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Martin Frank

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Dialäkt: Züritüütsch

De Martin Frank (* 26. Septämber 1950 z Bäärn) isch en Schwyzer Schriftsteller. Sys Wèèrch bricht inhaltlich und grafemaatisch mit de Konwänzioone vo de schwyzertüütsche Mundartbeletristik und -schrybig. Syn bèèrntüütsche Romaan ter fögi ische souhung vo 1979, wo s um s Zürcher Schwuulen- und Strichermiliö gaat, isch en Bestseller woorde, und de Marcel Gisler hät en 1998 under em Titel F. est un salaud verfilmet. Im Romaan La mort de Chevrolet vo 1984 hät de Frank e foneemischi Schrybwys entwickelt, wo zäiget, das au gschribeni Spraach ganz müntlich cha sy.

De Martin Frank isch as Soo vomene Schurnalischt[1] zeerscht z Bèèrn und ab 1956 z Züri uufgwachse. Vo 1969 und 1981 hät er hauptsächli as Prueffsmusiker, Programierer und Übersetzer gschaffet. Ab 1970 isch er alewyl wider z Indie gsy, wo-n-er Hindi, Urdu und Tamil gleert hät. Sit 1982 läbt und schaffet er z Züri. Er isch ghüraaten und hät zwäi Chind.

2001 hät er für Blinde Brüder de Buechbrys vo de Stadt Bèèrn überchoo.

syni bèèrntüütsche Schaffige

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De Frank hät e Räie vo Romään und Verzelige publiziert, wo schwuuli Manen im Zäntrum stönd. En Täil vo syne Publikazioone sind uf Schwyzertüütsch gschribe, äini uf Änglisch, di anderen uf Hoochtüütsch. E wichtigi Role für sys Schrybe hät em Kurt Marti syn Gidichtband rosa loui vo 1967 gspilt: «Diese Mundart ohne Retrolook hat viel ausgelöst bei mir und mich auf meinem Weg bestärkt.»[1]

BERJAYA

Sys eerscht Wèèrch isch de bèèrntüütsch Romaan ter fögi ische souhung vo 1979 gsy. Es isch d Gschicht vomene Teenager, wo sich in en Musiker verliebt, für dèè gaat uf em Strich go Gält verdiene und sich dänn sogar zu sym «Hund» macht, aber von em nu immer mee plaaget wird, wil dèè mit em äigetli nüüt chan aafange. Wil s i dèm Buech e Foti vomene Musiker hät, ooni das dèè zuegstume gha hett, hät de Frank vor em Uuslifere vom Buech all Syte mit de verbottene Foti müese mit de Syte vorane zämechlöibe.[2] Mer hät au gmäint, de Frank schrybi öppis Realistischs. Drum hät de Verlaag müese die Mittäilig usegèè:

„Erste Reaktionen aus dem Publikum haben gezeigt, dass der vorliegende Roman von Martin Frank vielfach als Schlüsselroman der Zürcher Szene missverstanden wird. Um Streigkeiten und fruchtlosen Diskussionen vorzubeugen, möchten wir deshalb festhalten: Beschrieben wird hier ein Milieu, nicht aber konkret fassbare Personen. Martin Franks Roman ist eine Collage aus Erlebtem und Gehörtem, aus Milieu-Mythen, Utopien und Alpträumen, die trotz der ‹realistischen› Schreibe nicht der Wirklichkeit entsprechen. Selbst den ‹Fögi›, dem Martin Frank im Titel seines Buches ein nostalgisches Denkmal setzt, hat der Autor nie persönlich gekannt.“

Über s Buech hät 1980 d Züri-Zytig under em Titel «Eine Mundartorgie» prichtet:[3]

„Vieles ist sehr genau beobachtet – wie diese Junge, für die Strich und und Callboywesen einigermassen normale Verdienstmöglichkeiten darstellen, unter sich aber ganz anders sind: schwierig, verletztlich, kompliziert – «frühgereift und zart und traurig». […] Unbestreitbare Grösse hat die Passage, wo Beni zu Fögis Hund wird, in einem erst symbolischen, dann immer wörtlicheren Sinn. Und die Geschichte einer Wandlung, eines schmerzlichen Erwachsenwerdens, durch Identifikation, innerhalb dieser ganzen merkwürdigen Geschichte von Heldenverehrung, Liebe und Tod.“

S Buech isch en Bestseller woorde, und 1998 isch es under em Titel F. est un salaud vom Marcel Gisler verfilmet woorde (Schwyzer Filmbrys 1999).

