Katja Rost
Katja Rost (* 2. April 1976 in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz;[1] † 20. Juni 2026[2]) war eine deutsche Sozialwissenschaftlerin, Soziologin und Wirtschaftswissenschaftlerin. An der Universität Zürich wirkte sie seit 2012 als ordentliche Professorin für Soziologie mit den Schwerpunkten Wirtschafts- und Organisationssoziologie sowie als Privatdozentin für Wirtschaftswissenschaften.[3][4] Sie wurde durch Arbeiten und öffentliche Beiträge zu Wirtschafts- und Organisationssoziologie, Gleichstellung, Arbeitsmarkt, Managervergütung, digitalen Debatten und unternehmerische Sozialverantwortung bekannt.[5][6]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Rost wuchs in der DDR auf und studierte Soziologie und Kulturwissenschaften an der Universität Leipzig.[1][6][5] Sie promovierte 2006 in Betriebswirtschaftslehre mit dem Thema Sozialstruktur und Innovation an der Technischen Universität Berlin.[1][5] Im Jahr 2010 habilitierte sie sich mit dem Thema Different Views on Corporate Governance bei Margit Osterloh und erhielt die Venia Legendi in Betriebswirtschaftslehre der Universität Zürich.[1] Im selben Jahr übernahm sie eine Assistenzprofessur in Organisationssoziologie an der Universität Mannheim, ließ sich aber bereits ein Jahr später an die Friedrich-Schiller-Universität Jena als Professorin für Management berufen.[1][3] Von 2012 bis zu ihrem Tod 2026 war sie an der Universität Zürich als ordentliche Professorin für Soziologie mit den Schwerpunkten Wirtschafts- und Organisationssoziologie angestellt.[3][5] An der Universität Zürich war sie von 2019 bis 2024 Präsidentin der Gleichstellungskommission und im Jahr vor ihrem Tod Institutsleiterin des Soziologischen Instituts.[5] Dem Universitätsrat der Universität Luzern gehörte sie seit 2016 an und wirkte als Vizepräsidentin dieses Gremiums.[7] Außerdem war sie stellvertretende Vorsitzende des Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung.[3] Rost starb am 20. Juni 2026 im Alter von 50 Jahren nach langer Krankheit an einem multiplen Myelom, einer bösartigen Knochenmark-Erkrankung, an dem sie acht Jahre zuvor erkrankt war.[2][8][6] Sie war verheiratet und Mutter eines Sohnes.[1]
Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Katja Rosts Forschungsschwerpunkte lagen im Bereich der Wirtschafts- und Organisationssoziologie, der digitalen Soziologie, sozialer Netzwerke, Diversität, Arbeitsmarkt- und Gleichstellungsthemen sowie gesellschaftlicher Veränderungen der Arbeitswelt.[5][6] In den letzten Jahren leitete sie den Universitären Forschungsschwerpunkt Human Reproduction Reloaded, der Sozialwissenschaften, Ethik und Medizin zusammenbrachte, und arbeitete im Nationalen Forschungsprogramm Digitale Transformation zur strategischen Positionierung von Hochschulen.[5][8] Neben ihren wissenschaftlichen Publikationen[9][10] schrieb Katja Rost 2016 monatlich eine Kolumne für den SonntagsBlick und von 2017 bis 2020 eine Gastkolumne für die NZZ am Sonntag.[11][12][5] Sie nahm regelmäßig zu kontroversen gesellschaftlichen Themen Stellung.[5] In der Debatte über Managerlöhne und Bonussysteme kritisierte Rost variable Vergütung als Kontrollinstrument, das Solidarität im Unternehmen schwächen, Innovationen verdrängen und Fehlanreize setzen könne.