SOS-Menschenrechte
| SOS-Menschenrechte Österreich | |
|---|---|
| Rechtsform | Verein (ZVR: 875657187) |
| Gründung | 1993 |
| Sitz | Linz |
| Zweck | Menschenrechtsorganisation |
| Vorsitz | Peter Assmann |
| Geschäftsführung | Elke Aigner |
| Umsatz | 1.336.570,72 (2024)[1] |
| Website | www.sos.at |
SOS-Menschenrechte Österreich ist eine oberösterreichische NGO, die sich insbesondere in der Flüchtlingshilfe engagiert.
Gründung und Ziele
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anlässlich des Ausländer-Volksbegehrens der FPÖ mobilisierte sich auch in Oberösterreich massiver Widerstand der Zivilgesellschaft und führte schließlich zur Beteiligung am Wiener Lichtermeer im Jänner und zur Gründung des Vereins SOS-Mitmensch Oberösterreich im April 1993, als Schwesterverein von SOS Mitmensch. Das Engagement für eine humane Ausländerpolitik und für die Wahrung der Menschenrechte ergab die Vereinsziele Schubhaftbetreuung, Flüchtlingshilfe und Aufklärung über Menschenrechte.
Im Jahr 2000 wurde der Verein in SOS-Menschenrechte Österreich umbenannt, „um ein eigenständiges und bundesweites Engagement zu ermöglichen“. Zu diesem Zeitpunkt war der Verein über Oberösterreich hinaus tätig.
Organisation
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Verein hat rund 1.000 Mitglieder, beschäftigt rund 20 Mitarbeiter und freie Dienstnehmer, zwei Zivildiener, sowie eine Reihe von ehrenamtlichen Helfern. Er ist parteipolitisch und konfessionell ungebunden sowie gemeinnützig.[2]
Arbeitsschwerpunkte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erster Tätigkeitsschwerpunkt ist die Betreuung, Begleitung, Rechtsberatung und Unterbringung von Flüchtlingen in Oberösterreich. Im Auftrag des Landes betreibt der Verein seit 1996 das Flüchtlingswohnheim Linz/Rudolfstraße für Erwachsene und Familien mit Kindern. Am selben Standort bestanden von 2000 bis Ende 2025 zudem die Wohngemeinschaft „OHANA“ für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sowie von 2004 bis 2014 die Nachbetreuungseinrichtung „NOEMI“ für junge erwachsene Frauen.[3][4]
In der Vergangenheit bestanden mehrere Einrichtungen außerhalb des Hauptstandortes in Linz. Von 2001 bis 2006 betrieb SOS-Menschenrechte in Traiskirchen eine Clearingstelle.[5] Ebenfalls in Traiskirchen wurden von 2004 bis 2006 ein psychosoziales Betreuungsprojekt sowie ein Frauenprojekt durchgeführt.[6][7] Von 2005 bis 2006 führte der Verein ein Frauenhaus in Hollabrunn.[8] Zudem bestand von 2005 bis 2009 ein Wohnhaus in Kirchschlag.[9]
Zweiter Schwerpunkt ist der Bereich Bildung betreffend Menschenrechte. Der Verein bemüht sich um altersgerechte Vermittlung seiner Anliegen und hat mit dem Projekt „Stand up! Menschenrechte in der Praxis“ ein Bildungsprogramm für Schulen, Jugendorganisationen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung entwickelt. Die Institution veranstaltet im Linzer Wissensturm Vortragsreihen zu Menschenrechtsthemen unter dem Titel „Salon der Menschenrechte“, die in Zusammenarbeit mit dorf tv durchgeführt werden.[10]
Medien und Projekte zur Erfahrungsvermittlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Kooperation mit dorf tv werden zudem mediale Projekte zur Vermittlung von Flucht- und Menschenrechtsthemen umgesetzt:
- Das Projekt Von Fluchtgeschichten zu Erfolgsstories porträtiert in Form von Videobeiträgen persönliche Lebens- und Integrationsgeschichten von Menschen mit Fluchtbiografie. Anhand individueller Bildungs- und Berufswege werden unterschiedliche Formen gesellschaftlicher Teilhabe in Österreich dargestellt.[11]
- Ein weiteres Kooperationsprojekt ist die Reihe 30 Videominiaturen. In 30 Kurzvideos werden die Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte thematisiert. Jeder Beitrag widmet sich einem einzelnen Artikel: Eine Person mit Flucht- oder Migrationserfahrung trägt den jeweiligen Text vor, anschließend erfolgt eine Kommentierung durch eine fachkundige Persönlichkeit oder eine Person des öffentlichen Lebens, die das jeweilige Menschenrecht in einen gesellschaftlichen Zusammenhang stellt. Die Dreharbeiten fanden an unterschiedlichen Orten statt, darunter Bildungseinrichtungen, Vereine sowie öffentliche Einrichtungen.[12]
Der Verein betreibt zudem eigene Podcastformate:
- Der Podcast Willkommen in OÖ entsteht in Kooperation mit Freies Radio Freistadt und richtet sich insbesondere an geflüchtete und zugewanderte Menschen. Er bietet eine erste Orientierung für das Leben in Österreich und behandelt zentrale Stationen des Alltags sowie gesellschaftliche Rahmenbedingungen.[13]
- Darüber hinaus veröffentlicht der Verein den Podcast Menschenrechte – Der Alltagspodcast, der in Kooperation mit Radio FRO produziert wird und menschenrechtliche Fragestellungen mit Bezug zum täglichen Leben aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.[14]
Vernetzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]SOS-Menschenrechte Österreich ist in der österreichischen Zivilgesellschaft vernetzt und arbeitet bzw. arbeitete mit verschiedenen Plattformen und Dachverbänden zusammen.