1982 isch s bèèrntüütsch Höörspiil ä schöne bueb seit adjö uusgstraalet woorde, wo en Teenager mues Abschid nèè vo sym eerschte Fründ, wo bi-n-ere Demonschtrazioon im Umfäld vo de Zürcher Jugedurue 1980/81 umchoo isch.[4] Im Jaar druf isch LoBo usechoo, wo s um en junge Stricher gaat, wo mit sym chranke Hund autostöpplet und syn Uustritt us de Gsellschaft erchlèèrt.[1]

BERJAYA

La mort de Chevrolet vo 1984, wo s um e sado-masochistischi Liebesgschicht ebefalls im Schwuulemiliö gaat, isch na radikaaler as de Fögi. De Frank hät dezue gsäit:[5]

„Ich hab versucht, das gleiche zu machen, ich hab’s einfach besser machen wollen. Ich hab zu schreiben begonnen mit einer bestimmten Romanidee, dem Fögi, und hab das gemacht, so gut ich konnte. Dann hab ich das noch einmal versucht, im «Spannteppichjungen», und jetzt hab ich’s ein drittes Mal versucht. Und diesmal hab ich’s einigermassen so hingekriegt, wie ich es machen wollte.“

2019 sind vier Langgidicht imene Verzellband usechoo: i bin nöm bi öich. Es sind d Täggscht vo ä schöne buep seit adjö und LoBo, wo-n-er wider uufnimmt. Für das Buech händ s en a d Soletuurner Literatuurtaag yglade.

De Frank hät syni bèèrntüütsche Büecher – hauptsächli die ab em Chevrolet – in ere Schrybwys gschribe, wo ganz nööch a der Uusspraach isch. Im syni Schrybig nimt zum Byspil (andersch as d Dieth-Schrybig) ekäi Rucksicht uf Woortgränze. Im «Fögi» gseet das öppen esoo uus: I bi richtig unglüklech xi, dasi nid lenger ha chönne dört pliben u fürnen ougeblik hani mi säuber ausne chline müschtiker oder heilige gfüeut, weno fürnen arg ferchanten u ferchleidete. Und im «Chevrolet»: i hoken ufter schtange forter kasse slouft äiäm seiling luegen uf tur schhaubi achti xene bueb ufter angere site for pan länt are sülen ei fuess ufem gumiramp for pan ter anger azüle gschtempt luegp mi a luegene gnau a schöpe fierzäni füfzäni […] De Fredi Lerch hät sich zur Schrybwys im «Chevrolet» syni Gidanke gmachet und mäint under anderem:[6]

„Frank hat sich erlaubt, an einem Institut für Linguistik in Südindien grundsätzlich über gesprochene Sprachen, über ihre Umsetzung in Text und über die Möglichkeiten ihrer grafischen Notierung nachzudenken. Auf Grund dieses Studiums hat sich Frank in seinem neuen Buch nun eine weiteres [!] erlaubt: Die Sprache, die er schreiben wollte, nicht nach überkommenener Konvention, sondern mit linguistisch geschulter Logik darzustellen. […] Literarisch relevant an dieser Notationsweise ist, dass möglicherweise genau diese gesteigerte Informationsdichte für die extreme Plastizität, Klarheit und Farbigkeit der Szenen und Bilder mitverantwortlich ist, die Frank entwirft. Um die Spannung zwischen den monotonen Allmachtsphantasien Tschimis, den planlosen Tagesverläufen und ihrer immer wieder neuen veränderten und überrraschenden formalen Gestaltung aufrechtzuhalten, hat Frank eine eigene, einzigartige Schriftsprache entworfen und durchgeführt. Dies macht seinen Roman zu einer unübersehbarern literarischen Innovation. Eigentlich können es sich nur heillose Ignoranten leisten, dieses Buch als «unlesbar» zu bezeichnen.“