[13] Bereits 2013 ordnete sie hohe Managergehälter in den Kontext der Grundsätze der Unternehmensführung, Anreizsystemen, sozialen Normen und gesellschaftlicher Verantwortung ein.[14] Besondere Aufmerksamkeit erhielt eine Studie mit Margit Osterloh zur sogenannten Leaky Pipeline in der Wissenschaft, für die rund 9000 Studierende an der ETH Zürich und der Universität Zürich befragt wurden.[15] Die Ergebnisse der Studie lösten heftige Reaktionen aus und erschienen später in der Fachzeitschrift European Management Review.[6] Kurz vor ihrem Tod erschien mit Margit Osterloh, Maria Rebecca Augstburger und Pierrette Lamezan das Buch Bumerang Frauenquote, in dem Quotenregelungen in Schweizer Unternehmen und ihre möglichen Nebenwirkungen diskutiert wurden.[16] In der Lehre füllte Rost große Hörsäle, förderte innovative Arbeiten und wurde von der Universität Zürich als energische Forscherin und engagierte akademische Mentorin gewürdigt.[5]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Katja Rost im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Prof. Dr. Katja Rost auf der Website der Universität Zürich (mit CV und Publikationen)
- ResearchGate-Profil von Katja Rost
- Nachruf von Jörg Rössel
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 CV Katja Rost, 10. Juni 2026, abgerufen am 22. Juni 2026 (PDF).
- 1 2 Birgit Schmid, Rico Bandle: «Eine starke, mutige Forscherin»: Die Zürcher Soziologin Katja Rost stirbt im Alter von 50 Jahren, Neue Zürcher Zeitung, 22. Juni 2026, abgerufen am 22. Juni 2026.
- 1 2 3 4 Prof. Dr. Katja Rost. In: Soziologisches Institut der Universität Zürich. Abgerufen am 5. Juli 2026.
- ↑ Prof. Dr. Katja Rost: curriculum vitae. In: Universität Zürich: Soziologisches Institut. 9. September 2019, abgerufen am 13. Oktober 2019.
- 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Inspirierend und engagiert. In: UZH News. 25. Juni 2026, abgerufen am 5. Juli 2026.
- 1 2 3 4 5 Soziologin Katja Rost im Alter von 50 Jahren verstorben. In: SRF News. 23. Juni 2026, abgerufen am 5. Juli 2026.
- ↑ Nachruf auf Katja Rost. In: Universität Luzern. 23. Juni 2026, abgerufen am 5. Juli 2026.
- 1 2 Grosse Trauer um Forscherin Katja Rost. In: Nationales Forschungsprogramm 77. 24. Juni 2026, abgerufen am 5. Juli 2026.
- ↑ Alle Veröffentlichungen von Katja Rost auf Google Scholar. Abgerufen am 11. Oktober 2019.
- ↑ Alle Veröffentlichungen von Katja Rost auf Publons. Abgerufen am 11. Oktober 2019.
- ↑ SonntagsBlick SonntagsBlick. Abgerufen am 11. Oktober 2019.
- ↑ NZZ am Sonntag NZZ am Sonntag. Abgerufen am 11. Oktober 2019.
- ↑ Boni für Manager: „Das System krankt als Ganzes“. In: Frankfurter Rundschau. 26. Mai 2021, abgerufen am 5. Juli 2026.
- ↑ «Manager in Publikumsgesellschaften haben zu viel Macht». In: HR Today. 31. Januar 2013, abgerufen am 5. Juli 2026.
- ↑ Frauen ohne Lust auf Uni-Karriere: «Einstellung sehr konservativ». In: SRF Kultur. 8. Mai 2023, abgerufen am 5. Juli 2026.
- ↑ Neues Buch «Bumerang Frauenquote» von Margrit Osterloh und Katja Rost. In: Soziologisches Institut der Universität Zürich. 25. Juni 2026, abgerufen am 5. Juli 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rost, Katja |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Soziologin und Wirtschaftswissenschaftlerin |
| GEBURTSDATUM | 2. April 1976 |
| GEBURTSORT | Karl-Marx-Stadt |
| STERBEDATUM | 20. Juni 2026 |
