Krankenbuchlager
Das beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) in Berlin angesiedelte Krankenbuchlager war die zentrale deutsche Stelle für die militärischen Krankenunterlagen aus beiden Weltkriegen. Es wurde zum 31. Dezember 2013 geschlossen.[1] Anfragen wurden anschließend von der Wehrmachtauskunftstelle WASt bearbeitet, in deren Zuständigkeit die Unterlagen Anfang 2017 übergeben wurden. Seit deren Auflösung 2019 liegen die Unterlagen im Bundesarchiv, dort ist die Recherche weiterhin möglich.[2]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Für den Zeitraum vor dem Jahr 1919 war das Krankenbuchlager die nahezu einzige Möglichkeit, Hinweise zur Truppenzugehörigkeit und den Verbleib von Angehörigen des größten Teils der deutschen Streitkräfte zu erhalten, da die meisten Unterlagen der preußischen Armee im Reichsarchiv beim Luftangriff auf Potsdam vernichtet wurden.
Das Krankenbuchlager verwaltete u. a. folgende Bestände:
- Die vollständigen Verlustlisten (Deutsche Verlustlisten des Ersten Weltkrieges) (125 Bände) von August 1914 bis Oktober 1919 mit ca. 8,5 Millionen Eintragungen. Die Einträge sind zeitlich und nicht alphabetisch geordnet. Die seinerzeit veröffentlichte, gedruckte Fassung der Verlustlisten (die allerdings nicht alle archivierten Datensätze vollständig enthält) wurde mittlerweile durch eine private Crowdsourcing-Initiative digitalisiert und steht seit Frühjahr 2014 vollständig in Form eines Wiki-Projektes jedem zur Online-Recherche zur Verfügung.[3]
- 50.000 Lazarettkrankenbücher aus dem Ersten Weltkrieg und 6.700 Krankenbücher aus der Zeit davor mit zusammen 67,35 Millionen Eintragungen. Hierbei handelt es sich nur um Lazarette der preußischen Armee, soweit deren Akten nicht beim Verlust des Heeresarchivs Potsdam durch Bombenangriffe im Frühjahr 1945 vernichtet wurden.
- 29.000 Lazarett-Krankenbücher aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges (hauptsächlich Marine und Heer) mit ca. 25 Millionen Eintragungen.[4]
- 8 Millionen Einzelurkunden (Krankenblätter, Gesundheitsbücher, Fliegerärztliche Untersuchungszeugnisse usw.) aus dem Zweiten Weltkrieg
Bereits zum 1. Juli 2007 wurden die bis dahin öffentlich bereitgestellten besonderen Dienstleistungen des Krankenbuchlagers eingestellt, auf private Anfragen hin in dem Datenbestand zu ermitteln und Suchaufträge anzunehmen. Seit diesem Stichtag wurden keine Auskünfte mehr an Privatpersonen erteilt. Die im Vorfeld der Einstellung dieses Dienstes an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages gerichtete Petition, in der Angelegenheit tätig zu werden und die dauerhafte Verfügbarkeit der Daten für die Öffentlichkeit sicherzustellen (Initiative Krankenbuchlager[5]), hatte keinen Erfolg.
Zum 31. Dezember 2013 wurde das Krankenbuchlager endgültig geschlossen.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (LAGeSo): Krankenbuchlager. In: www.berlin.de. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 29. Mai 2010; abgerufen am 23. Januar 2026.
- ↑ Unterlagen der Abteilung Personenbezogene Auskünfte zum Ersten und Zweiten Weltkrieg. Bundesarchiv, abgerufen am 7. Juni 2026.
- ↑ Verlustlisten Erster Weltkrieg. In: genealogy.net. Verein für Computergenealogie, abgerufen am 7. Juni 2026.
- ↑ Bundesverwaltungsamt: Bestand des Archivgutes im Krankenbuchlager Berlin ( vom 6. Januar 2014 im Internet Archive).
- ↑ Die inzwischen abgeschaltete und nicht mehr aufrufbare Projektseite der Initiative lautete Initiative Krankenbuchlager. In: www.familyroots.de. Archiviert vom am 8. Dezember 2008; abgerufen am 21. September 2007.
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