Courantmark
Die Courantmark (auch Mark Courant oder Kurantmark) war eine Rechnungseinheit des Kurantgeldes, die vor allem in Hamburg und Lübeck gebräuchlich war. Eine Courantmark zählte 16 Schillinge, drei Courantmark ergaben einen Kuranttaler zu 48 Schillingen.[1]
Ursprünglich bezeichnete die „Mark“ eine Gewichtseinheit (siehe Mark (Gewicht)), wurde aber auch als Zählmark verwendet. In Lübeck ist die Kölner Mark als Gewicht erstmals 1287 nachweisbar. Eine auf Münzen bezogene Wertangabe ist dagegen erst für 1347 überliefert. Das Gewicht der Kölner Mark wurde im 19. Jahrhundert auf 233,855 Gramm festgelegt; dieser Wert lässt sich nicht ohne Weiteres auf die Verhältnisse im Mittelalter übertragen.[2]
Hamburg, Lübeck, Lüneburg und Wismar gründeten 1379/81 den Wendischen Münzverein und stimmten ihre Münzprägung aufeinander ab.[3] Lübeck, Hamburg und Lüneburg prägten 1502 Stücke zu einem Drittel und zwei Dritteln Mark. Ab 1506 prägten alle vier Städte ganze, halbe und viertel Markstücke mit der Umschrift „Status Marce Lubicensis“ und den Wappen der vier Städte. Diese Gemeinschaftsprägungen endeten 1549/50 und dienten benachbarten Münzherren als Vorbild.[4]
Der Taler gehörte nicht zu den Vereinsmünzen. Lübeck prägte ihn ab 1537 in größeren Mengen, Lüneburg nahm die Prägung 1546 auf, Wismar 1547 und Hamburg 1553. Später übernahmen die vier Städte die Münzordnung des Niedersächsischen Reichskreises. Der Wendische Münzverein kam 1569 zum letzten Mal zusammen. Gegenüber dem Taler verloren die Markstücke danach an Bedeutung; gerechnet wurde jedoch weiterhin in Mark und Schilling.[5] Nach der Kipper- und Wipperzeit galt der Reichstaler im lübisch-hamburgischen Währungsgebiet 48 Schillinge.[1]
Der Zinnaer Münzvertrag von 1667 setzte einen Kuranttaler fest, der leichter als der Reichstaler war. Nach diesem Münzfuß prägte Hamburg 1669 erstmals eigenes „Stadtgeld“, Lübeck folgte 1671/72. Auf den 34-Mark- oder 111⁄3-Taler-Fuß stellte Hamburg erst 1725/26 um, Lübeck 1727/28. Die Kurantmünzen trugen Schillingwerte; die Courantmark diente als Rechnungseinheit zu 16 Schillingen.[1] 1788 führten die Herzogtümer Schleswig und Holstein mit dem Schleswig-Holsteinisch Courant-Geld eine eigene Silberwährung ein.[6]
Verwendung in Lübeck und Ablösung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lübeck prägte nach 1801 keine eigenen Münzen mehr, verwendete aber bis zur deutschen Einigung weiterhin dasselbe Währungssystem wie Hamburg. Die hansestädtischen Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Lübeck traten weder dem Dresdner Münzvertrag von 1838 noch dem Wiener Münzvertrag von 1857 bei. Ihre bisherigen Währungssysteme bestanden fort, bis die Reichswährung durch die Gesetze von 1871 und 1873 festgelegt wurde.[7][8]
Auch dänische Münzen waren in Lübeck im Umlauf; sie gelangten über den Ostseehandel in die Stadt.[9] 1856 bestanden in Lübeck zwei private Notenbanken: die Lübecker Privatbank und die Credit- und Versicherungsbank, die 1859 in Commerz-Bank in Lübeck umbenannt wurde.[10][11]
Als die deutsche Mark 1873 eingeführt wurde, entfielen 61 % der in Lübeck umlaufenden Münzen auf Hamburger Währung.[12]
Nach dem Gesetz über die Ausprägung von Reichsgoldmünzen von 1871 konnten Schulden in Lübecker oder Hamburger Courant mit den neuen Zehn- und Zwanzigmarkstücken beglichen werden.[13] Das Gesetz setzte dafür folgende Gegenwerte fest: 8 Mark 51⁄3 Schilling Courant für ein Zehnmarkstück und 16 Mark 102⁄3 Schilling Courant für ein Zwanzigmarkstück.[13]
