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Kutzneria

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Kutzneria
Systematik
Reich: Bacillati
Abteilung: Actinomycetota
Klasse: Actinomycetes
Ordnung: Pseudonocardiales
Familie: Pseudonocardiaceae
Gattung: Kutzneria
Wissenschaftlicher Name
Kutzneria
Stackebrandt et al. 1994

Kutzneria ist eine Gattung von Bakterien. Kutzneria zählt zu den Actinomyceten und wie viele Vertreter dieses Phylums bildet Kutzneria Myzelien. Die Myzelien bestehen aus einzelnen, fadenförmigen Zellen, die auch Hyphen genannt werden. Die Sporangien werden auf langen Sporophoren gebildet, die Ketten unbeweglicher Sporen enthalten. Die Arten kommen in Böden vor. Die Arten benötigen Sauerstoff, sie sind aerob.[1]

Es handelt es sich bei Kutzneria um stabile, verzweigte, watteartige Luftmyzel. Die Arten bilden große, kugelförmigen Sporangien mit einem Durchmesser von 10–48 μm. Die Sporangienwände sind dick und fest. Die Sporangienträger von über 50 μm Länge entstehen durch Septierung gewundener, unverzweigter Hyphen innerhalb der Sporangienträger Die Sporen sind kugelförmig, stäbchenförmig oder eiförmig und unbeweglich. Die Zellwände enthalten N-acetylierte Muraminsäure, meso-Diaminopimelinsäure und in der Regel Galactose als charakteristischen Zucker. Rhamnose kann ebenfalls als diagnostischer Zucker vorhanden sein.[1]

Stoffwechsel und Wachstum

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Die Arten von Kutzneria sind aerob, der Stoffwechsel ist die Atmung. Einige Arten sind thermotolerant, so zeigen einige Stämme von K. kofuensis und K. viridogrisea noch Wachstum bei über 50 °C. Optimales Wachstum wird (je nach Art) zwischen 25 und 30 °C beobachtet. Die Arten können viele verschiedene Verbindungen, wie beispielsweise Glucose, Fructose, Galactose, zum Wachstum nutzen (s.h. Tabelle).[1]

Es folgt eine Tabelle mit einigen Merkmalen der zwei Arten K. viridogrisea und K. kofuensis.[1]

Merkmal K. viridogrisea K. kofuensis
pH-Wert für das Wachstum 4–9 nd
Sporangium:
11–15 µm +
16–20 µm +
21–30 µm +
31–50 µm +
Sporangiosporen:
Kurz (10 µm) +
Lang (50 µm) + +
Sporen:
Kugelförmig bis eiförmig +
Stäbe +
Farbe der Sporenmasse Grünlich-grau Grünlich-grau
Farbe des Substratmyzels Gelblich-braun bis braun Gelblich-braun bis braun
Produktion von:
Lösliche Pigmente
Nitratreduktase +
Hydrolyse von:
Zellulose nd
Gelatine + +
Milch (Peptonisierung) + w
Stärke + +
als einzige Kohlenstoffquelle für das Wachstum:
Arabinose w +
Dextrin nd nd
Dulcitol nd
Fruktose + nd
Galaktose + nd
Glucose + +
Glycerin + +
Inositol w +
Inulin nd
Laktose w nd
Maltose + nd
Mannitol + nd
Mannose + nd
Raffinose + nd
Rhamnose w w
Salicin nd
Sorbit + nd
Stärke + nd
Saccharose + nd
Xylose w nd
Assimilation von:
Malat + nd
Wachstum bei:
10 °C nd
27 °C + +
37 °C + +
42 °C nd +
50 °C v v
  • a Symbole: (+), manchmal beobachtet; w, schwache positive Reaktion; v, variabel; nd, nicht bestimmt.

Die Arten von Kutzneria kommen im Boden vor.[2] Die Art Kutzneria buriramensis wurde aus trockenen Boden eines Laubwaldes in der Provinz Buriram in Thailand isoliert. Die Probe wurde aus der organischen Oberschicht des lehmigen Bodens mit einem pH-Wert von 7,5 entnommen.[3] Auch die Erstbeschreibung der Art Kutzneria chonburiensis stammte aus Boden eines Bergwaldes in der Provinz Chonburi, ebenfalls in Thailand gelegen. Die Probe stammte aus der organischen Schicht eines sandigen Bodens mit einem pH-Wert von 5,98.[4]

Kutzneria viridogrisea bildet das Antibiotikum Sporoviridin und Kutzneria kofuensis Chloramphenicol, ein Breitbandantibiotikum, das von vielen Arten der Gattung Streptomyces, zu der Kutzneria ursprünglich gestellt wurde, gebildet wird.[1]

