Von Rudolf Walter Leonhardt

Am 16. Mai 1836 heiratete Edgar Allan Poe (auf den sich Nabokovs Humbert Humbert beruft) seine dreizehnjährige Cousine Virginia Clemm, genannt Sissy – offenbar schon schlechten Gewissens, denn in der Heiratsurkunde ist Virginias Alter mit einundzwanzig angegeben. Aber auch Poes Mutter war erst fünfzehn gewesen, als sie sich verheiratet hatte.

Ein halbes Jahrhundert früher traf der Göttinger Professor Georg Christoph Lichtenberg ein zwölfjähriges Mädchen, Maria Dorothea Stechard, das ihm Blumen verkaufen wollte. Er bat sie, welcher Göttinger Professor würde das heute noch wagen, ihn doch einmal zu besuchen. Sie verstand durchaus, worauf das hinauslaufen sollte, und antwortete, sie gehe "keinem Purschen auf die Stuben". Sie ging dann doch, zunächst begleitet von ihrer Mutter, die dafür sorgte, daß die professorale Neigung zur Tochter sich auch für die Eltern bezahlt machte. Dazu Lichtenberg: "Sie ging spät weg und kam mit dem Tag wieder ... fand ich, daß in dem vortrefflichen Leib eine Seele wohnte, grade so wie ich sie längst gesucht, aber nie gefunden hatte."