close
The Wayback Machine - https://web.archive.org/web/20240828092848/https://hu-berlin.academia.edu/JuliaBarbaraK%C3%B6hne
BERJAYA
Skip to main content
Julia Barbara  Koehne
  • Humboldt-University Berlin | Institute for Cultural Studies | Georgenstr. 47 | D-10117 Berlin | Germany
    Email: julia.koehne@culture.hu-berlin.de | Homepage: www.culture.hu-berlin.de/de/institut/kollegium/1688201
  • Biography Qualifications: 2012/2013 Double-habilitation at the University of Vienna (University lecturing qualifica... moreedit
Pluralismus der Gegenstände und Methoden gilt als Charakteristikum kulturwissenschaftlicher Forschung. Dennoch handeln sich vergleichende Untersuchungen, die kultur- und medienhistorische Differenzen missachten, den Vorwurf ein, Äpfel und... more
Pluralismus der Gegenstände und Methoden gilt als Charakteristikum kulturwissenschaftlicher Forschung. Dennoch handeln sich vergleichende Untersuchungen, die kultur- und medienhistorische Differenzen missachten, den Vorwurf ein, Äpfel und Birnen zusammenzuwerfen. Die hier versammelten Beiträge machen dieses 'Vergehen' zum Thema. Sie erproben Formen, Probleme und Möglichkeiten 'illegitimer' Vergleiche, indem sie Phänomene aus historisch distanten kulturellen Kontexten ebenso konfrontieren wie Repräsentationen in unterschiedlichen Medien. Elisabeth Bronfen eröffnet den Band mit der Vorstellung des von ihr entwickelten Lektüreverfahrens, des cross-mapping. Weitere Beiträge von Jörn Ahrens, Silke Förschler, Steffen Greschonig, Julia B. Köhne, Karsten Lichau, Iulia-Karin Patrut, Markus Rautzenberg, Tilo Renz, Wiebke-Marie Stock, Alexandra Tacke, Daniel Tyradellis und Horst Wenzel.
Research Interests:
Die Monographie zeichnet den Entwurf des „Kriegshysterikers“ im Spannungsverhältnis von Massenpsychologie, militärpsychiatrischer Kriegshysterieforschung und Repräsentationstechniken zur Zeit des Ersten Weltkriegs nach. In der... more
Die Monographie zeichnet den Entwurf des „Kriegshysterikers“ im Spannungsverhältnis von Massenpsychologie, militärpsychiatrischer Kriegshysterieforschung und Repräsentationstechniken zur Zeit des Ersten Weltkriegs nach. In der ätiologischen Interpretation der massenhaften Erscheinungsweise dieser ‚Krankheit‘ erstellten die deutschen Militärärzte – je nach medizinischer Schulrichtung – unterschiedliche Erklärungsmuster: Diese reichten von psychogenen und hereditären Mustern bis zu der Auffassung, die Symptome seien kriegsbedingt beziehungsweise Zeichen degenerativen Kulturverfalls. Die „Kriegshysterie“ wurde als Zeichen für männliche Schwäche gesehen. Sie stellte für die Militärmediziner und die Militär- und Sanitätsamtführung ein wissenschaftliches und kulturelles Rätsel dar, das die Rationalitäts-, Ordnungs- und Männlichkeitsformen des Heeres in Frage stellte.

Die Studie untersucht militärärztliche Wissensstrategien und -techniken, die zur Diagnostizierung beziehungsweise Fabrikation „kriegshysterischer“ Symptome eingesetzt wurden. Dabei umfasste die Repräsentation der „Kriegshysterie“ zwischen 1914 und 1920 unterschiedliche Medialitäten – einerseits Schriften wie Monographien, Fachzeitschriftenartikel sowie Patientenakten und andererseits visuelle Medien wie die wissenschaftliche Photographie und medizinische Kinematographie. Die Analyse folgt diesen Fragen: Inwiefern prägten die jeweiligen Erkenntnisinstrumente und Medien den Darstellungsmodus „kriegshysterischer“ Krankheitsbilder und deren Deutung? Mithilfe welcher Argumentations- und Visualisierungsstrategien wurde die vermeintlich erfolgreiche Heilung der angeblich effeminierten „Hysteriker“ in Szene gesetzt? Wie wurden die Symptome – etwa in den wissenschaftlichen Filmen – zunächst abgebildet, transformiert und dann wieder abgestellt? Und: Inwiefern blieben sie dennoch widerständig?

