Marianne Pauline Mende
Marianne Pauline Mende, geborene Thieriot (* 19. Februar 1807 in Leipzig; † 25. Oktober 1881 ebenda) war eine deutsche Stifterin. Von ihr stammt der Leipziger Mendebrunnen.
Leben
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Marianne Pauline Thieriot war die älteste Tochter des Leipziger Seidenwarenhändlers Jacob Heinrich Thieriot (1778–1849) und seiner Ehefrau Henriette geb. Melly (1782–1845). Sie hatte sieben Geschwister. Sie verlebte eine glückliche Kindheit in der hugenottischen Kaufmannsfamilie, die der reformierten Kirche angehörte.
Am 11. Juni 1828 heiratete sie den Posamentenhändler und Inhaber einer Manufakturwarenhandlung Ferdinand Wilhelm Mende (1799–1857). Er besaß das Leipziger Bürgerrecht und war ebenfalls Mitglied der reformierten Gemeinde. Beiden Eheleute gehörten bebaute Grundstücke, der Ehemann hatte noch ein Gut im damaligen Dorf Schönefeld. Das Ehepaar bekam den Sohn Gustav Ferdinand Mende (1832–1864).
Bei schwerer Krankheit entschloss sich Ferdinand Wilhelm Mende 1857 zum Suizid. Er ertrank in der Parthe. Zuvor hatte er in seinem Nachlass zahlreiche Stiftungen großzügig bedacht. Bereits 1856 hatte er der Stadt Leipzig anonym 50.000 Taler zur Errichtung eines Waisenhauses geschenkt. Es ist anzunehmen, dass sie zum Bau des Waisenhauses um 1860 am Südrand des Johannistals verwendet wurden.
Nach dem Tod ihres Ehemanns übernahm die Witwe die Leitung des kaufmännischen Geschäfts, noch im gleichen Monat erhielt sie das Leipziger Bürgerrecht. Durch geschickte Geldgeschäfte verstand sie es, ihren Wohlstand weiter zu mehren. Sie selbst lebte relativ einfach und besuchte regelmäßig das Schönefelder Gut. Von 1868 bis zu ihrem Tode bewohnte sie zusammen mit ihren Schwestern Erdgeschoss und erste Etage im Haus Marienstraße 4 (seit 1949 Chopinstraße). Sie wurde in der Familiengruft auf dem Alten Johannisfriedhof beigesetzt.[1]
Schenkungen und Stiftungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schon zu Lebzeiten aber auch aus ihrem Testament erfolgten zahlreiche Schenkungen und Stiftungen.
- 1864 Schenkung von Kunstgegenständen aus dem Besitz des verstorbenen Sohnes an das Städtische Museum (heute Museum der bildenden Künste)
- ? Schenkung von 45 Musikinstrumenten für 9289 Mark an das Gewandhausorchester
- 1867 Schenkung ihres 5500 Quadratmeter umfassenden Grundstücks (damals Querstraße 26 / Salomonstraße 16) an die Mendesche Blindenstiftung
- Im ihrem Testament wurden zwar die Mitglieder der Familien Mende und Thieriot sowie Mitarbeiter des Gutes Schönefeld bedacht, Haupterbe aber war der sächsische Staat mit 4,66 Millionen Mark, woraus die sächsische Mendestiftung errichtet wurde. Die daraus zu erwartenden Jahreserträge von 170.000 bis 180.000 Mark wurden aufgeteilt
- als Zuwendung an die Müllersche Stiftung für hinterlassene Töchter von Staatsbeamten,
- zur Unterstützung von Witwen von Landgeistlichen und Landschullehrern,
- zur Unterstützung für bedürftige Witwen und hinterlassene Töchter aus gebildeten Ständen,
- für die Gesangsbuchkasse des evangelisch-lutherischen Landeskonsistoriums und
- als Reservefond für die Staatsregierung für außerordentliche Notfälle.[2]
Die Stiftung arbeitete über Jahrzehnte zuverlässig, bis durch Inflation und Zweiten Weltkrieg das Stiftungsvermögen vernichtet war.
Mendebrunnen
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Da die Stadt Leipzig für Ferdinand Wilhelm Mende trotz seiner Stiftungen aber wegen seines Selbstmordes zu keinerlei Ehren bereit war, wollte seine Ehefrau in Form eines Brunnens an ihn erinnern. Sie verfügte in ihrem Testament, die Stadt möge einen Brunnen „von monumentaler Architektur auf einem freien Platze in der inneren Promenade“ errichten und stiftete dafür 150.000 Goldmark.[2] Der Brunnen wurde 1886 auf dem Augustusplatz enthüllt. Eine Inschrift verweist auf die Stifterin, nicht aber auf ihren Ehemann.
Ehrungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1872 erhielt Marianne Pauline Mende den Königlich-Sächsische Sidonienorden.
- 2016 wurde in Leipzig-Schönefeld die Thieriotstraße nach der Familie Thieriot benannt, Annemarie Pauline Mende namentlich in der Begründung eingeschlossen.
- Inschrift am Mendebrunnen
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Manfred Leyh: Mende, Marianne Pauline geborene Thieriot. In: Leipziger Frauenporträts, Website der Stadt Leipzig.
- Ute Tartz: Marianne Pauline Mende. In: Frauenpersönlichkeiten in Leipzig.
- André Loh-Kliesch: Mende, Marianne Pauline. In: Leipziger Biographie.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Paul Benndorf: Der Alte Leipziger Johannisfriedhof und die Rats- oder Hospitalgruft. Leipzig 1907, S. 171
- 1 2 Ute Tartz: Marianne Pauline Mende. In: Frauenpersönlichkeiten in Leipzig. Abgerufen am 16. März 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mende, Marianne Pauline |
| ALTERNATIVNAMEN | Thieriot, Marianne Pauline (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Stifterin |
| GEBURTSDATUM | 19. Februar 1807 |
| GEBURTSORT | Leipzig |
| STERBEDATUM | 25. Oktober 1881 |
| STERBEORT | Leipzig |
