France Info

France Info (im aktuellen Senderlogo franceinfo) ist ein öffentlich-rechtlicher Nachrichtensender in Frankreich, der Programme über Hörfunk, Fernsehen und das World Wide Web verbreitet. Es wurde 1987 als Hörfunk-Nachrichtensender der Rundfunkanstalt Radio France ins Leben gerufen und genoss auf Anhieb großen Publikumszuspruch. 2016 wurde es um ein gleichnamiges Fernsehprogramm ergänzt und wird seitdem gemeinsam von Radio France und France Télévisions betrieben. Unter derselben Marke betreiben die beiden Gesellschaften ein Internetangebot (www.franceinfo.fr, früher www.francetvinfo.fr). France Info war der erste Nachrichtensender in Frankreich.
Geschichte
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France Info wurde auf Initiative von Roland Faure gegründet, der im Dezember 1986 Generaldirektor von Radio France geworden war. Die Gründung fiel in eine Zeit, in der die Rundfunkanstalt mit Budgetkürzungen und Stellenstreichungen zu kämpfen hatte, und stieß deshalb intern auf Widerstand. Unter anderem übernahm der neue Sender zwei Sendestationen des kurz zuvor von Radio France wegen Erfolglosigkeit eingestellten Jugendprogramms Radio 7.[1]
Am 1. Juni 1987 nahm France Info als erster reiner Nachrichtensender Frankreichs unter der Leitung von Jérôme Bellay mit einer aus etwa 30 eigenen, überwiegend jungen Journalisten zusammengesetzten Redaktion den Sendebetrieb auf. Bereits am Tag der ersten Ausstrahlung konnte der Sender dank dem in Beirut stationierten Radio-France-Korrespondenten, Alain Ménargues, zeitnah über das tödliche Attentat auf den libanesischen Ministerpräsidenten, Rashid Karami, berichten; am Folgetag gestattete es die privilegierte Stellung eines weiteren Radio-France-Journalisten, Chefredakteur Maurice Fusier, bei einem Großbrand im Hafen von Lyon exklusiv aus der Einsatzleitstelle zu berichten.[1] Das Programm von France Info wurde von Anfang an durch halbstündig ausgestrahlte Nachrichtenblöcke von rund 15 Minuten strukturiert. Auch Beiträgen der lokalen Niederlassungen von Radio France wurde regelmäßig Sendezeit eingeräumt.[1]
Ein Jahr nach Sendebeginn zählte France Info bereits mehr als eine Million regelmäßige Hörer.[2]
Bellays Nachfolger an der Spitze von France Info wurde Pascal Delannoy. Unter seiner Leitung wurde die ständige Wiederholung von Nachrichtenmeldungen aufgelockert durch reportagenartige Elemente. Delannoy wurde nach 13 Jahren im Amt 2002 von Michel Polacco abgelöst. Dieser erhöhte die Anzahl der kolumnenartigen Kommentarreihen von 45 auf 75 und führte Sondersendungen wie die Les Jeudis de l’Europe („Europa-Donnerstage“) und Les Semaines d’Asie („Asien-Wochen“) ein. Dies konnte nicht verhindern, dass die Zuhörerzahl von 5,75 Millionen im Jahr 2003 auf 4,5 Millionen im Jahr 2017 sank. Im April 2017 gab Polacco die Leitung des Senders an Patrick Roger ab.[1]
Am 10. Juli 2016 gaben die Generaldirektoren von Radio France und France Télévisions}, Mathieu Gallet und Delphine Ernotte, bekannt, dass France Info zusätzlich zu seinem Hörfunkprogramm ab dem 1. September 2016 auch ein Fernsehprogramm im terrestrischen Netz ausstrahlen werde und fortan von den beiden Anstalten gemeinsam betrieben werde.[3]
Reichweite
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Hörfunkprogramm von France Info ist mit großem Abstand das meistgehörte reine Nachrichtenradio Frankreichs und steht in der Rangliste aller Radioprogramme Frankreichs auf Platz vier hinter France Inter, RTL und RMC (Stand Mai 2026).[4] 2022 stand es noch auf dem dritten Platz.[5] Das Internetangebot der Marke war im Juli 2022 dasjenige mit den drittmeisten Abrufen (156,4 Millionen) der vom Marktanalysten ACPM erfassten Internetdienste hinter dem Kleinanzeigendienst Leboncoin und knapp hinter dem Onlineauftritt der Regionalzeitung Ouest-France (157,1 Mio.).[6] Das France-Info-Fernsehprogramm war im Jahr 2021 mit einem Zuschaueranteil von 0,7 % der viertmeist gesehene Nachrichtensender in Frankreich, hinter BFM TV (2,9 %), CNews (2,0 %) und La Chaîne Info (1,1 %).[7]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Offizielle Website
- Angaben zu France Info in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- Angaben zu France Info im SUDOC-Katalog (Verbund französischer Universitätsbibliotheken)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 Cécile Jaurès: France-Info, 20 ans sur le fil de l'actualité. In: La Croix (Paris). Nr. 37758, 26. Mai 2007 (französisch, la-croix.com).
- ↑ Le 1er juin 1987, France Info naissait… et inquiétait. Franceinfo, 29. August 2016, abgerufen am 28. Oktober 2021 (französisch).
- ↑ Audrey Kucinskas: France Info: voilà à quoi ressemblera la future chaîne d'info publique. In: lexpress.fr. 11. Juli 2016, abgerufen am 16. Februar 2019 (französisch).
- ↑ Classement Radios mai 2026. Alliance pour les chiffres de la presse et des médias (ACPM), abgerufen am 25. Juni 2026 (französisch).
- ↑ Classement Radios juin 2022. Alliance pour les chiffres de la presse et des médias (ACPM), archiviert vom am 3. September 2022; abgerufen am 25. Juni 2026 (französisch).
- ↑ Synthèse des classements juillet 2022 – Sites / Applis / AMP. Alliance pour les chiffres de la presse et des médias (ACPM), abgerufen am 3. September 2022 (französisch).
- ↑ L’audience de CNews bondit en 2021, TF1 et France 2 restent les chaînes de télé les plus regardées. In: ouest-france.fr. 3. Januar 2022, abgerufen am 3. September 2022 (französisch).