Neben zeitgenössischen militärmedizinischen Texten und Photographien fokussiert die Studie auf deutsches, britisches und französisches Filmmaterial von 1917/18, einen nach dem Krieg eingesetzten technischen Hysterie-Heilapparat und ausblickend eine Fernsehserie von 2002. Die Studie verknüpft Fragen aus Militärmedizin, Technik- und Mediengeschichte, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte sowie Geschlechterforschung.
Die Frage, wem die Auszeichnung „Genie“ gebühre, wurde vor hundert Jahren in unterschiedlichen geisteswissenschaftlichen Disziplinen und in literarisch-philosophischen Texten, unter anderem von Walter Benjamin, Houston Stewart... more
Die Frage, wem die Auszeichnung „Genie“ gebühre, wurde vor hundert Jahren in unterschiedlichen geisteswissenschaftlichen Disziplinen und in literarisch-philosophischen Texten, unter anderem von Walter Benjamin, Houston Stewart Chamberlain, Julian Hirsch, Jakob Wassermann, Otto Weininger und Edgar Zilsel, hitzig debattiert. Die Monographie wirft einen Blick auf die glorifizierenden Zuschreibungen und epistemologischen Funktionen, die der Wissensfigur „Genie“ in der damaligen Scientific Community zugewiesen wurden. Sie untersucht, wie sich Vertreter vor allem neuerer Fachdisziplinen mithilfe der Geniefigur ihrer eigenen intellektuellen und schöpferischen Potenz versicherten, welche politischen, rassistischen und geschlechterspezifischen Implikationen das „Genie“ in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts transportierte und wie sich der geisteswissenschaftliche Geniekult um 1900 in der späteren Populärkultur, ausgewählten Spielfilmen ab Mitte der 1980er Jahre, widerspiegelt.
This volume explores the multifaceted depiction and staging of historical and social traumata as the result of extreme violence within national contexts. It focuses on Israeli-Palestinian, German and (US) American film, and reaches out to... more
This volume explores the multifaceted depiction and staging of historical and social traumata as the result of extreme violence within national contexts. It focuses on Israeli-Palestinian, German and (US) American film, and reaches out to cinematic traditions from other countries like France, Great Britain and the former USSR. International and interdisciplinary scholars analyze both mainstream and avant-garde movies and documentaries premiering from the 1960s to the present. From transnational and cross-genre perspectives, they query the modes of representation – regarding narration, dramaturgy, aesthetics, mise-en-scène, iconology, lighting, cinematography, editing and sound – held by film as a medium to visualize shattering experiences of violence and their traumatic encoding in individuals, collectives, bodies, and psyches. This anthology uniquely traces horror aesthetics and trajectories as a way to reenact, echo and question the perpetual loops of trauma in film cultures. The contributors examine the discursive transfer between historical traumata necessarily transmitted in a medialized and conceptualized form, the changing landscape of (clinical) trauma theory, the filmic depiction and language of trauma, and the official memory politics and hegemonic national-identity constructions.
Kaum ein anderes Medium scheint besser geeignet, traumatische Verletzungen zu visualisieren und zu speichern, zu kommunizieren und zu transformieren, als der Film. Er macht sie sichtbar, indem er sie als Wunden ausstellt, er öffnet sie,... more
Kaum ein anderes Medium scheint besser geeignet, traumatische Verletzungen zu visualisieren und zu speichern, zu kommunizieren und zu transformieren, als der Film. Er macht sie sichtbar, indem er sie als Wunden ausstellt, er öffnet sie, legt den Finger in sie hinein oder bepflastert sie. Dabei bereichert er um neue Interpretations- und Darstellungsweisen sowie symbolische Deutungsmuster.

