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Publius Servilius Balatro

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Publius Servilius Balatro war ein römischer Witzbold (scurra) und Klient bzw. parasitus („Schmarotzer“) des Gaius Maecenas im 1. Jahrhundert v. Chr.

Servilius Balatro spielt eine Rolle in einer Satire des Horaz, der selbst ein Klient des Gaius Maecenas war und daher von ihm bekannten Personen berichtet. Die Satire handelt in Gedichtform von einem Gastmahl (cena) des Nasidienus Rufus. Zu diesem war Gaius Maecenas als Ehrengast geladen und hatte seine „Schatten“ (umbrae) Vibidius und Servilius Balatro mitgebracht. Umbra meint hier einen Klienten des Maecenas, der ihn zu seiner Erheiterung als Witzemacher (scurra) zu derartigen Gelegenheiten begleitet;[1] solche Figuren galten auch als parasiti („Schmarotzer“), ein an den Tischen der Reichen übliches Phänomen.[2] Vibidius und Servilius kommentieren nun bei Horaz die zahlreichen Missgeschicke des Abends (siehe Gastmahl des Nasidienus) mit beißendem Spott, wobei sie geradezu einen kleinen Mimus aufführen.[3] Balatro kommt die Rolle zu, den Gastgeber zu trösten, als sein vollständig durchgeplantes Essen durch den Sturz eines Vorhangs zunichtegemacht wird:

“Balatro suspendens omnia naso. / "haec est condicio vivendi" aiebat, "eoque responsura tuo numquam est par fama labori. / tene, ut ego accipiar laute, torquerier omni / sollicitudine districtum, ne panis adustus, / ne male conditum ius adponatur, ut omnes / praecincti recte pueri comptique ministrent. / adde hos praeterea casus, aulaea ruant si, / ut modo; si patinam pede lapsus frangat agaso. / sed convivatoris, uti ducis, ingenium res / adversae nudare solent, celare secundae."”

„Balatro dagegen verzog nur die Nase über alles und sagte: ‚So ist nun einmal das Leben; deshalb wird der Ruhm niemals dem Aufwand entsprechen, den du betreibst. Du quälst dich also nur deshalb mit jeder nur denkbaren Sorge, damit mir bloß kein angebranntes Brot oder keine schlecht gewürzte Sauce vorgesetzt werde und damit alle Diener ordentlich gegürtet und geschniegelt bedienen. Rechne außerdem noch solche Unglücksfälle hinzu – wenn etwa Vorhänge einstürzen, wie eben; oder wenn ein Diener stolpert und mit dem Fuß eine Schüssel zerbricht. Aber wie bei einem Feldherrn offenbaren erst widrige Umstände den Charakter eines Gastgebers; günstige Umstände dagegen verbergen ihn.‘“

Horaz: Satiren 2,8,64–74

Die einzige andere Quelle zu Servilius Balatro ist ein späteres Scholion (ein erklärender Kommentar) des „Pseudo-Acro“ zu Horaz’ Satiren. Darin wird der Vorname Publius genannt und bemerkt, Balatro habe sich sogar dem Kaiser Augustus, der ebenfalls zum Umkreis des Maecenas gehörte, gegenüber so manchen Scherz erlaubt.

Der Beiname dieses Servilius, Balatro, ist ein sprechender Name, den Horaz an anderer Stelle auch als Nomen nutzt.[4] Allerdings ist die Bedeutung (etwa „Witzbold, Possenreißer“?) nicht ganz klar.

  • Horaz, Satiren 2,8, dort erwähnt in 21 f.; 33; 40; 64–74; 83.
  • „Pseudo-Acro“ zu Horaz, Satiren 2,3,166 und zu 1,2,2.
  1. Mauriz Schuster: Vibidius 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VIII A,2, Stuttgart 1958, Sp. 1944 f., hier Sp. 1944.
  2. „Parasites“ genannt bei Susanne Sharland: Ghostly guests and venomous snakes: traces of civil war in Horace, “Satires” 2.8. In: Acta Classica. Band 54, 2011, S. 79–100 (PDF), hier S. 84.
  3. Mauriz Schuster: Vibidius 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VIII A,2, Stuttgart 1958, Sp. 1944 f., hier Sp. 1945.
  4. Horaz 1,2,2. Vgl. Ilaria Marchesi: In Memory of Simonides: Poetry and Mnemotechnics chez Nasidienus. In: Transactions of the American Philological Association. Band 135, Nr. 2, 2005, S. 393–402 (doi:10.1353/apa.2005.0021), hier S. 396.