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Gürsün İnce

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Gürsün İnce (* 1965; † 29. Mai 1993 in Solingen) war eine türkeistämmige Frau, die als Mitglied der Familie Genç beim rechtsextremen Brandanschlag von Solingen ums Leben kam. Der Anschlag gilt als der bis dahin folgenschwerste rassistische Angriff in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.[1][2] Gürsün İnce nimmt als Zentralfigur des preisgekrönten WDR-Hörspiels türken, feuer (2020) einen festen Platz in der überregionalen Erinnerungskultur ein.

Gürsün İnce war eine Tochter von Mevlüde und Durmuş Genç, die Anfang der 1970er Jahre aus der Türkei nach Solingen emigriert waren.[3][4] Sie heiratete Ahmet İnce und lebte gemeinsam mit ihrer Familie im Zweifamilienhaus der Genç-Familie in Solingen-Mitte.[5] Das Ehepaar hatte eine Tochter, Güldane, die zum Zeitpunkt des Anschlags drei Jahre alt war.[6][7]

In der Nacht vom 28. auf den 29. Mai 1993 drangen vier Männer in den Hausflur des Genç-Hauses ein, gossen Benzin aus und legten Feuer.[1][2] İnce stand während des Brandes mit ihrer dreijährigen Tochter Güldane im Arm am Fenster eines oberen Stockwerks. Als die Flammen hinter ihr unerträglich wurden, warf sie das Kind nach unten und sprang danach selbst. Sie starb noch am Unfallort, ihre Tochter Güldane und ihr Ehemann überlebten schwer verletzt.[6][8] Die Tochter schilderte die Szene Jahrzehnte später in einem Theaterprojekt: „Meine Mutter hat mich, damit ich überlebe, aus dem Fenster geworfen. Aber meine Mutter hat es nicht geschafft.“[9] Neben Gürsün İnce starben ihre jüngere Schwester Hatice Genç (18), ihre Nichten Hülya (9) und Saime Genç (4) sowie ihre Cousine Gülüstan Öztürk.[10] 14 weitere Bewohner erlitten teils lebensgefährliche Verletzungen.

Die Opfer wurden in der Türkei beigesetzt.[11][2] Am 13. Oktober 1995 verurteilte das Oberlandesgericht Düsseldorf die vier Täter nach 127 Verhandlungstagen wegen fünffachen Mordes, 14-fachen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung zu Strafen zwischen zehn und 15 Jahren. Das Gericht stellte rassistische Motive fest, die Täter hätten den in Deutschland lebenden Türken „einen Denkzettel verpassen“ wollen.[1][2] Das Urteil wurde 1997 vom Bundesgerichtshof bestätigt.

Kulturelle Erinnerung

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Zum ersten Jahrestag am 29. Mai 1994 wurde auf dem Gelände des Mildred-Scheel-Berufskollegs in Solingen das Mahnmal Solinger Bürger und Bürgerinnen eingeweiht. Mehr als 10.000 Menschen nahmen an der Gedenkfeier teil.[12] Das Mahnmal steht seit 2023 unter Denkmalschutz. Zum 30. Jahrestag wurden auf dem Schulgelände Stelen mit Porträts der fünf Ermordeten, darunter Gürsün İnce, aufgestellt.[13][14] Zum 30. Jahrestag am 29. Mai 2023 hielt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Solingen eine Gedenkrede, in der er İnce und die anderen vier Opfer namentlich würdigte und rechtsextreme Gewalt als strukturelle Kontinuität in der deutschen Geschichte benannte.[15] Tagesspiegel, Süddeutsche Zeitung, Deutschlandfunk und Die Zeit berichteten ausführlich.[16][17][18]

In der kulturellen Erinnerung nimmt die Person Gürsün İnce eine besondere Stellung ein: Das WDR-Hörspiel türken, feuer (2020) der in Solingen geborenen Autorin Özlem Özgül Dündar stellt İnce und ihren Sprung aus dem Fenster in den Mittelpunkt und gibt ihr als Zentralfigur des Stücks posthum eine Stimme. Es wurde von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste zum Hörspiel des Jahres 2020 gewählt.[19][20]

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 Bundeszentrale für politische Bildung: 29. Mai 1993: Brandanschlag in Solingen | Hintergrund aktuell. 26. Mai 2023, abgerufen am 22. Juni 2026.
  2. 1 2 3 4 Brandanschlag rechtsextremer Jugendlicher in Solingen. 6. Mai 2013, abgerufen am 22. Juni 2026 (deutsch).
  3. Lale Artun: Nachruf auf Mevlüde Genç: Die Großzügige. In: Die Tageszeitung: taz. 31. Oktober 2022, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 22. Juni 2026]).
  4. Urs Tremp: Die Frau, die nach den rechtsextremen Morden die Versöhnung suchte. Ein Nachruf. 9. Februar 2024, abgerufen am 22. Juni 2026.
  5. Brandanschlag Solingen '93 - Brandanschlag Solingen '93. Abgerufen am 22. Juni 2026.
  6. 1 2 Verena Willing: Der Brandanschlag von Solingen: Was am 29. Mai 1993 geschah. In: Westdeutsche Zeitung. 29. Mai 2018 (wz.de [abgerufen am 22. Juni 2026]).
  7. admin: Hörspiel des Jahres 2020. In: Hoerspielkritik.de. 26. Januar 2021, abgerufen am 22. Juni 2026.
  8. Volkan Ağar: Brandanschlag in Solingen: Die Erinnerung fällt schwer. In: Die Tageszeitung: taz. 29. Mai 2018, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 22. Juni 2026]).
  9. Volkan Ağar: 30 Jahre Brandanschlag Solingen: Schmerz oder Ritual. In: Die Tageszeitung: taz. 28. Mai 2023, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 22. Juni 2026]).
  10. Katrin Höffler: Solingen 93/24. In: Verfassungsblog. 20. September 2024, ISSN 2366-7044, doi:10.59704/107edf3098ede414 (verfassungsblog.de [abgerufen am 22. Juni 2026]).
  11. Lale Artun: Nachruf auf Mevlüde Genç: Die Großzügige. In: Die Tageszeitung: taz. 31. Oktober 2022, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 22. Juni 2026]).
  12. Das Mahnmal – Das Solinger Mahnmal. Abgerufen am 22. Juni 2026 (deutsch).
  13. Das Mahnmal – Das Solinger Mahnmal. Abgerufen am 22. Juni 2026 (deutsch).
  14. Felix Zacher: Ein Ort des Gedenkens am Mildred-Scheel-Berufskolleg. In: Mildred-Scheel-Berufskolleg. 31. Mai 2023, abgerufen am 22. Juni 2026.
  15. Frank-Walter Steinmeier: Rede bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Brandanschlags vom 29. Mai 1993, 29. Mai 2023. https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2023/05/230529-Anschlag-Solingen.html
  16. Urs Tremp: Die Frau, die nach den rechtsextremen Morden die Versöhnung suchte. Ein Nachruf. 9. Februar 2024, abgerufen am 22. Juni 2026.
  17. Brandanschlag Solingen '93 - Brandanschlag Solingen '93. Abgerufen am 22. Juni 2026.
  18. Volkan Ağar: Brandanschlag in Solingen: Die Erinnerung fällt schwer. In: Die Tageszeitung: taz. 29. Mai 2018, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 22. Juni 2026]).
  19. admin: Hörspiel des Jahres 2020. In: Hoerspielkritik.de. 26. Januar 2021, abgerufen am 22. Juni 2026.
  20. ARD Hörspieldatenbank: türken, feuer. Abgerufen am 22. Juni 2026.