Der internationale, interdisziplinäre und bilinguale Sammelband mit Beiträgen von Geistes- und MedienwissenschaftlerInnen widmet sich der Paradoxie scheinbar un/sagbarer und un/darstellbarer  historischer Traumata. Diese lassen ein bewusstes Erinnern und eine adäquate Repräsentation des traumatisierenden Geschehens zunächst scheitern. Abgesehen von dieser Lücke bildet das „Trauma“ jedoch eine besondere zeitliche Struktur der Nachträglichkeit und Latenz, Indexikalität und Wiederholung aus. Diese ‚traumatische Zeitform‘, die in Alpträumen, Flashbacks, Loops, Halluzinationen und anderen Geisterscheinungen Ausdruck findet, lässt Parallelen zur Zeitlichkeit und Ästhetik des Films erkennen. Entlang klinischer, theoretischer und kultureller Traumakonzeptionen werden Spielfilme aus den letzten Jahrzehnten und unterschiedlichen nationalen Kontexten untersucht, in denen individuelle und kollektive Traumata – unter anderem in Verbindung mit der Shoah/dem Holocaust, dem Vietnamkrieg, den Irakkriegen, dem Israel-Palästina-Konflikt und 9/11 – inhaltlich und strukturell sowie ästhetisch-narrativ gestaltet werden.
Wann, von wem und warum werden Dokumentarfilme mit dem Qualitätsmerkmal ‚politisch‘ betitelt? Wie sehen Visualisierungen des ‚Politischen‘ oder, umgekehrt, politisierte Filmbilder aus und wie werden sie generiert? Der Sammelband widmet... more
Wann, von wem und warum werden Dokumentarfilme mit dem Qualitätsmerkmal ‚politisch‘ betitelt? Wie sehen Visualisierungen des ‚Politischen‘ oder, umgekehrt, politisierte Filmbilder aus und wie werden sie generiert? Der Sammelband widmet sich vielfältigen Herstellungsstrategien des ‚Politischen‘ in neueren deutschsprachigen, vor allem österreichischen, Dokumentarfilmen. In ihm werden filmische Sprachen, Narrationen, Symboliken, Ästhetiken und Dramaturgien analysiert, mit deren Hilfe Effekte des ‚Politischen‘ erzeugt werden. In welchem Verhältnis steht die Handlungs- und Darstellungsmacht von Filmemachenden und ProtagonistInnen zu konkreten Visualisierungstechniken und Representationen von Politik und welche Rolle spielen dabei globale und subjektzentrierte Blickweisen sowie Kritikformen?

Der Band versammelt AkteurInnen aus dem theoretischen und praktischen Feld, DokumentarfilmemacherInnen und interdisziplinäre WissenschaftlerInnen, die – auf ein Tandem gesetzt – in ihren Beiträgen miteinander in Dialog treten. Film- und genretheoretische Texte treffen auf filmanalytische Beiträge sowie Manifeste, Essays, Poesie und Interviews.
During the First World War, the use of a new form of media technology was applied within French military neuro-psychiatry: scientific cinematography. This visual technique was used to represent and produce symptoms of socalled “war... more
During the First World War, the use of a new form of media technology
was applied within French military neuro-psychiatry: scientific cinematography.
This visual technique was used to represent and produce symptoms of socalled
“war hysteria”. “War hysteria” among soldiers and officers not only seemed
to symbolize the weakness, inefficiency, and vulnerability of the military collective
body, the corps, but challenged the borders of medical cinematography as it was
considered to be able to capture ,real’ symptoms on celluloid. By shivering and
shaking, “war hysterics”, firstly, transgressed the classical image of the brave and
potent warrior and, secondly, mirrored the flaws of the film technique by emphasizing
its limits, twitches, and aesthetical “hysteria”. Analyzing several French medical
films, it can be seen that they contain diverse dramaturgical means, just as aesthetical
and narrative strategies adopted from forms in the field of illusion, including theater,
ballet, cabaret, and feature film. The filmic portrayal of male “hysteria” presented
both a transgression and a phantasmatic regaining of the social and military functionability
of the strong masculine soldier. The theatrical film rhetoric manages to
contrast the shift from the concept of “pithiatisme”, favored by the bulk of the
French physicians, in the first half of what was refered to as “la Grande Guerre”,
towards a “genuine”, somatic, and physiological aetiology of “war hysteria” cases
since 1916.
