Charles Jackson French
Charles Jackson French (* 25. September 1919 in Foreman, Arkansas; † 7. November 1956 in San Diego)[1][2] war ein US-amerikanischer Seemann. Bekannt wurde er durch die Rettung von 15 Kameraden während der Schlacht um Guadalcanal.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bis September 1942
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Charles Jackson French wurde am 25. September 1919 in Foreman, Arkansas geboren. Bereits als Kind war er ein guter Schwimmer und schwamm mit acht Jahren unweit seiner Heimatstadt im Red River.
Nach dem Tod seiner Eltern zog er zu seiner Schwester Viola nach Omaha.[3]
Mit 17 Jahren, im April 1937,[1] meldete er sich zur United States Navy und diente dort auf dem Kreuzer USS Houston als Messegast. Dies war eine der wenigen Verwendungen, die Afroamerikanern damals beim US-Militär offenstanden.[2][4.1] So waren im Juni 1940 von den annähernd 170.000 Marineangehörigen gerade mal 4.007 Schwarze. Von diesen hatten wiederum nur sechs einen regulären Rang als Seeleute, alle anderen waren als Hilfsstewards eingesetzt.[5]
Im November 1941[1] wurde French im Rang eines Mess Attendant 3rd Class[4.2] ehrenhaft[4.2] aus dem Dienst entlassen und kehrte nach Omaha zurück. Wenige Tage nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor meldete er sich erneut zur US Navy. Diesmal kam er – wieder als Messegast – im März 1942 auf die USS Gregory,[6] einen ehemaligen Zerstörer der Wickes-Klasse, der zu einem schnellen Truppentransporter umgebaut worden war. Ab dem 7. August 1942, dem Beginn der Schlacht um Guadalcanal, pendelte die Gregory praktisch pausenlos zwischen der Nachschubbasis Espiritu Santo und Guadalcanal hin und her.[4.3]
Die Ereignisse am 5. September 1942 und die unmittelbaren Folgen
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In der Nacht vom 4. auf den 5. September befand sich die USS Gregory zusammen mit ihrem Schwesterschiff USS Little im heute Ironbottom Sound genannten Seegebiet zwischen Guadalcanal und der vorgelagerten Insel Savo, als die beiden Schiffe gegen Ein Uhr morgens unerwartet auf einen deutlich überlegenen Verband japanischer Zerstörer trafen. Nach einem kurzen Gefecht sanken beide amerikanischen Schiffe. Auf der Gregory kamen dabei 11 Besatzungsmitglieder ums Leben, darunter der Kommandant Harry F. Bauer.
16 Überlebende, darunter Charles French, hatten sich auf eines der Rettungsflöße retten können. Mit Ausnahme von French handelte es sich ausschließlich um Weiße.[7] Der Ranghöchste von ihnen, Ensign Robert Adrian, sagte später aus, French hätte einige der Verwundeten persönlich aus dem Wasser gerettet und auf das Floß gehoben, bevor er selbst aus dem Wasser stieg. Wind und Meeresströmung trieben das Floß jedoch auf eine japanisch besetzte Insel zu. Bereits damals machten unter den US-Soldaten Berichte über die Folterung und Ermordung alliierter Soldaten durch die Japaner die Runde. Auch nach der Versenkung der Gregory hatten die Japaner weiterhin auf die Überlebenden im Wasser geschossen.[4.4]
Um sich und seine Kameraden vor der Gefangennahme zu bewahren, band sich French ein Seil um die Hüfte, sprang ins Wasser und zog das Floß schwimmend langsam von der Insel weg aufs offene Meer hinaus. Auf die Warnung Adrians, der ihn auf die Anwesenheit von Haien hinwies, entgegnete French, er habe weniger Angst vor den Haien als vor den Japanern.[3][8] Nach sechs bis acht Stunden wurden die Schiffbrüchigen schließlich von einem amerikanischen Flugboot gesichtet, welches dann ein Schiff zu dem Floß führte.
