Antidiuretikum
Ein Antidiuretikum ist ein pharmakologisches Mittel, welches die „renale Wasserausscheidung einschränkt. Spezifisch diuresehemmend (durch vermehrte Rückresorption in den distalen Nierentubuli) wirkt das ‚antidiuretische Prinzip‘ des Hypophysenhinterlappens (= Antidiuretin [sic] = Vasopressin); andere Pharmaka hemmen die Diurese als Nebenwirkung, zum Beispiel Morphin, Analgetika, Barbiturate; Abführmittel schränken die Harnsekretion durch Ableitung [des Wassers] über den Darm ein.“[1] Ein „Antidiuretikum [ist] ein die Harnausscheidung hemmendes Mittel.“[2] Das Gegenwort lautet Diuretikum. Antidiuretika hemmen die Diurese durch Förderung der Antidiurese.
Wirkung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein Antidiuretikum ist „ein Heilmittel, das die Harnausscheidung durch die Nieren hemmt; [es] wird zur Behandlung des Diabetes insipidus verwendet.“[3] Antidiuretika hemmen die Diurese durch Förderung der Antidiurese.
„Unter maximaler ADH-Wirkung steigt die Urinosmolalität auf 1200 mosm/kg H2O (maximale Antidiurese).“[4] Eberhard Buchborn beschrieb ausführlich diese maximale Harnkonzentration durch eine maximale ADH-Aktivität bei oligurischer Antidiurese.[5]
Im Kapitel Antidiuretica schrieb Hans-Herbert Wellhöner 1975, dass „Saluretica, besonders Chlorpropamid, therapeutisch bei Diabetes insipidus renaler und hypophysärer Gesese wirken. Zur Erklärung der Wirkung nimmt man an, daß sie an gleicher Stelle wie ADH zu einer Erhöhung der cAMP-Konzentration führen, jedoch nicht durch Aktivierung der Adenylcyclase, sondern durch Hemmung des abbauenden Enzyms Phosphodiesterase.“[6]
- Ein Diuretikum verkleinert die tubuläre Rückresorption von Wasser, es kommt zur Diurese.
- Ein Antidiuretikum vergrößert die tubuläre Rückresorption von Wasser, es kommt zur Antidiurese.
Medikamente
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zu den Antidiuretika zählen zum Beispiel vasopressorische Peptidhormone wie Desmopressin, Lyspressin und Argipressin.[7]
Auch Nicotin stimuliert kurzfristig die Abgabe von Vasopressin aus dem Hypophysenhinterlappen und hemmt damit die Diurese. Dagegen bremst Alkohol während des Anstiegs der Blutspiegel-Werte die Vasopressin-Abgabe, so dass die Harnmenge vermehrt wird.[8]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gary L. Robertson: Erkrankungen der Neurohypophyse. In: Tinsley Randolph Harrison: Harrisons Innere Medizin, 20. Auflage, 4. Band, Georg Thieme Verlag, Berlin 2020, ISBN 978-3-13-243524-7, Kapitel 374, S. 3330–3339.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Günter Thiele (Hrsg.): Handlexikon der Medizin. Band 4: A–K. Urban & Schwarzenberg, München / Wien / Baltimore 1980, ISBN 3-541-09111-8, S. 106.
- ↑ Medizin-Duden: Wörterbuch medizinischer Fachbegriffe. 10. Auflage, Dudenverlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-411-04837-3, S. 118.
- ↑ Peter Reuter: Springer Klinisches Wörterbuch 2007 | 2008; Springer-Verlag, 1. Auflage, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-34601-2, S. 93.
- ↑ Hans-Jürgen Westphale, Klaus Hinrich Neumann: Störungen des Wasser- und Elektrolythaushalts. In: Karl-Martin Koch: Klinische Nephrologie. 1. Auflage, Verlag Urban & Fischer, München / Jena 2000, ISBN 3-437-21730-5, S. 617–635, Zitat S. 617.
- ↑ Eberhard Buchborn: Störungen der Harnkonzentrierung. In: Herbert Schwiegk (Hrsg.): Handbuch der inneren Medizin, 5. Auflage, 8. Band, 1. Teil, Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg / New York 1968, ISBN 3-540-04152-4, S. 540.
- ↑ Hans-Herbert Wellhöner: Pharmakologie und Toxikologie. 2. Auflage, Springer-Verlag, Heidelberger Taschenbücher, Basistext Medizin, Berlin / Heidelberg / New York 1976, ISBN 3-540-07826-6, Kapitel 18, S. 86–88, Zitat S. 88.
- ↑ Maxim Zetkin, Herbert Schaldach: Lexikon der Medizin, 16. Auflage, Ullstein Medical, Wiesbaden 1999, ISBN 978-3-86126-126-1, S. 104.
- ↑ Gustav Kuschinsky, Heinz Lüllmann: Kurzes Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie. 9. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart / New York 1981, ISBN 3-13-368509-0, S. 269.