Menachinon-9 (II und III-H4) sind die Hauptmenachinonen. Zu den wichtigsten Phospholipiden gehören Diphosphatidylglycerin, Hydroxyphosphatidylethanolamin, Phosphatidylethanolamin und Phosphatidylinositol. Die wichtigsten Fettsäuren sind iso-C16:0 (Palmitinsäure), iso-C16:0 -2-OH, C16:0-10-Methyl, anteiso-C17:0 und anteiso-C17:0-2-OH.[1]

Die Gattung Kutzneria wurde im Jahr 1994 neu aufgestellt, um drei Arten von Streptosporangium neu zu klassifizieren. Es handelte sich um Streptosporangium viridogriseum, Streptosporangium viridogriseum subsp. kofuense und Streptosporangium albidum.[2] Hierzu wurde 16S ribosomalen DNA und 5S rRNA untersucht und chemotaxonomische Merkmale beachtet. Die chemotaxonomischen Merkmale der zu Kutzneria transferierten Arten unterschieden sich ebenfalls von denen von Streptosporangium sensu stricto, insbesondere hinsichtlich des Fehlens von Madurose im Gesamtzuckermuster der Zellen, des Fehlens von Ninhydrin-positiven und Zucker-positiven Phospholipiden in ihren polaren Lipidmustern sowie großer Unterschiede in den Fettsäure- und Menachinonprofilen.

Die Gattung Kutzneria unterscheidet sich phylogenetisch von allen anderen Sporangien- oder Pseudosporangien-bildenden Gattungen innerhalb der Unterordnung Pseudonocardineae (heute Ordnung Pseudonocardiales), es ist phylogenetisch am engsten mit der Gattung Allokutzneria verwandt. Die Morphologie der von Kutzneria-Arten gebildeten Sporangien und ihre chemotaxonomischen Merkmale differenzieren sie von ähnlichen Sporangien-bildenden Gattungen. Die Phospholipidprofile dieser beiden Gattungen unterscheiden sich ebenfalls deutlich: Allokutzneria enthält Lyso-Phosphatidylethanolamin, Lyso -Phosphatidylmethylethanolamin und Phosphatidylethanolamin mit hydroxylierten Fettsäuren, während diese in Kutzneria fehlen. Auch die Sporangienmorphologie und das chemotaxonomische Profil, insbesondere hinsichtlich des Gesamtzuckermusters der Zellen und der vorherrschenden Menachinonen, unterscheiden sich zwischen Kutzneria und Kibdelosporangium deutlich.[1]

Die Gattung Kutzneria wurde nach dem deutschen Mikrobiologen Hans-Jürgen Kutzner benannt und zählt zu der Familie Pseudonocardiaceae.

Es folgt eine Liste einiger Arten (Stand: 16. Juli 2026):[5]

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 7 David P. Labeda: Kutzneria In: Bergey's Manual of Systematics of Archaea and Bacteria. 1. Auflage. Wiley, 2015, ISBN 978-1-118-96060-8, doi:10.1002/9781118960608.gbm00180.
  2. 1 2 E. Stackebrandt, R. M. Kroppenstedt, K.-D. Jahnke, C. Kemmerling, H. Gürtler: Transfer of Streptosporangium viridogriseum (Okuda et al. 1966), Streptosporangium viridogriseum subsp. kofuense (Nonomura and Ohara 1969), and Streptosporangium albidum (Furumai et al. 1968) to Kutzneria gen. nov. as Kutzneria viridogrisea comb, nov., Kutzneria kofuensis comb, nov., and Kutzneria albida comb, nov., Respectively, and Emendation of the Genus Streptosporangium. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology. Band 44, Nr. 2, 1994, ISSN 1466-5034, S. 265–269, doi:10.1099/00207713-44-2-265.
  3. Chanwit Suriyachadkun, Wipaporn Ngaemthao, Suwanee Chunhametha, Tomohiko Tamura, Jean-Jacques Sanglier: Kutzneria buriramensis sp. nov., isolated from soil, and emended description of the genus Kutzneria. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology. Band 63, Pt_1, 2013, ISSN 1466-5034, S. 47–52, doi:10.1099/ijs.0.036533-0.
  4. Manee Chanama, Nongnat Thongkrachang, Chanwit Suriyachadkun, Suchart Chanama: Kutzneria chonburiensis sp. nov., isolated from soil. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology. Band 65, Pt_11, 2015, ISSN 1466-5034, S. 4169–4174, doi:10.1099/ijsem.0.000552.
  5. LPSN - Genus: Kutzneria. Abgerufen am 16. Juli 2026 (englisch).