Die Außerkurssetzung erfolgte nach Münzsorten gestaffelt: Lübecker Speciestaler, Dreimarkstücke sowie die Stücke zu 12, 2, 1, 1⁄2 und 1⁄4 Schilling verloren am 1. Oktober 1875 ihre Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel, die Stücke zu 2 und 1 Mark sowie zu 8 und 4 Schilling folgten am 1. November.[14] Die Münzen konnten bis zum 31. Dezember bei den bezeichneten öffentlichen Kassen zu einem Kurs von 1,20 Mark der neuen Reichswährung für jede Mark Courant umgetauscht werden. Das Deutsche Reich trug die Kosten der Einlösung. Nach dem 31. Dezember 1875 nahmen die beauftragten Kassen die alten Münzen nicht mehr an und wechselten sie nicht mehr um.[14]
Im Ostseeraum war die Zählmark als „Courantmark“/„Kurantmark“/„Mark Courant“ bis ins 19. Jahrhundert die zentrale Handelswährung. Mit dem Münzgesetz vom 9. Juli 1873 wurde die Mark („Goldmark“) zur Einheitswährung erklärt.[15] Die lübisch-hamburgischen Kurantmünzen wurden jedoch erst 1875 außer Kurs gesetzt; damit war die Ablösung zum Jahresende abgeschlossen.[14] Die neue Mark bildete das Kompromiss-Nominal zwischen dem norddeutschen Taler und dem süddeutschen Gulden; ihr Wert orientierte sich grob an den historischen Verhältnissen, nach denen ein Taler drei Mark entsprach.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Artikel des Pressedienstarchivs der Stadt Lübeck zum 500. Geburtstag der Mark ( vom 30. Januar 2006 im Internet Archive)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Wilhelm Jesse: Lübecks Anteil an der deutschen Münz- und Geldgeschichte. In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde. Band 40, 1960, ISSN 0083-5609, S. 31–35 (vlga.de [PDF; abgerufen am 25. Juli 2026]).
- ↑ Harald Witthöft: Über den lübischen und andere norddeutsche Münzfüße nach metrologischen Sach- und Schriftzeugnissen des 12. bis 14. Jahrhunderts. In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde. Band 69, 1989, ISSN 0083-5609, S. 75–84 (vlga.de [PDF; abgerufen am 25. Juli 2026]).
- ↑ Sebastian Steinbach: Münzwesen. In: HanseLexikon. Hansischer Geschichtsverein, 2025, abgerufen am 25. Juli 2026 (Abschnitt „Münzwesen“).
- ↑ Wilhelm Jesse: Lübecks Anteil an der deutschen Münz- und Geldgeschichte. In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde. Band 40, 1960, ISSN 0083-5609, S. 23–25 (vlga.de [PDF; abgerufen am 25. Juli 2026]).
- ↑ Wilhelm Jesse: Lübecks Anteil an der deutschen Münz- und Geldgeschichte. In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde. Band 40, 1960, ISSN 0083-5609, S. 25–29 (vlga.de [PDF; abgerufen am 25. Juli 2026]).
- ↑ Geld. Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, abgerufen am 25. Juli 2026.
- ↑ Geschichte des Geldes – Deutschland 1793–1871. Kreissparkasse Köln, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Glanzstücke: Aus der Numismatischen Sammlung der Deutschen Bundesbank. Deutsche Bundesbank, 2015, ISSN 2198-0314, S. 6–8 (bundesbank.de [PDF; abgerufen am 24. Juli 2026]).
- ↑ Die Deutsche Bank in Lübeck (= Serie Piper. Band 4776). Piper, München 2006, S. 15.
- ↑ Ousmène Jacques Mandeng: Cryptocurrencies, Monetary Stability and Regulation: Germany’s Nineteenth-Century Private Banks of Issue. (PDF) London School of Economics, Institute of Global Affairs, 2018, S. 10, abgerufen am 23. Juli 2026 (englisch).
- ↑ Lübeck, Commerz-Bank: Banknote über 20 Taler von 1865. In: bavarikon. Abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Hermann Junghans: Entwicklungen und Konvergenzen in der Münzprägung der deutschen Staaten zwischen 1806 und 1873 unter besonderer Berücksichtigung der Kleinmünzen. Franz Steiner Verlag, 2017, ISBN 978-3-515-11837-8, S. 261–263.
- 1 2 Gesetz, betreffend die Ausprägung von Reichsgoldmünzen. In: Deutsches Reichsgesetzblatt. 4. Dezember 1871, S. 404–406, abgerufen am 24. Juli 2026 (RGBl. Nr. 47, § 8).
- 1 2 3 Bekanntmachung, betreffend die Außerkurssetzung der Münzen der lübisch-hamburgischen Kurantwährung, sowie verschiedener anderer Landesmünzen. In: Deutsches Reichsgesetzblatt. 21. September 1875, S. 304–306, abgerufen am 24. Juli 2026 (RGBl. Nr. 27, §§ 1–4).
- ↑ Münzgesetz und RGBl. 1873, S. 233–240 vom 9. Juli 1873
