Lam Wing-kee

Lam Wing-kee (chinesisch 林榮基; * Dezember 1955 in Hongkong; † 2. Juli 2026 in Taipeh) war ein Hongkonger Buchhändler, der als Leiter von Causeway Bay Books und als einer der wichtigen Akteure des Falls der verschwundenen Hongkonger Buchhändler bekannt wurde.[1][2] Sein Bericht darüber, wie er in der Volksrepublik China festgehalten und verhört worden war, machte ihn zu einem Symbol für die Gefährdung der Meinungs- und Publikationsfreiheit in Hongkong.[3][4] Nach seiner Übersiedlung nach Taiwan eröffnete er 2020 in Taipeh eine neue Buchhandlung unter demselben Namen.[5]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lam wurde im Dezember 1955 in Hongkong geboren.[1][6] Er leitete in Hongkong Causeway Bay Books, eine Buchhandlung, die Bücher und Magazine verkaufte, die auf dem chinesischen Festland nicht erhältlich waren und sich teils mit der politischen Führung Chinas befassten.[2] Im Herbst 2015 verschwanden Lam und vier weitere mit der Buchhandlung verbundene Männer, was internationale Besorgnis über die Reichweite chinesischer Behörden und den Status von Hongkongs Freiheiten auslöste.[7][2] Chinesische Behörden bestätigten im Februar 2016, dass Lam Wing-kee, Lui Por und Cheung Chi-ping im Zusammenhang mit einem Fall um Gui Minhai in China untersucht würden.[7] Nach seiner Darstellung wurde Lam im Oktober 2015 beim Grenzübertritt nach Shenzhen festgenommen, mit verbundenen Augen und gefesselten Händen nach Ningbo verbracht und dort monatelang überwacht und verhört.[3][4]
Im Juni 2016 durfte er nach Hongkong zurückkehren, um Kundendaten der Buchhandlung zu beschaffen, erklärte aber öffentlich, er werde die Daten nicht übergeben und nicht nach China zurückkehren.[3][8] Sein im chinesischen Fernsehen ausgestrahltes Geständnis bezeichnete er als inszeniert und nach einem vorgegebenen Skript gesprochen.[3][8] Im Jahr 2019 verließ er Hongkong nach Taiwan, weil er durch das damals geplante Hongkonger Auslieferungsgesetz eine erneute Verschleppung nach China befürchtete.[8][5]
Lam starb im Juli 2026 im Alter von 70 Jahren im Mackay Memorial Hospital in Taipeh, nachdem sich sein Gesundheitszustand nach einem Krebsrückfall verschlechtert hatte.[6][9]
Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Causeway Bay Books stand für einen kleinen, politisch sensiblen Hongkonger Buchmarkt, in dem Bücher über die Führung der Kommunistischen Partei Chinas vertrieben wurden, die auf dem Festland verboten oder kaum zugänglich waren.[3][2] Lam machte den Fall der verschwundenen Buchhändler über Hongkong hinaus bekannt, weil er als erster der Betroffenen ausführlich öffentlich über seine Festhaltung sprach und damit offiziellen chinesischen Darstellungen widersprach.[4][3] Für die Wiedereröffnung von Causeway Bay Books in Taiwan sammelte er 2019 per Schwarmfinanzierung binnen eines Tages mehr als 3 Millionen Neue Taiwan-Dollar und übertraf damit sein Finanzierungsziel deutlich.[8]
Wenige Tage vor der Eröffnung in Taipeh wurde Lam in einem Café mit roter Farbe attackiert, nachdem es bereits Streit um die Verwendung des Namens der Buchhandlung gegeben hatte.[10] Am 25. April 2020 eröffnete er die neue Causeway Bay Books in Taipeh, wo die Buchhandlung von Unterstützern und Journalisten als Ort der demokratischen Öffentlichkeit wahrgenommen wurde.[5] Im September 2024 zog die Buchhandlung wegen des auslaufenden Mietvertrags in die Nähe der Metrostation Guting und eröffnete dort erneut.[11] Bis zu seinem Tod blieb Lam für viele Hongkonger im Exil und für Beobachter der chinesisch-hongkonger Beziehungen ein Vertreter des Widerstands gegen politische Einschüchterung und Zensur.[6][2]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 銅鑼灣書店店長林榮基病逝 享壽70歲. In: 中央通訊社. 2. Juli 2026, abgerufen am 4. Juli 2026 (chinesisch (traditionell)).
- 1 2 3 4 5 Hong Kong bookseller Lam Wing-kee, seized by Chinese authorities in 2015, dies in Taiwan at 70. In: Associated Press. 3. Juli 2026, abgerufen am 4. Juli 2026 (englisch).
- 1 2 3 4 5 6 Alan Wong, Michael Forsythe, Andrew Jacobs: Defying China, Hong Kong Bookseller Describes Detention. In: The New York Times. 16. Juni 2016, abgerufen am 4. Juli 2026 (englisch).
- 1 2 3 Hong Kong bookseller speaks out about detention in China. In: The Guardian. 16. Juni 2016, abgerufen am 4. Juli 2026 (englisch).
- 1 2 3 Lam Wing-kee: HK bookseller who defied China opens shop in Taiwan. In: BBC News. 25. April 2020, abgerufen am 4. Juli 2026 (englisch).
- 1 2 3 Kanjyik Ghosh, Aidan Lewis, Paul Simao: Hong Kong bookseller Lam Wing-kee, once detained by China, dies in Taipei, report says. In: Reuters. 2. Juli 2026, abgerufen am 4. Juli 2026 (englisch).
- 1 2 Simon Lewis: China Has Finally Told Hong Kong It Is Holding the 3 Missing Booksellers. In: Time. 5. Februar 2016, abgerufen am 4. Juli 2026 (englisch).
- 1 2 3 4 Hong Kong bookseller who defied China raises $100,000 in a day for new shop. In: BBC News. 6. September 2019, abgerufen am 4. Juli 2026 (englisch).
- ↑ Wynna Wong, William Yiu: Lam Wing-kee, Hong Kong bookseller detained in mainland China, dies. In: South China Morning Post. 2. Juli 2026, abgerufen am 5. Juli 2026 (englisch).
- ↑ 林榮基在台北遭潑漆:開個書店就要恐嚇 真的很荒謬. In: 中央通訊社. 21. April 2020, abgerufen am 4. Juli 2026 (chinesisch (traditionell)).
- ↑ 銅鑼灣書店遷址 林榮基:在自由土地上很重要. In: 中央通訊社. 19. September 2024, abgerufen am 4. Juli 2026 (chinesisch (traditionell)).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lam, Wing-kee |
| ALTERNATIVNAMEN | 林榮基 (chinesisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | Hongkonger Buchhändler |
| GEBURTSDATUM | Dezember 1955 |
| GEBURTSORT | Hongkong |
| STERBEDATUM | 2. Juli 2026 |
| STERBEORT | Taipeh |