Nach der Rettung kamen die Schwerverwundeten in ein Lazarett. Die übrigen Überlebenden der Gregory wurden in ein Erholungslager gebracht. Dort sollte French aufgrund seiner Hautfarbe von seinen Kameraden getrennt werden. Diese bestanden jedoch darauf, dass French bei ihnen bleiben solle.[1][3]
Frenchs Rettungstat wurde schnell sehr populär. Die Presse betitelte ihn als Human Tugboat („Menschlicher Schlepper“). Die Tageszeitung The Chicago Defender nannte ihn Hero of the Year („Held des Jahres“).[9] Unter anderem trat French bei Veranstaltungen zum Verkauf von Kriegsanleihen sowie in der Pause eines Footballspiels an der Creighton University auf. Auch wurde er in der Zeitung in Comic Strips dargestellt.[3][10] Die War Gum Trading Card Company, die Kaugummi mit Sammelbildern von Kriegshelden verkaufte, widmete eines der Sammelbilder Charles French.[3][1][10] Warner Brothers planten sogar eine Verfilmung der Ereignisse um die Rettung der Schiffbrüchigen durch French.[3] Im Dezember 1943 verarbeitete Pulitzer-Preisträger William Rose Benét die Ereignisse des 5. September zu einem Gedicht mit dem Titel The Strong Swimmer.[3][10]
Ironischerweise gab es aufgrund der Rassentrennung zur damaligen Zeit in den gesamten USA praktisch kein Schwimmbad und keinen öffentlichen Badestrand, wo der für seine Schwimmkünste gefeierte French das Schwimmen offiziell hätte lernen können.[3]
Ensign Adrian schlug French für das Navy Cross vor, die zweithöchste Tapferkeitsauszeichnung der Navy.[4.1] Eine Verleihung erfolgte jedoch nicht. Offizielle Begründung war, dass ein einfacher Matrose keine höhere Auszeichnung erhalten könne als der Kommandant des Schiffes[4.1] (Harry F. Bauer war postum mit dem Silver Star ausgezeichnet worden). Möglicherweise wurde French die Auszeichnung aber auch aufgrund seiner Hautfarbe vorenthalten.[4.1] So ergab beispielsweise eine 1993 vom damaligen United States Secretary of the Army in Auftrag gegebene Studie, dass im Zweiten Weltkrieg kein einziger Schwarzer die Medal of Honor erhalten hatte. Erst 1996 wurden sieben Afroamerikaner nachträglich damit ausgezeichnet, sechs davon postum.[11] French erhielt stattdessen nur ein Belobigungsschreiben vom damaligen Befehlshaber der US-Flotte im Südpazifik, Admiral William F. Halsey. Darin war statt der sechs bis acht Stunden Schwimmdauer nur von „über zwei Stunden“ die Rede.[3]
Weiteres Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im weiteren Verlauf des Krieges geriet Frenchs Tat allmählich in Vergessenheit. French diente unter anderem noch auf der USS Frankford, einem Zerstörer der Gleaves-Klasse, im Mittelmeer.[3][1][Anm. 1] Im März 1945[1] schied er im Rang eines Steward Mate First Class aus der Navy aus.[1][4.2] Nach dem Krieg heiratete Charles Jackson French. Das Paar bekam eine Tochter.[4.2]
French starb am 7. November 1956 im Alter von nur 37 Jahren an den Folgen seiner Alkoholabhängigkeit. Diese stand vermutlich im Zusammenhang mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung in Folge der Erlebnisse am 5. September 1942.[2][4.2] Sein Grab befindet sich auf den Fort Rosecrans National Cemetery in San Diego.[2][12] Seine Frau Jettie Mae starb 1968.[2]
Späte Ehrungen
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Im Mai 2022 wurde French durch Präsident Joe Biden postum mit der Navy and Marine Corps Medal ausgezeichnet.[2][4.1][6] Die gleiche Auszeichnung hatte im Zweiten Weltkrieg auch der spätere US-Präsident John F. Kennedy erhalten, ebenfalls für schwimmerische Leistungen nach der Versenkung seines Bootes.[2]
Ebenfalls im Mai 2022 erhielt ein Postamt in Omaha auf Initiative des Kongressabgeordneten Don Bacon den Namen Petty Officer 1st Class Charles Jackson French Post Office.[13][14][15] Vor dem Postamt wurde von der Nebraska State Historical Society eine Gedenktafel errichtet, die an Frenchs Verdienste erinnert.[16]
Im gleichen Monat wurde auch eine Schwimmhalle für Rettungsschwimmer des Naval Aviation Schools Command auf der Naval Base San Diego nach French benannt.[17][18]
Im Januar 2024 gab Marinestaatssekretär Carlos Del Toro bekannt, dass die Navy einen Lenkwaffenzerstörer der Arleigh-Burke-Klasse nach French benennen wolle. Die Kiellegung der USS Charles J. French (DDG-142) ist für 2027 geplant, die Schiffstaufe für 2029 und die Auslieferung an die Navy für 2031.[4.1][6][8]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Carole Engle Avriett: The Celeb Swimmer in: Midnight in Ironbottom Sound: The Harrowing WWII Story of Heroism in the Shark-Infested Waters of Guadalcanal, Kapitel 28, Skyhorse Publishing, 2024, ISBN 978-1510781757
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 7 CHARLES JACKSON FRENCH. Kriegsveteranenministerium der Vereinigten Staaten, abgerufen am 21. Juni 2026 (englisch).
