Bd. 58, 1886, S. 216. Leider bringt der Katalog keine Abbildung dazu, auch die weit umfangreichere, in 2 Bänden erschienene Dokumentation Die deutsche Malerei der Gegenwart auf der Jubiläums-Ausstellung der kgl. Akademie der Künste zu Berlin 1886. Phötogravüre-Ausgabe mit begleitendem Text (siehe Band 1 bzw. Band 2) bringt keine Abbildung, erwähnt nicht einmal den Namen Weimar. Die »Zeitschrift für bildende Kunst« spricht von einer Nähschule in Westfalen. Aufgrund der fehlenden, nicht zu eruierenden Abbildung dieses Gemäldes irgendwo ist nicht zu entscheiden, ob es sich um eine Spinn- oder eine Nähschule handelte. Friedrich von Boetticher, dem wohl alle Jahrgänge der illustrierten Kataloge vorlagen, bestätigt den Titel Spinnschule Friedrich von Boetticher. Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts : Beitrag zur Kunstgeschichte, Band 2, Teil 2, S. 967
- Illustrirter Katalog: Jubiläums-Ausstellung der Kgl. Akademie der Künste im Landes-Ausstellungsgebäude zu Berlin, Bd. 59, 1887.
- ↑ Titel und Fakt der Ausstellung 1888 bei Friedrich von Boetticher: Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts : Beitrag zur Kunstgeschichte, Band 2, Teil 2, S. 967, dem offensichtlich alle Jahreskataloge vorlagen. Leicht abweichend mit dem Titelteil mit plaudernden Frauen- und Mädchengestalten und ohne den Haupttitel Kaffeeklatsch bei Aemil Fendler. Joseph Kaffsack und Paul Weimar (zum Tod der beiden Künstler bei dem Segelunglück am 7. September 1890 auf dem Wannsee). In: »Illustrirte Zeitung« 95.1890, Nr. 2464 vom 20. September 1890, S. 303
- ↑ Friedrich von Boetticher. Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts : Beitrag zur Kunstgeschichte, Band 2, Teil 2, S. 967
- ↑ Hundert Jahre Berliner Kunst im Schaffen des Vereins Berliner Künstler 1929 (Ausstellungskatalog 1929), S. 182, Pos. des Gemäldes lfd. Nr. 1445
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Weimar, Paul |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Maler |
| GEBURTSDATUM | 29. Dezember 1855 |
| GEBURTSORT | Berlin |
| STERBEDATUM | 7. September 1890 |
| STERBEORT | Berlin-Wannsee |