Research Interests:
In the first and last year of the First World War, the literary scholar Julian Hirsch (1883–1951) and the philosopher/sociologist/social democrat Edgar Zilsel (1891–1944) published their monographs: Die Genesis des Ruhmes (1914, The... more
In the first and last year of the First World War, the literary scholar Julian Hirsch (1883–1951) and the philosopher/sociologist/social democrat Edgar Zilsel (1891–1944) published their monographs: Die Genesis des Ruhmes (1914, The Genesis of Glory) and Die Geniereligion (1918, The religion of the Genius). Herein both criticized the wide-spread social practice of admiring and worshiping (in most cases already deceased) European personalities, and of labeling them as “eminences,” “exceptional men,” “superlatives of mankind,” or “geniuses.” This phenomenon of (blind) adoration across a temporal, spatial, and cultural distance deeply disturbed and irritated the sensitive Jewish intellectuals, living and teaching in Berlin respectively Vienna early 20th centuries. Both feared that the superficial veneration of widely known personalities or the cult of the genius (while neglecting the great men’s actual mental work) would immobilize the admirers’ own intellectual powers and freedom and—on a political level—had a profound negative impact on the democratic base of European societies—as the concepts of “eminence” and “genius” could cause inequalities, injustice, and (structural and physical) violence among human beings. In their eyes, the quasi-religious admiration of seldom personalities would result in the contempt of the “masses” and of mediocre or “average people.”

In order to provide some background on the discursive context, the paper focuses, first, on philosophical and sociological texts, contrary to the trend of genius admiration, that can (at least in punctually) be seen as forerunners or followers of Hirsch’s and Zilsel’s critique of the cult of the personality: Theodor Geiger’s 1926/27 “Führer und Genie,” Walter Benjamin’s 1914 “Metaphysik der Jugend” and 1916 “Sokrates,” Wilhelm Lange-Eichbaum’s 1956 Genie, Irrsinn und Ruhm, and Axel Gehring’s 1968 Genie und Verehrergemeinde. Second, the paper traces similarities and differences between Hirsch’s and Zilsel’s life journeys, their transdisciplinary approaches, scientific methods, and favorite termini/metaphors, their concepts of glorification, as well as their analyses of the severe negative sociopolitical consequences of the latter. The chapter concentrates on the structural closeness of their respective argumentation and tries to speculate about reasons why Zilsel did not give Hirsch stronger credit for his groundwork which he himself could built on—be these connected to contemporary typical non-citation practices and shared philosophical ‘universes,’ or rivalry between colleagues who could have been connected by support and an anti-academic intellectual exchange etc. Third, the study highlights the way in which Zilsel exceeded Hirsch’s reflections (in which he speaks about pilgrimage and the apotheosis of the geniuses) by explicitly declaring a culture of (pseudo)religion and religious dogmatism, belief, and feelings (including the notion of rarity, immortality, brotherhood in the hereafter, productivity towards posteriority) which, due to his conclusion, would join in a lack of objectivity, critical reflection, and empathy for the ‘Other.’
From the end of the nineteenth century, medicine started to use scientific cinematography as a new visual technology. This novelty — the medical films by Albert Londe in Paris and Gheorghe Marinescu in Bucharest in 1898/99 were among the... more
From the end of the nineteenth century, medicine started to use scientific cinematography as a new visual technology. This novelty — the medical films by Albert Londe in Paris and Gheorghe Marinescu in Bucharest in 1898/99 were among the first moving images of neuropsychiatric patients1 — was widely employed in the field of military psychiatry. It played an i mportant role, especially between 1916 and 1918 when officials at military headquarters and hospitals of the belligerent nations saw themselves confronted with an unexpected phenomenon: ‘Huge numbers’2 of mentally wounded soldiers displayed symptoms of what was medically diagnosed as ‘war hysteria’ — including severe trembling, dizziness, amnesia, and verbal and bodily dysfunctions such as problems with sitting, standing, walking, and speaking, as well as tics, paralysis, and other disabling factors and forms of behavioural disorganization.