Dazu zählen die asylkoordination Österreich, der Klagsverband zur Durchsetzung der Rechte von Diskriminierungsopfern, die Plattform Jetzt Zeichen setzen! sowie die ehemalige Plattform Bleiberecht.[15][16]
Auf regionaler Ebene in Oberösterreich engagierte bzw. engagiert sich der Verein in verschiedenen Netzwerken, darunter im Antifa-Netzwerk sowie im Rahmen des „Pakt der Vielfalt“. Frühere Beteiligungen bestanden unter anderem am Projekt Land der Menschen – Aufeinander Zugehen sowie an der Wohnplattform OÖ.[17][18]
Auszeichnungen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2000 Menschenrechtspreis des Landes Oberösterreich
- 2001 Preis der Stadt Linz für integrative Jugendarbeit
- 2011 Preis der Stadt Linz „Stadt der Kulturen 2011“[19]
- 2012 Anerkennungspreis der Stadt Linz „Stadt der Kulturen 2012“ für herausragendes interkulturelles Engagement[20]
- 2013 Integrationspreis der Stadt Linz in der Kategorie „Frauen und Integration“[4]
- 2016 Bank Austria Sozialpreis Oberösterreich
- 2019 „Stadt der Vielfalt 2019“[21] - Preis der Stadt Linz für Integration und Interkulturalität in der Kategorie „Preis für Integration“[21.1]
- 2021 „Stadt der Vielfalt 2021“ - Preis der Stadt Linz für Integration und Interkulturalität in der Kategorie „Preis für Integration“[21.2]
- 2024 „Stadt der Vielfalt 2024“ - Preis der Stadt Linz für Integration und Interkulturalität in der Kategorie „Preis für Interkulturalität“, gemeinsam mit dorf tv[21.3]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Wirkungsbericht 2024. (PDF) In: sos.at. SOS-Menschenrechte Österreich, abgerufen am 19. Februar 2026: „Finanzbericht 2024, S. 22 (PDF-Zählung)“
- ↑ Wer wir sind. In: sos.at. SOS-Menschenrechte Österreich, abgerufen am 24. Februar 2026.
- ↑ Unsere ehemalige WG „Ohana“. In: sos.at. SOS-Menschenrechte Österreich, abgerufen am 24. Februar 2026.
- 1 2 Vielfalt in Linz 2013. (PDF) In: linz.at. Stadt Linz, abgerufen am 24. Februar 2026: „Erwähnung der Nachbetreuungseinrichtung „NOEMI“, S. 21 (PDF-Zählung)“
- ↑ 4199/AB XXI. GP – Anfragebeantwortung (gescanntes Original). (PDF) In: parlament.gv.at. Österreichischer Nationalrat, abgerufen am 23. Februar 2026: „Erwähnung der Clearingstelle im Zusammenhang mit SOS-Menschenrechte, S. 8 (Frage 28)“
- ↑ Psychosoziales Betreuungsprojekt in Traiskirchen. In: Der Standard. STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H., 3. Oktober 2004, abgerufen am 23. Februar 2026.
- ↑ Ein Jahr Asylantinnen-Frauenhaus in Traiskirchen. In: noe.gv.at. Land Niederösterreich, 11. Juli 2005, abgerufen am 23. Februar 2026.
- ↑ Schutz für traumatisierte Asylwerberinnen. In: ORF Niederösterreich. Österreichischer Rundfunk, 25. Dezember 2005, abgerufen am 23. Februar 2026.
- ↑ „Kostendeckender Betrieb nicht möglich“: Asylheim wird zugesperrt. In: Oberösterreichische Nachrichten. 22. Dezember 2008, abgerufen am 23. Februar 2026.
- ↑ Salon für Menschenrechte. In: sos.at. SOS-Menschenrechte Österreich, abgerufen am 23. Februar 2026.
- ↑ Von Fluchtgeschichten zu Erfolgsstories. In: sos.at. SOS-Menschenrechte Österreich, abgerufen am 24. Februar 2026.
- ↑ 30 Videominiaturen. In: sos.at. SOS-Menschenrechte Österreich, abgerufen am 24. Februar 2026.
- ↑ Willkommen in OÖ. In: sos.at. SOS-Menschenrechte Österreich, abgerufen am 5. Mai 2026.
- ↑ Menschenrechte – Der Alltagspodcast. In: sos.at. SOS-Menschenrechte Österreich, abgerufen am 5. Mai 2026.
- ↑ asylkoordination österreich. In: asyl.at. asylkoordination österreich, abgerufen am 24. Februar 2026.
- ↑ Plattform Bleiberecht. In: plattform-bleiberecht.at. Abgerufen am 24. Februar 2026.
- ↑ Verein Land der Menschen – Aufeinander zugehen Oberösterreich. In: auslaender.at. Abgerufen am 24. Februar 2026.
- ↑ Wohnplattform OÖ. In: verein-wohnplattform.at. Abgerufen am 24. Februar 2026.
- ↑ Symmetrie der Geschlechter 2011. (PDF) In: linz.at. Stadt Linz, abgerufen am 24. Februar 2026: „Erwähnung der Auszeichnung, S. 7“
- ↑ Symmetrie der Geschlechter 2012. (PDF) In: linz.at. Stadt Linz, abgerufen am 24. Februar 2026: „Erwähnung der Anerkennung, S. 8“
- ↑ Stadt der Vielfalt ab 2015. (PDF) In: linz.at. Stadt Linz, abgerufen am 24. Februar 2026.