Zur hüttige Mundaartliteratuur mäint de Frank:[1]

„Viele Mundartautoren, die um 2000 mit der Spoken-Word-Bewegung bekannt wurden, seien dagegen immer noch in einer Mundart-Verschriftung gefangen, die zu nahe am Hochdeutschen sei. «Ich finde das ein wenig mutlos», sagt Frank. Die Mutlosigkeit im Umgang mit der Sprache sei auch verknüpft «mit der Mutlosigkeit in der Wahl der Themen». Frank hingegen will das enorme Potenzial der Mundart aufzeigen.“

Prosa

  • ter fögi ische souhung. Roman. Eco, Zürich 1979
  • Spannteppichjunge. Roman. Eco, Zürich 1981
  • LoBo. Erzählung. Nachbar der Welt, Zürich 1982
  • La mort de Chevrolet. Roman. Ammann, Zürich 1984
  • Sechs Liebesgeschichten. Tini, Zürich 1999
  • Ein kleines Totenbuch. Edition Dino Simonett, Zürich 2000
  • Blinde Brüder. Zwei Erzählungen. Mit einem Essay von Wolfgang Proß. Tini, Zürich 2000
  • rose x rikki deutsch. unter haltung für ent fremdeten nach wuchs. Roman. Books on Demand, Norderstedt 2003, ISBN 3-0344-0130-2
  • Ocean of Love. A Carnatic Novel. Roman. Aventine Press, Chula Vista 2003
  • i bi nöm bi öich. Gedichte. Der Gesunde Menschenversand, Luzern 2019, ISBN 978-3-03853-093-0
  • Venedig, 1911. Rimbaud Verlag, Aachen 2021, ISBN 978-3-89086-638-3

Essay

  • Wie entsteht ein Epos? In: Zukunft der Literatur – Literatur der Zukunft. Gegenwartsliteratur und Literaturwissenschaft. Fink, München 2003, ISBN 3-7705-3907-9

Theaaterstuck

  • Verliebt in n arsch. UA (i französischer Übersetzig) Lausanne, 2004

Höörspiil

  • ä schöne buep seit adjö. Radio DRS, 1983
  1. 1 2 3 4 Alexander Sury: Nein, er sagt noch lange nicht «adjö». I: Der kleine Bund vom 8. Juni 2019.
  2. Das wäiss der Autor vo dèm Wikipediaartikel vomenen öffetlichen Uuftritt, wo de Martin Frank vor vilne Jaaren emaal z Züri ghaa hät. Die Syten sind dän aber vo Chöiffer und Biblioteeksbsitzer wider uutrännt woorde, wil mer gaar nöd druuschoo isch, wurum die jetz zämegchlöibt sind 
  3. Walter Vogt: Eine Mundartorgie. Martin Frank: «Ter Fögi ische Souhung». I: Neue Zürcher Zeitung vom 6. Februaar 1980.
  4. Lueg zum Zwäite Ursula Kägi: «Ä schöne bueb seit adjö». Hörspiel von Martin Frank. I: Tagi vom 20. Augschte 1982.
  5. «möchteifach taser ferrekt». Martin Frank: «La mort de chevrolet». Annäherungen an einen grossen Liebesroman. Mit Martin Frank diskutieren Beat Stöckli und Fredi Lerch. I: Die WochenZeitung vom 15. Meerze 1985.
  6. Fredi Lerch: Ein «unlesbares» Jahrzehntebuch. I: Die WochenZeitung vom 15. Meerze 1985.