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Bruce Wigo: Memorial Day Weekend: The Story of Charles Jackson French – A Hero For Our Time. Abgerufen am 21. Juni 2026 (englisch).
- Torben Keitel: Heldenhafte Rettung in: Schiff Classic 5/2026, S. 62–69
- ↑ Morris J. MacGregor jr.: CHAPTER 3: World War II: The Navy. In: Integration of the Armed Forces 1940-1965. Center of Military History, United States Army, archiviert vom ; abgerufen am 21. Juni 2026 (englisch).
- 1 2 3 SECNAV Del Toro Names Navy Destroyer for WWII Hero Charles French. 10. Januar 2024, abgerufen am 20. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Germán Wille: “El remolcador humano”: llevó a nado una balsa con 15 marinos para salvarles la vida bajo un ataque japonés en la II Guerra Mundial. In: La Nación. 26. Februar 2025, abgerufen am 21. Juni 2026 (spanisch).
- 1 2 Navy will name a new ship for the ‘human tugboat,’ a forgotten WWII hero. 11. Januar 2024, abgerufen am 20. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Stacy M. Brown: Remembering a Forgotten World War II Hero. 23. Februar 2021, abgerufen am 20. Juni 2026 (englisch).
- 1 2 3 Carole Engle Avriett: The Celeb Swimmer in: Midnight in Ironbottom Sound: The Harrowing WWII Story of Heroism in the Shark-Infested Waters of Guadalcanal, Kapitel 28, Skyhorse Publishing, 2024, ISBN 978-1510781757
- ↑ The Award of the Congressional Medal of Honour to seven African-Americans who served in combat during World War II. In: Congressional Record Vol. 142, No. 98. 28. Juni 1996, abgerufen am 27. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Charles Jackson French. In: Find a Grave. Abgerufen am 28. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Omaha post office to be renamed in honor of local World War II hero. 27. Mai 2022, abgerufen am 20. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Marker Monday: World War II Hero Charles Jackson French. Nebraska State Historical Society, abgerufen am 21. Juni 2026 (englisch).
- ↑ 136 Stat. 1264 - An act to designate the facility of the United States Postal Service located at 6223 Maple Street, in Omaha, Nebraska, as the "Petty Officer 1st Class Charles Jackson French Post Office". U.S. Government Publishing Office, abgerufen am 21. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Claudia Moomey: Charles Jackson French: The Unsung WWII Hero Who Defied the Odds. In: Omaha Magazine, March/April 2025. 25. Februar 2025, abgerufen am 21. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Navy Dedicates Rescue Swimmer Pool in Honor of Sailor, WWII Hero. 18. Februar 2022, abgerufen am 22. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Krishna Jackson: Navy Dedicates Rescue Swimmer Training Pool and Presents Posthumous Award to WWII Hero’s Family. 23. Mai 2022, archiviert vom ; abgerufen am 20. Juni 2026 (englisch).
Anmerkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Welche Schiffe es außerdem noch waren, ist unklar. Während die eine Quelle nur noch die USS Endicott erwähnt (ein Schwesterschiff der USS Frankford), taucht diese in der anderen Quelle gar nicht auf - dafür aber die USS Sibley, ein amphibisches Transportschiff, sowie ein Posten in Norfolk (Virginia).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | French, Charles Jackson |
| ALTERNATIVNAMEN | French, Charles J. |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Seemann |
| GEBURTSDATUM | 25. September 1919 |
| GEBURTSORT | Foreman (Arkansas) |
| STERBEDATUM | 7. November 1956 |
| STERBEORT | San Diego |
